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"Funktionale Teilung" im Kosovo

Erstellt von Zurich, 17.06.2008, 17:15 Uhr · 109 Antworten · 4.884 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Zurich

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    Ausrufezeichen "Funktionale Teilung" im Kosovo

    "Funktionale Teilung" im Kosovo


    Vier Monate nach der unilateralen Unabhängigkeitserklärung bleiben der völkerrechtliche Status und die politische Verwaltungsstruktur im Kosovo konfus

    Eigentlich sollte der 15. Juni ein großer Tag werden. Vier Monate nach der unilateralen Unabhängigkeitserklärung Kosovos sollte nach den ursprünglichen Plänen der Regierung unter dem ehemaligen UCK-Kommandanten Hasim Thaci die Präsenz der UN-Mission (UNMIK in Pristina beendet werden. Die Kompetenzen der bisherigen internationalen Protektoratsverwaltung sollten weitgehend in die Hand der Kosovo-Regierung übergehen.

    Doch es kam anders: Zwar trat am vergangenen Sonntag eine neue Kosovo-Verfassung in Kraft und die Kosovo-Regierung eröffnete ein Außen- und Verteidigungsministerium. Nach einer Intervention von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon vom vergangenen Donnerstag bleibt die UNMIK aber auch weiterhin im Kosovo präsent. Ausdrücklich wird dabei die Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrates bekräftigt, mit der die Provinz nach dem Kosovo-Krieg im Juni 1999 weiterhin als Bestandteil Serbiens festgeschrieben wurde.

    Ban Ki-moon führt damit den Drahtseilakt fort, mit dem die UN seit Monaten versucht, den Statuskonflikt um das Kosovo zu entschärfen. Nach Gesprächen mit dem britischen Ministerpräsident Gordon Brown erklärte der UN-Generalsekretär vergangene Woche zu seinen Absichten:

    Es ist mir klar, dass dieses Paket nicht jede Seite vollständig zufrieden stellt. Aber nach langen Gesprächen mit allen Seiten ist meine ehrliche Auffassung, dass mein Vorschlag sich als am wenigsten problematisch für alle Beteiligten herausstellen wird.

    Tatsächlich bedeutet das Vorgehen von Ban Ki-moon einen deutlichen Dämpfer für die Kosovo-Regierung und ihre internationalen Unterstützer in Washington und Brüssel. Nachdem bisher nur 43 von 192 UN-Mitgliedsstaaten Kosovo als unabhängig anerkannt haben, stellt sich der UN-Generalsekretär praktisch auf eine "Status neutral" Position, wie seine Sprecherin Brendan Varma sagte.

    Diese vor allem dem Druck Russlands, Chinas und Serbiens geschuldete Entscheidung hat einige weit reichende Folgen. Statt zu einer vollständigen Abwicklung der UNMIK, wie ursprünglich geplant, kommt es zu einer "Re-Konfiguration" der UN-Mission. Die Mission der Europäischen Union (EULEX), welche die UNMIK eigentlich ablösen sollte, wird nun unter die Oberaufsicht der UNMIK gestellt. Gleichzeitig sollen serbische Polizisten voraussichtlich nicht dem Innenministerium in Pristina unterstellt werden, sondern direkt der weiter bestehenden UNMIK. In den serbischen Enklaven sollen neue Gerichte gegründet werden. Die Grenze im von Serben bewohnten Norden soll unter der Kontrolle der UNMIK bleiben und nicht von Pristina.



    Kosovo soll sowohl unabhängig als auch Teil von Serbien sein

    Der mit guten Kontakten in hohe westliche diplomatische Kreise ausgestattete britische Kosovo-Experte Tim Judah bemerkt, dass Ban Ki-moon seinen Vorschlag in zwei unterschiedlich lauteten Briefen nach Belgrad und Pristina gesendet hat. Während Boris Tadic als "Serbischer Präsident" angesprochen wird, lautet die Anrede an den Präsidenten des selbst erklärten Staates Kosovo, Fatmir Sejdiu, nur "Exzellenz". Damit wird dieser nicht gleichrangig mit Tadic angesprochen. Judah stellt fest, dass die neue Position der UN letztlich beiden Konfliktseiten Argumente in die Hand gibt:

    Ban scheint eine Situation erreichen zu wollen, in der die serbischen Führer behaupten können, dass Kosovo nicht unabhängig sei und immer noch zu Serbien gehöre, während die albanischen Führer das Gegenteil behaupten können, und so tun können, als ob das ganze Kosovo unter ihrer Kontrolle stehe.

    Die Frage ist, ob dieser Balanceakt der UN langfristige Stabilität garantieren kann. Vor allem in der Europäischen Union scheint das Vorgehen des UN-Generalsekretärs auf Widerstände zu stoßen. Nachdem sich viele EU-Staaten lange gesträubt haben, Kosovo überhaupt anzuerkennen, will Brüssel unter dem Namen EULEX nun möglichst bald eine Rechtsstaat- und Polizeimission in die Provinz senden. Die knapp 2.000 Beamten sollen in den sensiblen Bereichen der grassierenden Organisierten Kriminalität, der Migrationskontrolle und dem bisher kaum funktionierenden Justizwesen die direkte Kontrolle der EU herstellen, welche auf dem Balkan vitale Stabilitätsinteressen hat.

    Mit dem Vorschlag Ban Ki-moons, EULEX unter das Dach einer verlängerten UNMIK zu stellen, könnte das bisherige Problem einer mangelnden Rechtsgrundlage für die EU-Mission gelöst werden. Aber der Kosovo-Sonderbeauftragte der EU, Peter Feith, befürchtet, dass die neue Konstellation zur Konsolidierung der serbischen Parallelinstitutionen in den mehrheitlich von Serben bewohnten Landkreisen des Kosovo führen könnte. In einem Interview mit der Financial Times warnt Feith sogar vor einer "funktionalen Spaltung" des Kosovo.



    Kosovo-Serben wollen eigenes Parlament bilden

    Tatsächlich wäre die Anerkennung einer Doppelherrschaft im Kosovo aber nur die Bestätigung der bereits existierenden Realität. Die über hunderttausend Kosovo-Serben erkennen in ihrer übergroßen Mehrheit die unilaterale Unabhängigkeitserklärung nicht an. Am 11. Mai haben sie nicht nur an den serbischen Parlamentswahlen, sondern auch an gleichzeitig stattfindenden Lokalwahlen teilgenommen (Zerrissenes Serbien).

    Mittlerweile haben sich in den serbischen Landkreises des Kosovo Kommunalparlamente konstituiert, die voll in das Institutionensystem Serbiens integriert sind und keinerlei Verbindung zu Pristina haben. Unterstützt durch die Regierung in Belgrad erkennen die Kosovo-Serben weder die neue Verfassung noch die geplante EULEX Mission an. Am 28. Juni wollen sie vielmehr ihr eigenes Parlament gründen, kündigte der Serbische Nationalrat (SNV) in Kosovska Mitrovica an. Als Datum wurde dafür der Mythen umwobene Veitstag (Vidovdan) gewählt, an dem in Serbien der Jahrestag der "Schlacht auf dem Amselfeld" von 1389 gefeiert wird.

    Eine zentrale Frage für die Zukunft ist, wie die kosovo-albanische Bevölkerung auf die sich abzeichnende De-facto-Teilung reagieren wird. Von Seiten der politischen Eliten, welche zum großen Teil aus der ehemaligen UCK hervorgehen, wird zwar rhetorisch der Anspruch auf den ganzen Kosovo erhoben. Tatsächlich unternimmt die Regierung unter dem ehemaligen UCK-Führer Hasim Thaci aber nichts, um diese Ambitionen auch durchzusetzen. Damit folgt er den Maßgaben der internationalen Machtfaktoren, die einer Konfrontation mit den Kosovo-Serben aus dem Weg gehen wollen.

    Ganz anders agiert dagegen die radikale Bewegung "Vetevendosje" (Selbstbestimmung). Ihr Sprecher Albin Kurti aber nur wenige Kosovo-Albaner.



    TP: "Funktionale Teilung" im Kosovo







    .

  2. #2
    Avatar von meko

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    hör auf mit deinen teilungs und aufspaltungsideen zurich.

  3. #3
    Avatar von illyrian_eagle

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    Zitat Zitat von Zurich Beitrag anzeigen
    "Funktionale Teilung" im Kosovo


    Vier Monate nach der unilateralen Unabhängigkeitserklärung bleiben der völkerrechtliche Status und die politische Verwaltungsstruktur im Kosovo konfus

    Eigentlich sollte der 15. Juni ein großer Tag werden. Vier Monate nach der unilateralen Unabhängigkeitserklärung Kosovos sollte nach den ursprünglichen Plänen der Regierung unter dem ehemaligen UCK-Kommandanten Hasim Thaci die Präsenz der UN-Mission (UNMIK in Pristina beendet werden. Die Kompetenzen der bisherigen internationalen Protektoratsverwaltung sollten weitgehend in die Hand der Kosovo-Regierung übergehen.

    Doch es kam anders: Zwar trat am vergangenen Sonntag eine neue Kosovo-Verfassung in Kraft und die Kosovo-Regierung eröffnete ein Außen- und Verteidigungsministerium. Nach einer Intervention von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon vom vergangenen Donnerstag bleibt die UNMIK aber auch weiterhin im Kosovo präsent. Ausdrücklich wird dabei die Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrates bekräftigt, mit der die Provinz nach dem Kosovo-Krieg im Juni 1999 weiterhin als Bestandteil Serbiens festgeschrieben wurde.

    Ban Ki-moon führt damit den Drahtseilakt fort, mit dem die UN seit Monaten versucht, den Statuskonflikt um das Kosovo zu entschärfen. Nach Gesprächen mit dem britischen Ministerpräsident Gordon Brown erklärte der UN-Generalsekretär vergangene Woche zu seinen Absichten:

    Es ist mir klar, dass dieses Paket nicht jede Seite vollständig zufrieden stellt. Aber nach langen Gesprächen mit allen Seiten ist meine ehrliche Auffassung, dass mein Vorschlag sich als am wenigsten problematisch für alle Beteiligten herausstellen wird.

    Tatsächlich bedeutet das Vorgehen von Ban Ki-moon einen deutlichen Dämpfer für die Kosovo-Regierung und ihre internationalen Unterstützer in Washington und Brüssel. Nachdem bisher nur 43 von 192 UN-Mitgliedsstaaten Kosovo als unabhängig anerkannt haben, stellt sich der UN-Generalsekretär praktisch auf eine "Status neutral" Position, wie seine Sprecherin Brendan Varma sagte.

    Diese vor allem dem Druck Russlands, Chinas und Serbiens geschuldete Entscheidung hat einige weit reichende Folgen. Statt zu einer vollständigen Abwicklung der UNMIK, wie ursprünglich geplant, kommt es zu einer "Re-Konfiguration" der UN-Mission. Die Mission der Europäischen Union (EULEX), welche die UNMIK eigentlich ablösen sollte, wird nun unter die Oberaufsicht der UNMIK gestellt. Gleichzeitig sollen serbische Polizisten voraussichtlich nicht dem Innenministerium in Pristina unterstellt werden, sondern direkt der weiter bestehenden UNMIK. In den serbischen Enklaven sollen neue Gerichte gegründet werden. Die Grenze im von Serben bewohnten Norden soll unter der Kontrolle der UNMIK bleiben und nicht von Pristina.



    Kosovo soll sowohl unabhängig als auch Teil von Serbien sein

    Der mit guten Kontakten in hohe westliche diplomatische Kreise ausgestattete britische Kosovo-Experte Tim Judah bemerkt, dass Ban Ki-moon seinen Vorschlag in zwei unterschiedlich lauteten Briefen nach Belgrad und Pristina gesendet hat. Während Boris Tadic als "Serbischer Präsident" angesprochen wird, lautet die Anrede an den Präsidenten des selbst erklärten Staates Kosovo, Fatmir Sejdiu, nur "Exzellenz". Damit wird dieser nicht gleichrangig mit Tadic angesprochen. Judah stellt fest, dass die neue Position der UN letztlich beiden Konfliktseiten Argumente in die Hand gibt:

    Ban scheint eine Situation erreichen zu wollen, in der die serbischen Führer behaupten können, dass Kosovo nicht unabhängig sei und immer noch zu Serbien gehöre, während die albanischen Führer das Gegenteil behaupten können, und so tun können, als ob das ganze Kosovo unter ihrer Kontrolle stehe.

    Die Frage ist, ob dieser Balanceakt der UN langfristige Stabilität garantieren kann. Vor allem in der Europäischen Union scheint das Vorgehen des UN-Generalsekretärs auf Widerstände zu stoßen. Nachdem sich viele EU-Staaten lange gesträubt haben, Kosovo überhaupt anzuerkennen, will Brüssel unter dem Namen EULEX nun möglichst bald eine Rechtsstaat- und Polizeimission in die Provinz senden. Die knapp 2.000 Beamten sollen in den sensiblen Bereichen der grassierenden Organisierten Kriminalität, der Migrationskontrolle und dem bisher kaum funktionierenden Justizwesen die direkte Kontrolle der EU herstellen, welche auf dem Balkan vitale Stabilitätsinteressen hat.

    Mit dem Vorschlag Ban Ki-moons, EULEX unter das Dach einer verlängerten UNMIK zu stellen, könnte das bisherige Problem einer mangelnden Rechtsgrundlage für die EU-Mission gelöst werden. Aber der Kosovo-Sonderbeauftragte der EU, Peter Feith, befürchtet, dass die neue Konstellation zur Konsolidierung der serbischen Parallelinstitutionen in den mehrheitlich von Serben bewohnten Landkreisen des Kosovo führen könnte. In einem Interview mit der Financial Times warnt Feith sogar vor einer "funktionalen Spaltung" des Kosovo.



    Kosovo-Serben wollen eigenes Parlament bilden

    Tatsächlich wäre die Anerkennung einer Doppelherrschaft im Kosovo aber nur die Bestätigung der bereits existierenden Realität. Die über hunderttausend Kosovo-Serben erkennen in ihrer übergroßen Mehrheit die unilaterale Unabhängigkeitserklärung nicht an. Am 11. Mai haben sie nicht nur an den serbischen Parlamentswahlen, sondern auch an gleichzeitig stattfindenden Lokalwahlen teilgenommen (Zerrissenes Serbien).

    Mittlerweile haben sich in den serbischen Landkreises des Kosovo Kommunalparlamente konstituiert, die voll in das Institutionensystem Serbiens integriert sind und keinerlei Verbindung zu Pristina haben. Unterstützt durch die Regierung in Belgrad erkennen die Kosovo-Serben weder die neue Verfassung noch die geplante EULEX Mission an. Am 28. Juni wollen sie vielmehr ihr eigenes Parlament gründen, kündigte der Serbische Nationalrat (SNV) in Kosovska Mitrovica an. Als Datum wurde dafür der Mythen umwobene Veitstag (Vidovdan) gewählt, an dem in Serbien der Jahrestag der "Schlacht auf dem Amselfeld" von 1389 gefeiert wird.

    Eine zentrale Frage für die Zukunft ist, wie die kosovo-albanische Bevölkerung auf die sich abzeichnende De-facto-Teilung reagieren wird. Von Seiten der politischen Eliten, welche zum großen Teil aus der ehemaligen UCK hervorgehen, wird zwar rhetorisch der Anspruch auf den ganzen Kosovo erhoben. Tatsächlich unternimmt die Regierung unter dem ehemaligen UCK-Führer Hasim Thaci aber nichts, um diese Ambitionen auch durchzusetzen. Damit folgt er den Maßgaben der internationalen Machtfaktoren, die einer Konfrontation mit den Kosovo-Serben aus dem Weg gehen wollen.

    Ganz anders agiert dagegen die radikale Bewegung "Vetevendosje" (Selbstbestimmung). Ihr Sprecher Albin Kurti aber nur wenige Kosovo-Albaner.



    TP: "Funktionale Teilung" im Kosovo







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    Die Zeit erledigt alle strapazen. Und ein Herr ban ki moon ist auch vergänglich wie alles auf dieserr Welt. Nur nicht der Staat Kosova.

  4. #4
    Avatar von illyrian_eagle

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    Zitat Zitat von Zurich Beitrag anzeigen
    "Funktionale Teilung" im Kosovo


    Vier Monate nach der unilateralen Unabhängigkeitserklärung bleiben der völkerrechtliche Status und die politische Verwaltungsstruktur im Kosovo konfus

    Eigentlich sollte der 15. Juni ein großer Tag werden. Vier Monate nach der unilateralen Unabhängigkeitserklärung Kosovos sollte nach den ursprünglichen Plänen der Regierung unter dem ehemaligen UCK-Kommandanten Hasim Thaci die Präsenz der UN-Mission (UNMIK in Pristina beendet werden. Die Kompetenzen der bisherigen internationalen Protektoratsverwaltung sollten weitgehend in die Hand der Kosovo-Regierung übergehen.

    Doch es kam anders: Zwar trat am vergangenen Sonntag eine neue Kosovo-Verfassung in Kraft und die Kosovo-Regierung eröffnete ein Außen- und Verteidigungsministerium. Nach einer Intervention von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon vom vergangenen Donnerstag bleibt die UNMIK aber auch weiterhin im Kosovo präsent. Ausdrücklich wird dabei die Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrates bekräftigt, mit der die Provinz nach dem Kosovo-Krieg im Juni 1999 weiterhin als Bestandteil Serbiens festgeschrieben wurde.

    Ban Ki-moon führt damit den Drahtseilakt fort, mit dem die UN seit Monaten versucht, den Statuskonflikt um das Kosovo zu entschärfen. Nach Gesprächen mit dem britischen Ministerpräsident Gordon Brown erklärte der UN-Generalsekretär vergangene Woche zu seinen Absichten:

    Es ist mir klar, dass dieses Paket nicht jede Seite vollständig zufrieden stellt. Aber nach langen Gesprächen mit allen Seiten ist meine ehrliche Auffassung, dass mein Vorschlag sich als am wenigsten problematisch für alle Beteiligten herausstellen wird.

    Tatsächlich bedeutet das Vorgehen von Ban Ki-moon einen deutlichen Dämpfer für die Kosovo-Regierung und ihre internationalen Unterstützer in Washington und Brüssel. Nachdem bisher nur 43 von 192 UN-Mitgliedsstaaten Kosovo als unabhängig anerkannt haben, stellt sich der UN-Generalsekretär praktisch auf eine "Status neutral" Position, wie seine Sprecherin Brendan Varma sagte.

    Diese vor allem dem Druck Russlands, Chinas und Serbiens geschuldete Entscheidung hat einige weit reichende Folgen. Statt zu einer vollständigen Abwicklung der UNMIK, wie ursprünglich geplant, kommt es zu einer "Re-Konfiguration" der UN-Mission. Die Mission der Europäischen Union (EULEX), welche die UNMIK eigentlich ablösen sollte, wird nun unter die Oberaufsicht der UNMIK gestellt. Gleichzeitig sollen serbische Polizisten voraussichtlich nicht dem Innenministerium in Pristina unterstellt werden, sondern direkt der weiter bestehenden UNMIK. In den serbischen Enklaven sollen neue Gerichte gegründet werden. Die Grenze im von Serben bewohnten Norden soll unter der Kontrolle der UNMIK bleiben und nicht von Pristina.



    Kosovo soll sowohl unabhängig als auch Teil von Serbien sein

    Der mit guten Kontakten in hohe westliche diplomatische Kreise ausgestattete britische Kosovo-Experte Tim Judah bemerkt, dass Ban Ki-moon seinen Vorschlag in zwei unterschiedlich lauteten Briefen nach Belgrad und Pristina gesendet hat. Während Boris Tadic als "Serbischer Präsident" angesprochen wird, lautet die Anrede an den Präsidenten des selbst erklärten Staates Kosovo, Fatmir Sejdiu, nur "Exzellenz". Damit wird dieser nicht gleichrangig mit Tadic angesprochen. Judah stellt fest, dass die neue Position der UN letztlich beiden Konfliktseiten Argumente in die Hand gibt:

    Ban scheint eine Situation erreichen zu wollen, in der die serbischen Führer behaupten können, dass Kosovo nicht unabhängig sei und immer noch zu Serbien gehöre, während die albanischen Führer das Gegenteil behaupten können, und so tun können, als ob das ganze Kosovo unter ihrer Kontrolle stehe.

    Die Frage ist, ob dieser Balanceakt der UN langfristige Stabilität garantieren kann. Vor allem in der Europäischen Union scheint das Vorgehen des UN-Generalsekretärs auf Widerstände zu stoßen. Nachdem sich viele EU-Staaten lange gesträubt haben, Kosovo überhaupt anzuerkennen, will Brüssel unter dem Namen EULEX nun möglichst bald eine Rechtsstaat- und Polizeimission in die Provinz senden. Die knapp 2.000 Beamten sollen in den sensiblen Bereichen der grassierenden Organisierten Kriminalität, der Migrationskontrolle und dem bisher kaum funktionierenden Justizwesen die direkte Kontrolle der EU herstellen, welche auf dem Balkan vitale Stabilitätsinteressen hat.

    Mit dem Vorschlag Ban Ki-moons, EULEX unter das Dach einer verlängerten UNMIK zu stellen, könnte das bisherige Problem einer mangelnden Rechtsgrundlage für die EU-Mission gelöst werden. Aber der Kosovo-Sonderbeauftragte der EU, Peter Feith, befürchtet, dass die neue Konstellation zur Konsolidierung der serbischen Parallelinstitutionen in den mehrheitlich von Serben bewohnten Landkreisen des Kosovo führen könnte. In einem Interview mit der Financial Times warnt Feith sogar vor einer "funktionalen Spaltung" des Kosovo.



    Kosovo-Serben wollen eigenes Parlament bilden

    Tatsächlich wäre die Anerkennung einer Doppelherrschaft im Kosovo aber nur die Bestätigung der bereits existierenden Realität. Die über hunderttausend Kosovo-Serben erkennen in ihrer übergroßen Mehrheit die unilaterale Unabhängigkeitserklärung nicht an. Am 11. Mai haben sie nicht nur an den serbischen Parlamentswahlen, sondern auch an gleichzeitig stattfindenden Lokalwahlen teilgenommen (Zerrissenes Serbien).

    Mittlerweile haben sich in den serbischen Landkreises des Kosovo Kommunalparlamente konstituiert, die voll in das Institutionensystem Serbiens integriert sind und keinerlei Verbindung zu Pristina haben. Unterstützt durch die Regierung in Belgrad erkennen die Kosovo-Serben weder die neue Verfassung noch die geplante EULEX Mission an. Am 28. Juni wollen sie vielmehr ihr eigenes Parlament gründen, kündigte der Serbische Nationalrat (SNV) in Kosovska Mitrovica an. Als Datum wurde dafür der Mythen umwobene Veitstag (Vidovdan) gewählt, an dem in Serbien der Jahrestag der "Schlacht auf dem Amselfeld" von 1389 gefeiert wird.

    Eine zentrale Frage für die Zukunft ist, wie die kosovo-albanische Bevölkerung auf die sich abzeichnende De-facto-Teilung reagieren wird. Von Seiten der politischen Eliten, welche zum großen Teil aus der ehemaligen UCK hervorgehen, wird zwar rhetorisch der Anspruch auf den ganzen Kosovo erhoben. Tatsächlich unternimmt die Regierung unter dem ehemaligen UCK-Führer Hasim Thaci aber nichts, um diese Ambitionen auch durchzusetzen. Damit folgt er den Maßgaben der internationalen Machtfaktoren, die einer Konfrontation mit den Kosovo-Serben aus dem Weg gehen wollen.

    Ganz anders agiert dagegen die radikale Bewegung "Vetevendosje" (Selbstbestimmung). Ihr Sprecher Albin Kurti aber nur wenige Kosovo-Albaner.



    TP: "Funktionale Teilung" im Kosovo







    .
    Die Zeit erledigt alle strapazen. Und ein Herr ban ki moon ist auch vergänglich wie alles auf dieser Welt. Nur nicht der Staat Kosova.

  5. #5

    Registriert seit
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    Ban Ki Moon hat genau richtig gehandelt, auch wenn das wahrscheinlich viele nicht verstehen werden, hat er dem Westen, also der EU und den USA und somit auch den Kosovo-Albanern viel mehr Zugeständnisse gemacht, als Serbien und Russland. Er hat die Unabhängigkeit des Kosovas zwar nicht anerkannt, was ja auch logisch ist, wegen dem Veto von Russland, aber was noch viel wichtiger ist, er hat es auch NICHT aberkannt. Er macht also das einzige, was ihm in seiner Position übrig bleibt, er stellt sich in eine neutrale Position und macht beiden Seiten Angebote, bei denen Sie das Gesicht nicht verlieren. Gleichzeitig erlaubt er aber der EU und den KS-Albanern die EULEX Mission zu starten, zwar unter einer UNMIK-Schirmherrschaft, welche aber nur noch in serbischen Gemeinden ihre Funktion erfüllen wird. So wie ich die UNMIK kenne, werden aber die KS-Serben sich danach selber wünschen, von der EU unterstützt zu werden und nicht mehr von der UNMIK, weil die UNMIK-Behörden ein reiner unfähiger Haufen voll inkompetenter und korrupter Beamten sind, die die Entwicklungsgelder, die eigentlich für das Kosovo bestimmt sind, entweder in ihren eigenen Sack stecken oder dazu ausnützen um entweder KS-serbische oder KS-albanische Politiker zu schmieren! Und von Belgrad können die KS-Serben auch nicht viel Hilfe erwarten als sie es bisher schon erhalten haben, nämlich in einem sehr, sehr begrenztem Masse. Selbst das Geld für die Sicherung und Renovierung der serbisch, orthodoxen Kirchen wird hauptsächlich aus EU-Geldern finanziert.

    Den Kosovo-Albanern und der EU bleibt während dieser Zeit nicht anderes übrig, als weiterhin Fakten zu schaffen. Bisher haben schon über 40 Länder KS anerkannt und das ist in Anbetracht, der schwierigen Umstände und der vielen Steine, die dem neuen Staat Kosova auf den Weg gelegt wurden, eine sehr bedeutende Zahl, welche noch weiter steigen wird.

    Ich bin mir sicher, dass Kosova in etwa 2 Jahren auch UN-Mitglied sein wird, es ist alles eine Frage der Zeit. Das Kosova hat auch bisher sich gegen den Willen Serbiens und Russlands für Unabhängig erklärt und wird weiterhin seinen schwierigen, aber am Schluss erfolgreichen Weg gehen. Aber ich spüre auch, wie Serbien sich in den europäischen Länder und überall auf der Welt immer unbelibter macht, mit ihrer ständigen Blockadehaltungen und Drohungen gegen den kleinen Staat Kosovo. Das Kosovo hingegen wird immer mehr unterstützt.

  6. #6
    Avatar von Zurich

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    Zitat Zitat von meko Beitrag anzeigen
    hör auf mit deinen teilungs und aufspaltungsideen zurich.
    Hör du lieber auf pauschale Sätze aus dem Niemandsland hervorzubringen. Ich bin weder der Redaktor dieser Zeitung, noch UN-Generalsäkräter, oder sonst was. Also tue nicht so, als ob das mein Werk wäre.

    Solltest langsam genung Forum-Kenntnise haben um Medien-Zitate und selbstgeschribene Texte voneinander zu unterscheiden.

    Ich poste blos eine aktuelle Neugikeit oder allgmeine Meldung über die Entwicklungen auf dem Balkan bzw. was damit zu tun hat. Und wenn's dir nicht passt, dann beklag dich nicht bei mir, sondern beim Radaktor der entsprechenden Quelle oder bei der UNO.

  7. #7
    Ghostbrace
    Zu einer Teilung wird es nicht kommen. Höchstens eine Zypern-Nordzypern-Situation, aber auch das ist mehr als unwahrscheinlich.

    Die Albaner warten einfach ab, bis sich das Problem von selber erledigt. Wie das gehen soll? Ganz einfach:

    Durchschnittsalter der Albaner: 28 Jahre
    Durchschnittsalter der Serben: 51 Jahre

    Mit dem Nordkosovo, sollte die Situation so bleiben, hat man ein Schlaraffenland für die Mafia geschaffen.

  8. #8
    Avatar von Zurich

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    Zitat Zitat von FREEAGLE Beitrag anzeigen
    Ich bin mir sicher, dass Kosova in etwa 2 Jahren auch UN-Mitglied sein wird, es ist alles eine Frage der Zeit.
    OK, gut. Und wie?



    Zitat Zitat von FREEAGLE Beitrag anzeigen
    Das Kosova hat auch bisher sich gegen den Willen Serbiens und Russlands für Unabhängig erklärt und wird weiterhin seinen schwierigen, aber am Schluss erfolgreichen Weg gehen. Aber ich spüre auch, wie Serbien sich in den europäischen Länder und überall auf der Welt immer unbelibter macht, mit ihrer ständigen Blockadehaltungen und Drohungen gegen den kleinen Staat Kosovo. Das Kosovo hingegen wird immer mehr unterstützt.
    Nö... Wieso unbeliebter? Bei den Amis? Also ich sehe eher das Gegenteil. Im serbischen Fernsehen wird immer mehr und mehr Unterstützung für Serbien gezeigt (und ich denke kaum, dass das Propaganda ist und sie Schauspieler angestellt haben, die in unterschiedlichen Sprachen Serbien ihre Unterstützung in der Kosovo-Frage zusichern).
    Die Welt ist eben nicht nur die NATO-Staaten.

    Und Serben legen dem Kosovo sicherlich nicht Steine in den Weg aus Bösartigkeit, sondern verteidigen ihre Interessen und UN-gestützte Völkerrechte. Das ist ein ganz legales Verhalten seitens Serbiens. Die Zeiten des Krieges sind vorbei!

    Eure Unterstüzung stockt ein bisschen. Die grosse Anerkennungswelle ist vorbei. Es werden zwar noch einige Staaten kommen, doch die Zahl wird sich nicht gross steigern, weil die meissten Staaten wegen UN-Völkerrechtsbruchs, UN-Resolutionen und der Antipathie zum imerialistischen Verhalten Seitens der USA, Serbien zugesichert haben, dass sie das Kosovo nicht anerkennen werden, oder sie taten diesen Schritt schon.

  9. #9
    Ghostbrace
    Zitat Zitat von Zurich Beitrag anzeigen
    OK, gut. Und wie?
    Vollversammlung. Da würden die Vetos der UNO-Sicherheitsrat-Mitglieder wegfallen, also auch das russiche.

    allerdings bräuchte man eine 2/3 Mehrheit. Wird sicherlich erreicht.



    Nö... Wieso unbeliebter? Bei den Amis? Also ich sehe eher das Gegenteil. Im serbischen Fernsehen wird immer mehr und mehr Unterstützung für Serbien gezeigt (und ich denke kaum, dass das Propaganda ist und sie Schauspieler angestellt haben, die in unterschiedlichen Sprachen Serbien ihre Unterstützung in der Kosovo-Frage zusichern).
    Die Welt ist eben nicht nur die NATO-Staaten.
    Protestieren Goerge Clooney und Sharon Stone schon?

    Und Serben legen dem Kosovo sicherlich nicht Steine in den Weg aus Bösartigkeit, sondern verteidigen ihre Interessen und UN-gestützte Völkerrechte. Das ist ein ganz legales Verhalten seitens Serbiens. Die Zeiten des Krieges sind vorbei!
    Ich denke eher, es ist Wahlkampf.

    Eure Unterstüzung stockt ein bisschen. Die grosse Anerkennungswelle ist vorbei. Es werden zwar noch einige Staaten kommen, doch die Zahl wird sich nicht gross steigern, weil die meissten Staaten wegen UN-Völkerrechtsbruchs, UN-Resolutionen und der Antipathie zum imerialistischen Verhalten Seitens der USA, Serbien zugesichert haben, dass sie das Kosovo nicht anerkennen werden, oder sie taten diesen Schritt schon.
    Eine 'Welle' wie kurz nach der Unabhängigkeit wird es wohl nicht mehr geben. Die Zahl wird dennoch steigen und mindestens 100 erreichen.

    Die Anzahl der Staaten, die tatsächlich auf Seiten Serbiens sind, sind schon sehr begrenzt.

  10. #10

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    3.057
    Zitat Zitat von Zurich Beitrag anzeigen
    OK, gut. Und wie?
    antwort von Garagamel.


    Zitat Zitat von Zurich Beitrag anzeigen
    Nö... Wieso unbeliebter? Bei den Amis? Also ich sehe eher das Gegenteil. Im serbischen Fernsehen wird immer mehr und mehr Unterstützung für Serbien gezeigt (und ich denke kaum, dass das Propaganda ist und sie Schauspieler angestellt haben, die in unterschiedlichen Sprachen Serbien ihre Unterstützung in der Kosovo-Frage zusichern).
    Die Welt ist eben nicht nur die NATO-Staaten.
    Das serbische Fernsehen berichtet eben noch viel, deswegen glaubten auch viele Serben bis zu letzt, dass sie gegen die Unabhängigkeit des Kosvas etwas machen könnten, umso mehr traf sie dann der Blitz als die Unahbängigkeit tatsächlich ausgerufen wurde, aber ich kann dich beruhigen, denn ich wünschte mir von den kosovarischen Medien auch eine etwas kritischere Berichterstattung.

    Dennoch sieht die Realität eben anders aus. Es haben bis jetzt schon über 40 Staaten KS anerkannt und das Kosovo ist gerade mal ein paar Monate alt und wie schon gesagt, in Anbetracht, der schwierigen Umstände, in der Kosova geboren wurde, ist das eine sehr beträchtliche Zahl, die noch weiterhin steigen wird im Laufe der Zeit. Und diese Zahl setzt sich eben nicht nur aus Nato-Staaten zusammen, wie du fälschlicherweise behauptest, sondern es sind vorallem Länder aus der demokratischen Welt, die das Kosovo unterstützen und du kannst dir sicher sein, dass bei einem Sieg Obamas die Unterstützung Kosvas noch weiter intensiviert wird, denn viele Länder haben sich bisher wegen Bush und seiner Kriegspolitik im Nahen Osten zurückgehalten mit der Anerkennung Kosovas und es ist eben kein Geheimniss, dass die Unabhängigkeit KS hauptsächlich von den USA getragen wurde und wird, aber du kannst dir sicher sein, dass Obama genau so, wenn nicht sogar mehr, das Kosova unterstützen wird, genauso wie es sein Kollegen B. Clinton aus dem demokratischen Lager getan hat.

    Es wäre ausserdem fatal für Serbien sich auf die Unterstützung einzelner politischer Kreise innerhalb eines Landes zu fokussieren und daraus zu schliessen, dass deswegen das ganze Land sich gegen eine Anerkennung der Unabhängigkeit Kosovas ausspricht. Schliesslich waren die LINKEN in Deutschland auch gegen die Unahbängigkeit Kosovas und DE hat KS trotzdem anerkannt. Ähnlich sieht es auch in der Schweiz aus, wo die rechte Parte der SVP sich mit Händen und Füssen gegen diese Unahbängigkeit gewehrt hat und CH das Kosovo trotzdem anerkannt hat. Ähnliche Verhältnisse hatten wir auch in Tschechien, wo die Gegen-Bewegung sogar noch stärker war, aber es sich am Schluss doch für die Anerkennung des Kosovas aussprach. Und von der FPÖ in Österreich muss ich dir ja auch nichts erzählen, denn dessen Führer konnten die Serben kürzlich ja sogar im eigenen Land bestaunen.

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