Studie: Türkei dient nur sunnitischen Arabern als Vorbild

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat in den USA eine Konferenz mit der TESEV organisiert. Behandelt wurde die türkische Außenpolitik. Festgestellt wurde: Viele sunnitische Araber betrachten die Türkei mit Wohlwollen. Dasselbe kann man über Syrien, Iran und die schiitischen Araber nicht sagen.


n den Räumlichkeiten der US-amerikanischen Denkfabrik Center for American Progress in Washington, fand eine Diskussion zur türkischen Außenpolitik im Nahen-Osten statt. An der Organisation waren neben der türkischen TESEV auch die Friedrich Ebert Stiftung beteiligt. Der Vertreter der Friedrich Ebert Stiftung, Michael Meier sagte, dass die Türkei traditionell immer enge diplomatische Beziehungen mit Deutschland hatte und dieser Umstand durch eine Vielzahl von Deutsch-Türken noch verstärkt wurde. Deutschland und die Türkei haben eine gemeinsame Geschichte. 5000 deutsche Unternehmen sind auf dem türkischen Markt aktiv und Deutschland ist der größte Handelspartner der Türkei. Aber sowohl die politische Landschaft in Europa, als auch die Außenpolitik der Türkei verändere sich. Dies beeinflusse die bilateralen Beziehungen in negativer und positiver Weise. Deshalb sei es wichtig auf die neue Außenpolitik der Türkei einen Blick zu werfen.
Die TESEV Vertreterin, Sabiha Senyücel Gündoğar, bemerkte, dass die derzeitige türkische Regierung aktiv involviert sei in den Ereignissen des Nahen Ostens. Im Zuge des arabischen Frühlings habe Ankara politisch und wirtschaftlich profitiert. Doch die Türkei positioniere sich immer mehr entlang eines aufkommenden Konflikts zwischen Schiiten und Sunniten. Exemplarisch für diesen Trend sei der Syrien-Konflikt. TESEV habe im Zusammenarbeit mit der Friedrich Ebert Stiftung 2012 eine Studie veröffentlicht (mehr – hier), derzufolge die Mehrheit der Einwohner des Nahen-Ostens die Türkei als politische Macht klassifizieren. Saudi Arabien wird als kulturelle und wirtschaftliche Macht und der Iran als militärische Macht gesehen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Türkei in den Augen vieler Araber als Vorbild gesunken. Während 2011 noch 61 Prozent die Türkei als Modell für die Region ansahen, sank diese Anzahl im Jahr 2012 auf 53 Prozent ab. Insbesondere die Bevölkerungen Libyens, Tunesiens, Palästinas und Ägyptens seien pro-türkisch. In Syrien und im Iran herrsche hingegen eine anti-türkische Stimmung.
Die Türkei wird politisch sunnitischer

Den Aktivismus der Türkei im Syrien-Konflikt betrachten 52 Prozent der Araber ebenfalls positiv und Zweidrittel möchten, dass die Türkei sich aktiver einbringt zur Lösung der regionalen Konflikte. 28 Prozent hingegen glauben, dass die Türkei eine an den Sunniten ausgerichtete Politik betreibe. Obwohl die Türkei dies offiziell immer abgelehnt hat, kann man Indizien dafür finden, dass die türkische Außenpolitik immer stärker einen konfessionellen Charakter bekommt. So berichtete das American Enterprise Institute in Washington, dass die AKP-Regierung sich sowohl im Inland, als auch im Ausland als Schutzpatron der Sunniten aufspiele. Während Erdoğan religiöse Freiheiten und politische Partizipation für die Muslimbrüder in der gesamten Region fordere, verhindere er im Inland die religiöse Gleichstellung von Aleviten. Erdoğans klare Parteinahme für sunnitische Fraktionen in Syrien und im Irak seien Beweise für jene Behauptung. Die Türkei schaffe dadurch Spannungen in der Region (mehr – hier).
Iran wird von Türken und Arabern als Bedrohung gesehen

Doch das verwundert nicht, denn der Iran verfügt im Nahen Osten über einen sehr großen Einfluss über die schiitischen Bevölkerungsschichten. Für die schiitischen Araber ist in erster Linie das Schiitentum wichtig. Ethnische Differenzen sind zweitrangig. Teheran kann die Schiiten im Libanon, in Saudi Arabien, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Bahrain und in Kuwait jederzeit mobilisieren und in Bewegung setzen. Der historische regionale Konkurrent des Iran ist nun einmal die Türkei. Ankara bleibt bei dieser Ausgangslage nichts anderes übrig, als ein strategisches sunnitisches Gegengewicht zu schaffen.


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