Schicksal von knapp 2.000 Menschen, die seit Kriegsende 1999 vermisst sind, soll aufgeklärt werden - Bisher Exhumierungen an zwölf Stellen vorgenommen



Prishtina - Die EU-Rechtsstaatsmission im Kosovo (EULEX) bemüht sich auch, das Schicksal jener knapp 2.000 Menschen aufzuklären, die seit Kriegsende 1999 vermisst sind. Das Internetportal BalkanInsight berichtete am Wochenende, EULEX-Experten hätten seit Frühjahrsbeginn Exhumierungen an zwölf Stellen vorgenommen - die meisten in Mitrovica und dem nahe gelegenen Vushtrri (Vucitrn) im Nordkosovo. Zehn Leichen wurden entdeckt; das im Rahmen der EULEX tätige Büro für Vermisste und Gerichtsmedizin (OMPF) in Prishtina (Pristina) soll nun deren Identität feststellen.



Nach Angaben einer EULEX-Sprecherin will die Mission ein bis zwei Exhumierungen pro Woche durchführen. Das Tempo hänge auch von notwendigen Gerichtsanordnungen ab. Gemäß den OMPF-Experten dürften sich die Leichen vieler Vermisster im Kosovo und in der näheren Region befinden.


In den vergangenen zehn Jahren waren mehrere Organisationen mit der Suche nach den Vermissten befasst. Nicht alle haben sich dabei an die üblichen Verfahrensregeln gehalten; wichtige Informationen gingen verloren.


Bei den Vermissten handelt es sich mehrheitlich um ethnische Albaner. Seit dem Krieg ist aber auch noch immer das Schicksal von rund 500 Kosovo-Serben unbekannt.


In Serbien wurden 2001 in mehreren Massengräbern auf zwei Übungsplätzen der Sonderpolizei sowie an der Grenze zu Bosnien die Leichen von rund 900 Kosovo-Albanern entdeckt. Ihren Abtransport aus dem Kosovo und ihre Bestattung in Massengräbern soll 1999 Vlastimir Djordjevic, ein damaliger Spitzenfunktionär der serbischen Polizei, organisiert haben. Djordjevic wurde vor zwei Jahren in Montenegro festgenommen und an das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag überstellt. Seit Jänner ist dort ein Prozess gegen ihn wegen Kriegsverbrechen im Kosovo im Gange. (APA)



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