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höchste Geburtenrate Europas

Erstellt von arben_murati, 24.04.2008, 21:45 Uhr · 29 Antworten · 3.017 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    11.04.2008
    Beiträge
    169

    höchste Geburtenrate Europas

    Maximum - Das Kosovo hat die höchste Geburtenrate Europas
    Michael Martens
    Frankfurter Allgemeine Zeitung
    September 18, 2006

    Nirgends auf unserem Kontinent ist die Geburtenrate
    annähernd so hoch wie im Kosovo. Die demographischen
    Schwierigkeiten, denen sich das alt gewordene Europa
    gegenübersieht, existieren hier nur in ihrer Umkehrung.
    Nicht der Mangel an Kindern, sondern der Überfluß
    daran ist zu einer gesellschaftlichen Herausforderung
    geworden.
    Selbst in einem halben Jahrhundert sozialistischer
    Herrschaft, die ihre familienzersetzende Wirkung doch
    anderswo recht zuverlässig entfaltete, hat sich im Kosovo
    wenig daran geändert. Im Jahr 1948 hatte die
    durchschnittliche Kernfamilie im Kosovo 6,4 Mitglieder.
    Bis zum Beginn der achtziger Jahre war diese Zahl dank
    besserer Gesundheitsvorsorge auf knapp sieben
    gestiegen. Inzwischen sinkt sie auf hohem Niveau und
    hat ungefähr wieder den Wert von 1948 erreicht.
    Das moderne Einsamkeitseuropa, das sonst selbst auf
    dem Balkan kein unbekanntes Phänomen mehr ist -
    Griechenland hat eine der niedrigsten Geburtenraten in
    der EU -, hat das Kosovo nie erreicht. Die Krise der
    Familie hat diesen Landstrich Europas ausgespart.
    Zeugungsstreik, Bindungsunfähigkeit, Lebensabschnittspartner,
    Singlehaushalt, Scheidungskrieg? Das klingt
    amüsant im ländlichen Kosovo, wo die Mehrheit der
    Bevölkerung lebt.
    Strenggenommen leben sogar alle Kosovaren auf dem
    Lande, denn auch ihre Städte sind eigentlich nur
    übereinandergestapelte Dörfer. Mag sich in der
    Hauptstadt Prishtina und in anderen größeren Orten
    einiges geändert haben in den vergangenen Dekaden und
    in den Jahren der UN-Verwaltung für das Kosovo - auf
    dem Lande ist den Frauen die Sorge um die Vereinbarkeit
    von Beruf und Familie weiterhin meist abgenommen.
    Eine Aussicht auf Arbeit bietet sich ihnen ohnehin nicht,
    aber daß sie einen bis heute noch oft für sie Auserwählten
    heiraten und dann Kinder gebären werden, männliche
    und, wenn es sein muß, auch Mädchen, die später in
    andere Familien einheiraten, für die Versorgung ihrer
    Eltern im Alter also ausfallen werden - das alles ist
    unausweichlich.
    Weil auch das historische Ventil zum Abbau des
    kosovarischen Bevölkerungsüberdrucks fast ganz
    geschlossen ist, weil die massenhafte Auswanderung zum
    ersten Mal seit Menschengedenken auf dem Amselfeld
    nicht mehr stattfindet, hat das schwere Folgen für die
    Region. Zur türkischen Zeit gingen die jungen Männer
    aus dem Kosovo in den osmanischen Wirtschaftszentren
    Saloniki oder Istanbul auf Arbeitssuche, später zog es sie
    nordwärts nach Belgrad. Es folgte die Zeit der
    Gastarbeiter, doch auch die ist vorbei. Die
    westeuropäischen Arbeitsmärkte sind durch die
    Schengener Mauer abgeschottet, und Belgrad kommt als
    Auswanderungsziel aus politischen und wirtschaftlichen
    Gründen nicht mehr in Frage. Nur der florierende
    kosovarische Gebärmarkt produziert fast wie zuvor.
    Jahr für Jahr drängen im Kosovo viele tausend junge
    Menschen auf einen Arbeitsmarkt, der sie nicht
    aufnehmen kann. Die durch das Erbrecht in immer
    kleinere Parzellen pulverisierten Höfe sind zur
    Subsistenzwirtschaft verurteilt. In der Provinz, um
    welche die Nato 1999 den ersten Angriffskrieg ihrer
    Geschichte führte, gärt es wie nie seit dem Einmarsch der
    internationalen Truppen.
    Die Balkan-Familie lebt
    Es ist verdienstvoll, daß sich die "Europäische
    Stabilitätsinitiative" (ESI), eine in Berlin und Istanbul
    beheimatete Forschergruppe, deren Analysen zum Balkan
    seit Jahren über das meiste hinausragen, was die
    Denkfabriken über die Lage in Europas Südosten
    zustande bringen, diesem Thema gewidmet hat. Für ihre
    an diesem Montag erscheinende Studie "Das gekappte
    Rettungsseil - Auswanderung, Familien und die Zukunft
    des Kosovos" haben die Forscher von ESI zwei Dörfer im
    Kosovo geradezu geröntgt und dabei besonders die
    Familienstrukturen und die Einkommensverhältnisse
    untersucht.
    In dem etwas wohlhabenderen Cerrce nahe der
    Verwaltungsgrenze zu Serbien haben die Familien im
    Schnitt 6,6 Mitglieder, in der selbst für kosovarische
    Verhältnisse armen Siedlung Lubishte an der Grenze zu
    Mazedonien sind die Familien durchschnittlich 9,5
    Angehörige stark. In Lubishte, wo es bis 1970 keine
    Elektrizität und bis 1976 keine befestigte Straße gab, sind
    von mehr als 500 Frauen nur drei im Alter von über 30
    Jahren noch unverheiratet. Zwei arbeiten außerhalb der
    Familie.
    Das Fazit der Autoren: "Das Kosovo ist heute die letzte
    Hochburg einer Form der patriarchalischen
    Familienstruktur, die einst auf dem ganzen Balkan
    verbreitet war. Der wichtigste Anbieter sozialer
    Sicherheit und Stabilität bleibt eine der ältesten und
    konservativsten Institutionen in Europa: die traditionelle
    patriarchalische Balkan-Familie. Der patriarchalische
    Mehrfamilienhaushalt hat auch beigetragen zu den
    niedrigsten Raten weiblicher Beschäftigung in Europa, zu
    ernsthaften Investitionslücken bei der Bildung und zu
    einem allgemeinen Mangel an Innovation."
    ESI in the press Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2006
    Das Phänomen des kosovarischen Kinderreichtums ist
    wesentlich in der Geschichte des Kosovos zu suchen.
    Hier war der Staat entweder abwesend oder Feind. Von
    ihm wurde Hilfe nicht erwartet. Die Familie bildete ein
    Gegengewicht zum Leviathan. Das war auch so im
    zweiten Jugoslawien unter Tito, denn Slobodan
    Milosevic hatte Vorläufer. Einer war Titos
    Geheimdienstchef Aleksandar Rankovic, der die Kosovo-
    Albaner bis zu seiner Absetzung Mitte der sechziger
    Jahre kujonierte.
    Revolution auf dem Lande
    Hinzu kam die wirtschaftliche Rückständigkeit der
    Provinz, die der zweite jugoslawische Staat, obwohl er
    sich zwischenzeitlich darum bemühte, nicht aufheben
    konnte. Immerhin wurde es zeitweilig für Albaner
    möglich, Arbeit in der Verwaltung und in den
    sozialistischen Fabriken zu bekommen. Bildung, die für
    diese Karriere nötig war, erschien für kurze Zeit
    erstrebenswert. Doch dies blieb ein Zwischenspiel. Die
    Lage verschlechterte sich nach den verhältnismäßig
    ruhigen siebziger Jahren, als Milosevic Ende der
    achtziger Jahre den Hebel wieder auf Gewalt und
    Ausgrenzung umlegte. Albaner wurden aus staatlichen
    Betrieben entlassen, ihnen wurde der Zugang zur
    staatlichen Gesundheitsfürsorge und zu den
    Bildungsinstitutionen verwehrt. Die kosovarische
    Gesellschaft wurde zurückgestutzt auf ihre dörflichen
    Ursprünge, denen sie ohnehin nicht entwachsen war.
    Diesmal kam es zu einer Reaktion auch außerhalb des
    Familiären. Erst machte das Wort vom "Schattenstaat"
    die Runde, den die Kosovo-Albaner unter ihrem Führer
    Ibrahim Rugova mit der finanziellen Unterstützung aus
    der Diaspora aufbauten. Daraufhin traten, ebenfalls mit
    Hilfe der Albaner vor allem in Deutschland und der
    Schweiz, die jungen Männer von den Freischärlern der
    UCK auf den Plan - und dann kam bald die Nato. Die
    führt noch heute im Kosovo die internationale
    Schutztruppe Kfor. Viele hunderttausend ausländische
    Soldaten haben seit 1999 Dienst getan auf dem
    Amselfeld, um das westliche Exportgut Sicherheit dort zu
    verankern. Doch zeigt sich in dieser westlichen Politik
    eine gefährliche Widersprüchlichkeit, die zu ernsthafter
    Instabilität führen kann. Die Soldaten im Kosovo sollen
    Ruhe und Stabilität aufrechterhalten. Die Innenminister
    der EU-Staaten versuchen gleichzeitig, jegliche weitere
    Abwanderung vom Balkan zu verhindern. Beides
    zusammen wird sich im Fall des Kosovos schwerlich
    erreichen lassen.
    Das sagen auch die Autoren von ESI, hüten sich aber,
    eine Umkehr nur von Europas reichem Nordwesten zu
    verlangen. Auch die kosovarische Gesellschaft müsse
    sich ändern, um sich aus ihrer Abhängigkeit von der
    Arbeitsemigration zu befreien. Das Kosovo benötige
    "eine soziale und institutionelle Revolution" auf dem
    Lande, deren Ausgangspunkt eine Reflexion über die
    Lage der Frauen sein müsse.
    Die amerikanische Anthropologin Janet Reineck, die
    lange im Kosovo forschte, hat schon in den achtziger
    Jahren einen "wachsenden Konservatismus" auf den
    Dörfern ausgemacht, der sich nicht nur durch arrangierte
    Heiraten bemerkbar machte, die auf dem Lande üblich
    geblieben waren, obwohl das Phänomen der Liebesheirat
    unter jungen Leuten an Bedeutung gewinnt. Reineck
    beobachtete auch, daß den Frauen die Bewegungsfreiheit
    außerhalb der Häuser eingeengt und ihnen Schulbildung,
    die zwischenzeitlich etwas höher im Kurs gestanden
    hatte, wieder vorenthalten wurde. In die Ausbildung der
    Mädchen zu investieren erscheint den Familienräten bis
    heute angesichts der wirtschaftlichen Perspektivlosigkeit
    als Investition ohne Aussicht auf Rendite. "Die
    Vorstellung von Fortschritt ist, große Hochzeiten zu
    haben, die Bräute teuer einzukleiden, große neue Häuser
    zu bauen und neue Autos zu kaufen", heißt es bei
    Reineck.
    Viele Kosovo-Serben wählten schon lange vor dem Krieg
    einen anderen Ausweg aus der kosovarischen
    Perspektivlosigkeit: Sie verließen ihre Heimat und gingen
    nach Belgrad oder in die Vojvodina. Die Serben, eines
    der vielen schrumpfenden Völker Europas, sehen sich
    heute angesichts des Bevölkerungswachstums der
    Kosovo-Albaner jedoch weiter in der demographischen
    Defensive. Noch vor einem Jahrhundert war die
    Entwicklung zu ihren Gunsten verlaufen. Im Jahrzehnt
    von 1881 bis 1890 wies Serbien nach Rußland die
    höchste Geburtenrate in Europa auf. Die westliche
    Grenze Ungarns bildete eine demographische
    Scheidelinie. Östlich davon war die allgemeine und frühe
    Heirat die Regel. Heute gilt sie nur noch im Kosovo, das
    im Überfluß jene jungen Menschen hat, an denen es
    Europa mangelt

  2. #2

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    5.790
    Wurde schon in unzähligen Threads erwähnt.

  3. #3
    Grasdackel
    Zu blöd zum Verhüten ?

  4. #4
    Avatar von Toni Maccaroni

    Registriert seit
    24.06.2007
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    7.155
    Zitat Zitat von Zahnfleischbluter Beitrag anzeigen
    Zu blöd zum Verhüten ?
    Die Kondome sind zu teuer.

  5. #5
    Lance Uppercut
    Bist jetzt stolz darauf?

  6. #6

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    169
    Zitat Zitat von Zahnfleischbluter Beitrag anzeigen
    Zu blöd zum Verhüten ?
    zu blöd zu begreifen dass jedes volk recht auf leben hat,serbe?
    =gegenfrage an den serben.

  7. #7

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    9.280
    Zitat Zitat von Džoni Arštreta Beitrag anzeigen
    Bist jetzt stolz darauf?
    Ja ich bin es und?

  8. #8
    Avatar von Toni Maccaroni

    Registriert seit
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    Zitat Zitat von arben_murati Beitrag anzeigen
    zu blöd zu begreifen dass jedes volk recht auf leben hat,serbe?
    =gegenfrage an den serben.
    Man muss nicht übertreiben.

  9. #9

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    Zitat Zitat von Zahnfleischbluter Beitrag anzeigen
    Zu blöd zum Verhüten ?
    Wir haben keine Probleme mit Impotenz.

  10. #10
    Grasdackel
    Zitat Zitat von Gagi Beitrag anzeigen
    Man muss nicht übertreiben.
    Hast du verstanden war er meint ?

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