Zugegeben, er macht nicht viel her – so klein, wie er sich gibt. Tatsächlich aber gehört er zu den großen Rätseln der Welt.

Auf den ersten Blick scheint der Punkt ein ziemlicher Langweiler zu sein. Nachdem alles schon gesagt ist, hängt er sich hinten an jeden Satz an und markiert, wo der eine endet und der andere anfängt. Eine Lesehilfe, sonst nichts. Tatsächlich aber steckt viel mehr hinter diesem kleinen Gebilde. Der Punkt gehört sogar zum Rätselhaftesten, was es gibt.

Das jedenfalls behaupten die Mathematiker. Wenn man ihnen glaubt, gibt es den Punkt gar nicht. Denn seine Fläche ist null – und seine räumliche Dimension ebenfalls. Auf den Punkt gebracht: Der Punkt ist materiell überhaupt nicht existent. Wir können uns einen Punkt vorstellen, der immer noch kleiner und kleiner ist – aber ein Punkt ohne Ausdehnung übersteigt unsere Brainpower.

Generationen von Philosophen haben trotzdem darüber nachgegrübelt, wie der Punkt zu definieren sei, und vor gut 2300 Jahren fand der griechische Mathematiker Euklid die Antwort. Dieses Genie, das um 300 v. Chr. in der heute ägyptischen Hafenstadt Alexandria am Hofe der Ptolemäer lebte, stellte in seinem Handbuch über »Die Elemente» jene Definition auf, die bis heute Gültigkeit hat: »Ein Punkt ist etwas, das keine Teile hat.«