Belgrad (KAP) Der serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej I. würde einen Besuch von Papst Benedikt XVI. in Serbien sehr begrüßen. Ein solcher Besuch zu den Konstantinsfeiern im Juni 2013 wäre auch ein wichtiger Schritt hin zur Versöhnung der Kirchen und zu mehr Einheit, sagte der Patriarch in seinem Sitz in Belgrad vor österreichischen Journalisten. Die südserbischen Metropole Nis bereitet sich auf entsprechende Feierlichkeiten zum 1.700. Jahrestag des Edikts von Mailand vor. Mit diesem Edikt verfügte der in Nis geborene Kaiser Konstantin im Jahr 313 das Ende der religiösen Verfolgungen im Römischen Reich und legte zugleich den Grundstein für den Aufstieg des Christentums zur Weltreligion.

Trotz der eindeutigen Äußerung des serbischen Patriarchen wird es aber offensichtlich nicht zu einem Papstbesuch kommen, wie aus kirchlichen Kreisen am Rande des Treffens zu erfahren war. Patriarch Irinej I. verfüge weder in der serbischen orthodoxen Bischofsversammlung über die dafür nötige Mehrheit der Bischöfe, noch habe er den nötigen Rückhalt bei den Gläubigen, um die Einladung an den Papst aussprechen zu können. Eine Einladung Benedikts XVI. könnte zu heftigen innerserbischen Auseinandersetzungen führen, war zu hören.

Wie der apostolische Nuntius in Belgrad, Erzbischof Orlando Antonini gegenüber "Kathpress" sagte, werde vermutlich eine hochrangige Delegation mit dem vatikanischen "Ökumene-Minister" Kardinal Kurt Koch, dem Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates, an den Feierlichkeiten in Serbien im kommenden Jahr teilnehmen.

Nach Einschätzung des Nuntius ist das Verhältnis zwischen (orthodoxen) Serben und (katholischen) Kroaten aufgrund der konfliktbeladenen Geschichte nach wie vor sehr angespannt. Zwar gebe es auf politischer Ebene deutliche Zeichen der Annäherung und Versöhnung. Dies sei jedoch noch nicht zur Bevölkerung durchgedrungen.

Für die Serben repräsentierten die Kroaten die katholische Kirche, und der Papst als Oberhaupt sei quasi "schuldlos mitgefangen". Umso notwendiger seien alle Initiativen, die beiden Völker einander näher zu bringen. Von großer Bedeutung sei in dieser Beziehung sicherlich der jüngste Besuch Irinejs in Kroatien gewesen, wie der Nuntius betonte. Patriarch Irinej I. hatte Anfang Juni in Zagreb das neue Gebäude einer serbisch-orthodoxen Schule geweiht. Bei seiner Kroatien-Reise war er u.a. auch mit dem Zagreber Kardinal Josip Bozanic zusammengetroffen.

Der Patriarch bestätigte gegenüber "Kathpress" den positiven Verlauf seiner Gespräche in Kroatien. Beide Seiten seien übereingekommen, im Sinne der Versöhnung weiterzuarbeiten. Probleme sah der Patriarch allerdings noch bei den vielen serbischen Flüchtlingen, die nicht in ihre angestammte Heimat in Kroatien zurückkehren könnten. Hier müsse sich Kroatien bewegen und eine Lösung des Problems ermöglichen.

Auf den Kosovo angesprochen sagte der Patriarch, dass zahlreiche von Albanern zerstörte Kirchen und Klöstern noch immer nicht wieder aufgebaut wurden. Und davon, dass serbische Flüchtlinge wieder zurückkehren, könne erst recht keine Rede sein. Die Situation sei wesentlich schwieriger als in Kroatien, so der Patriarch, der auch dem Vatikan dafür dankte, dass dieser den Kosovo noch nicht anerkannt offiziell anerkannt hat.

Für den Heiligen Stuhl bestehe keine Notwendigkeit einer völkerrechtlichen Anerkennung des Kosovo, solange die Rechtmäßigkeit dessen Selbstständigkeit völkerrechtlich nicht völlig geklärt sei, erläuterte der Apostolische Nuntius in Belgrad, Erzbischof Antonini, die vatikanische Position in dieser Frage.

Keine Bewegung scheint es derzeit bei der Besetzung der 2011 neu gegründeten serbisch-orthodoxe Eparchie (Diözese) für Österreich, die Schweiz und Italien mit Sitz in Wien zu geben. Die Diözese wird derzeit von Bischof Irinej (Bulovic) von Backa/Novi Sad mitverwaltet. Zur Frage, wann mit einem eigenen in Wien residierenden Bischof zu rechnen ist, meinte der Patriarch, ein solcher werde sicher kommen, bis dahin werde es aber noch dauern.

kathweb Nachrichten .:. Katholische Presseagentur Österreich