Wettbewerb: Zukunft gemeinsam gestalten

12.02.2010 | 20:25 | VON NIKOLAUS KOLLER (Die Presse)
Vorurteile überwinden und gemeinsam etwas erarbeiten – das ist das Ziel der Balkan Case Challenge. Internationale Karrierechancen inklusive

Wie sehr Hass, Stereotype und Krieg während der letzten Jahrzehnte das Bild des Balkan geprägt hatten, thematisierte Biljana Srbljanovic in ihrer Rede „The Balkans – A Future in Present Tense“ (zu Deutsch „Der Balkan – eine Zukunft in der Gegenwartsform“) anlässlich der Eröffnungsveranstaltung des Finales der letztjährigen Balkan Case Challenge (BCC).

Die serbische Dramaturgin übte sich vor den mehr als 140 handverlesenen Studierenden aus den verschiedenen Ländern der Region bewusst in Provokation: Montenegrinern würde nachgesagt, keine Serben zu mögen. Diese wiederum hätten massive Probleme im Umgang mit Kroaten – Klischees wie diese würden das meist negative Bild vieler Menschen über den Balkan prägen, so Srbljanovic. „Das Resümee der Rede war aber, dass die Zukunft der Region nur gemeinsam gestaltet werden kann“, sagt Jasmin Moser, Projektmanagerin der BCC beim Organisator WUS Austria: „Damit hat Srbljanovic genau die Zielsetzung der Balkan Case Challenge getroffen.“ Wie bunt, lebendig und dynamisch die nachfolgenden Generationen der Region seien, hätte man während des BCC-Finales in Wien letzten Sommer sehen können. Die Vorurteile, die Srbljanovic angesprochen hat, erwiesen sich als haltlos. „Die Teilnehmer haben in multikulturellen Teams oft bis spät in die Nacht gemeinsam gearbeitet“, sagt Moser. „Das ist der Geist der BCC.“

2000 Registrierungen

Die BCC erfreut sich großen Zuspruchs: Etwa 2000 Studierende registrieren sich jedes Jahr, um an dieser „Challenge“ teilzunehmen. Der Wettbewerb richtet sich vor allem an angehende Juristen, Betriebswirte, Informatiker, Politikwissenschafter sowie Studierende verwandter Richtungen. Die Teilnehmer dürfen zum Zeitpunkt der Bewerbung nicht älter als 28 Jahre sein und sollten möglichst bereits am Ende ihrer Studien stehen. Bewerben können sich alle Studierende, die an einer Universität in dieser Region inskribiert sind.

Dazu zählen die zwölf Länder Österreich, Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, der Kosovo, Mazedonien, Moldau, Montenegro, Rumänien, Serbien sowie Slowenien. „Hinzu kommen noch Gäste aus dem Oman, die beim Wettbewerb außer Konkurrenz antreten“, sagt Moser. Aus dieser großen Zahl an Bewerbern werden die 400 Besten eingeladen, um sich in den nationalen Vorausscheidungen zu messen. Auf deren Gewinner wartet Großes: 142 Talente sind es dann, die zum internationalen Finale nach Wien geladen werden. „Die BCC ist ein Zusammentreffen gleich gesinnter Jugendlicher mit unterschiedlichen nationalen und ethnischen Hintergründen, die mit einem gemeinsamen Ziel nach Wien kommen – zu arbeiten, Leistung zu zeigen und das internationale Flair dieses Wettbewerbs zu genießen“, sagt Faris Hadrovic. Er ist Case Creator des Model European Council und arbeitet für den United Nations Population Fund in Bosnien und Herzegowina.

Der Model European Council ist eine von vier Disziplinen, in denen die Finalisten antreten können. Neben diesem Wettbewerb stellen die Teilnehmer ihre Qualifikationen noch in den Bereichen Wirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie im Rahmen eines Law Moot Court unter Beweis. Die Sieger sowie die Gewinnerteams werden von einer hochkarätigen Jury ausgewählt, die aus 50 Mitgliedern von Universitäten und internationalen Unternehmen besteht.

Arbeitgeber kennenlernen

„Die Teilnehmer haben bei der BCC auch die Möglichkeit, sich vor potenziellen Arbeitgebern zu präsentieren“, betont Moser: „Zehn Prozent der Teilnehmer an dem Wettbewerb konnten jedes Jahr eine Anstellung finden.“ Seit der erstmaligen Austragung des Wettbewerbs vor nun bereits zehn Jahren haben über 2200 Personen an der BCC teilgenommen. Seit 2006 wird darüber hinaus auch ein Recruiting-Event in Kooperation mit der AWO, der Außenwirtschaft Österreich, veranstaltet. 60 international tätige Unternehmen haben bislang die Chance genützt, auf diesem Weg handverlesene Nachwuchshoffnungen kennenzulernen.


("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2010)
mal schauen was die Balkanaken daraus machen