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Scharia oder Scharia light? Eine gefährliche Wahl!

Erstellt von Agnostiker, 02.11.2011, 22:49 Uhr · 19 Antworten · 1.778 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Agnostiker

    Registriert seit
    04.02.2011
    Beiträge
    90

    Scharia oder Scharia light? Eine gefährliche Wahl!

    Scharia oder Scharia light? Eine gefährliche Wahl! Autor: Hamed Abdel-Samad|

    Eine Religion hat noch nie die Demokratie befördert. Deshalb ist es eine Chance für Liberale, wenn Islamisten nach den Wahlen Verantwortung übernehmen – und scheitern.
    Hat die Nato den Weg für die Scharia in Libyen frei gebombt? Hat der Gemüsehändler Bouazizi sich selbst verbrannt, damit die Islamisten in seinem Heimatland Tunesien die Macht ergreifen? Sind Millionen Ägypter auf die Straße gegangen, damit am Ende die Militärs und die Muslimbrüder die Macht teilen? Ist der arabische Traum von Freiheit und Demokratie nun ausgeträumt? Man könnte alle vier Fragen mit Ja beantworten. Doch die Lage ist vielschichtiger und viel komplizierter als das.
    Foto: picture alliance / abaca/AA Für Frauen könnte durch die Einführung der Scharia in Nordafrika eine Form der Unterdrückung gegen eine andere ausgetauscht werden
    Was wir in Nordafrika erleben, ist die natürliche Entwicklung in postrevolutionären Zeiten. Zunächst brechen die Krankheiten der Gesellschaft aus, die unter der Diktatur Jahrzehnte versteckt waren. Die einen sehnen sich nach den Zeiten der Despotie, wo alles angeblich berechenbarer war, die anderen klammern sich ungeduldig an die erste Alternative, die sich herauskristallisiert. Und da in den drei Ländern nicht viele Optionen zur Wahl stehen, schwanken die Menschen nun zwischen Scharia und Scharia light.
    Die einen wollen die islamische Gesetzgebung in die demokratischen Strukturen integrieren, die anderen wollen, dass die Scharia von Anfang an das Maß aller Dinge wird. In beiden Fällen ist die Scharia ein trojanisches Pferd, das den gesamten Erneuerungsprozess zum Erliegen bringen und diese Länder Jahrhunderte zurückwerfen könnte.

    Der Islam und die Demokratie

    Ist der Islam mit Demokratie überhaupt vereinbar? Ein klares Nein. Im Zuge der Euphorie über den Ausbruch der arabischen Revolution interpretierten viele die Befreiungsbewegung voreilig als ein Zeichen dafür, dass sich Islam und Demokratie nicht ausschließen. Doch diese Beobachter wissen scheinbar wenig über das Wesen des Islam und das Wesen dieser Revolution.
    Sie fand nicht wegen, sondern trotz des Islam statt. Vor und während des Aufstandes riefen religiöse Gelehrte in Ägypten, Bahrain, Libyen, Syrien und Marokko die eigene Bevölkerung auf, sich an den Demonstrationen nicht zu beteiligen, weil diese unislamisch seien und zu einer Spaltung des Landes führen könnten. Auch oppositionelle Islamisten wie die Muslimbrüder blieben zunächst auf Distanz – bis klar wurde, dass die Tage des Diktators gezählt waren.

    Foto: picture alliance / dpa/dpa-Zentralbild Hamed Abdel-Samad Erst dann zeigten sie sich und versuchten, die Bewegung für sich zu vereinnahmen. Um die Sympathie der jungen Menschen zu gewinnen, reden sie sogar neuerdings von Demokratie. Demokratie aber wurde nie aus dem Mutterleib einer Religion geboren, sondern musste sich fast immer auch gegen die religiösen Autoritäten durchsetzen. Der Vatikan hat sich nicht demokratisiert und hat die Demokratiebewegung nicht angeführt, sondern er wurde durch die Aufklärung entmachtet.
    In den meisten islamisch geprägten Gesellschaften gibt es diese Skepsis gegenüber der Religion noch nicht. Viele Araber sagen, die Religion sei ein Teil der Lösung in diesen Gesellschaften. Ich sage, die Religion ist ein Teil des Problems.
    Der Islam ist aus einem einfachen Grund nicht demokratiefähig, weil er davon ausgeht, dass Gott der Gesetzgeber ist und seine Gesetze nicht verhandelbar sind. Hier kommt es zu einer Gleichsetzung von Gesetz und Moral. Die Demokratie dagegen sieht den Menschen als Gesetzgeber und räumt ihm alle Freiheiten ein, solange andere davon keinen Schaden erleiden.

    Kein Konsens über die Gewährleistung individueller Freiheiten

    Der Islam muss aber auch nicht demokratiekompatibel gemacht werden, um eine Demokratie in einem islamischen Land möglich zu machen. Es reicht, wenn man den historischen Kontext des Korans versteht und die Texte dadurch relativiert. So weit sind viele in der arabischen Welt aber noch nicht. Und diejenigen, die zu dieser Erkenntnis gelangt sind, scheuen den Kampf.
    Die meisten wollen zwar Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und freie Wahlen. Doch über die Gewährleistung der individuellen Freiheit scheiden sich die Geister. Mit dem ägyptischen Präsidentschaftskandidaten und früheren Anführer der Muslimbruderschaft, Abd al-Munem Abu Futuh, sprach ich vor einigen Monaten in Kairo.
    Er lehnte die Idee eines Gottesstaats ab mit der Begründung, dass kein Mensch im Namen Gottes sprechen darf. Er will nicht das iranische, sondern das türkische Modell: eine Demokratie, die die islamische Tradition und die ägyptische Partikularität berücksichtige, wie er sagt. Deshalb würde er als Präsident keine „zügellose Freiheiten“ zulassen, die gegen den Islam verstoßen. Keine Demokratie sei überlebensfähig, wenn sie die kulturellen Besonderheiten des Landes außer Acht ließe, meint Abu Futuh.
    Ähnlich argumentiert der Chef der tunesischen Partei der islamischen Renaissance, Ennahda, Rachid al-Ghannouchi. Anders denken die streng religiösen Salafisten, die mit kräftigen Spenden aus Saudi-Arabien versuchen, die arabische Welt in Scharia-Staaten zu verwandeln.
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    Übergangsrat will Gesetze auf Basis der Scharia



    Auch der siegreiche Chef des Übergangsrats in Libyen, Mustafa Abd al-Dschalil, will nicht abwarten, bis ein gewähltes Parlament die Verfassung des Landes niederschreibt, und legt sich fest, dass der Koran künftig die Verfassung des Landes sein wird.

    Nur Scharia könne nun für Recht und Ordnung sorgen

    Libyen hat scheinbar keine andere Wahl, als sich auf die Scharia zu berufen, denn dort gab es bis zum Sturz Gaddafis weder eine Verfassung noch politische Institutionen, die die Konturen des neuen Staates bilden könnten. Und so bleibt es den neuen Machthabern nun, entweder die Verfassung eines europäischen Landes zu kopieren oder sich auf eine Gesetzgebung zu berufen, die bei der Mehrheit Akzeptanz findet. Die Scharia könne nun für Recht und Ordnung sorgen, glaubt Abd al-Dschalil.
    Er begreift nicht, dass er dadurch eine Form der Unterdrückung gegen eine andere austauscht. Ein Problem ist auch, dass in Libyen eine Generation ans Ruder kommt, die nichts als Kämpfen gelernt hat: junge Islamisten, die noch nie einen Job hatten, dafür ein Maschinengewehr. Menschen, die in ihrem Leben nichts anderes gelernt haben, als zu töten, können sehr schwer in einen politischen Prozess integriert werden. Sie üben nun Druck auf den Übergangsrat aus, scheinbar mit Erfolg.
    Und die Nato? Was kann die Nato überhaupt noch in Libyen anrichten? Man ließ sich auf eine Allianz mit dem Übergangsrat ein, ohne die Spielregeln für die Zeit nach Gaddafi mitzubestimmen. Libyen hat viel Erdöl und ist nicht auf Kooperation mit dem Westen angewiesen. Wenn die Europäer mürrisch werden, können die Libyer problemlos mit Chinesen und Russen ihre Geschäfte machen.
    Anders ist die Situation in Tunesien und Ägypten. Da beide Staaten auf Tourismus und ausländische Investition angewiesen sind, können sie sich keine Isolation leisten. Deshalb geben sich die Islamisten in Kairo und Tunis moderat und betonen, dass sie nicht die Einführung der Scharia-Gesetze, sondern nur der Scharia-Prinzipien anstreben, also: Gerechtigkeit, Solidarität und Bewahrung der Schöpfung.

    Demokratiespiel ist eine Falle für die Islamisten

    Dies tun sie aus purem Pragmatismus, denn sie wissen, dass die Erwartungen der jungen Tunesier und Ägypter enorm sind. Sie wollen Arbeitsplätze und Wohlstand und keine leeren Versprechen. Und so befinden sich die Islamisten in einem Dilemma: Lösen sie sich von ihren kämpferischen Parolen und stürzen sie sich in die Tagespolitik, so müssen sie Kompromisse schließen und werden bald für die Massen entmystifiziert.
    Beharren sie auf der islamischen Gesetzgebung, sprich Alkohol- und Zinsverbot, so werden sie die Touristen und Investoren verschrecken und Millionen von Arbeitsplätzen vernichten. Deshalb ist das Demokratiespiel eine Falle, in die die Islamisten tappen könnten.
    Aus diesem Grund finde ich es besser, wenn die Islamisten jetzt bei den Wahlen gewinnen und politische und wirtschaftliche Verantwortung übernehmen, damit die Massen endlich begreifen, dass Politik im Namen Gottes keine Flüsse von Milch und Honig hervorbringen kann. Viel schlimmer wäre, wenn die Liberalen gewinnen und an den großen Herausforderungen scheitern. Auf den Trümmern eines gescheiterten Experiments könnten die Islamisten ihre Projekte am besten aufbauen.







    Quelle:Nordafrika: Scharia oder Scharia light? Eine gefährliche Wahl! - Nachrichten Debatte - Kommentare - WELT ONLINE

  2. #2
    Avatar von Ilan

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    10.225
    Scharia light? Entweder Scharia oder keine.

  3. #3

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    Einmal Scharia Light bitte.

  4. #4
    Avatar von Ilan

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    PS: Das Scharia für Recht und Ordnung sorgen soll ist reinster Blödsinn.

  5. #5
    Avatar von Djuvejbir

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    tot oder tot light

    schwanger oder schwanger light.....

  6. #6
    Sonny Black
    Sharia 100%.

  7. #7

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    13.015
    Zitat Zitat von Agnostiker Beitrag anzeigen
    Ist der Islam mit Demokratie überhaupt vereinbar? Ein klares Nein.
    ein klares Falsch... man kann das nur dann für ein klares "nein" erklären, wenn bestimmer der Scharia als Islam gemeint sind...

    Der Koran fordert Demokratie

    Faktum:
    Wer über den Islam sprechen will, muss zunächst deutlich machen, was genau er darunter versteht. Muslime unterscheiden zwischen dem traditionellen Islam, der im auf den Sitten und Gebräuchen des Nahen Ostens beruht, und dem wahren Islam, der im Koran festgehalten ist und durch den Propheten Mohammed verkündet wurde. Bis heute übersieht der Westen diese Unterscheidung, die von den Muslimen selbst als Dilemma empfunden wird. Zumindest bis zum schrecklichen Terroranschlag am 11. September 2001 hat der Westen nur sein kurzfristiges politisches Kalkül im Blick gehabt und dieses Dilemma nicht gesehen. Dabei stimmt es: Betrachten wir heute die islamischen Gesellschaften unter dem Aspekt "Demokratie" oder "Menschenrechte", bietet sich kein positives Bild. Besonders dem Nahen Osten, der Kernregion des Islams, kann in Fragen der Menschenrechte kein gutes Zeugnis ausgestellt werden. In diesen Ländern wird der Wert des Menschen verschleudert. Seine Vortrefflichkeit, seine Ehre, Freiheit und seine Rechte kommen nur noch in Gedichten, nur noch in der schöngeistigen und mystischen Literatur vor. Die Zeitungen vom 17. Juni 2002 berichteten unter der Schlagzeile Reaktionäre Grausamkeit von einem unmenschlichen und unbegreiflichen Vorfall. Er ereignete sich in einem berühmten islamischen Land, in Saudi-Arabien: Als sich einige Frauen vor einem Gebäudebrand retten wollten und auf die Straße liefen, wurden sie von den Gewalttätern, die sich "Religionspolizisten" nennen, mit Schlägen zurückgejagt. Der Grund: Sie waren nicht verschleiert. Sie kamen alle ums Leben.



    • Grausame Taten wie diese, welche die Menschenwürde missachten, prägen leider das Bild des Islams weltweit. Diejenigen, die Wissenschaft und Bildung achten, wissen allerdings, dass es im Islam eine innere Wahrheit gibt. Bedauerlicherweise hat das Sichtbare in Form des traditionellen Islams das Wahre aus dem Leben verdrängt, also den Islam des Korans.


    • In den islamischen Ländern wird der Mensch Regeln geopfert, die Tradition zu einem unantastbaren Tabu gemacht haben. Denn in diesen Ländern hat man das koranische Prinzip "Die Religion ist für den Menschen geschaffen" ins Gegenteil verkehrt. Es wurde daraus: "Der Mensch ist für die Religion geschaffen."


    • Die islamischen Länder sind zwar von ihren früheren Kolonialherren unabhängig, aber nicht frei geworden. Die Unabhängigkeit nutze lediglich den Despoten im Lande. Das Joch der Unterdrückung blieb bestehen und belastet die Menschen heute mehr denn je. Man vergaß, dass die Unabhängigkeit eines Landes durch die Freiheit des Individuums vervollständigt werden muss. Der einzige Weg dorthin ist die Installierung einer laizistischen Regierungsform. Die Methode,, Demokratisierung durch Krieg", welche die amerikanische Regierung im Irak anwenden will, ist dagegen weder menschenwürdig nicht erfolgversprechend.


    • Die Veränderung kann nur aus der islamischen Welt selbst kommen. Wenn wir die tabuisierenden Traditionen und die vorsätzlichen Irrwege beiseite lassen und den Islam aus der Sicht seiner Hauptquelle, des Korans, betrachten, gibt es durchaus einen Silberstreif am Horizont. Dabei ist bemerkenswert, dass bei der Einführung der Werte des Korans im Leben, die für die Entwicklung der Menschheit notwendig sind, die westlichen, nichtmuslimischen Gesellschaften weiter fortgeschritten als die islamischen sind. Und auch dies ist eine Tatsache: Mit jedem Tag wird dieser Abstand zum Nachteil der Islamischen Welt großer.


    • Die Islamische Welt hat über Jahrhunderte ihr Schicksal nicht an Grundlagen und Prinzipien gebunden, sondern an Personen, die für unantastbar erklärt wurden. In der Terminologie des Koransbezeichnet man dies als schirk (Vielgötterei, Polytheismus). Es handelt sich also schlicht um Paganismus. Diese Ausrichtung mit fetischistischem Charakter macht die Menschen immer mehr zu Sklaven von Knochen, Fossillien und Grabstätten. Umso absurder wirk es, dass die grundlegenden Werte, die der Koran im Leben des Menschen verwirklicht sehen möchte, in nichtislamischen Gesellschaften verwirklicht sind.


    • Der Islam der Traditionen, also der falsche Islam, hat alle islamischen Grundlagen und Werte, die den Menschenrechten und damit auch der Demokratie denn Weg bahnen und sie stärken könnten, außer Kraft gesetzt. Diese Entwicklung begann, als die despotische Monarchie zur Religion erklärt wurde. Das system der monarchistischen Herrschaft aber wird im Koran als ein unzulängliches System der Ungerechtigkeit dargestellt (siehe hierzu Sure 27, Vers 34). Dass es dennoch die Oberhand gewann, wurde möglich, weil man den Laizismus in einen Gegensatz zur Religion stellte. Laizismus bedeutet aber nicht, wie viele annehmen, Religion und weltliche Angelegenheiten voneinander zu trennen. Laizismus heißt, die Legitimation der Herrschenden beziehungsweise Regierenden nicht auf Gott oder Recht zu gründen, sondern auf den Willen des Volkes. Daher halte ich es nicht für möglicht, dass die islamischen Gesellschaften sich demokratisieren können, ohne sich eine wirklicht laizistische Verfassung zu geben.


    • Der Koran verkündet, dass das Prophetentum abgeschlossen sei. Eine der grundlegenden Folgerungen daraus lautet: Das Zeitalter ist beendet, in dem die Völker von Personen geführt werden, die sich auf Gott berufen. Der Koran ist das einzige heilige Buch, das verkündet, dass die Theokratie aus dem Leben der Menschen weichen soll.


    • Diese Aussage des Korans ist die wichtigste Wahrheit, die in den islamischen Gesellschaften verschwiegen und versteckt wird. In den islamischen Ländern wird das ganze religiöse Leben so ausgerichtet, dass diese Wahrheit verborgen bleibt. Alle erdenklichen Maßnahmen und Anstrengungen werden unternommen, damit sich dieser Zustand nicht ändert. Diese Maßnahmen werden auch von jenen Westeuropäern unterstützt, die nicht wollen, dass sich in den islamischen Ländern die Zustände ändern.


    • Nach dem Verständnis des wahren Islams, der sich auf den Koran beruft, ist die Macht, ein Volk zu führen, ein rechtsstaatliches Gut. Dieses darf nicht für despotische Herrschaft missbraucht werden. Nur die dürfen es an sich nehmen, die seiner würdig sind. Dieses Gut kann dem Einzelnen durch Wahlen anvertraut und – falls notwendig – auch wieder entzogen werden.


    • Diejenigen, die den Despotismus zur Religion erklären, fragen oft: " Warum Demokratie? Demokratie bedeutet Wille des Volkes. Welches Volk hat den Propheten Mohammed gewählt? Und warum überhaupt Wahlen?" Diesen Wortführern muss man entgegenhalten: "Den Propheten Mohammed hat Gott selbst berufen. Hat Gott auch die Könige, Sultane und Kaiser berufen? Hat Gott etwa Saddam, den Schah von Persien, Chomeini, Assad, Feisal und andere Könige und Herrscher berufen?"



    • Die Herrschenden täuschen das Volk und fragen: " Wenn eine Theokratie besteht, dann werdet ihr von Gott geführt. Wollt ihr euch darüber beschweren?" Und weil das Volk die wahren Grundlagen des Islams nicht kennt, kann es die folgenden Fragen nicht stellen: "Nur Propheten können eine Theokratie leiten. Aber wenn die Zeit der Propheten abgeschlossen ist, wie kann dann eine Theokratie fortgeführt werden? Seid ihr denn Propheten, dass ihr euch auf Gott beruft und uns regieren wollt?"


    • Nach dem Koran sollen sich die Regierenden und Herrschenden auf die Prinzipien der schura (das System der Beratung und Kontrolle) und bajat (den Gesellschaftsvertrag) stützen. Gott hat dem Propheten Mohammed, den er selbst gesandt hat, aufgetragen, sich auf diese beiden Prinzipien zu stützen.


    • Was der Koran über das Regieren und Herrschen sagt, ist klar und deutlich: Die Zeit nach dem Propheten Mohammed ist die Zeit der schura und bajat. Das heißt, an die Adresse der Herrschenden gerichtet: Ihr werdet das Volk führen und leiten, ihr werdet von den Menschen die Legitimation hierzu erhalten, ihr werdet gewählt werden. Und wenn das Volk euch abwählt, dann sollt ihr gehen.


    • Der wahre Islam spricht niemandem das Recht zu, ein Beauftragter, Stellvertreter oder Repräsentant Gottes zu sein. Einzig den Propheten steht es zu, im Namen Gottes zu sprechen und zu führen. Das Recht zur Führung eines Volkes kann nicht von Gott oder per Geburt erlangt werden, sondern nur vom Volk und durch Wahlen. Dies bezeichnet der Koran als bajat. Das mittels bajat erlangte Recht zur Führung eines Volkes wird mit dem schura genannten System der Beratung und Kontrolle vollzogen. Dieses System stellt sicher, dass die Führenden die Geführten und umgekehrt die Geführten die Führenden kontrollieren. Auf der Grundlage der schura kann das Volk, das über die Regierenden wacht, ihnen auch das Recht zur Herrschaft entziehen, falls es dies für notwendig erachtet.


    • Die koranische Entsprechung für das demokratische Verfahren ist also die schura. Weil sie im Koran erwähnt wird, konnte sie nicht völlig unterschlagen werden. Aber ihre Bedeutung wurde verzerrt wiedergegeben und so ausgeformt, dass sie dem traditionellen Islam ins Konzept passte. Von den Despoten im Nahen Osten wurde die schura darauf reduziert, dass der König oder der Sultan sich einige Ratgeber zulegen solle. Der 1988 gestorbene islamische Gelehrte Fazlur Rahman sagt hierzu: "Schura, wie sie der Koran aufträgt, bedeutet nicht, dass jemand sich gelegentlich den Rat anderer einholt. Vielmehr bedeutet es wechselseitige Konsultation von Gleichberechtigten. Wer diese Konsultationen verweigert oder sie verzögert, weil sie angeblich nicht passen, ist ein Diktator, der im Widerspruch zum Islam steht."


    • Nach dem Verständnis des Korans leitet sich die Berechtigung zur Leitung des Staates also nicht aus der Religion oder dem göttlichen Recht ab, sondern aus dem freien Willen des Volkes. Der größte islamische Denker des 20. Jahrhunderts, Mohammed Iqbal (1877 bis 1938), stützte sich auf diese Aussagen des Korans, als er verlangte, die Berechtigung, Normen und Gesetze aufzustellen, den Rechtsgelehrten zu entziehen und einem Parlament zu übertragen. Zu diesem Zweck solle das Prinzip der icma (des Konsenses innerhalb der islamischen Gemeinschaft) im Geiste des Islams modernisiert werden. Iqbal war überzeugt davon, dass Republik und parlamentarische Demokratie das Regierungssystem darstellen, das dem Geist des Islams am besten entspricht.


    • Der Koran entwickelte das Prinzip der bajat, also die Idee eines Gesellschaftsvertrags, viele Jahrhunderte vor der Französischen Revolution. Um zu regieren und zu herrschen, sollte mit jedem, egal, ob Mann oder Frau, ein Abkommen geschlossen und Einverständnis erzielt werden. Selbst dem Propheten Mohammed wurde aufgetragen, sich bei der Führung der Gemeinde vom gesamten Volk, auch von den Frauen, eine bajat einzuholen (Sure 60, Vers 12).


    • Die Prinzipien des Korans, die sich in Übereinstimmung mit der demokratischen Logik befinden, hat der amerikanische Nahost-Experte Leonard Binder in seinem Buch Islamic Liberalism folgendermaßen zusammengefasst: "Erteilt Gott oder das Volk die Berechtigung zum Regieren? Diese Diskussion ist so gelöst worden: Die ursprüngliche Berechtigung kommt von Gott, aber sie wird über das Volk an bestimmte Personen übertragen. Dass die Berechtigung zur Machtausübung, deren Quelle Gott ist, über das Volk auf von ihm ausgewählte Führer übertragen wird, ist Demokratie."


    • Im Kern heißt das: Gott, der allmächtige Herrscher, gab dem Menschen eine Legitimation zum Herrschen. Der Mensch benutzt diese Legitimation, indem er bestimmten Personen ein Mandat überträgt und dabei die Prinzipien der schura und der bajat anwendet. Der traditionelle religiöse Diskurs in den islamischen Ländern missachtet die Wahrheit dieser grundlegenden Prinzipien. Der ägyptische Gelehrte Abu Said ist der Ansicht, dass die traditionellen Gelehrten dies nicht aus Unkenntnis tun, sondern um die Wahrheit bewusst zu verheimlichen. Der Koran hat dem Menschen die Allmacht entzogen und an bestimmte Prinzipien und Leitlinien gebunden. Werte werden von Gott gegeben und von ihm verfügbar gemacht. Dem Koran zufolge ist der erste dieser Werte der Verstand In Sure 10, Vers 100 heißt es: "Und Gott zürnt denen, die ihren Verstand nicht gebrauchen." In die Rechtssprache der modernen Zeit übersetzt, heißt das: Die Herrschaft beruht auf den Prinzipien des universellen Rechts. Der Koran verweist immer wieder auf diese universellen Prinzipien. Der Koran ruft dazu auf, den Verstand zu benutzen, und kritisiert, wenn Menschen sich wie eine Herde Vieh verhalten. Das Volk darf niemanden zu seinem Hirten machen und sollte sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Ein wichtiger Teil der zeitgenossischen islamischen Intellektuellen begreift dies. Bisher üben diese Intellektuellen noch keinen großen Einfluss aus. Leider wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis sich daran etwas ändert.

    quelle: Der Koran fordert Demokratie


    Im Zuge der Euphorie über den Ausbruch der arabischen Revolution interpretierten viele die Befreiungsbewegung voreilig als ein Zeichen dafür, dass sich Islam und Demokratie nicht ausschließen.
    richtig...


    Sie fand nicht wegen, sondern trotz des Islam statt. Vor und während des Aufstandes riefen religiöse Gelehrte in Ägypten, Bahrain, Libyen, Syrien und Marokko die eigene Bevölkerung auf, sich an den Demonstrationen nicht zu beteiligen weil diese unislamisch seien und zu einer Spaltung des Landes führen könnten.
    und wie wird dieser "Wahrsager" seine Vorwürfe an diese Länder Belegen? unnötig...&komisch nur das der Wahrsager sein Ohr Richtung Gelehrten gerichtet hat um den Kritischen ruf hierher zu hören...

    anscheint dient die Befreiungsbewegung manchen als weiteres Instrument um sogenannte-"Islamkritik" für gültig&nötig zu erklären und zu bestärken...

    Frieden

  8. #8
    Avatar von BRZO

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    Oh ne, nicht noch so ein Spaßt.

  9. #9

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    1.749
    oh man was für scharia erschafft doch einfach ein Demokratisches gesetz wo jeder miteinander leben kann und Religon bitte privat in einer dunklen ecke ausleben aber damit nicht anderen menschen auf die nerven gehen

  10. #10
    Avatar von Bambi

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