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Uns geht’s wohl zu gut!

Erstellt von Marcin, 23.09.2017, 11:18 Uhr · 55 Antworten · 2.580 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Marcin

    Registriert seit
    14.01.2012
    Beiträge
    2.471

    Uns geht’s wohl zu gut!

    Wir sind es nicht mehr gewohnt, dass ein Kind stirbt. Doch leider werden wir uns wieder daran gewöhnen müssen, wenn sog. "Impfkritiker" ihre Kinder nicht impfen lassen. Für die aktuelle Ausgabe des SKEPTIKERS hat Natalie Grams dazu einen Artikel verfasst.
    Neulich starb in einem Kindergarten in einem benachbarten, wohlhabenden Heidelberger Stadtviertel ein Kind völlig unerwartet. Die Todesursache konnte meines Wissens nicht geklärt werden, gleichwohl befand sich der Stadtteil in einer Art Schockzustand. Es gab gemeinsame Trauerveranstaltungen, Elternabende und Stunden zur Aufarbeitung mit den Kindern. Manche Eltern konnten ihre eigenen Kinder tage- oder wochenlang nicht zurück in den Kindergarten schicken.
    Wir haben vergessen, wie das ist, wenn Kinder sterben. Dass Krankheiten Kinder aus dem Leben reißen. Wir haben es wohl deshalb vergessen, weil es hierzulande zum Glück sehr, sehr selten vorkommt. So selten, dass man es mitunter nicht einmal im entfernten Umfeld je erlebt. Und doch ist es gar nicht so lange her, da war es Realität, ich möchte nicht "Alltag" sagen, dass Kinder starben – an bakteriellen Infektionen, an Viruserkrankungen, an Wundinfektionen. Oder dass sie nach schwerer Krankheit mit Behinderungen zurückkamen – mit Taubheit nach Masern, mit Lähmungen nach Kinderlähmung.
    Unsere Großeltern und Eltern kennen diese Realität noch. Meine Generation kennt sie nicht mehr. Und tut gerne so, als sei es gar nie Realität gewesen. Sie hält Impfungen für überflüssig, wenn nicht gar krankmachend, lehnt Schutzmaßnahmen und Medikamente ab, glaubt nicht an Viren und impfpräventable Erkrankungen – je besser es ihnen geht, umso weniger.
    Wohlhabend und impfkritisch

    Natalie Grams (2017), Foto: © Frank NicolaiJüngst erschien dazu auch eine Studie: In Regionen mit hohem Haushaltseinkommen, geringer Arbeitslosenquote und geringer gesundheitlicher Belastung liegt die Impfquote niedriger. Durch den Süden von Bayern und Baden-Württemberg zieht sich eine zusammenhängende Region, die von Impfskepsis geprägt ist. Dort sind Kinder sowohl gegen Masern als auch gegen Meningokokken, die Erreger von Hirnhautentzündung, schlechter geschützt als in anderen Teilen Deutschlands. Auffallend ist, dass diese Gebiete wirtschaftlich wohlhabender sind als andere Regionen.
    Bei Masern beispielsweise fehlt fast zwei Dritteln der Kinder in den Landkreisen Bad Tölz, Rosenheim und Garmisch-Partenkirchen die zweite Impfung. Neben Bayern gibt es auch in Baden-Württemberg Landkreise mit signifikant niedrigeren Impfquoten. Neben anderen Gründen, die dabei eine Rolle spielen können, vermuten auch die Verfasser des "Versorgungsatlasses 2017" einen Zusammenhang zwischen geringen Impfquoten und den persönlichen Überzeugungen derjenigen, die sich oder ihre Kinder einer Immunisierung verweigern:
    "Die derzeitige Studienlage deutet darauf hin, dass es teilweise deutliche regionale Unterschiede der Impfquoten gibt. Dabei fallen u. a. auch Regionen auf, in denen sich die Impfquoten gegen unterschiedliche Infektionskrankheiten ähnlich verhalten, also z. B. besonders hoch oder besonders niedrig ausfallen. Dies deutet darauf hin, dass die regionale Variation der Impfquoten zumindest teilweise durch grundsätzliche regional vorherrschende Einstellungen gegenüber Impfungen bzw. unterschiedliches Impfverhalten bedingt sein kann.“
    Außerdem zitieren sie eine Studie der "Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung" (BZgA), die den Zusammenhang zwischen den persönlichen Einstellungen und Masernimpfungen untersucht hatte:
    "Nicht geimpft wurden Kinder häufig von den Eltern, die ein Misstrauen gegenüber den Impfempfehlungen hegten, Erkrankungsrisiken verharmlosten und gleichzeitig eine hohe Wahrnehmung gegenüber den Impfrisiken hatten sowie sich unzureichend informiert fühlten.“
    Demnach wurden Impfschäden in der Regel mehr gefürchtet als die Schäden durch die Krankheit selbst. Dem Bericht zufolge dienen neben dem sozialen Umfeld das Internet und das Gespräch mit dem Arzt als Entscheidung zu Immunisierungen. Und auch hier scheint es eine Tendenz zu geben, wonach Ärzte in Südbayern dem Impfen kritischer gegenüberstehenals im Rest Deutschlands. Die Folge scheint eine impfkritische Einstellung zu sein, die häufig im Gegensatz zu den Empfehlungen der "Ständigen Impfkommission" (STIKO) des Robert-Koch-Institutes (RKI) steht.
    Natürlich gilt es auch hier zu beachten, dass Korrelation nicht gleich Kausalität ist. Untersucht wurde in der Studie lediglich die Korrelation zwischen den Impfquoten von Masern- und Meningokokkenimpfung, aber nicht konkret die Einstellung ("Impfgegner"); es bleibt hier bei Vermutungen. Dazu kommt, dass zur Ermittlung des Impfstatus allenfalls Teilstichproben oder Querschnittsuntersuchungen herangezogen werden können. Eine ganz verlässliche Einschätzung der Impfsituation ist nicht möglich, auch weil die Impf-Daten in Deutschland überwiegend dezentral und regional erhoben werden und hier vor allem durch das vom RKI koordinierten Projekt "KV-Impfsurveillance", das in Kooperation mit den 17 Kassenärztlichen Vereinigungen durchgeführt wird.
    Was tun?

    Dennoch stellt sich nach dem Einblick in die vorhandenen Daten die Frage: Geht es uns zu gut? Denn durch andere Untersuchungen wissen wir, dass die Abneigung gegen Impfungen nur selten ein Wissensdefizit widerspiegelt. Durch mehr Informationen und Fakten kann sie also meist nicht behoben werden. Eher scheint es sich um eine diffuse emotionale Abneigung zu handeln, die oft mit kognitiver Dissonanz einhergeht. In einer Studie stellte man beispielsweise fest, dass Eltern, die zögern, ihre Kinder impfen zu lassen, noch weniger bereit zum Impfen waren, wenn sie mehr Informationen bekamen, zum Beispiel darüber, dass der Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus widerlegt ist (z. B. Nyhan 2014). Die Tendenz zur Impfskepsis lässt sich auch nicht durch niedrigere Intelligenz erklären. Im Gegenteil zeigte sich, dass Menschen mit einem höheren IQ und höherem wissenschaftlichen Verständnis geschickter darin waren, Belege zu ignorieren oder umzudrehen, die nicht in ihre bisherige Vorstellung passten (z. B. Rosenbaum 2017).
    Es fragt sich also, wie Skeptiker zu mehr Impfaufklärung beitragen können, wenn die Vermittlung von Wissen und Evidenz keinen Erfolg versprechen. Vielleicht hilft das Verstehen der Ängste, die zur Impfverweigerung führen. Denn kaum jemand entscheidet sich wegen mangelnder Evidenz gegen Impfungen, sondern weil die Evidenz nicht in ein Verhältnis zu irrationalen Ängsten gesetzt wird und keine vernünftige Risikoabwägung stattfindet. Und vielleicht hilft es auch, Geschichten zu erzählen – von früher. So wie der Skeptiker "Onkel Michael" in seinem Blog seine "Omma" erzählen lässt, deren Freunde noch an Tetanus starben oder die gelähmt durch Polio zurückkamen, die aber verstanden hatte: "Sterben ist schlimmer als Pieksen".
    Der Artikel erschien zuerst im Vierteljahresheft "SKEPTIKER" der GWUP, Ausgabe 3/2017, Seiten 132/133.

  2. #2
    DrDoktor
    Der Umstand liegt wohl eher darin, dass man der Pharmaindustrie nicht wirklich traut, und die Leute nicht mehr gewillt sind, nach deren Deutungshoheit handeln zu müssen.

  3. #3
    Gast20029
    Zitat Zitat von Marcin Beitrag anzeigen
    Wir sind es nicht mehr gewohnt, dass ein Kind stirbt. Doch leider werden wir uns wieder daran gewöhnen müssen, wenn sog. "Impfkritiker" ihre Kinder nicht impfen lassen. Für die aktuelle Ausgabe des SKEPTIKERS hat Natalie Grams dazu einen Artikel verfasst.
    Nicht nur in Deutschland ein Problem. Italien macht das völlig richtig, nur die Rechten maulen.
    Europa ist keine Enklave mehr ohne Zuwanderung aus Ländern in denen Impfungen Luxus sind. Europa muss den Standard halten oder eher wieder herstellen, den es lange Jahre hatte und der dann vernachlässigt wurde. Impfgegner können keinesfalls erwarten das das Gros der verantwortungsvollen Bürger "Masernpartys" und ähnlichen Unfug duldet. Fertig. Keine Impfung=kein Kindergarten/Schule. Punkt.
    Es ist/war eine Errungenschaft Krankheiten wie Masern, Mumps, Diphterie, etc. annähernd ausgerottet zu haben. Irgendwelche gelangweilten Esoteriker sind da kein Maßstab.

    Gesundheit: Italien beschließt nach Masern-Ausbruch Impfpflicht | ZEIT ONLINE

  4. #4
    Avatar von daro

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    11.802
    Uns geht es sehr gut, kein hunger, gute medizinische Versorgung und jedemenge Luxus auch für den Mittelstand.

  5. #5

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    1.018
    Zitat Zitat von daro Beitrag anzeigen
    Uns geht es sehr gut, kein hunger, gute medizinische Versorgung und jedemenge Luxus auch für den Mittelstand.
    Mittelstand?

    Zu dem hab ich vor langer Zeit mal gehört. Der wurde zwischenzeitlich abgeschafft.

  6. #6
    Avatar von daro

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    Zitat Zitat von Vujadin Beitrag anzeigen
    Mittelstand?

    Zu dem hab ich vor langer Zeit mal gehört. Der wurde zwischenzeitlich abgeschafft.
    Ja die armen werden immer Reicher.

    Früher konnte man sich als Mittelständer nicht leisten, mehrfach in Jahr tollen Urlaub zu machen. Sei es Winterferien in den Alpen oder Sommerferien am Strand, früher hatte der Mittelstand auch nicht 4 Fernseher, 5 Laptops,5 Handys, Überfluss an Kosmetikmittel, 2 Autos, verstärkt ein Eigenheim, und Frauen aus dem Mittelstand konten sich nicht jeden Monat die Nägel machen lassen, die Augenbrauen machen und zu Frisör gehen.

    Heute Leben Sozialbezüger wie der Mittelstand früher.

    Die Schäre wird nicht breiter, auch wenn man es immer wieder wiederholt.

    Mein Cusin ist jedes Jahr Shanghai, die einen Protzen mit Luxuswagen teuren Zigaretten und die anderen Arbeiten für 5€ im Monat.

    Die Schäre zweiten Arm und Reich ist in Mitteleuropa so klein wie nirgendwo.

  7. #7
    Avatar von Гуштер

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    16.589
    Zitat Zitat von daro Beitrag anzeigen
    Ja die armen werden immer Reicher.

    Früher konnte man sich als Mittelständer nicht leisten, mehrfach in Jahr tollen Urlaub zu machen. Sei es Winterferien in den Alpen oder Sommerferien am Strand, früher hatte der Mittelstand auch nicht 4 Fernseher, 5 Laptops,5 Handys, Überfluss an Kosmetikmittel, 2 Autos, verstärkt ein Eigenheim, und Frauen aus dem Mittelstand konten sich nicht jeden Monat die Nägel machen lassen, die Augenbrauen machen und zu Frisör gehen.

    Heute Leben Sozialbezüger wie der Mittelstand früher.

    Die Schäre wird nicht breiter, auch wenn man es immer wieder wiederholt.

    Mein Cusin ist jedes Jahr Shanghai, die einen Protzen mit Luxuswagen teuren Zigaretten und die anderen Arbeiten für 5€ im Monat.

    Die Schäre zweiten Arm und Reich ist in Mitteleuropa so klein wie nirgendwo.

    Sag mal, bist du tatsächlich so behindert oder tust du nur so?

  8. #8
    Avatar von daro

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    Zitat Zitat von Гуштер Beitrag anzeigen
    Sag mal, bist du tatsächlich so behindert oder tust du nur so?

    Du gehörst wohl auch zu denen die lieber Jammern als machen.

    Geht es dir schlecht, hast genug zum essen und Trinken, hast eine warme Wohnung auch in den hohen Alpen.
    Wilst du jammern über dein Leben, dann jammere.

    Mir ist durchaus bewusst, dass eine paar Milliardere mehr besitzen als die restliche Bevölkerung, es ändert aber nichts daran das es uns viel besser geht.

  9. #9
    Avatar von el Profesor

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    1.007
    Zitat Zitat von DrDoktor Beitrag anzeigen
    Der Umstand liegt wohl eher darin, dass man der Pharmaindustrie nicht wirklich traut, und die Leute nicht mehr gewillt sind, nach deren Deutungshoheit handeln zu müssen.
    Aus guten Gründen. Man sollte nicht alles verteufeln, aber was die Schulmedizin und die Pharmaindustrie betrifft läuft vieles falsch. Man denkt immer, ein Land wie Deutschland müsste sehr weit sein, dabei sind Länder wie Japan, Südkorea oder Indien in einigen medizinischen Bereichen und dazugehörenden Alternativen um einiges weiter.

  10. #10
    Avatar von Гуштер

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    Zitat Zitat von daro Beitrag anzeigen
    Du gehörst wohl auch zu denen die lieber Jammern als machen.

    Geht es dir schlecht, hast genug zum essen und Trinken, hast eine warme Wohnung auch in den hohen Alpen.
    Wilst du jammern über dein Leben, dann jammere.

    Mir ist durchaus bewusst, dass eine paar Milliardere mehr besitzen als die restliche Bevölkerung, es ändert aber nichts daran das es uns viel besser geht.

    Ok.
    Du bist tatsächlich einfach nur behindert.

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