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Staat und Religion

Erstellt von BenKafka, 30.11.2011, 17:06 Uhr · 94 Antworten · 4.076 Aufrufe

  1. #91
    Avatar von Almila

    Registriert seit
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    Laizismus

  2. #92
    Shan De Lin
    Zitat Zitat von skorpion Beitrag anzeigen
    In der Theorie geht alles, aber praktisch sehe ich da schon enorme Schwierigkeiten.

    Eine Religion, wo das Volk die religiösen Führer wählt, verliert in meinen Augen ziemlich an Sinn, denn in letzter Konsequenz würde das bedeuten, daß Gottes Wille von der Mehrheit der Menschen definiert wird. Das muß inhaltlich nicht unbedingt schlechter sein, aber es verliert irgendwo das Göttliche, das eigentlich Religiöse, dabei.

    Und ich stelle es mir auch ziemlich würdelos vor, wenn mit der Abschaffung oder Verschärfung religiöser Dogmen Wahlkampf gemacht würde.

    Außerdem ist es sicherlich kaum förderlich, wenn jeder Staat, entsprechend seinem demokratisch gewählten religiösen Führer, andere Glaubensgrundsätze und Richtlinien erließe, das würde die Glaubensgemeinschaften spalten.

    Am sinnvollsten ist es meiner Ansicht nach, wenn man sich selbst Gottes Wort zur Hand nimmt und für sich selbst mit reinem Herzen die richtigen Schlüsse daraus zieht.

    wenn man staat und religion zusammentut wieso sollte es da das göttliche verlieren versteh ich nicht. und wenn die menschen die dort leben das so wollen und damit klarkommen, dann versteh ich nicht wieso das ein problem sein sollte.

    das mit der spaltung naja, in frankreich gibts auch andre gesetze als in deutschland, ist trotzdem kein weltuntergang.

  3. #93
    Avatar von Ilijah

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    29.01.2008
    Beiträge
    1.865
    Zitat Zitat von skorpion Beitrag anzeigen
    In der Theorie geht alles, aber praktisch sehe ich da schon enorme Schwierigkeiten.

    Eine Religion, wo das Volk die religiösen Führer wählt, verliert in meinen Augen ziemlich an Sinn, denn in letzter Konsequenz würde das bedeuten, daß Gottes Wille von der Mehrheit der Menschen definiert wird. Das muß inhaltlich nicht unbedingt schlechter sein, aber es verliert irgendwo das Göttliche, das eigentlich Religiöse, dabei.

    Und ich stelle es mir auch ziemlich würdelos vor, wenn mit der Abschaffung oder Verschärfung religiöser Dogmen Wahlkampf gemacht würde.

    Außerdem ist es sicherlich kaum förderlich, wenn jeder Staat, entsprechend seinem demokratisch gewählten religiösen Führer, andere Glaubensgrundsätze und Richtlinien erließe, das würde die Glaubensgemeinschaften spalten.

    Am sinnvollsten ist es meiner Ansicht nach, wenn man sich selbst Gottes Wort zur Hand nimmt und für sich selbst mit reinem Herzen die richtigen Schlüsse daraus zieht.
    So ist es mehr oder weniger im rabbinischen Judentum. Eine jüdische Demokratie.

  4. #94
    Avatar von skorpion

    Registriert seit
    25.10.2009
    Beiträge
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    Zitat Zitat von Shan De Lin Beitrag anzeigen
    wenn man staat und religion zusammentut wieso sollte es da das göttliche verlieren versteh ich nicht. und wenn die menschen die dort leben das so wollen und damit klarkommen, dann versteh ich nicht wieso das ein problem sein sollte.

    das mit der spaltung naja, in frankreich gibts auch andre gesetze als in deutschland, ist trotzdem kein weltuntergang.
    Ist schwierig zu erklären, ohne konkretes Beispiel. Nehmen wir an, ein theokratischer Staat X wäre durch seine Verfassung an die christliche Religion gebunden. Die drei größten Parteien wären die Orthodoxe Volkspartei OVP, die Katholische Gottesfront KGF und die Evangelisch-Reformierten Christen ERC. Dazu gäbe es noch eine Reihe kleinerer Parteien aus Mennoniten, Mormonen, Zeugen Jehovas, Episkopalen und anderen. Es stehen Wahlen an. Die KGF kann eigentlich gar nicht viel einbringen, weil sie von Rom ferngesteuert wird. Innerhalb der OVP kämpfen griechisch-orthodoxe und russisch-orthodoxe um die Vorherrschaft. Die ERC haben auf ihrem letzten Parteitag eine neue Vorsitzende gewählt, die sich strikt gegen Kindertaufen ausspricht. Eine relativ neue und unbekannte Partei wirbt mit Absolution bei nur 80 % Buße und drei neuen gesetzlichen Feiertagen. Dann kommt das Wahlergebnis. 33 % KGF, 28 % ERC, 14 % OVP usw. Mit den Katholiken will niemand koalieren, weil alle anderen das Papsttum aus Prinzip ablehnen und als Blasphemie empfinden. ERC und OVP liegen ideologisch zu weit auseinander und können sich schon nicht auf ein gemeinsames Datum für das Weihnachtsfest einigen, von anderen Sachfragen ganz zu schweigen. Es gelingt den ERC jedoch, eine Sechs-Parteien-Koalition zu schmieden, die auf 51 % der Sitze kommt. Dabei muß natürlich jede Glaubensrichtung Federn lassen und Dingen zustimmen, die sie ihrer Überzeugung nach eigentlich für falsch hält- und sie muß ihren Mitgliedern und Wählern vermitteln, warum es trotzdem richtig ist, bei dieser Koalition mitzumachen. Religiöse Inhalte werden also Verhandlungsmasse. Bis zur nächsten Wahl, wo sich dann vielleicht OVP und KGF irgendwie zusammenraufen und ganz andere Postulate für allein seligmachend erklären.

    1. Niemand der wirklich glaubt, wird seine Überzeugungen nach einem Machtwechsel ändern. In weltlichen Fragen kann man Kompromisse eingehen, wenn man aber der Überzeugung ist, der eigene Glaube entspräche Gottes Willen, kann man sich doch schlecht gegen Gott stellen und um der Politik Willen seinen Glauben ändern. Selbst in einem Ein-Parteien-System (mit einer relativ homogenen Glaubensgruppe) ist es schon fragwürdig, wenn Menschen darüber abstimmen, was ihrer Ansicht nach Gottes Wille sei. Das hat dann mit Religion nichts mehr zu tun, weil es die Kausalitäten verkehrt, denn so wäre es letzlich die Folge, daß Gott sich nach dem Willen der Menschen richten müßte, wobei es ja eigentlich umgekehrt sein sollte.

    2. Kann ich mir nur sehr schwer vorstellen, daß irgendein Mensch das so wollen und damit klarkommen würde, schließlich würde es in letzter Konsequenz bedeuten, daß sich das eigene religiöse Weltbild nach jeder Wahl wieder den neuen Gegebenheiten anpassen müßte.

    3. Sowohl die Gesetze in Frankreich, als auch die in Deutschland, sind rein weltlicher Natur. Unterschiedliche Traditionen und Überzeugungen, aber auch verschiedene Rahmenbedingungen führen da zu verschiedenen Sichtweisen- das ist vollkommen unproblematisch, weil die Gesetze des jeweils anderen auf einen selbst kaum Wirkung entfalten und es einem also egal sein kann. Anders sieht es bei religiösen Verwerfungen aus, wie zahllose Glaubenskriege eindrucksvoll belegen. Jede Religion hat einen Absolutheitsanspruch.

    Zitat Zitat von Ilijah Beitrag anzeigen
    So ist es mehr oder weniger im rabbinischen Judentum. Eine jüdische Demokratie.
    In sehr bescheidenem Rahmen. Auch der Papst wird ja gewählt. Dennoch werden die Grundpfeiler der Religion nicht zur Disposition gestellt.

  5. #95
    Avatar von Ilijah

    Registriert seit
    29.01.2008
    Beiträge
    1.865
    Zitat Zitat von skorpion Beitrag anzeigen
    In sehr bescheidenem Rahmen. Auch der Papst wird ja gewählt. Dennoch werden die Grundpfeiler der Religion nicht zur Disposition gestellt.
    Äh, bescheiden? Ich spreche auch nicht vom Papst, sondern von Halakha & Co.

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