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Der Völkermord in Ruanda, die Rolle der Religionsgemeinschaften..

Erstellt von Beogradjanin, 04.12.2010, 23:26 Uhr · 13 Antworten · 2.319 Aufrufe

  1. #1
    Beogradjanin

    Der Völkermord in Ruanda, die Rolle der Religionsgemeinschaften..

    Da der Thread einfach weg war noch einmal, denn das Thema ist höchst interessant. Da dem Islam immer Terror und Hass nachgesagt wird.



    Religion Macht Frieden:

    Das Friedenspotential von Religionen in Gewaltkonflikten.
    Das Beispiel Ruanda


    MARKUS WEINGARDT



    Wie im benachbarten Burundi stellten in den Neunzigerjahren die Hutu auch in Ruanda mit ca. 85 Prozent die übergroße Mehrheit.1 Während die Tutsi-Minderheit in Burundi jedoch fast die gesamte politische und intellektuelle Führungsschicht stellte, übten in Ruanda die Hutu die Herrschaft aus. Das Verhältnis der beiden Stämme war traditionell von Misstrauen und anhaltenden Spannungen geprägt, die immer wieder zu teilweise maßlosen Gewaltausbrüchen führten. Dabei spielten alte Ressentiments und neue Ängste eine Rolle, doch immer ging es auch um wirtschaftliche Vorteile und politische Macht.2 Diese Auseinandersetzungen wirkten sich direkt oder indirekt auch auf die zwischenstaatlichen Beziehungen der engen Nachbarn aus: „When Rwanda sneezes, (...) Burundi catch[es] a cold.“3 Der diktatorische Staatschef von Ruanda, Habyarimana (Hutu), hatte einerseits detaillierte Pläne zur Auslöschung der ruandischen Tutsi gemacht, andererseits hatte er jedoch mit der Rebellenarmee der Tutsi einen Waffenstillstand ausgehandelt und im August 1993 das Friedensabkommen von Arusha (Tansania) unterzeichnet.4 Als zwei Monate später in Burundi der Präsident – ein Hutu – ermordet wird und der Bürgerkrieg ausbricht, steht auch das Arusha-Abkommen wieder in Frage.5 Gegen den Widerstand hochrangiger ruandischer Hutu-Politiker führt Habyarimana die Verhandlungen jedoch auch mit dem neuen burundischen Staatschef, dem Tutsi Ntaryamira, fort. Einige Monate später treffen sich die Präsidenten der beiden Staaten nochmals in Daressalam (Tansania), um die Umsetzung des Arusha-Abkommens abschließend zu klären. Doch bei ihrer Rückkehr am 6. April 1994 wird ihr Flugzeug beim Landeanflug auf Kigali (Hauptstadt Ruandas) abgeschossen, die Präsidenten beider Länder kommen ums Leben. Bis heute ist nicht geklärt, ob der Anschlag von Hutu-internen Gegnern des Friedensabkommens oder von Tutsi-Kämpfern verübt wurde.6 Die regierenden Hutu jedenfalls lasteten den Anschlag Tutsi-Rebellen an und nahmen dies zum Anlass eines wohl beispiellosen, „bis ins kleinste Detail aufs Sorgfältigste vorbereitete(n)“7 Genozids: Innerhalb von 100 Tagen, vom 6. April bis 15. Juli 1994, wurde vor den Augen der Welt etwa eine Million Tutsi und oppositionelle bzw. moderate Hutu auf grausamste Weise umgebracht, nur zehn Prozent der ruandischen Tutsi überlebten.8 Besonders erschreckend war neben dem Ausmaß und der Brutalität dieses regelrechten Gemetzels die Mitwirkung der Zivilbevölkerung. Einfache Menschen, Männer wie Frauen, Junge wie Alte, gingen von einem Tag auf den anderen mit Macheten und Gewehren auf ihre Mitmenschen vom Stamm der Tutsi los, mit denen zusammen sie zur Schule gegangen waren und Geschäfte machten, mit denen sie befreundet und durch stammesübergreifende Heirat vielleicht verwandt waren, mit denen sie die gleiche Sprache gesprochen und dieselbe Kirche besuchten hatten. Die einstigen Nachbarn wurden vor den Augen ihrer Angehörigen zerstückelt, gefoltert, verschleppt, vergewaltigt, bei lebendigem Leibe verbrannt – die Grausamkeit, so schien es, kannte in diesen 100 Tagen keine Grenze.9 Schließlich gewann allerdings die kleinere, aber gut ausgerüstete Rebellenarmee der Tutsi, die Ruandische Patriotische Front (RPF), die Kontrolle und stoppte den Genozid. Aus Furcht vor Racheakten flohen daraufhin rund zwei Millionen Hutu in die Nachbarländer, vor allem Zaire und Tansania.10




    Entgegen der Thesen vom ‚Kampf der Kulturen’ bzw. Religionen waren es in Ruanda überwiegend katholische Christen, die andere katholische Christen ein und desselben Kulturkreises brutal massakrierten. Ruanda ist das am stärksten christianisierte Land Afrikas, und Kirchenvertreter spielten während des Mordens zumeist eine überaus unselige Rolle. Zwar sind einige Beispiele überliefert, in denen sich Kirchenleute beider Stämme um Gewaltvermeidung und Schutz von Tutsi bemüht haben und dafür oftmals mit dem Leben bezahlten. Allerdings sind unvergleichlich mehr Beispiele bekannt, in denen Kirchenleute auf allen Ebenen massiv zur Konfliktverschärfung und Gewalteskalation beigetragen hatten, zum Teil eigenhändig daran beteiligt waren: Bischöfe unterstützten die Vernichtung der Tutsi und segneten die Mörder; Priester sperrten Flüchtende in ihren Kirchen ein, wissend, dass sie darin später bei lebendigem Leib verbrannt würden; Nonnen trugen das erforderliche Benzin herbei, Katecheten griffen selbst zur Machete usw. Als besonders problematisch erwies sich die überaus enge Verflechtung vieler, gerade führender Kirchenvertreter mit dem herrschenden Hutu-Regime. Ihnen fehlte offenbar jede persönliche und ideologische Distanz, um die Genozid-Politik zu erkennen, zu reflektieren und als nicht mit katholischer Lehre vereinbar zu verurteilen, geschweige denn aktiv dagegen vorzugehen: „Regrettably the Church took the side of the political regimes, and thus was unable to exercise its prophetic role. It did not denounce political and social injustices, nor did it condemn the first mass killings, nor those which followed.“ Der UN-Special Investigator für Ruanda, Christian P. Scherrer (Schweiz), kommt darum insgesamt zu einem vernichtenden Urteil für die christlichen Kirchen: „Auch Ruandas Kirchen boten den verfolgten Gläubigen keinen Schutz. Die Zeugen Jehovas und die Muslime waren als einzige religiöse Gruppen nicht am Völkermord beteiligt.“ Und an anderer Stelle noch deutlicher: „Alle in Rwanda tätigen Kirchen, mit der Ausnahme der standhaften Zeugen Jehovas (von denen nur wenige überlebten) waren am Völkermord beteiligt. Dies gilt insbesondere für die mächtige katholische Kirche.“

    Die Zeugen Jehovas sind in vielen Konflikten zwar nicht durch Regimekritik oder aktiven politischen Widerstand, wohl aber durch ihre strikte Gewaltlosigkeit und Kriegsdienstverweigerung aufgefallen. (Während des Nationalsozialismus in Deutschland büßten sie – damals ‚Ernste Bibelforscher’ genannt – dafür in der Regel mit KZ-Haft, d.h. zumeist mit dem Tod.) Der Islam hingegen wird im Westen gemeinhin eher mit Gewaltanwendung als Gewaltverweigerung in Verbindung gebracht. Dieser Eindruck verstärkt sich freilich durch die mediale und wissenschaftliche Missachtung anders gearteter Beispiele. Während zahlreiche Untersuchungen zum Verhältnis von Islam und Gewalt existieren, war trotz umfangreicher Recherche nur eine einzige seriöse (allerdings knappe) Studie über das gewaltlose Verhalten der islamischen Gemeinschaft in Ruanda zu finden. Auch wenn die ruandischen Moslems den Völkermord damit freilich nicht verhindern konnten, ja kaum Relevanz für die damaligen politischen Entwicklungen erkennbar ist, ist es doch ein höchst bemerkenswertes Beispiel, wie eine Religionsgemeinschaft fast geschlossen Gewaltanwendung verweigert und überdies den (auch andersreligiösen) Opfern zu helfen versucht.




    1994 waren bis zu 10 % der Ruander Moslems, sowohl vom Stamm der Hutu als auch der Tutsi. Ihr Verhältnis zu den christlichen Hutu war traditionell sehr angespannt, zu den christlichen Tutsi im alltäglichen Leben etwas weniger; dennoch erfuhren Moslems vielfältige Benachteiligungen, die teilweise historisch zu erklären sind und von staatlicher und kirchlicher Propaganda angefacht wurden. Die moslemische Gemeinschaft war überwiegend in der Association des Musulmans du Rwanda (AMUR) organisiert, in den Achtzigerjahren hatte sich daneben eine neue Gruppe namens Ansar Allah gegründet. Obwohl das Verhältnis der beiden Organisationen zeitweise angespannt war, dienten sie zugleich einander als Korrektiv, warnten einander vor zu großer Nähe zu den politischen Parteien und rieten zu Neutralität. Vielleicht gefördert durch diese gesteigerte Aufmerksamkeit, erkannten islamische Führer schon lange vor dem Genozid das Unheil, ahnten die Eskalation der Gewalt. Bereits Anfang der Neunzigerjahre ermahnten sie die Gläubigen – unter ausdrücklicher Berufung auf den Koran – sich von den politischen Wirren fernzuhalten, warnten vor Gewaltanwendung und unternahmen gezielt Schritte, um die moslemische Bevölkerung zu sensibilisieren und der staatlichen Hasspropaganda zu begegnen. Dazu gehörte bspw. eine ‚Sensibilisierungs-Kampagne’ an moslemischen Schulen, die auf Initiative der religiösen Führer durchgeführt wurde. Dabei wurde bspw. die Gleichheit der Menschen(rechte) ungeachtet der Religion oder Ethnie, oder das Gebot, nicht zu töten und stattdessen Notleidenden zu helfen, als dezidiert islamische Werte vermittelt, begründet auf dem Koran. Ferner wurde in mutigen öffentlichen Stellungnahmen, über Radio und in Moscheen, in Flugblättern und ‚Hirtenbriefen’ zu Gewaltlosigkeit und Mäßigung aufgerufen. Auch nach Ausbruch der Gewalt wagten es islamische Führer, sich öffentlich und in den Moscheen gegen die Gewalt auszusprechen und das Morden als Sünde zu verurteilen. In krassem Gegensatz zu allen anderen Religionsgemeinschaften ist kein Fall bekannt, dass ein moslemischer Geistlicher Gewalt unterstützt oder auch nur (stillschweigend) geduldet hätte. Tutsi, die in Moscheen geflohen waren, wurden nicht – wie in vielen Kirchen – schutzlos den Mördern überlassen, ihnen gar willentlich ausgeliefert. Dieses frühzeitige, aktive und mutige Auftreten moslemischer Autoritäten war von entscheidender Bedeutung für das Verhalten der moslemischen Gemeinschaft im Ganzen. Ihre Verdammung von Gewalt bzw. ihr Eintreten für aktive Gewaltlosigkeit war explizit religiös motiviert und begründet; ihre Warnungen vor zu großer Nähe zu politischen Parteien bewahrte den islamischen Gemeinden eine größere Unabhängigkeit und Selbständigkeit, nicht zu vergleichen mit der eng ins System verflochtenen katholischen Kirche; ihr Plädoyer für die Allgemeingültigkeit ethischer Werte wie Gleichheit, Menschlichkeit, Lebensrecht bereitete den Boden für die spätere stammes- und religionsübergreifende Hilfe moslemischer Gemeinden und Einzelpersonen.







    Die Maßnahmen und Aufrufe der religiösen Führer wurden an der Basis, bei den ruandischen Moslems, weitgehend befolgt. In islamischen Gemeinden schien es eher die Regel als die Ausnahme gewesen zu sein, dass Verfolgte gleich welcher Religion Unterschlupf und Schutz fanden – selbst in Phasen, als die übrige Bevölkerung sich durch Flucht in Sicherheit zu bringen versuchte, und auch wenn sich die Helfer dadurch selbst in Gefahr brachten. Es wurde vielfach berichtet – auch in den Prozessen gegen mutmaßliche Mörder des Genozids – dass und wie Verfolgten geholfen wurde, dass sich moslemische Hutu nicht an der Gewalt beteiligten und stattdessen ihre relativ sichere Position zu Gunsten der Opfer nutzten, dass islamische Gemeinden durch Straßensperren das Einrücken der ‚Todesschwadronen’ verhinderten, dass Moslems den Hutu-Kämpfern Geld anboten für die Verschonung der Schutzsuchenden, dass sie unter großen persönlichen Risiken der Gewalt Einhalt zu gebieten versuchten und dafür mitunter auch mit dem Leben bezahlten. Überdies gründeten Moslems zum Schutz der Flüchtenden Widerstandsorganisationen, in denen bspw.
    - die Lebensmittelversorgung gewährleistet wurde (es handelte sich häufig ja um Hunderte von Asylsuchenden in den Moscheen),
    - eine Genozidbeteiligung vorgetäuscht wurde und damit wirkliche Mörderscharen ferngehalten werden konnten (bspw. durch Massenbegräbnisse scheinbar ermordeter Tutsi, bei denen lediglich Bananenstauden ‚beerdigt’ wurden),
    - durch organisierte Fluchthilfe in sicherere Gebiete,
    - durch gezielte Infiltration bzw. Spionage bei den Hutu, um die Flüchtlinge rechtzeitig warnen oder in Sicherheit bringen zu können.
    Sicherlich war der innere Zusammenhalt der islamischen Gemeinschaft in Ruanda durch die mehrfache Marginalisierung – wirtschaftlich, politisch, sozial, religiös ... – traditionell stärker ausgeprägt. Das hilft zu erklären, warum der blinde Stammeshass zwischen Hutu und Tutsi innerhalb der moslemischen Gemeinschaft keine Wirkung zeigte. Es erklärt jedoch nicht, dass deren Hilfe uneingeschränkt und bedingungslos auch Andersgläubigen zukam. Statt dessen begründeten ruandische Moslems ihr Verhalten in erster Linie mit ihrem Glauben, insbesondere der Überzeugung, a) dass der Koran Gewaltlosigkeit lehre und Mord als Sünde verurteile; b) dass nach dem Koran aller Menschen gleich seien, und c) dass der Koran den Schutz der Schwachen und Unterdrückten lehrt. Religiöse Elemente wie das gemeinsame Gebet fünf Mal täglich, das Gebot des Almosengebens, und der Fastenmonat Ramadan als Zeit der Einkehr und zugleich der Gemeinschaft (wenige Wochen vor Ausbruch der Gewalt) unterstützten diese Überzeugungen und ihre Umsetzung. Hinzu kommt jedoch, dass die islamische Gemeinschaft Ruanda von Moslems wie Andersgläubigen als ausgesprochen ‚fromm’, gottesfürchtig, ernsthaft und glaubwürdig betrachtet wird – Attribute, die nach dem Genozid kaum noch ein Ruander auf die christlichen Kirchen beziehen würde (ein Umstand, der teilweise auch mit historischen Entwicklungen erklärt werden kann).

    Wohl gab es auch Moslems, die sich am Genozid in verschiedener Funktion und Form beteiligten. Soweit bekannt ist deren Zahl jedoch vernachlässigbar gegenüber der überwältigenden Mehrheit der islamischen Gemeinschaft, die sich dem Hass und Morden aktiv verweigerte; kein einziger geistlicher Führer der Moslems wurde bis heute im Zusammenhang mit dem Massaker von 1994 vor ein Gericht gestellt. Nachweislich verdankt jedoch eine extrem überproportional große Zahl Überlebender ihr Leben dem Schutz moslemischer Autoritäten, Einzelpersonen und Gemeinden. Dieses höchst außergewöhnliche Verhalten der ruandischen Muslime wurde ebenso von Nicht-Moslems wie von politischer Seite als vorbildlich gewürdigt: Bei der Einsetzung des ersten islamischen Ministers in Ruanda bat der Staatspräsident die Moslems des Landes „to teach other Rwandans how to live together“.






    Der Autor

    MARKUS WEINGARDT

    promovierte und publiziert über die deutsche Israelpolitik (siehe: ONLINE-EXTRA Nr. 11). Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Weltethos (Tübingen) sowie an der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft FEST, Heidelberg. Hauptwerk: „Deutsche Israel- und Nahostpolitik. Die Geschichte einer Gratwanderung seit 1949.“ Campus Verlag, Frankfurt/Main 2002.







    Der Islam wird gerne als eine Religion des Hasses dargestellt, doch man sieht wie sich Moslems geschlossen gegen Mord und Vergewaltigung stellten. Als einzige andere Religionsgemeinschaft waren es die Zeugen Jehovas außer den Moslems die sich nicht beteiligten....


    Ist das christlich ? Der Islam war christlicher als jede der großen Kirchen, das sollte zu denken geben...

  2. #2
    Ferdydurke
    Aber was mich bis heute am meisten schokiert, ist das völlige Versagen der UN. Seit Ruanda weiß ich nicht, welche Dasensberechtigung die Vereinten Nationen überhaupt haben. Und die große, große Heuchlerei der Staaten, die Frieden, Demokratie und Menschenrechte weltweit verteidigen, aber vor Macheten und Knüppeln flüchten....

  3. #3
    Beogradjanin
    Zitat Zitat von Ferdydurke Beitrag anzeigen
    Aber was mich bis heute am meisten schokiert, ist das völlige Versagen der UN. Seit Ruanda weiß ich nicht, welche Dasensberechtigung die Vereinten Nationen überhaupt haben. Und die große, große Heuchlerei der Staaten, die Frieden, Demokratie und Menschenrechte weltweit verteidigen, aber vor Macheten und Knüppeln flüchten....

    Hast du den Film Hotel Ruanda gesehen ? Ich weiß es ist nur ein Kinostreifen, aber vermittelt sehr gut was die Schwarzen für die Welt waren. Einfach ein Klotz am Bein. Afrika wurde ausgebeutet und wird dies immer noch.

    Eine Million Menschen wurde geschlachtet, mit Macheten. Frankreich griff ein und verteidigte die Kriegsverbrecher der Hutu. Belieferte diese mit Waffen.


    China spendete hunderttausende Macheten....

    Srebrenica war schrecklich, doch wenigstens reagierte die Welt danach. In Ruanda verschloss man die Augen und ließ das drittgrößte Massaker im 20 Jahrhundert zu.


    Kinder wurden bestialisch zerstückelt, Eltern mussten ihre Kinder vergewaltigen oder ermorden. Das alles weil in ihrem Pass ein Stempel mit der roten Schrift Tuci war...


    Hatte Tränen in den Augen als ich einige Berichte von Überlebenden las. Es ist einfach nicht zu glauben. Und die UNO ist gescheitert. Siehe Sudan, wo auch mindestens hunderttausende tot sind weil sie schwarz sind.


    Keiner tut etwas dagegen, keiner.

  4. #4
    Ferdydurke
    Zitat Zitat von Beogradjanin Beitrag anzeigen
    Hast du den Film Hotel Ruanda gesehen ? Ich weiß es ist nur ein Kinostreifen, aber vermittelt sehr gut was die Schwarzen für die Welt waren. Einfach ein Klotz am Bein. Afrika wurde ausgebeutet und wird dies immer noch.

    Eine Million Menschen wurde geschlachtet, mit Macheten. Frankreich griff ein und verteidigte die Kriegsverbrecher der Hutu. Belieferte diese mit Waffen.


    China spendete hunderttausende Macheten....

    Srebrenica war schrecklich, doch wenigstens reagierte die Welt danach. In Ruanda verschloss man die Augen und ließ das drittgrößte Massaker im 20 Jahrhundert zu.


    Kinder wurden bestialisch zerstückelt, Eltern mussten ihre Kinder vergewaltigen oder ermorden. Das alles weil in ihrem Pass ein Stempel mit der roten Schrift Tuci war...


    Hatte Tränen in den Augen als ich einige Berichte von Überlebenden las. Es ist einfach nicht zu glauben. Und die UNO ist gescheitert. Siehe Sudan, wo auch mindestens hunderttausende tot sind weil sie schwarz sind.


    Keiner tut etwas dagegen, keiner.
    http://www.ifeas.uni-mainz.de/workingpapers/AP74.pdf HIer ist noch einmal eine ausführlichere Quelle- interressant finde ich u.a. Seite 70, das Verhalten der Muslime vor dem Genozid.

  5. #5
    Beogradjanin
    Zitat Zitat von Ferdydurke Beitrag anzeigen
    http://www.ifeas.uni-mainz.de/workingpapers/AP74.pdf HIer ist noch einmal eine ausführlichere Quelle- interressant finde ich u.a. Seite 70, das Verhalten der Muslime vor dem Genozid.

    4.3.4 Rolle der muslimischen Führer
    Eine weitere wesentliche Ursache, die das Verhalten der Muslime entscheidend mitbeeinflusst
    hat, liegt in der Rolle, die muslimische Führer vor und während des Genozids
    gespielt haben. Die folgenden Beispiele zeigen, dass viele muslimische Geistliche bereits
    vor dem Genozid das Gefahrenpotential erkannt haben, das die zunehmende Politisierung
    der Ethnizität mit sich brachte.
    In vielen muslimischen Gemeinden wurden daher Sensibilisierungskampagnen durchgeführt,
    in denen die Gemeindemitglieder auf die Gefahren eines möglichen Konflikts
    zwischen Hutu und Tutsi hingewiesen wurden. Unter Bezugnahme auf den Koran wurde
    die Gleichheit aller Menschen betont und auf die Sündhaftigkeit des Tötens hingewiesen.
    Den Muslimen wurde aufgetragen zusammenzuhalten (Interview mit Sheikh Saleh,
    28.09.2004).
    Um diese Botschaften zu vertiefen, wurden Schriften verteilt und in Moscheen verlesen,
    die die Muslime nochmals aufforderten, sich nicht in ethnische Auseinandersetzungen
    hineinziehen zu lassen (Interview mit Sheikh Saleh, 28.09.2004).
    Darüber hinaus forderte A.MU.R. die Muslime dazu auf, sich nicht für Parteien zu engagieren,
    die die ethnische Polarisierung vorantrieben, da dies nicht mit den Idealen des
    Koran zu vereinbaren sei.
    Auch als der Genozid begann, setzten in vielen Moscheen die Imame ihre Aufrufe zu
    Frieden und Gewaltfreiheit fort. Von muslimischen Geistlichen, die sich den Genozidideologie
    anschlossen und zum Töten aufriefen, ist kein einziger Fall bekannt. Da die
    Ansprachen den Zielen des Regime entgegengesetzt waren, war es zu jener Zeit durchaus
    gefährlich und riskant, sich öffentlich zu äußern. Die Aktionen der muslimischen
    Führer bekommen dadurch noch eine besondere Aufwertung.
    Radiobotschaften, die bei der Verbreitung der Genozidideologie und beim Aufruf zu
    Gewalt eine wesentliche Rolle gespielt haben, wurden auch von den muslimischen Führern
    für ihre Zwecke benutzt. Aufgrund guter Verbindungen zu einigen Mitarbeitern soll
    es gelungen sein, einige Aufrufe zu senden, die ein Ende der Gewalt forderten (Interview
    mit Yussuf Ngenzi, 16.09.2004). Die Tatsache, dass es trotz staatlicher Zensur gelang,
    diese Informationen zu senden, könnte darin begründet liegen, dass es während des
    Genozids immer wieder Aufrufe gab, die die Gewalt für beendet erklärten, um somit ein
    trügerisches Klima der Sicherheit geschaffen wurde. Noch versteckte Flüchtlinge sollten
    durch das falsche Sicherheitsgefühl aus ihren Verstecken gelockt werden. In diesem all-
    70
    gemeinen Chaos könnte es einigen muslimischen Führern gelungen sein, ihre Anliegen
    über das Radio zu verkünden.



    Das ist wirklich vorbildhaft, hätten katholische Geistliche und evangelische so gehandelt hätte die Kraft der Religion den Genozid vielleicht nicht verhindern aber mindern können.

  6. #6
    Avatar von Muratoğlu

    Registriert seit
    30.09.2010
    Beiträge
    4.724
    Ich hab auch mal einen deutschen Film über den Einsatz der Bundeswehr im Kongo gesehen, in dem eine Ermittlerin versuchte den Mord eines Schwarzen von einem deutschen Soldaten aufzuklären.
    Als man merkte das sie nah dran ist den Fall aufzuklären, blockierte man sie wo man nur konnte. Als die dann Zeugen fand die den Mord gesehen hatten und aussagen wollten, sagte man ihr Hilfe zu um diese Personen zu verhören.
    Am Treffpunkt angekommen töteten dann genau diese Soldaten die ihr helfen sollten die Augenzeugen des Mordes und lieferten Deutschland letztendlich ein total falsches Bild der Tat ab. Würde ja immerhin schlechte Publicity geben, wäre es rausgekommen.
    Soviel also zur EU und NATO in Afrika. Soll übrigens eine wahre Story nach dieser Ermittlerin gewesen sein, werde den Titel des Films irgendwie rauskriegen wenn es euch interessiert.

  7. #7
    Ferdydurke
    Zitat Zitat von Beogradjanin Beitrag anzeigen
    4.3.4 Rolle der muslimischen Führer
    Eine weitere wesentliche Ursache, die das Verhalten der Muslime entscheidend mitbeeinflusst
    hat, liegt in der Rolle, die muslimische Führer vor und während des Genozids
    gespielt haben. Die folgenden Beispiele zeigen, dass viele muslimische Geistliche bereits
    vor dem Genozid das Gefahrenpotential erkannt haben, das die zunehmende Politisierung
    der Ethnizität mit sich brachte.
    In vielen muslimischen Gemeinden wurden daher Sensibilisierungskampagnen durchgeführt,
    in denen die Gemeindemitglieder auf die Gefahren eines möglichen Konflikts
    zwischen Hutu und Tutsi hingewiesen wurden. Unter Bezugnahme auf den Koran wurde
    die Gleichheit aller Menschen betont und auf die Sündhaftigkeit des Tötens hingewiesen.
    Den Muslimen wurde aufgetragen zusammenzuhalten (Interview mit Sheikh Saleh,
    28.09.2004).
    Um diese Botschaften zu vertiefen, wurden Schriften verteilt und in Moscheen verlesen,
    die die Muslime nochmals aufforderten, sich nicht in ethnische Auseinandersetzungen
    hineinziehen zu lassen (Interview mit Sheikh Saleh, 28.09.2004).
    Darüber hinaus forderte A.MU.R. die Muslime dazu auf, sich nicht für Parteien zu engagieren,
    die die ethnische Polarisierung vorantrieben, da dies nicht mit den Idealen des
    Koran zu vereinbaren sei.
    Auch als der Genozid begann, setzten in vielen Moscheen die Imame ihre Aufrufe zu
    Frieden und Gewaltfreiheit fort. Von muslimischen Geistlichen, die sich den Genozidideologie
    anschlossen und zum Töten aufriefen, ist kein einziger Fall bekannt. Da die
    Ansprachen den Zielen des Regime entgegengesetzt waren, war es zu jener Zeit durchaus
    gefährlich und riskant, sich öffentlich zu äußern. Die Aktionen der muslimischen
    Führer bekommen dadurch noch eine besondere Aufwertung.
    Radiobotschaften, die bei der Verbreitung der Genozidideologie und beim Aufruf zu
    Gewalt eine wesentliche Rolle gespielt haben, wurden auch von den muslimischen Führern
    für ihre Zwecke benutzt. Aufgrund guter Verbindungen zu einigen Mitarbeitern soll
    es gelungen sein, einige Aufrufe zu senden, die ein Ende der Gewalt forderten (Interview
    mit Yussuf Ngenzi, 16.09.2004). Die Tatsache, dass es trotz staatlicher Zensur gelang,
    diese Informationen zu senden, könnte darin begründet liegen, dass es während des
    Genozids immer wieder Aufrufe gab, die die Gewalt für beendet erklärten, um somit ein
    trügerisches Klima der Sicherheit geschaffen wurde. Noch versteckte Flüchtlinge sollten
    durch das falsche Sicherheitsgefühl aus ihren Verstecken gelockt werden. In diesem all-
    70
    gemeinen Chaos könnte es einigen muslimischen Führern gelungen sein, ihre Anliegen
    über das Radio zu verkünden.



    Das ist wirklich vorbildhaft, hätten katholische Geistliche und evangelische so gehndelt hätte die Kraft der Religion den Genozid vielleicht nicht verhindern aber mindern können.
    Es gab christliche geistliche, die sich widersetzt haben- die wurden sofort ermordet. Das Problem besonders der katholischen Kirche war, dasß sie der Regierung sehr nahe stand, also auf der Seite der mächtigen und der Mörder. Das kann nicht gut gehen. In Ruanda war während der belgischen Kolonialzeit
    ähnlich der Rassetheorie der Nazis die rassische Überlegenheit der Tutsis propagiert, welche mit den kolonialherren kooperierten- dementsprechend hat sich das Konfliktpotential seit jahrzehntewn angestaut.

    Die Muslime in Ruanda waren extrem benachteiligt, da die gesamte Bildung in den Händen der Kirche lag, waren sie wirtschaftlich und politisch benachteiligt. Die, die nicht konvertiert sind, waren also die "zähen Knochen", und wirklich praktizierenden und gläubigen Muslime- das erklärt die hinweise auf den Ramadan, Koran und das regelmäßige Gebet, die immer wieder als Gründe für Widerstand angeführt werden. Außerdem waren sie nicht teil des rassistischen tutsi-Hutu-Schemas- weil sie von beiden Gruppen abgelehnt wurden. Ihnen blieb also nichts übrig, als sich über die Religion zu definieren.

  8. #8
    Beogradjanin
    Zitat Zitat von Ferdydurke Beitrag anzeigen
    Es gab christliche geistliche, die sich widersetzt haben- die wurden sofort ermordet. Das Problem besonders der katholischen Kirche war, dasß sie der Regierung sehr nahe stand, also auf der Seite der mächtigen und der Mörder. Das kann nicht gut gehen. In Ruanda war während der belgischen Kolonialzeit
    ähnlich der Rassetheorie der Nazis die rassische Überlegenheit der Tutsis propagiert, welche mit den kolonialherren kooperierten- dementsprechend hat sich das Konfliktpotential seit jahrzehntewn angestaut.

    Die Muslime in Ruanda waren extrem benachteiligt, da die gesamte Bildung in den Händen der Kirche lag, waren sie wirtschaftlich und politisch benachteiligt. Die, die nicht konvertiert sind, waren also die "zähen Knochen", und wirklich praktizierenden und gläubigen Muslime- das erklärt die hinweise auf den Ramadan, Koran und das regelmäßige Gebet, die immer wieder als Gründe für Widerstand angeführt werden. Außerdem waren sie nicht teil des rassistischen tutsi-Hutu-Schemas- weil sie von beiden Gruppen abgelehnt wurden. Ihnen blieb also nichts übrig, als sich über die Religion zu definieren.

    Ein Bischof wird direkt vom Papst bestimmt oder zumníndestens von einem Konzil. Diese beteiligten sich auch in den Reihen der Hutu. Die Zeugen Jehovas waren neben den Moslems die einzigen die geschlossen gegen den Genozid war. Es gab Ausnahmen aber in großer Fülle wurden die Mörder gesegnet.


    Einerseits der zurückgebliebene Islam andererseits die Sekte der Zeugen die immer belächelt wird. Beides strenggläubige und ihre heiligen Bücher beachtenden.


    Für mich waren diese wahre Gläubige, was sich die katholische Kirche und andere Religionen geleistet haben ist einfach schändlich.

  9. #9
    Ferdydurke
    Letztendlich geht es hier nicht um Qualitäten eines Bekenntnisses an sich- siehe Sudan. Es waren die ruandischen Moslems, die sich so verhielten, aus ihrer leidvollen Erfahrung, ihrem glauben und ihrer menschlichkeit heraus, und ihre Führer, die vorrausschauend und moralisch handelten.

    Ein anderer Punkt, der für alle Debatten bzgl. der Gewalttätigkeit der Religionen (oder vermuteten Gewalttätigkeit) gilt- letztendlich hat "der Westen" die schlimmsten Katastrophen der Menschheit verursacht. Nicht nur im 20.Jahrhundert, sondern absolut gesehen. Der Westen hat zwei Gesichter- letztendlich nützen die großen kulturellen Vorteile der Demokratie, Menschenrechte und Freiheit nur den Menschen, die "Teil" des Westens sind- der Rest zahlt in erster Linie dafür. Diese Errungenschaften haben aber nur Wert, wenn sie universal sind- sonst ist unsere Demoratie genausoviel wert, wie die Bürgerrechte der Weißen im Südafrika unter der Apartheid.

  10. #10
    Avatar von Iraker

    Registriert seit
    27.07.2010
    Beiträge
    412
    Frieden?

    in irak ist es genau umgekehrt ;D

    also ist ruanda eine absolute ausnahme

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