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Thomas von Aquin

Erstellt von Perun, 04.02.2011, 20:57 Uhr · 1 Antwort · 398 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    12.04.2007
    Beiträge
    16.107

    Thomas von Aquin

    Thomas, geboren als Spross des italienischen Gra­fengeschlechts derer von Aquino, kam mit fünf Jah­ren als „Oblate” - als gottgeweihtes Kind - zu den Benediktinern ins Kloster auf dem benachbarten Montecassino, wo sein Onkel Abt war, der ihn für eine große Karriere präparieren sollte. Mit 13 Jahren studierte Thomas in Neapel Grammatik, Logik und Naturwissenschaften und lernte dort den noch jun­gen Dominikanerorden kennen. Gegen den Willen der Eltern trat er 1244 in diesen Orden ein. Um ihn von dieser Entscheidung abzubringen, ließ seine Mutter ihn durch seine Brüder gefangen nehmen und hielt ihn über ein Jahr lang im eigenen Schloss­turm gefangen.

    Thomas blieb unbeugsam. Die Familie beauftragte einer Überlieferung zufolge deshalb eine Frau von betörender Schönheit, um den hauseigenen Häftling endgültig von seinen Überzeugungen abzubringen und zu Sinnenfreuden zurückzuführen, doch selbst diese Methode schlug bei dem glaubensfesten Tho­mas nicht an: er jagte die Dame mit einer brennen­den Fackel in die Flucht. Mit Hilfe einiger verkleide­ter Ordensbrüder soll ihm schließlich die Flucht aus dem Familiengefängnis gelungen sein.

    Nach seiner Befreiung im Herbst 1245 folgten weite­re Studien in Bologna, von wo ihn der Ordensmagister der Dominikaner nach Paris, zum Studium bei Albertus Magnus sandte; mit diesem ging er 1248 nach Köln. Dort wurde er dessen Assistent beim Aufbau des Studium genera­le und hielt erste Vorlesungen zu biblischen Themen. Mit philosophisch-theo­logischen Vorlesungen begann Thomas 1252 in Paris seine eigenverantwortli­che Lehrtätigkeit. 1256 wurde er zum Magister der Theologie ernannt und 1257 - zugleich mit Johannes Bonaventura in den Magisterkreis aufgenom­men.


    Gemälde: Thomas' inspiriertes Schreiben, Vatikanische Museen in Rom

    Im Herbst 1259 kehrte Tho­mas nach Italien zurück, wohl erst nach Neapel, nun begann er an seiner „Summa contra gentiles” zu arbeiten, dem „Lehrbuch gegen die (ungläubigen) Völker”, in dem er sich tiefschürfend mit der arabischen Philoso­phie auseinandersetzte. 1261 als Lektor im Dominika­nerkloster in Orvieto, wo er einfache Mönche unterrichte­te, beendete er diese Arbeit. Im Auftrag von Papst Urban IV. stellte er hier auch die „Catena aurea”, die „goldene Kette” zusammen, eine Sammlung von Kommentaren der Kirchenväter zu den Evangelium, die dann weite Verbreitung fand. 1265 wurde er nach Rom gerufen, um dort ein Studium für die Begabtesten der Studenten aufzubauen. Hier begann er nun sein bekannteste Werk, die bis heute wegweisende „Summa theologiae”, das „Lehrbuch der Theologie”.


    Stefano di Giovanni Sassetta: Thomas vor dem Kreuz, 1423, Vatikanische Museen in Rom

    Die Arbeit daran setzte er ab 1268 wieder in Paris fort, wo er einen Lehrstuhl der Dominika­ner übernahm. Hier hatte er Auseinanderset­zungen mit konservati­ven Theologen, die ihm zu große Nähe zum grie­chischen Denken von Aristoteles vorhielten; er verteidigte sich auch mit seinen Kommentaren zu Aristoteles' Physik, Ethik und Metaphysik. 1272 wurde Thomas wie­der nach Neapel geru­fen, um dort ein Studi­um generale nach Kölner Vorbild einzurichten. Hier verfasste er den dritten, unvollendet ge­bliebenen Teil der „Summa theologiae”.


    Gemälde: Thomas' Triumph über die Irrlehrer, Vatikanische Museen in Rom

    Thomas war der wohl größte katholische Theo­loge aller Zeiten. Er bemühte sich in seinen Werken Glaube und Vernunft, Philosophie und Theologie zusammen zu brin­gen. Bis zu Thomas stand die Theologie unter dem Einfluss der von Plato beeinflussten Tradition des Augustinus; Tho­mas ließ sich vom wiederent­deckten Philosophen Aristote­les beeindrucken und versuch­te, die christliche Lehre in sei­nen Denkkategorien auszudrü­cken. Thomas wurde so zum Meister der „Scholastik”, dem schulmäßigen und systemati­schen Ordnen der Lehre der Kirche in einem strengen Sys­tem. Er war ein glasklarer Den­ker von höchster analytischer Intelligenz, zugleich aber auch ein frommer Beter und demü­tig Glaubender. Sonne, Stern und Edelstein, mit denen er dargestellt wird, symbolisieren sein „Geisteslicht”, mit der er die Kirche erleuchtete; die Taube aus seinem Mund oder ihm ins Ohr flüsternd symboli­siert seine Weisheit. Die Le­gende schreibt ihm einen kur­zen Dialog unter einem Kreuz zu: Er habe die Stimme Jesu Christi gehört: „Du hast gut von mir geschrieben; welchen Lohn verlangst Du?” Darauf Tho­mas: „Nur Dich allein, Herr. Alles, was ich geschrieben habe, kommt mir wie Spreu vor!”


    Andrea di Bonaiuto: Tod des Thomas Aquinas, um 1365 - 67 in der „Spanischen Kapel­le” Santa Maria Novella in Florenz. Thomas wird rechts und links von Tugenden beglei­tet; darunter 14 weibliche Gestalten, die die Fächer der Theologie und der „freien Küns­te” repräsentieren, zu ihren Füßen jeweils ein Vertreter dieser Kunst, so sitzt Pythago­ras zu Füßen der Arithmetik, Euclid vor der Geometrie und Cicero vor der Rhetorik.

    Für Thomas gibt es zwei Arten des Wis­sens: Das Wis­sen um die Grundlagen des Lebens, das von Gott kommt, und das Wissen über die weltli­chen Dinge, das wir durch Anwendung un­serer Vernunft erlangen. Glau­be und Ver­nunft seien zwei unter­schiedliche Zu­gänge, beide aber dienten dem Finden der einen Wahrheit. Mit Anselm von Canterbury teil­te er die Auf­fassung, die Existenz Gottes lasse sich auch mit den Mitteln der Vernunft aufweisen. Aber: „Das Heil des Menschen erfordert, dass Gott ihm Wahrheiten eröffnet, die den Verstand übersteigen.” Denn Anselms „größte aller Vorstellungen” sei so groß, dass sie meine Vorstellungskraft übersteigt, oder angesichts der Größe Gottes noch immer viel zu klein; mit menschlicher Vorstellungs­kraft sei Gott nicht zu fassen. Thomas „bewies” die Existenz Gottes viel­mehr aus seiner Schöpfungskraft, er sei der „unbewegte Beweger”, der am Anfang aller Wirklichkeit und allen Seins stand. Auch dass Menschen ein Wis­sen über „Gut” und „Böse” haben, wurzelt in Gott. Seine berühmte Formel vom „Magddienst der Philosophie” sollte nicht Unterordnung der Philosophie, aber ihren Ertrag für die Theologie deutlich machen. Aufgabe des Menschen ist, mit Hilfe seiner Vernunft Gottes Willen zu erkennen und dann zu tun.


    Außenkanzel an der Kirche S. Maria Nuova in Vi­terbo; von hier predigte Thomas in den 1260er-Jah­ren den Menschenmassen

    Mit seinem epochalen Werk legte Thomas die bis heute gültige Ausprägung katholischer Theo­logie; Seine Ehrentitel „Doctor angelicus”, en­gelgleicher Lehrer, „Doctor sanctus”, „heiliger Lehrer”, „Doctor communis”, „Lehrer der Ge­meinschaft” und „Doctor humanitatis”, „Lehrer der Menschlichkeit” bezeugen die große Wert­schätzung; 1879 wurden seine Lehren zur offizi­ellen Philosophie der katholischen Kirche er­klärt. Thomas ließ sich aber auch ganz unbefan­gen ein auf weltliche Fragestellungen, Impulse anderer Kulturen und Religionen, Anfragen von Nicht-Glaubenden. Seine Kirche galt ihm als „unfehlbare Führerin”, dennoch blieb er auch ihr gegenüber vernunftgeleitet-kritisch: Die Au­torität einer Kirchenführung allein genüge nicht, wichtig seien Argumente, Gründe, die Er­gebnisse eines strengen und systematischen Denkens. „Thomas hört zu, prüft, nimmt an und verwirft. Er ist ein neuer Denker, ein selb­ständiger Denker”, urteilte Walter Dirks.

    Drei der von Thomas getexteten Lieder finden sich im katholischen Gesangbuch „Gotteslob”: „Pange lingua” (GL 543), „Lauda Sion salvato­rem” in der deutschen Übersetzung „Lobe Zion, deinen Hirten” (GL 545) und „Adoro te devote” in der deutschen Übersetzung „Gottheit tief verborgen” (GL 546).


    Vittore Carpaccio: Thomas im Himmel zwischen Markus und Ludwig von Toulouse, 1507, Staatsgalerie in Stuttgart

    Ab dem Nikolaustag 1273 - der Überlie­ferung nach auf Grund eines mysti­schen Erlebnisses - weigerte er sich, weiter zu schreiben: „Alles, was ich geschrieben habe, erscheint mir wie Spreu, verglichen mit dem, was ich ge­schaut habe”.

    Auf dem Weg zum 2. Konzil von Lyon, wohin ihn der Papst als Berater gela­den hatte, starb Thomas in der Zister­zienserabtei Fossanuova; legendäre Gerüchte sprechen von Vergiftung. Er selbst hatte alle Würden immer abge­lehnt, nach seinem Tod wurde er aber zum Bischof von Umbrien erklärt. Tho­mas' Gebeine wurden am 28. Januar 1369 nach Toulouse überführt.

    Kanonisation: Thomas wurde 1323 heiliggesprochen, 1567 zum Kir­chenlehrer, 1880 zum Patron aller ka­tholischen Hochschulen und seine Lehre, der „Thomismus”, 1879 zur offi­ziellen Philosophie der Kirche erklärt.
    Attribute: Sonne, Stern, Edel­stein, Taube
    Patron der katholischen Wissen­schaft und der katholischen Schulen und Hochschulen, der Theologen, Phi­losophen, Studenten, Buchhändler und Bleistiftfabrikanten, gegen Blitz, Unwetter und Sturm, für Keuschheit und Reinheit

  2. #2
    IbishKajtazi
    Jebi ga ...

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