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...dass Kosovo für die Albaner bestimmt...

Erstellt von radelinho, 27.04.2009, 11:20 Uhr · 36 Antworten · 2.103 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    08.03.2009
    Beiträge
    183

    ...dass Kosovo für die Albaner bestimmt...

    Claude Cahn: “Es gab eine Ekstase, dass Kosovo für die Albaner bestimmt sei und für
    niemand anderes"






    Claude Cahn, Direktor des European Roma Rights Centre (Budapest), war direkt nach dem Krieg 1999 im Kosovo, um sich ein Bild über die Situation der Roma zu machen
    Wie war die Situation für Roma nach Kriegsende?
    Dramatisch. Man konnte damals durch Kosovo fahren und es brannten einfach überall Häuser. Die Minderheiten sollten
    aus dem Kosovo vertrieben werden. Dabei wurden Standard-Terrortechniken benutzt: Direkte Bedrohungen,
    Plünderungen der Besitztümer, Vergewaltigungen, Morde, eine große Anzahl von Festnahmen und Folterungen und
    Schlägen. In manchen Fällen wurden die Leute umgebracht. Vor allem durch die Brandstiftungen, die im Wesentlichen von
    Mobs durchgeführt wurden. Manchmal wurden ganze Siedlungen der Roma von den Mobs zerstört. Dabei schaute die
    KFOR oft einfach zu, wie in den Fällen Mitrovica und Pristina. In den Nächten wurden ein, zwei oder drei Häuser
    abgebrannt. Bewaffnete Gangs von Albanern brachen in Häuser ein. Sie bedrohten die Leute und sagten ihnen, wenn sie
    nicht innerhalb 24 Stunden verschwinden würden, würden sie ermordet. Oder es wurden die Frauen in einen Raum
    gebracht und vergewaltigt, während die Familienmitglieder zuhören mußten. Oder Roma wurden einfach auf der Straße
    angehalten und beraubt. Nach dem Motto: „Weißt Du, das ist jetzt mein Auto.“ Im Allgemeinen kann man
    sagen, dass im Sommer 1999 ethnische
    Minderheiten nicht Willkommen waren im Kosovo. Es gab eine Art Ekstase,
    dass Kosovo für die Albaner bestimmt sei und für niemand anderes.
    Wie haben sich die internationalen Truppen der KFOR verhalten?
    Die KFOR hat bei der Zerstörung der Mahalas oft einfach nur zugesehen. Gut, sie waren damals vielleicht noch
    unterbesetzt. Es gab aber außerdem eine Art politische Einschätzung nach dem Motto: „Die Serben waren die
    Unterdrücker und nun brauchen die Albaner ein bißchen Zeit, um sich auszutoben.“ Irgendwann wurde dann
    bemerkt, dass die Albaner auch die Roma-Gemeinschaften angriffen.
    Von albanischer Seite hört man als Erklärung für die Gewalt oft, dass die Roma mit den Serben kollaboriert hätten
    Ich denke, eine bessere Erklärung ist, daß unter dem Milosevic Regime, unter den Jahren und Jahrzehnten der
    Unterdrückung, vor allem nach der gewaltfreien Widerstandsbewegung, die in den 90er Jahren im Kosovo begann, die
    ethnischen Albaner im Kosovo zu einer sehr mobilisierten ethnischen Gemeinschaft wurden. Sie hatten alternative
    Informationssysteme mit sehr vereinfachten Informationsflüssen: Was ist gut für die Albaner im Kosovo? Was ist schlecht für
    die Albaner im Kosovo? Und irgendwann gab es das Gerücht, dass die Roma die Feinde der Albaner sind, daß sie auf der
    Seite der Serben stünden. Und von diesem Punkt an haben die Albaner als eine hochmobilisierte ethnonationalistische
    Bewegung die Roma und alle anderen, die als „Gypsies“ bezeichnet wurden, attackiert. Ich sage das auf
    der Grundlage von dem, was wir im Juni 1999 im Kosovo sahen. Damals konnte man nicht mit einem Rom zusammen
    sein, wenn man ein Internationaler war. Wir konnten nicht in der Öffentlichkeit in den Straßen von Prizren herumlaufen mit
    Leuten, die sichtbar Roma waren, ohne einen Mob anzuziehen.

    Wie beurteilen Sie die Behauptung, dass die Ashkali, die traditionell an der Seite der Albaner lebten und nicht selten
    sogar die UCK unterstützt haben, weniger Probleme haben? Mit dieser Begründung haben die deutschen Innenminister im
    vergangen Jahr die Abschiebungen von ethnischen Minderheiten in den Kosovo eingeleitet.
    Dafür gibt es keinerlei Beweise. Wenn man die Angriffe zählt und sich anschaut, wer die Opfer waren, sieht es sogar so
    aus, daß Ashkali und Ägypter häufiger angegriffen wurden als Roma. Und wenn man die massive Gewalt nach 1999
    anschaut, die Ausschreitungen im März 2004, an denen laut Human Rights Watch 51.000 Leute teilgenommen haben,
    zeigt sich, dass hauptsächlich Ashkali angegriffen wurden. Die Meinung, dass Ashakli und Ägypter albanisch orientiert
    seien, erzeugt Skepsis. Es ist eine Art utopische Hoffung, dass diese Leute einen Platz im Kosovo finden können. Aber
    das hat sich nicht realisiert.
    Inwieweit wurden die Verbrechen von 1999 juristisch verfolgt?
    Es gab und gibt im Kosovo so gut wie keine Verfolgung von Kriegsverbrechen, die gegen Nicht-Albaner verübt wurden. Es
    gab eine Reihe von Prozessen gegen Serben, die Verbrechen an Albanern verübt haben. Aber wenn die Opfer Nicht-
    Albaner waren, gab es im Kosovo so gut wie keine Strafverfolgung. Es gab bisher zwei Anklagen durch das
    Internationale Kriegsverbrechertribungal in Den Haag. Aber keine der beiden Anklagen beziehen sich auf die Verbrechen
    des Juni 1999 und danach. Der Hauptakteur, welcher begonnen hat Verbrechen zu verfolgen, die mit der ethnischen
    Säuberung vom Juni 1999 in Beziehung stehen, sind die serbischen Behörden. In Beziehung zu Prizren 1999 wurde im
    Frühjahr 2006 eine Person mit dem Namen Antun Lekaj vor Gericht gestellt. Er wurde im März 2004 wegen Autodiebstahl
    in Montenegro verhaftet und dann nach Serbien transferiert, weil es dort eine Anklage gegen ihn gab. Er wird wegen der
    Vergewaltigung einer minderjährigen Rom im Juni 1999 und der Entführung von vier Roma und der Ermordung von dreien
    von ihnen sowie wegen anderen Verbrechen verfolgt. Das Besorgniserregende an diesem Fall ist, dass obwohl Amnesty
    International gesagt hat, dass es sich um ein akzeptables Verfahren handelt, das internationalen Standards genügt, die
    UN-Autoritäten ihren Widerspruch gegen das Verfahren angemeldet haben. Die UN-Autoritäten sind der Auffassung, er
    solle im Kosovo vor Gericht gestellt werden. Obwohl die Gerichte und Staatsanwälte im Kosovo kein Interesse an einer
    Strafverfolgung der Leute ausgedrückt haben, die Verbrechen gegen die ethnischen Minderheiten im Kontext der
    ethnischen Säuberung begangen haben, möchte die UN ihn dennoch im Kosovo vor Gericht sehen.
    Wie ist generell das Interesse an einer Aufarbeitung?
    Es gibt eine Stimmung im Kosovo unter dem Motto: „Lasst uns die Vergangenheit vergessen und an die Zukunft
    denken“. Leider stimmen die internationalen Autoritäten und die UN-Autoritäten dem sehr oft zu. Es ist nicht klar, wie
    Kosovo Frieden haben kann, bis einige der sehr ernsten Verbrechen dort verfolgt werden. Wenn man die Anklage gegen
    Haradinaj liest und sich ansieht, in welche Dinge er verwickelt war, muß man sich fragen, wie der UN-Chef Soren Jessen-
    Peterson Stellungnahmen abgeben konnte wie: „Haradinaj ist ein großer Freund von mir und ein Freund des
    friedlichen Kosovos“. Die Dinge, die unternommen wurden, um Kosovo aus dem Bereich der serbischen
    Autoritäten zu lösen, war ein Guerilla-Krieg, verbunden mit terroristischen Handlungen. Sie enthielten die Folter, das
    Verschwindenlassen und Mord an einer Reihe von Leuten. Kosovo kann kein friedlicher Platz werden, bis nicht alle diese
    Leute bestraft werden und die Opfer auf eine gerechte Art entschädigt werden. Im Moment ist das aber absolut nicht auf
    der Tagesordnung. Es sieht eher sehr danach aus, dass es in Zukunft zu einer Ghettoisierung und Segregation der
    Minderheiten kommt, die in Enklaven zusammengedrängt sind oder in extrem segregierten Gebieten leben oder Kosovo
    verlassen und versuchen, an einen besseren Ort zu kommen.
    Das European Roma Rights Centre hat eine Klage gegen Angehörige der UN-Verwaltung angestrengt. Aus welchem
    Grund?



    Das Roma-Viertel von Mitrovica wurde im Juni 1999 niedergebrannt, während die französische KFOR zusah. Eine Gruppe
    der Flüchtlinge wurden von UN-Mitarbeitern in einer Reihe von Camps auf der Nordseite des Ibars gebracht. Das waren
    Gebiete, die sehr nahe an der Trepca Mine lagen und sehr gesundheitsschädlich sind. Es scheint, daß UNMIK bereits 2000
    davon wusste, als die WHO extrem hohe Bleiwerte im Boden des Gebietes feststellte. UNMIK begann damals mit einem
    Verhaltensmuster, das sie seither beibehalten hat. Anstatt die Studie zu veröffentlichen, grub sie sie ein und weigerte sich,
    sie zu veröffentlichen. UNMIK hat seitdem ein Verhaltensmuster etabliert, das versucht allem aus dem Weg zu gehen, das
    schlecht aussieht. 2004 gab es eine zweite Untersuchung. Es wurden ähnliche, aber besser fundierte Resultate erzielt.
    Das Ergebnis war, daß die drei Camps, um die es geht, für menschliche Bewohnung nicht geeignet, ja sogar
    lebensgefährlich für ihre Bewohner sind. UNMIK hat von Anfang an nicht angemessen reagiert, um die Leute schnell aus
    den Camps zu evakuieren und in sichere Unterkünfte zu bringen.
    Das Problem ist, dass alle UN-Mitarbeiter Immunität genießen. Es kann also niemand dafür zur Verantwortung gezogen
    werden. Wir haben versucht zu erreichen, daß die Immunität aufgehoben wird. Wir haben einen Brief an Kofi Annan
    geschrieben. Aber die UN weigert sich, die Immunität aufzuheben. Wir waren also nicht in der Lage, eine Klage
    einzureichen. Wir haben dann eine Klage beim Kosovo-Staatsanwalt eingereicht, der jedoch auch gegen niemanden
    außer der Gemeindeverwaltung vorgehen kann. Aber auch in diese Richtung hat er noch keinerlei Aktivitäten unternommen

  2. #2

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    16.600
    es rechtfertigt trotzdem die serbischen Verbrechen nicht....kannst posten soviel du auch willst....als ob die Roma in Serbien viel besser behandelt werden und das in Friedenszeiten.

    Kosovo ist für niemanden bestimmten bestimmt, aber das die menschen die dort leben, bestimmen für sich selber.

  3. #3

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    3.795
    Das ist doch Unsinn, wenn die Kosove-Albaner der Meinung gewesen wären, dass das Kosove nur für die Albaner gedacht wäre, dann hätten sie sich nicht freiwillig zu einem multiethnischen Kosove bekannt, Serbisch zur Amtssprache gemacht und statt der albanischen Flagge eine identitätslose blaugelbe Multikultiflagge zur Staatsflagge macht. Außerdem würden sie dann niemals die im Kosove stationierten farbigen Soldaten dulden.

  4. #4

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    183
    Zitat Zitat von Schreiber Beitrag anzeigen
    Das ist doch Unsinn, wenn die Kosove-Albaner der Meinung gewesen wären, dass das Kosove nur für die Albaner gedacht wäre, dann hätten sie sich nicht freiwillig zu einem multiethnischen Kosove bekannt, Serbisch zur Amtssprache gemacht und statt der albanischen Flagge eine identitätslose blaugelbe Multikultiflagge zur Staatsflagge macht. Außerdem würden sie dann niemals die im Kosove stationierten farbigen Soldaten dulden.
    Mein Freund,
    in diesem Artikel geht es ausschließlich um Romas, die vom albanischen Mob
    vertrieben, geschlagen und getötet wurden und nicht zu vergessen, wie die KFOR tatenlos zu sah, wie die Albaner über jeden alles herfielen...Spitz ausgedrückt...

    Hier geht es nicht um Herrn Artissari...
    der Bedingungen an die Albaner gestellt hat, für die sogenannte "überwachte Unabhängigkeit"!

  5. #5

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    7.890
    Zitat Zitat von Schreiber Beitrag anzeigen
    Das ist doch Unsinn, wenn die Kosove-Albaner der Meinung gewesen wären, dass das Kosove nur für die Albaner gedacht wäre, dann hätten sie sich nicht freiwillig zu einem multiethnischen Kosove bekannt, Serbisch zur Amtssprache gemacht und statt der albanischen Flagge eine identitätslose blaugelbe Multikultiflagge zur Staatsflagge macht. Außerdem würden sie dann niemals die im Kosove stationierten farbigen Soldaten dulden.
    Genau.

    Die albanische Fahne ist die Fahne des albanischen Volkes. Die Kosovo-Fahne ist nur die Staatsfahne des kosovarischen Staates.

  6. #6

    Registriert seit
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    3.795
    Zitat Zitat von Gentleman Beitrag anzeigen
    Genau.

    Die albanische Fahne ist die Fahne des albanischen Volkes. Die Kosovo-Fahne ist nur die Staatsfahne des kosovarischen Staates.
    Aber ihr könntet natürlich sofort die albanische Flagge, vielleicht mit leichten Änderungen, damit es nicht zu Verwechslungen kommt, zur Staatsflagge des Kosove machen, wenn ihr wolltet. Ihr wollt es nur einfach nicht. Aber wenn, dann wäre es jederzeit möglich. Richtig?

  7. #7

    Registriert seit
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    7.890
    Zitat Zitat von Schreiber Beitrag anzeigen
    Aber ihr könntet natürlich sofort die albanische Flagge, vielleicht mit leichten Änderungen, damit es nicht zu Verwechslungen kommt, zur Staatsflagge des Kosove machen, wenn ihr wolltet. Ihr wollt es nur einfach nicht. Aber wenn, dann wäre es jederzeit möglich. Richtig?
    Ich bin für einen Anschluss Kosovos an Albanien.

  8. #8
    Jehona_e_Rahovecit
    Zitat Zitat von radelinho Beitrag anzeigen
    Claude Cahn: “Es gab eine Ekstase, dass Kosovo für die Albaner bestimmt sei und für
    niemand anderes"






    Claude Cahn, Direktor des European Roma Rights Centre (Budapest), war direkt nach dem Krieg 1999 im Kosovo, um sich ein Bild über die Situation der Roma zu machen
    Wie war die Situation für Roma nach Kriegsende?
    Dramatisch. Man konnte damals durch Kosovo fahren und es brannten einfach überall Häuser. Die Minderheiten sollten
    aus dem Kosovo vertrieben werden. Dabei wurden Standard-Terrortechniken benutzt: Direkte Bedrohungen,
    Plünderungen der Besitztümer, Vergewaltigungen, Morde, eine große Anzahl von Festnahmen und Folterungen und
    Schlägen. In manchen Fällen wurden die Leute umgebracht. Vor allem durch die Brandstiftungen, die im Wesentlichen von
    Mobs durchgeführt wurden. Manchmal wurden ganze Siedlungen der Roma von den Mobs zerstört. Dabei schaute die
    KFOR oft einfach zu, wie in den Fällen Mitrovica und Pristina. In den Nächten wurden ein, zwei oder drei Häuser
    abgebrannt. Bewaffnete Gangs von Albanern brachen in Häuser ein. Sie bedrohten die Leute und sagten ihnen, wenn sie
    nicht innerhalb 24 Stunden verschwinden würden, würden sie ermordet. Oder es wurden die Frauen in einen Raum
    gebracht und vergewaltigt, während die Familienmitglieder zuhören mußten. Oder Roma wurden einfach auf der Straße
    angehalten und beraubt. Nach dem Motto: „Weißt Du, das ist jetzt mein Auto.“ Im Allgemeinen kann man
    sagen, dass im Sommer 1999 ethnische
    Minderheiten nicht Willkommen waren im Kosovo. Es gab eine Art Ekstase,
    dass Kosovo für die Albaner bestimmt sei und für niemand anderes.
    Wie haben sich die internationalen Truppen der KFOR verhalten?
    Die KFOR hat bei der Zerstörung der Mahalas oft einfach nur zugesehen. Gut, sie waren damals vielleicht noch
    unterbesetzt. Es gab aber außerdem eine Art politische Einschätzung nach dem Motto: „Die Serben waren die
    Unterdrücker und nun brauchen die Albaner ein bißchen Zeit, um sich auszutoben.“ Irgendwann wurde dann
    bemerkt, dass die Albaner auch die Roma-Gemeinschaften angriffen.
    Von albanischer Seite hört man als Erklärung für die Gewalt oft, dass die Roma mit den Serben kollaboriert hätten
    Ich denke, eine bessere Erklärung ist, daß unter dem Milosevic Regime, unter den Jahren und Jahrzehnten der
    Unterdrückung, vor allem nach der gewaltfreien Widerstandsbewegung, die in den 90er Jahren im Kosovo begann, die
    ethnischen Albaner im Kosovo zu einer sehr mobilisierten ethnischen Gemeinschaft wurden. Sie hatten alternative
    Informationssysteme mit sehr vereinfachten Informationsflüssen: Was ist gut für die Albaner im Kosovo? Was ist schlecht für
    die Albaner im Kosovo? Und irgendwann gab es das Gerücht, dass die Roma die Feinde der Albaner sind, daß sie auf der
    Seite der Serben stünden. Und von diesem Punkt an haben die Albaner als eine hochmobilisierte ethnonationalistische
    Bewegung die Roma und alle anderen, die als „Gypsies“ bezeichnet wurden, attackiert. Ich sage das auf
    der Grundlage von dem, was wir im Juni 1999 im Kosovo sahen. Damals konnte man nicht mit einem Rom zusammen
    sein, wenn man ein Internationaler war. Wir konnten nicht in der Öffentlichkeit in den Straßen von Prizren herumlaufen mit
    Leuten, die sichtbar Roma waren, ohne einen Mob anzuziehen.

    Wie beurteilen Sie die Behauptung, dass die Ashkali, die traditionell an der Seite der Albaner lebten und nicht selten
    sogar die UCK unterstützt haben, weniger Probleme haben? Mit dieser Begründung haben die deutschen Innenminister im
    vergangen Jahr die Abschiebungen von ethnischen Minderheiten in den Kosovo eingeleitet.
    Dafür gibt es keinerlei Beweise. Wenn man die Angriffe zählt und sich anschaut, wer die Opfer waren, sieht es sogar so
    aus, daß Ashkali und Ägypter häufiger angegriffen wurden als Roma. Und wenn man die massive Gewalt nach 1999
    anschaut, die Ausschreitungen im März 2004, an denen laut Human Rights Watch 51.000 Leute teilgenommen haben,
    zeigt sich, dass hauptsächlich Ashkali angegriffen wurden. Die Meinung, dass Ashakli und Ägypter albanisch orientiert
    seien, erzeugt Skepsis. Es ist eine Art utopische Hoffung, dass diese Leute einen Platz im Kosovo finden können. Aber
    das hat sich nicht realisiert.
    Inwieweit wurden die Verbrechen von 1999 juristisch verfolgt?
    Es gab und gibt im Kosovo so gut wie keine Verfolgung von Kriegsverbrechen, die gegen Nicht-Albaner verübt wurden. Es
    gab eine Reihe von Prozessen gegen Serben, die Verbrechen an Albanern verübt haben. Aber wenn die Opfer Nicht-
    Albaner waren, gab es im Kosovo so gut wie keine Strafverfolgung. Es gab bisher zwei Anklagen durch das
    Internationale Kriegsverbrechertribungal in Den Haag. Aber keine der beiden Anklagen beziehen sich auf die Verbrechen
    des Juni 1999 und danach. Der Hauptakteur, welcher begonnen hat Verbrechen zu verfolgen, die mit der ethnischen
    Säuberung vom Juni 1999 in Beziehung stehen, sind die serbischen Behörden. In Beziehung zu Prizren 1999 wurde im
    Frühjahr 2006 eine Person mit dem Namen Antun Lekaj vor Gericht gestellt. Er wurde im März 2004 wegen Autodiebstahl
    in Montenegro verhaftet und dann nach Serbien transferiert, weil es dort eine Anklage gegen ihn gab. Er wird wegen der
    Vergewaltigung einer minderjährigen Rom im Juni 1999 und der Entführung von vier Roma und der Ermordung von dreien
    von ihnen sowie wegen anderen Verbrechen verfolgt. Das Besorgniserregende an diesem Fall ist, dass obwohl Amnesty
    International gesagt hat, dass es sich um ein akzeptables Verfahren handelt, das internationalen Standards genügt, die
    UN-Autoritäten ihren Widerspruch gegen das Verfahren angemeldet haben. Die UN-Autoritäten sind der Auffassung, er
    solle im Kosovo vor Gericht gestellt werden. Obwohl die Gerichte und Staatsanwälte im Kosovo kein Interesse an einer
    Strafverfolgung der Leute ausgedrückt haben, die Verbrechen gegen die ethnischen Minderheiten im Kontext der
    ethnischen Säuberung begangen haben, möchte die UN ihn dennoch im Kosovo vor Gericht sehen.
    Wie ist generell das Interesse an einer Aufarbeitung?
    Es gibt eine Stimmung im Kosovo unter dem Motto: „Lasst uns die Vergangenheit vergessen und an die Zukunft
    denken“. Leider stimmen die internationalen Autoritäten und die UN-Autoritäten dem sehr oft zu. Es ist nicht klar, wie
    Kosovo Frieden haben kann, bis einige der sehr ernsten Verbrechen dort verfolgt werden. Wenn man die Anklage gegen
    Haradinaj liest und sich ansieht, in welche Dinge er verwickelt war, muß man sich fragen, wie der UN-Chef Soren Jessen-
    Peterson Stellungnahmen abgeben konnte wie: „Haradinaj ist ein großer Freund von mir und ein Freund des
    friedlichen Kosovos“. Die Dinge, die unternommen wurden, um Kosovo aus dem Bereich der serbischen
    Autoritäten zu lösen, war ein Guerilla-Krieg, verbunden mit terroristischen Handlungen. Sie enthielten die Folter, das
    Verschwindenlassen und Mord an einer Reihe von Leuten. Kosovo kann kein friedlicher Platz werden, bis nicht alle diese
    Leute bestraft werden und die Opfer auf eine gerechte Art entschädigt werden. Im Moment ist das aber absolut nicht auf
    der Tagesordnung. Es sieht eher sehr danach aus, dass es in Zukunft zu einer Ghettoisierung und Segregation der
    Minderheiten kommt, die in Enklaven zusammengedrängt sind oder in extrem segregierten Gebieten leben oder Kosovo
    verlassen und versuchen, an einen besseren Ort zu kommen.
    Das European Roma Rights Centre hat eine Klage gegen Angehörige der UN-Verwaltung angestrengt. Aus welchem
    Grund?



    Das Roma-Viertel von Mitrovica wurde im Juni 1999 niedergebrannt, während die französische KFOR zusah. Eine Gruppe
    der Flüchtlinge wurden von UN-Mitarbeitern in einer Reihe von Camps auf der Nordseite des Ibars gebracht. Das waren
    Gebiete, die sehr nahe an der Trepca Mine lagen und sehr gesundheitsschädlich sind. Es scheint, daß UNMIK bereits 2000
    davon wusste, als die WHO extrem hohe Bleiwerte im Boden des Gebietes feststellte. UNMIK begann damals mit einem
    Verhaltensmuster, das sie seither beibehalten hat. Anstatt die Studie zu veröffentlichen, grub sie sie ein und weigerte sich,
    sie zu veröffentlichen. UNMIK hat seitdem ein Verhaltensmuster etabliert, das versucht allem aus dem Weg zu gehen, das
    schlecht aussieht. 2004 gab es eine zweite Untersuchung. Es wurden ähnliche, aber besser fundierte Resultate erzielt.
    Das Ergebnis war, daß die drei Camps, um die es geht, für menschliche Bewohnung nicht geeignet, ja sogar
    lebensgefährlich für ihre Bewohner sind. UNMIK hat von Anfang an nicht angemessen reagiert, um die Leute schnell aus
    den Camps zu evakuieren und in sichere Unterkünfte zu bringen.
    Das Problem ist, dass alle UN-Mitarbeiter Immunität genießen. Es kann also niemand dafür zur Verantwortung gezogen
    werden. Wir haben versucht zu erreichen, daß die Immunität aufgehoben wird. Wir haben einen Brief an Kofi Annan
    geschrieben. Aber die UN weigert sich, die Immunität aufzuheben. Wir waren also nicht in der Lage, eine Klage
    einzureichen. Wir haben dann eine Klage beim Kosovo-Staatsanwalt eingereicht, der jedoch auch gegen niemanden
    außer der Gemeindeverwaltung vorgehen kann. Aber auch in diese Richtung hat er noch keinerlei Aktivitäten unternommen
    Ist dieser Cluad Cahn ein Zigeuner?

  9. #9
    Jehona_e_Rahovecit
    Habe gehört dass die Roma aus Belgrad wegdeportiert werden sollen und dass in Serbien der Wert einer Immobilie sinkt wenn Zigeuner in der Nähe leben ,stimmt das?

    Die Frage richtet sich an Serben, die was daüber wissen.

  10. #10
    Jehona_e_Rahovecit
    Zitat Zitat von radelinho Beitrag anzeigen
    Mein Freund,
    in diesem Artikel geht es ausschließlich um Romas, die vom albanischen Mob
    vertrieben, geschlagen und getötet wurden und nicht zu vergessen, wie die KFOR tatenlos zu sah, wie die Albaner über jeden alles herfielen...Spitz ausgedrückt...

    Hier geht es nicht um Herrn Artissari...
    der Bedingungen an die Albaner gestellt hat, für die sogenannte "überwachte Unabhängigkeit"!
    Zeig mal Videos wo ein Albanischer Mob zu sehen ist der über Zigeuner herfiel!!!!!!!!!!!!!!

    Es ist Fakt dass viele Zigeuner Opportunisten waren, so jedenfalls in meiner Heimatstadt.
    Sie tragen muslimisch-albanische Namen , aber sie haben während des Krieges albanische Häuser geplündert und Menschen ermordert.Ich will nicht sagen dass alle Zigeuner das getan haben.

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