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Japans heimtükischer überfall

Erstellt von ***Style***, 07.12.2011, 16:14 Uhr · 6 Antworten · 1.167 Aufrufe

  1. #1

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    Japans heimtükischer überfall

    Zweiter Weltkrieg
    Japans heimtükischer überfall

    Am 7. Dezember 1941 griffen japanische Luft- und Seestreitkräfte die in Pearl Harbor auf Hawaii stationierte amerikanische Pazifikflotte an. Der folgende Krieg endete für Japan mit einer vernichtenden Niederlage.


    Das schwer getroffene Kriegsschiff «USS Arizona» versinkt in den Fluten des Pazifiks. 1177 Seeleute finden dabei den Tod.

    Mehr bilder:
    20 Minuten Online - Japans heimtckischer berfall - History


    Nach dem Frühstück betrat der Flugzeugmechaniker George D. Phraner das Deck des Schlachtschiffes «Arizona». Wie immer in Friedenszeiten hatten die Mannschaften sonntags frei und freuten sich auf einen ruhigen Tag. Plötzlich hörte er einen lauten Knall; von der nahe gelegenen Ford-Insel stiegen Rauchschwaden auf. Kurz darauf näherten sich Flugzeuge, deren Flügel das Emblem der aufgehenden Sonne trugen.

    Phraner und seinen Kameraden wurde schlagartig klar, dass die kaiserliche japanische Luftwaffe angriff. Phraner hatte Glück: Als eine gewaltige Explosion das Vorderdeck der Arizona erschütterte und 1177 Menschen in den Tod riss, befand er sich weit entfernt im Munitionsmagazin und überlebte.

    Bewusste Isolation

    Was brachte die Japaner dazu, sich mit der stärksten Industriemacht der Welt anzulegen? Der Inselstaat hatte in den vergangenen Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Mitte des 17. Jahrhunderts schottete sich Japan von ausländischen, insbesondere europäischen Einflüssen ab. Einzig die Holländer durften auf einer winzigen künstlichen Insel vor Nagasaki weiterhin eine Handelsniederlassung unterhalten, während spanische und portugiesische Missionare erbarmungslos vertrieben, häufig auch umgebracht wurden. Doch als 1853 vier Dampfschiffe der amerikanischen Kriegsmarine unter dem Kommando von Matthew C. Perry in die Bucht von Edo (heute Tokio) einliefen, war es mit der selbst gewählten Isolation vorbei: Die Japaner mussten ihre Häfen öffnen und Handelsverträge mit den USA, später auch mit den grossen europäischen Nationen abschliessen.

    Infografik: Angriff auf Pearl Harbor:
    20 Minuten - Pearl Harbour - Infografik

    Modernisierung

    Japanische Fürsten, die sich gedemütigt fühlten, stürzten nun die seit über 200 Jahren herrschenden Shogune (ursprünglich Feldherren, später Militärdiktatoren) aus dem Geschlecht der Tokugawa und stellten die zuvor eingeschränkte Macht des Kaisers zumindest formal wieder her. 1868 bestieg der erst 15-jährige Mutsuhito den Thron; seine bis 1912 währende Herrschaft stand unter dem Motto «Meiji» (Erleuchtete Regierung). Man studierte nun eifrig die westlichen Errungenschaften und leitete einen Modernisierungsprozess ein, der sich in atemberaubendem Tempo vollzog. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts produzierte Japan nicht nur hochwertige Textilien, sondern auch Stahl, chemische Erzeugnisse und Rüstungsgüter, die zu den modernsten der Welt zählten.

    Expansion

    Asiens erster Industriestaat wurde aber nun auch zu einer Bedrohung für seine Nachbarn. 1894/95 führte ein Streit um Korea zu einem Krieg mit China, den die schlagkräftige kaiserliche Armee gegen einen zahlenmässig deutlich überlegenen Gegner gewann. 1904/05 sicherten sich die Japaner durch einen Sieg über das zaristische Russland vorübergehend sogar die Herrschaft über die Mandschurei im Nordosten Chinas. 1910 wurde schliesslich Korea besetzt.
    Die westlichen Mächte waren allerdings nicht bereit, das rasant aufgestiegene Land als gleichberechtigten Partner anzuerkennen, nicht einmal nach dem Ersten Weltkrieg, den Japan auf Seiten der Siegermächte bestritten hatte. Besonders die hohen Offiziere waren zutiefst verärgert, als Japan im Washingtoner Flottenabkommen von 1922 lediglich 60 Prozent des britischen und amerikanischen Kampfschiffbestandes zugestanden wurden. Unter den ohnehin sehr autoritär gesinnten Eliten machte sich nun zunehmend ein aggressiver Nationalismus breit.

    Der Weg in den Krieg

    Zudem war das sich rasch industrialisierende Land immer weniger in der Lage, den Lebensmittelbedarf seiner Bevölkerung aus eigener Produktion zu decken. Rohstoffe boten die japanischen Inseln kaum, sodass man insbesondere bei Metallen, Gummi und Erdöl auf Importe angewiesen war.
    Den japanischen Nationalisten erschien es offensichtlich, dass sich diese Probleme nur durch Eroberungen in China und den europäischen Kolonien in Südostasien lösen liessen. 1931 inszenierten imperialistisch gesinnte Offiziere einen Anschlag auf einen japanischen Zug in der Mandschurei. Diesen «Mandschurischen Zwischenfall» (bis heute die offizielle Bezeichnung dieses Ereignisses in Japan) nahmen die Machthaber in Tokio zum Anlass, die gesamte Region unter ihre Kontrolle zu bringen. 1937 drängten japanische Truppen den chinesischen Regierungschef Tschiang Kaischek ins Landesinnere ab und besetzten grosse Teile der landwirtschaftlich nutzbaren Gebiete Chinas, wobei sie teilweise fürchterliche Massaker verübten, etwa bei der Eroberung der der neuen Hauptstadt Nanking.

    Die USA, der wichtigste Wirtschaftspartner Japans, beobachteten diese Entwicklung mit Sorge, denn sie verstanden sich seit langem als Schutzmacht Chinas und befürchteten zudem, Japan könnte die unter amerikanischem Protektorat stehenden Philippinen bedrohen. Als japanische Truppen am 24. Juli 1941 in die französische Kolonie Indochina einrückten, war das Mass voll: Nach Absprache mit den Briten und Holländern verschärften die Amerikaner die bereits bestehenden Handelssanktionen so sehr, dass sich der japanische Aussenhandel um drei Viertel, die Versorgung mit Erdöl sogar um neun Zehntel reduzierte.

    Der Angriff

    Die japanische Regierung unter Ministerpräsident Hideki Tojo sah nun den Krieg als den einzigen Ausweg aus der misslichen Situation. Am 5. November wurde die Umsetzung des von Admiral Isoroku Yamamoto ausgearbeiteten Angriffsplans angeordnet. Drei Wochen später verliessen schliesslich die Schiffe, die die Operation durchführen sollten, ihre Häfen und näherten sich Hawaii auf Umwegen. Als 183 Flugzeuge von Flugzeugträgern aus am 7. Dezember kurz vor 8 Uhr die erste Angriffswelle flogen, waren die Einheiten der Pazifikflotte fast völlig unvorbereitet, obwohl es den Amerikanern schon einige Zeit zuvor gelungen war, die Funkcodes sowohl der japanischen Diplomatie als auch der japanischen Marine zu knacken. Verschwörungstheoretiker behaupten daher bis heute, Präsident Roosevelt habe den Überfall bewusst in Kauf genommen, um auf der Seite Grossbritanniens in den Krieg gegen Hitlerdeutschland eintreten zu können. Allerdings gilt es heute als gesichert, dass Roosevelts Wissen sehr lückenhaft war, da die Japaner in den Wochen vor der Attacke strikte Funkstille bewahrten und alle Anweisungen durch Kuriere überbringen liessen.

    Nachdem 168 weitere Flugzeuge gegen 9 Uhr einen zweiten Angriff geflogen hatten, waren 2403 Amerikaner gefallen, zwölf Schiffe gesunken oder gestrandet und über 300 Flugzeuge zerstört oder beschädigt. Dennoch war die psychologische Wirkung des Angriffs erheblich grösser als die militärische, da Vizeadmiral Nagumo, der Kommandant der japanischen Truppen, es nicht wagte, eine dritte Attacke anzuordnen, um die Marinedocks und die Öltanks zu zerstören. Die amerikanischen Flugzeugträger waren der Katastrophe ohnehin entronnen; sie befanden sich zu diesem Zeitpunkt auf hoher See.

    Das Ende

    Von der Euphorie über den vermeintlichen japanischen Erfolg liess sich auch der mit Japan verbündete deutsche Diktator Adolf Hitler anstecken: «Wir können den Krieg gar nicht verlieren», frohlockte er gegenüber seinen Generälen Jodl und Keitel. «Wir haben jetzt einen Bundesgenossen, der in dreitausend Jahren nicht besiegt worden ist.» Tatsächlich erklärte er den USA bereits am 11. Dezember 1941 den Krieg, wozu er durch das rein defensiv ausgerichtete Bündnis mit Japan gar nicht verpflichtet gewesen wäre, und besiegelte damit seinen Untergang.

    Die Japaner waren im Kampf gegen die Amerikaner zunächst sehr erfolgreich: Es gelang ihnen, grosse Teile Ostasiens zu überrennen, darunter die Philippinen sowie fast alle Kolonien Grossbritanniens, Frankreichs und der Niederlande.

    Doch als die amerikanische Rüstungsmaschine auf Hochtouren zu laufen begann, wendete sich das Blatt. Nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 und dem Kriegseintritt der Sowjetunion am 8. August streckte Japan die Waffen; am 2. September konnte General Douglas MacArthur, der Kommandant der US-Truppen im Pazifik, an Bord des Schlachtschiffes «USS Missouri» die bedingungslose Kapitulation Japans entgegennehmen.

    20.Min

  2. #2
    ökörtilos
    Angriff ist eben nicht immer die beste Verteidigung.Laut der östlichen Philosophie ist hingegen eine gute Verteidigung der beste Angriff.

    In Tokio haben sich damals die Hitzköpfe durchgesetzt.

  3. #3
    Mulinho
    Zitat Zitat von ökörtilos Beitrag anzeigen
    Angriff ist eben nicht immer die beste Verteidigung.Laut der östlichen Philosophie ist hingegen eine gute Verteidigung der beste Angriff.

    In Tokio haben sich damals die Hitzköpfe durchgesetzt.
    Laut Ip Man ist Angriff die Verteidigung und Verteidigung der Angriff

  4. #4
    Kıvanç
    Das, was die Nazis für Europa waren, waren die Japaner für Asien. Tragisch, dass es so katastrophal enden musste (Atombombe).

  5. #5
    ökörtilos
    Zitat Zitat von Mulinho Beitrag anzeigen
    Laut Ip Man ist Angriff die Verteidigung und Verteidigung der Angriff

    Ja.Und Laut Karate Kid ist Auftragen rechte Hand und Polieren linke Hand.

  6. #6

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    Hat Präsident Franklin D. Roosevelt über den japanischen Angriff in Hawaii vor 70 Jahren Bescheid gewusst? Verschwörungstheoretiker sind überzeugt, er habe damit den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg erzwingen wollen.

    Eines unterscheidet den 7. Dezember 1941 vom 11. September 2001: Niemand behauptet ernsthaft, die USA hätten den Angriff auf ihre Pazifikflotte in Pearl Harbor selbst inszeniert. Die «Täterschaft» der kaiserlich-japanischen Marine steht ausser Zweifel. Doch ähnlich wie bei 9/11 sind auch im Fall von Pearl Harbor viele davon überzeugt, dass die US-Regierung im Vorfeld Bescheid gewusst und den Angriff provoziert oder zumindest zugelassen hat. Dadurch sollte der Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg herbeigeführt werden.

    Tatsache ist: US-Präsident Franklin D. Roosevelt war gewillt, dem britischen Premierminister Winston Churchill zu Hilfe zu eilen. Dieser führte an der europäischen Westfront einen einsamen Kampf gegen Nazi-Deutschland. Doch die Vereinigten Staaten hatten die Grosse Depression kaum überwunden, entsprechend stark war die isolationistische Gesinnung. Eine grosse Mehrheit der US-Bevölkerung lehnte eine «Einmischung» in den europäischen Krieg ab. Nach dem 7. Dezember 1941 wandelte sich die Stimmung faktisch über Nacht. Der «Tag der Schande» – so Roosevelt – setzte die amerikanische Kriegsmaschinerie in Gang.

    Flugzeugträger in Sicherheit gebracht?

    Drei Tage nach dem japanischen Angriff erklärte auch Deutschland den USA den Krieg – Roosevelt schien sein Ziel erreicht zu haben. Schon damals äusserten Kritiker Zweifel daran, dass die US-Regierung von den Japanern wirklich überrascht wurde. Bis heute blühen die Verschwörungstheorien rund um Pearl Harbor. Der Historiker Robert Stinnett behauptete in seinem Buch «Day of Deceit» (Tag der Täuschung), die USA hätten den japanischen Marinecode JN-25 schon vor dem Angriff geknackt. Weil die japanische Flotte zudem die Funkstille nicht eingehalten habe, sei man über ihre Bewegungen im Bild gewesen.

    Hinzu kommen weitere Ungereimtheiten, besonders die Tatsache, dass die beiden in Hawaii stationierten US-Flugzeugträger «Enterprise» und «Lexington» sich ausgerechnet am Tag des Angriffs nicht im Hafen befunden hatten. Wurden sie rechtzeitig in Sicherheit gebracht? Tatsächlich hielt sich der materielle Schaden durch den japanischen Angriff in Grenzen. Die knapp 2500 getöteten Amerikaner habe man zynisch in Kauf genommen – ähnlich wie 60 Jahre später die rund 3000 Todesopfer in den New Yorker Twin Towers.

    Hinweise zu wenig beachtet

    Doch genau wie bei 9/11 halten die meisten seriösen Forscher die Verschwörungstheorien rund um Pearl Harbor für baren Unsinn. Der Marinecode etwa wurde erst im Frühjahr 1942 geknackt, und die Funkstille wurde von den Japanern sehr wohl beachtet. Es gab zwar Funksprüche, doch die wurden vom Festland abgeschickt, um die Amerikaner zu täuschen. «Weder Roosevelt noch sonst jemand in seiner Regierung wusste, dass die Japaner Pearl Harbor angreifen würden. Es gab keine Verschwörung», sagte der Historiker Craig Shirley, Autor eines neuen Buches über Amerikas Kriegseintritt, dem britischen «Telegraph».

    Zwar habe es Hinweise gegeben, dass Japan eine militärische Aktion gegen US-Einrichtungen plante, doch diese seien zu wenig beachtet worden. Bereits im Januar 1941 berichtete Joseph Grew, der amerikanische Botschafter in Japan, von Gerüchten über einen Angriff auf Pearl Harbor. In den folgenden Monaten gab es weitere Indizien in diese Richtung. Doch niemand hielt einen solchen Husarenstreich für realistisch. Eher dachte man an einen Angriff auf eine Militärbasis auf den Philippinen.

    Zweite Angriffswelle abgesagt

    «Man konnte sich nicht vorstellen, dass die Japaner die Kühnheit besassen, eine Armee Tausende Meilen über den Pazifik zu bewegen, um Hawaii anzugreifen», sagt Shirley. Genauso wenig hielt man 2001 einen Angriff mit vier Flugzeugen auf die Symbole von Amerikas wirtschaftlicher und politischer Macht für möglich. Pearl Harbor war wie 9/11 nicht das Ergebnis einer Verschwörung, sondern von Schlamperei und Inkompetenz.

    Zudem hätte der relativ geringe Schaden in Pearl Harbor weit schlimmer ausfallen können. Denn die Reparaturanlagen und die Ölvorräte im Kriegshafen wurden nicht getroffen. Sie wären das Ziel einer zweiten japanischen Angriffswelle gewesen. Diese wurde jedoch vom Befehlshaber Admiral Nagumo abgesagt, weil es bereits spät war und Landungen auf Flugzeugträgern bei Dunkelheit damals zu gefährlich waren. Eine zweite Attacke hätte vermutlich auch den Flugzeugträger «Enterprise» getroffen, der am Nachmittag in Pearl Harbor eingelaufen war.

    Nur 17 Schlachtschiffe

    Ein Aspekt wird ebenfalls oft übersehen: Amerika war 1941 nicht die hochgerüstete Supermacht von heute. «Wir hatten ein kleines Heer, eine kleine Marine und eine sehr kleine Luftwaffe», sagte der Historiker David Martinez, ein Mitarbeiter der Pearl-Harbor-Gedenkstätte, der Nachrichtenagentur AFP. So besassen die USA damals nur 17 Schlachtschiffe, von denen acht in Hawaii ankerten. Dass nur zwei – die «Arizona» und die «Oklahoma» – irreparabel beschädigt wurden, liess sich wohl kaum voraussehen.

    Nicht Kalkül, sondern pures Glück hat dazu geführt, dass die US-Marine am 7. Dezember 1941 einigermassen ungeschoren davon kam und Amerika seine Kriegsvorbereitungen mit voller Kraft vorantreiben konnte. Und schliesslich spricht ein wichtiger Aspekt gegen eine Verschwörung: Sie hätte zahlreiche Beteiligte erfordert. Irgend jemand hätte wohl irgendwann geredet. Doch auch mehrere offizielle Untersuchungen erbrachten keinen Beweis dafür, dass Franklin D. Roosevelt die Attacke wissentlich und zynisch zugelassen hätte.


    Franklin D. Roosevelts Ansprache vor dem Kongress am Tag nach dem Angriff:
    Video:
    FDR's Day of Infamy Speech - YouTube

  7. #7
    Avatar von _Adriano_

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    Zitat Zitat von ***Style*** Beitrag anzeigen


    Hat Präsident Franklin D. Roosevelt über den japanischen Angriff in Hawaii vor 70 Jahren Bescheid gewusst? Verschwörungstheoretiker sind überzeugt, er habe damit den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg erzwingen wollen.

    Eines unterscheidet den 7. Dezember 1941 vom 11. September 2001: Niemand behauptet ernsthaft, die USA hätten den Angriff auf ihre Pazifikflotte in Pearl Harbor selbst inszeniert. Die «Täterschaft» der kaiserlich-japanischen Marine steht ausser Zweifel. Doch ähnlich wie bei 9/11 sind auch im Fall von Pearl Harbor viele davon überzeugt, dass die US-Regierung im Vorfeld Bescheid gewusst und den Angriff provoziert oder zumindest zugelassen hat. Dadurch sollte der Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg herbeigeführt werden.

    Tatsache ist: US-Präsident Franklin D. Roosevelt war gewillt, dem britischen Premierminister Winston Churchill zu Hilfe zu eilen. Dieser führte an der europäischen Westfront einen einsamen Kampf gegen Nazi-Deutschland. Doch die Vereinigten Staaten hatten die Grosse Depression kaum überwunden, entsprechend stark war die isolationistische Gesinnung. Eine grosse Mehrheit der US-Bevölkerung lehnte eine «Einmischung» in den europäischen Krieg ab. Nach dem 7. Dezember 1941 wandelte sich die Stimmung faktisch über Nacht. Der «Tag der Schande» – so Roosevelt – setzte die amerikanische Kriegsmaschinerie in Gang.

    Flugzeugträger in Sicherheit gebracht?

    Drei Tage nach dem japanischen Angriff erklärte auch Deutschland den USA den Krieg – Roosevelt schien sein Ziel erreicht zu haben. Schon damals äusserten Kritiker Zweifel daran, dass die US-Regierung von den Japanern wirklich überrascht wurde. Bis heute blühen die Verschwörungstheorien rund um Pearl Harbor. Der Historiker Robert Stinnett behauptete in seinem Buch «Day of Deceit» (Tag der Täuschung), die USA hätten den japanischen Marinecode JN-25 schon vor dem Angriff geknackt. Weil die japanische Flotte zudem die Funkstille nicht eingehalten habe, sei man über ihre Bewegungen im Bild gewesen.

    Hinzu kommen weitere Ungereimtheiten, besonders die Tatsache, dass die beiden in Hawaii stationierten US-Flugzeugträger «Enterprise» und «Lexington» sich ausgerechnet am Tag des Angriffs nicht im Hafen befunden hatten. Wurden sie rechtzeitig in Sicherheit gebracht? Tatsächlich hielt sich der materielle Schaden durch den japanischen Angriff in Grenzen. Die knapp 2500 getöteten Amerikaner habe man zynisch in Kauf genommen – ähnlich wie 60 Jahre später die rund 3000 Todesopfer in den New Yorker Twin Towers.

    Hinweise zu wenig beachtet

    Doch genau wie bei 9/11 halten die meisten seriösen Forscher die Verschwörungstheorien rund um Pearl Harbor für baren Unsinn. Der Marinecode etwa wurde erst im Frühjahr 1942 geknackt, und die Funkstille wurde von den Japanern sehr wohl beachtet. Es gab zwar Funksprüche, doch die wurden vom Festland abgeschickt, um die Amerikaner zu täuschen. «Weder Roosevelt noch sonst jemand in seiner Regierung wusste, dass die Japaner Pearl Harbor angreifen würden. Es gab keine Verschwörung», sagte der Historiker Craig Shirley, Autor eines neuen Buches über Amerikas Kriegseintritt, dem britischen «Telegraph».

    Zwar habe es Hinweise gegeben, dass Japan eine militärische Aktion gegen US-Einrichtungen plante, doch diese seien zu wenig beachtet worden. Bereits im Januar 1941 berichtete Joseph Grew, der amerikanische Botschafter in Japan, von Gerüchten über einen Angriff auf Pearl Harbor. In den folgenden Monaten gab es weitere Indizien in diese Richtung. Doch niemand hielt einen solchen Husarenstreich für realistisch. Eher dachte man an einen Angriff auf eine Militärbasis auf den Philippinen.

    Zweite Angriffswelle abgesagt

    «Man konnte sich nicht vorstellen, dass die Japaner die Kühnheit besassen, eine Armee Tausende Meilen über den Pazifik zu bewegen, um Hawaii anzugreifen», sagt Shirley. Genauso wenig hielt man 2001 einen Angriff mit vier Flugzeugen auf die Symbole von Amerikas wirtschaftlicher und politischer Macht für möglich. Pearl Harbor war wie 9/11 nicht das Ergebnis einer Verschwörung, sondern von Schlamperei und Inkompetenz.

    Zudem hätte der relativ geringe Schaden in Pearl Harbor weit schlimmer ausfallen können. Denn die Reparaturanlagen und die Ölvorräte im Kriegshafen wurden nicht getroffen. Sie wären das Ziel einer zweiten japanischen Angriffswelle gewesen. Diese wurde jedoch vom Befehlshaber Admiral Nagumo abgesagt, weil es bereits spät war und Landungen auf Flugzeugträgern bei Dunkelheit damals zu gefährlich waren. Eine zweite Attacke hätte vermutlich auch den Flugzeugträger «Enterprise» getroffen, der am Nachmittag in Pearl Harbor eingelaufen war.

    Nur 17 Schlachtschiffe

    Ein Aspekt wird ebenfalls oft übersehen: Amerika war 1941 nicht die hochgerüstete Supermacht von heute. «Wir hatten ein kleines Heer, eine kleine Marine und eine sehr kleine Luftwaffe», sagte der Historiker David Martinez, ein Mitarbeiter der Pearl-Harbor-Gedenkstätte, der Nachrichtenagentur AFP. So besassen die USA damals nur 17 Schlachtschiffe, von denen acht in Hawaii ankerten. Dass nur zwei – die «Arizona» und die «Oklahoma» – irreparabel beschädigt wurden, liess sich wohl kaum voraussehen.

    Nicht Kalkül, sondern pures Glück hat dazu geführt, dass die US-Marine am 7. Dezember 1941 einigermassen ungeschoren davon kam und Amerika seine Kriegsvorbereitungen mit voller Kraft vorantreiben konnte. Und schliesslich spricht ein wichtiger Aspekt gegen eine Verschwörung: Sie hätte zahlreiche Beteiligte erfordert. Irgend jemand hätte wohl irgendwann geredet. Doch auch mehrere offizielle Untersuchungen erbrachten keinen Beweis dafür, dass Franklin D. Roosevelt die Attacke wissentlich und zynisch zugelassen hätte.


    Franklin D. Roosevelts Ansprache vor dem Kongress am Tag nach dem Angriff:
    Video:
    FDR's Day of Infamy Speech - YouTube
    Habs net ganz gelsne, aber steht da drin was das die USA da sleber was mit zu tun haben mit Pearl harbour?

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