Der serbische Mtyhos des Kosovo

09. April 2013 23:04, von Shkëlzen Maliqi
Die "tiefe Lücke" von Ashton hat was mit dem Mythos zu tun. Aber wahrscheinlich ist dieser Mythos heute überwunden und keineswegs tief.


Der Dialog zwischen dem Kosovo und Serbien stand kurz vor einem Abkommen. Nur über eine Frage stritt man sich und schaffte nicht dies zu überwinden. Ashton sagte, dass die "Lücke" zwischen beiden Seiten eng jedoch sehr tief sei. Auf die verhandelten Themen bezogen, wurde die Vereinigung der serbischen Gemeinden zum Problem. Beide Seiten einigten sich auf die Gründung der Vereinigung, aber sie fanden keine gemeinsam Sprache, die Kompetenzen und Strukturen betreffend. Serbien verlangte große exekutive Kompetenzen; jene einer großen territorialen Autonomie. Die Organisation würde schwache Verbindungen zur Republik Kosovo unterhalten und auf der anderen Seite über eine offene Tür für eine sehr enge Zusammenarbeit mit der Republik Serbien verfügen. Diese Verbindung der Gemeinden wäre formell Teil des Kosovo, jedoch in essentiellen Fragen mit Serbien verbunden. Diesen Vorschlag konnte der Kosovo nicht akzeptieren, da dies in gewisser Weise die Legalisierung der paralellen serbischen Machtstrukturen im Norden, zur Folge haben würde. Belgrad hatte sogar Ambitionen aus dem Norden eine Art Piemont zu machen und dies auch für die anderen serbischen Gemeinden, die bereits laut dem Athisaari-Plan bereits sehr viele Kompetenzen in der Selbstverwaltung genießen, auszuweiten.

Mit der Vereinigung, falls südliche Gemeinden wie Gracanica, Sterpca, etj. ebenfalls Mitglieder werden würden, könnte Belgrad seine zerfleischende Präsenz im Kosovo ausweiten und dank legaler und ilegaler Koordinationskanäle sich in die inneren Angelegenheiten der Republik Kosovo einmischen. Unter dem Deckmantel der Verteidigung der Interessen und der Sicherheit der Serben im Kosovo, wünscht sich Belgrad einen starken Einfluss innerhalb der kosovarischen Institutionen. Der kosovarische Staat hätte mit seriösen Behinderungen bei der Ausführung der Souvranität und bei der politischen und wirtschaftlichen Funktionalität des Staates zu rechnen. Gefährend in diesem Szenario ist auch die Tatsache, dass Serbien sich weiterhin hüten wird, aus strategischen Gründen, die Unabhängigkeit des Kosovo anzuerkennen.

Auf die Verfassung des Jahres 2006 berufend teilte Serbien mit, dass es die Unabhängigkeit des Kosovo nicht anerkennen kann, da laut Verfassung der Kosovo ein Teil Serbiens ist. Auch die pragmatische Annäherung der EU und der USA in jener Phase, sah keine Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo durch Serbien vor. Serbien verlangte nur die Normalisierung der Beziehungen zum Kosovo, die durch implizite aber nicht faktische Anerkennung bis jetzt begleitet wurde. Belgrad fand in der weichen Strategie des Westens einen Spielraum der politische Manöver zulässt.

Ich denke, dass aufgrund zweier Punkte der Lösungsvorschlag der EU, als Vermittler des Dialoges, scheitern wird. Der erste Punkt, eine innere Angelegenheit, sieht die Gründung der Vereinigung der serbischen Gemeinden vor, um das ethnische Serbien im Kosovo, egal wie klein der Anteil an der Gesamtbevölkerung ist, am Leben zu halten. Der zweite Punkt sieht vor die Souveranität über den Kosovo zumindest de jure weiterleben zu lassen, durch die Beibehaltung des Absatzes über den Kosovo in der serbischen Verfassung.

In einem Interview, nach der Ablehnung des Lösungsvorschlages meinte Ivica Dacic, dass er ein "großzügiges" Angebot machte, was die Möglichkeiten der Übertragung staatlicher Kompetenzen von Belgrad nach Prishtina betrifft, basierend auf der serbischen Verfassung des Jahres 2006. Dem Angebot zu folge könnte die Republik Kosovo mit einer verfassungsmäßigen Souveranität "beschenkt" werden, die es der albanischen Bevölkerungsmehrheit erlaubt auf serbischen Territorium eine "Republik" zu gründen und in jener "Republik" sollten die serbischen Gemeinden eine exekutive Autonomie innerhalb der Vereinigung serbischer Gemeinden haben.
Dieser Logik entsprechend wäre Belgrad offen was die Legalisierung der Republik Kosovo betrifft, jedoch mit den Folgen, dass der Kosovo ein Staat mit einer begrenzten Souveranität wäre oder eine Art Vasallenstaat, dessen wahres Souverän Serbien sein würde.

Der Kosovo würde de facto weiterhin seine Insitutionen und Regierung haben, aber de jure als Ergebnis der serbischen Verfassung und innerhalb jenes Verfassungstextes, der den Besitzanspruch auf den Kosovo nicht aufgibt. In einer Erklärung meinte Dacic, dass die Übertragung der "geschenkten" Regierungskompetenzen von Belgrad nach Prishtina ähnlich jener "großzügigen" Machübertragung von Prishtina an die serbischen Gemeinden wären.
Die Wahrheit dieser "Großzügigkeit" ist, dass Serbien faktisch die Kontrolle über den Kosovo verloren hat. Aufgrund der Machtlosigkeit Serbiens gegenüber den politisch und wirtschaftlich stärksten Staaten der Welt, die den Kosovo anerkannt haben und für die komplette Anerkennung der Unahängigkeit lobbyieren, sucht Serbien nach Möglichkeiten, auf eine für den serbischen Staat vorteilhafte Art und Weise, die Unabhängigkeit innerhalb der internationalen Gesellschaft zu interpretieren. Die serbischen Angebote, basierend auf der Verfassung des Jahres 2006, würden die Republik Kosovo in Abhängigkeit Serbiens stellen.

Warum dieses Szenario?

In der serbischen Mythologie, sowohl in der historischen als auch in der aktuellen, existiert der Glaube und der Schwur, dass man Niederlagen nie akzeptiert, denn eines Tages, wenn die Umstände es ermöglichen, werden sich die Niederlagen in Siege verwandeln. Der serbische Mythos sagt, dass Serbien das Kosovo im Jahr 1389 verloren hätte, aber geduldig wartete und es nach sechs Jahrhunderten wieder besetzen konnte!
"Der Verlust" des Jahres 1999 wird als eine Wiederholung von 1389 angesehen. 1999 mussten die Serben sich der Supermacht der NATO unterordnen und vorrübergehend auch den Albanern, aber immer von jenen Gedanken begleitet, dass sich eines Tages alles zu gunsten Serbiens ändern wird. Die "Lücke" Ashtons hat was mit dem Mythos zu tun. Diese Lücke ist überwindbar, aber ohne die exklusiven ethnischen Rechte, die von Seiten der Serben auf eine rassistische Art und Weise nur für sich selbst reserviert werden, was eine Erniedrigung seiner eigenen Nachbarn zu folge hat, allen voran seiner albanischen Nachbarn.

Die EU sollte nicht das rassistische Delirium extremistischer Serben belohnen. Wenn die Mehrheit der Serben im Kosovo innerhalb des Athisaari-Planes integriert ist, was macht dann die Serben des Nordens so besonders, dass sie ihre ethnischen Rechte nutzen wollen, um den Kosovo weiterhin als Geisel des serbischen Mythos bestehen zu lassen?
Miti serb mbi Kosovn - Shkelzen Maliqi - Gazeta Express
Eure Meinung zu dem Kommentar? Vielleicht könnte jemand einen thematisch passenden serbischen Kommentar übersetzen und als Gegenüberstellung posten? Um die 60% der Serben meinen ja den Kosovo eh schon verloren zu haben. Schlägt sich das auch bei den serbischen Journalisten nieder?