Türkisch-deutsche Soziologin kritisiert "muslimische Parallelgesellschaft"
Von Katharina Schmidt

Necla Kelek: "Mehr als 50 Prozent der Muslime sind integrationsunwillig.

Wien. "Wenn Mädchen Kopftücher tragen müssen, dann ist das Körperverletzung", sagt Necla Kelek. Die deutsche Sozialwissenschaftlerin mit türkischen Wurzeln ortet eine unüberbrückbare Kluft zwischen der europäischen, christlich geprägten Kultur und der Lebensweise der muslimischen Einwanderer. Auf Einladung der Wiener ÖVP war sie Ende vergangener Woche in Wien zu Gast.
Während die deutsche und österreichische Kultur die Rechte des Individuums berücksichtigen,, sei im Islam nur die patriarchale Gemeinschaft wichtig, erklärt Kelek. "Die Mädchen dürfen nicht Biologie lernen, weil sie da etwas über sich erfahren und selbstständig werden könnten." Dies aber gefährde das Recht der Familienclans, über ihre Angehörigen zu bestimmen, und sei daher bedrohlich für die "muslimische Parallelgesellschaft" in Österreich und Deutschland.
Auf die umstrittene Aussage von Innenministerin Liese Prokop in der "Tiroler Tageszeitung" angesprochen, 45 Prozent der österreichischen Muslime seien "integrationsunwillig", sagt Kelek: "45 Prozent sind untertrieben, es sind mehr als 50 Prozent." Die Eltern würden ihre hierzulande geborenen Kinder bewusst von der christlichen Kultur abgrenzen.
Schuld an dieser Situation ist laut Kelek der Staat, der dazu verpflichtet wäre "Kinder vor dieser Art des Sektierertums und der Orthodoxie zu schützen".
Kelek: "Holschuld" liegt bei den Muslimen
Jedoch hätten auch die Muslime eine "Holschuld": Sie müssten sich aus dem "selbstgewählten Opfertum" befreien und dürften nicht den Staat für ihre Lage verantwortlich machen. Gleichzeitig verstehe sie aber auch nicht, "warum Europäer eine so große Angst davor haben, den Migranten zu erlauben, sich als Deutsche oder Österreicher zu fühlen". Sie fordere kein Denkverbot, die "Zugeständnisse Europas an extreme Religionen sind einzigartig in der Menschheitsgeschichte". Diese "Friedenspolitik hat aber zu extreme Formen angenommen. Religionsfreiheit wird über das Diskriminierungsverbot gestellt – zum Schaden Europas."
Migrantenkinder müssten so früh wie möglich den Kindergarten besuchen, fordert Kelek. Außerdem setzt sie sich für ein Kopftuchverbot in Schulen ein.
ÖVP-Landeschef Johannes Hahn sieht die Frage eines Kopftuchverbotes "nicht so pointiert radikal" wie Kelek. "Keiner von uns will eine Einengung der persönlichen Freiheit", meint er – allerdings müsste man darauf achten, diese auch zu bewahren.
Auch Alev Korun, Integrationssprecherin der Wiener Grünen, tritt gegen einen Kopftuchzwang auf. "Wenn muslimische Frauen ein Kopftuch tragen wollen, dann sollen sie auch das Recht dazu haben", meinte sie zur "Wiener Zeitung". Keleks Argumente verurteilt Korun als "unseriös und unwissenschaftlich".
Die Soziologin würde Tradition und Religion miteinander vermengen und ein Bild von "mittelalterlichen Muslimen" zeichnen, das lediglich klischeehafte Vorstellungen verstärkt.
Al-Rawi: "Religion ist meine Privatsache"
Ähnlich kritisiert auch SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi die Aussagen Keleks: Deutsche Probleme könne man nicht so einfach auf die Situation in Österreich umlegen. Die Imame-Konferenz habe Zwangsehen und Genitalverstümmelungen verurteilt, Religionsfreiheit müsse es dennoch weiterhin geben: "Wenn ich Schweinefleisch essen will oder ein Kopftuch tragen, dann ist das meine Privatsache, da hat eine Frau Kelek gar nichts dagegen zu sagen", so Al-Rawi gegenüber der "Wiener Zeitung". Kelek sieht das freilich anders: "Ich bin lieber mit mir selbst allein und vereinsame, bevor ich einem Imam hinterher renne."

Europa WACH AUFFFFFFFFF