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Kommandant „Plaku“: Ein Held jenseits von Hollywood

Erstellt von Gentos, 15.09.2010, 17:27 Uhr · 5 Antworten · 2.864 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    05.09.2004
    Beiträge
    7.890

    Kommandant „Plaku“: Ein Held jenseits von Hollywood

    Der Kosovo-Krieg (1998-1999) hinterliess bei der albanischen Bevölkerung tiefe Narben. Mehr als 10‘000 Tote, über 800‘000 Vertriebene und mehr als 120‘000 verbrannte Häuser. Das sind nur Zahlen, die uns in keinster Weise die Grausamkeiten dieses Krieges vor Augen führen können.

    Auch heute noch - mehr als 10 Jahre danach - vergeht im Kosovo kaum ein Monat, an dem nicht an ein schreckliches Massaker gedacht wird. Doch wenn ein Krieg zwischen zwei ungleich starken Gegnern ihr schreckliches Gesicht offenbart, dann sind es nicht nur die Opfer, denen wir gedenken, sondern auch die Helden dieses Krieges. Es sind die einfachen Menschen, die in Zeiten des Krieges aufgrund ihres Mutes und ihrer Aufopferungsbereitschaft aus der Masse hervorstechen.

    Wann ist ein Held ein Held?

    Es gibt viele Geschichten über die „Helden des Krieges“. Genau so viele Geschichten - wenn nicht mehr - gibt es Geschichten über die „Verräter des Krieges“. Doch ab wann ist jemand ein Held und ab wann gilt er als Verräter? Die einen sagen, ein Held zeichnet sich durch seine Aufopferungsbereitschaft aus. Er muss die Schlacht also nicht zwangsläufig gewinnen. Er stirbt lieber im Kampf, als sich zu ergeben. Andere übergeben ihren persönlichen Heldenstatus nur Menschen, die als Sieger aus den Schlachtfeldern hervorgehen.

    Die Gratwanderung zwischen der Definition von Helden und Verrätern ist oftmals sehr schmal und es kommt nicht selten vor, dass Helden aufgrund ihrer Andersartigkeit zunächst gar nicht als Helden erkannt werden. Sie passen einfach nicht in das typische Klischee vom grossen, starken und furchtlosen Helden. Die nachfolgende Erzählung ist die Geschichte eines solchen Helden - es ist die Geschichte von Kommandant „Plaku“.

    Mehr als nur ein Hollywood-Film

    Wer kennt sie nicht, die Helden-Geschichten aus den Hollywood-Filmen. Im Grunde drehen sich solche Geschichten immer um das Gleiche: Es sind diese starken, muskulösen, kampferprobten und furchtlosen Helden, die eine unterdrückte Gruppe von Menschen aus einer scheinbar ausweglosen Situation vom bösen Tyrannen befreien.

    Kommandant „Plaku“ passt überhaupt nicht in das Bild eines Hollywood-Helden. Seine Heldentat ist schliesslich auch mehr als nur eine romantische Erzählung aus einem Hollywood-Film.

    Über sich selber sagt Kommandant „Plaku”: „Es hätte wahrscheinlich keinen Sinn - losgelöst von der Komplexität der allgemeinen Vorfälle, die mein Leben begleitet haben - nur über den Vorfall dieses einen Tages in Emshir zu berichten; in meinem Haus, als der Krieg zwischen uns und den serbischen Polizisten ausbrach”. Wie keine andere widerspiegelt diese Aussage den Chrakter von Kommandant “Plaku”. Trotz seiner ruhmreichen Heldentat, drängt er uns seine Geschichte über diesen einen Tag nicht auf. Er erzählt sie uns aus Anstand, weil wir ihn danach gefragt haben...

    Es ist ja aucht nicht so, dass er nicht mit voller Stolz über dieses Ereignis spricht. Am liebsten erzählt er aber die Geschichte eines Volkes, das seit Jahrzehnten von einem kriminellen Staatsaparat unterdrückt und verfolgt wurde. Ein Volk, das für Freiheit und Gleichheit kämpfte, doch seiner politischen und sozialen Rechte beraubt wurde.
    Bevor er anfängt seine Geschichte zu erzählen, möchte er, dass die Leute verstehen, dass sich hinter seiner Person kein blutrünstiges und kaltherziges Monster versteckt, denn, so sagt Kommandant Plaku: “Ein wahrer Held greift nie jemanden zuerst an, er handelt nur in absoluter Selbstverteidigung”.

    Bevor wir also mit der Geschichte von diesem einen Tag beginnen, möchten wir ein Schlüsselerlebnis aus dem früheren Leben von Kommandant „Plaku“ erzählen…


    Wer war Kommandant „Plaku“?

    Kommandant „Plaku” ist 70 Jahre alt, daher kommt auch sein Pseudonym „Plaku”, was auf Albanisch „alter Mann” bedeutet. Er wurde am 6. April 1940 in der Nähe von Gjilan geboren und heisst mit gebürtigem Namen Mejdi Asllani. Er durchlebte als junger Mann die schlimmste Zeit in der jüngsten kosovo-albanischen Geschichte - es war die sogenannte „Rankovic-Ära”.

    Alexander Rankovic war Chef des jugoslawischen Geheimdienstes. Um die Albaner aus dem Kosovo zu drangsalieren war ihm jedes Mittel recht.

    Das Jahr 1956 war der Anfang eines weiteren schrecklichen Kapitels für die Albaner aus dem Kosovo. Nach dem 2. Weltkrieg und seinen Nachkriegsmassakern (1944-46) startete die serbische Führung eine sogenannte „Aktion zur Einsammlung der Waffen”.

    Rankovic’s Leute stürmten von Haus zu Haus der Albaner. Fand man Waffen, konnte man die Albaner verhaften. Fand man keine, so zwang man sie, sich welche zu kaufen, damit man nachher einen „legitimen Grund” hatte, sie zu inhaftieren. Weigerten sie sich, drohte man ihren Familienangehörigen.

    Im Jahre 1964 arbeitete Mejdi Asllani in einem lokalen Gericht in Gjilan. In diesem Gericht arbeitete auch Misin Muhaxheri, ein ehemaliger Offizier der jugoslawischen Armee.

    Mit der Zeit fing Misin an, Vertrauen in Mejdi Asllani zu schöpfen und gab ihm Einblick in geheime Akten im Zusammenhang mit den dramatischen Ereignissen für die Albaner. Er erzählte ihm, dass ein Monat bevor die sogenannte Entwaffnungs-Aktion losging, Rankovic alle Offiziere der jugoslawischen Armee in Belgrad zu einem „Seminar” zusammen trommeln liess. Darunter auch Misi, denn auch er war Offizier in der jugoslawischen Armee. Thema dieses Seminares: „Aktion zum Einsammeln der Waffen”.

    Gegen Ende des Seminars, an dem auch Qećo, Chef der Staatssicherheit für Serbien und Kosovo, teilnahm, erklärte Rankovic: „Jeder Albaner, der sich zur Wehr setzt, muss psychisch und physisch untauglich gemacht werden. Die Methoden zur Realisierung könnt ihr je nach Umständen selber bestimmen”.

    Für die Albaner hatte dies unerträgliche körperliche Folter zur Folge. Besonders der Winter war schlimm. Nach grausamer Gewaltanwendung gegen sie, hielt man ihnen eine Pistole an den Kopf und zwang sie anschliessend für mehrere Stunden, ihren Kopf in Schnee zu stecken. Sie verfolgten dabei ein einziges Ziel: die körperliche Gesundheit der Opfer für immer zu ruinieren. Die Albaner wussten zu dieser Zeit nicht, wie man diese Wunden richtig verheilt. Anstatt die Muskeln vorsichtig abkühlen zu lassen, wärmte man sie mit heissen Gegenständen auf. Die Folgen dieser unbeschreiblichen Schmerzen zwangen viele in den Selbstmord, andere blieben für ihr Leben lang Invalid.

    Misi führte seine Erzählung fort und erklärte Mejdi, dass er sich nach seiner Rückkehr aus Belgrad über die katastrophalen Folgen der Befehle von Rankovic für sein eigenes Volk im Klaren war. Er verweigerte nicht nur die Umsetzung seiner Befehle, sondern erzählte auch anderen von diesem geheimen Plan. Dies sollte ihn teuer zu stehen kommen.

    Misi wurde verhaftet und im Gefängnis gefoltert. Man steckte ihn für 99 Tage in eine Zelle und liess ihn dort in völliger Dunkelheit alleine. Ein ihm nahestehender Freund informierte schriftlich den damaligen Präsidenten Jugoslawiens, Josip Tito, über diesen Vorfall.

    Der damalige Sekretär Tito‘s, ein Slowene, organisierte anschliessend ein Treffen für Misi. Er sollte Tito höchstpersönlich treffen und ihm von diesem Vorfall berichten. Misi beruhigte die Tatsache, dass der Sekretär von Tito ein Slowene und kein Serbe war. Er fing an, ein wenig Vertrauen in ihn zu schöpfen. Als das Treffen dann tatsächlich zu Stande kam und Misi vor Tito stand, hält dieser den Brief in der Hand, den sein Freund ihm vor ein paar Tagen geschickt hatte. Anschliessend richtete er sich wieder zu Misi und fragte ihn: „Hier steht, dass du ein äusserst fleissiger Arbeiter warst, was ist mit dir geschehen?“

    Misi hatte sich bereits im Gefängnis in Suhareka auf dieses Treffen vorbereitet und klärte Tito chronologisch über die schlimmen Ereignisse auf, die sich im Kosovo abspielten. Über die verfassungswidrigen Handlungen gegenüber der albanischen Bevölkerung und von den Befehlen von Rankovic und Qećo zur Einsammlung der Waffen. Während er im Gefängnis war, fingen Rankovics Leute bereits mit der Umsetzung des Planes an, doch was Misi nicht ahnen konnte: Tito war schon im Vorfeld über all die schlimmen Zustände, die sich damals im Kosovo abspielten, informiert. Vor Misi spielte er den Ahnungslosen und tat so, als ob er ihm aufmerksam zuhörte.

    Nach dieser kurzen Unterredung mit Misi drückte Tito auf einen Knopf und sprach in seinen Lautsprecher auf Serbisch: - Qećo, vidi šta se radi tamo dole! - Was übersetzt heisst: „Qećo, schau was dort unten los ist!”

    Nach diesem Treffen mit Tito, dachte Misi, dass er nie wieder lebend das Kosovo betreten würde, doch Tito’s Sekretär, der Slowene, begleitete ihn nach draussen und gab ihm seine persönliche Nummer mit dem Hinweis, er solle sich bei ihm melden, falls er Probleme habe. Sie steckten Misi wieder zurück ins Gefängnis von Suva Reka. Dort verbrachte er zwei weitere Tage, bevor er dann freigelassen wurde, mit der Bedingung, nie wieder ein Amt in der jugoslawischen Staatssicherheit bekleiden zu dürfen.

    Über die Aktion von Rankovic zum Einsammeln der Waffen, sagte Misi: „Diese Aktion wurde vor der geplanten Zeit beendet. Doch nicht weil Tito dies so wollte, sondern wegen dem internationalen Druck, genauer gesagt wegen dem Sicherheitsrat der UN.”

    Mejdi Asllani war dank Misi über alle geheimen Pläne von Rankovic und seinen Gefolgen informiert. Sein ganzes Leben war ein Kampf gegen die Ungerechtigkeit gegenüber seinem eigenen Volk. Er wusste um die serbischen Bemühungen, jegliche Fortschritte der bürgerlichen Freiheiten der Albaner auszubremsen.

    Diese Erfahrungen machte er bereits als Kind und als junger Erwachsener. Als Soldat in der jugoslawischen Armee, als viele Albaner so brutal misshandelt wurden, dass man sie in Särgen wieder zurück nach Kosovo transportierte, mit der offiziellen Meldung, sie hätten Selbstmord begangen. Während seiner Militärzeit hatten sie es auch auf Mejdi abgesehen, doch dank der Hilfe seiner albanischen Freunde, konnte er sich aus dieser lebensbedrohlichen Situation befreien.

    Sein Vater wurde von der serbischen Polizei brutal zusammen geschlagen und der Bruder seiner besten Freundin ermordet. Bereits als Jugendlicher schwor sich Mejdi Rache zu nehmen. Er fing an zu trainieren und übte den Umgang mit den Waffen. Er wusste, dass irgendwann der Tag kommen würde, an dem er sich für all diese Verbrechen an seinem Volk rächen würde. Seinen Eid zur Rache sollte er nach mehr als vierzig Jahren einlösen…



    Kommandant


    Kommandant


    morgen kommt der 3 und letzte Teil.

  2. #2

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    4.414
    Plaku , esht aj djathtash ne kam


  3. #3
    Prizren
    Du verbringst dein ganzen Tag echt nur in Google-News

  4. #4
    Leo
    Avatar von Leo

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    mit solchen sachen kann sich deer junge ruhig die zeit vertreiben.

  5. #5

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    Zitat Zitat von Prizren Beitrag anzeigen
    Du verbringst dein ganzen Tag echt nur in Google-News
    besser als jede minute allah in den mund zu nehmen.

  6. #6
    Prizren
    Zitat Zitat von Gentleman Beitrag anzeigen
    besser als jede minute allah in den mund zu nehmen.

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