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Kosovo-Krieg: Es musste sein.

Erstellt von BESA-SHQIPTARE, 29.01.2010, 22:38 Uhr · 83 Antworten · 11.680 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von BESA-SHQIPTARE

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    Kosovo-Krieg: Es musste sein.

    Wer die Zustände im Kosovo aus eigener Anschauung kannte, musste den Krieg gutheißen. Denn unter Milosevic entstand ein Apartheidsystem - mitten in Europa. VON ERICH RATHFELDER

    März 1998: Die serbische Polizei beendet gewaltsam den friedlichen Protest von Kosovo-Albanern in Prishtina.

    Als ich zum ersten Mal 1987 ins Kosovo kam, hatte ich keine Ahnung von dem komplizierten und weit in die Geschichte reichenden Konflikt, der schließlich den Krieg in Jugoslawien und die erste militärische Intervention Deutschlands nach 1945 auslösen sollte. In Belgrad hatte ich von den Klagen gehört, albanische Männer vergewaltigten massenhaft serbische Frauen. Doch dies stellte sich bald als Propagandalüge heraus.

    In Wirklichkeit hatten die serbischen nationalen Kreise die Befürchtung, angesichts des albanischen Bevölkerungszuwachses zur Minderheit zu werden. Der Vorgang war eingebettet in eine Kampagne, die im sozialistischen Jugoslawien eingeschlafenen nationalen Gefühle wiederzuerwecken. Die antialbanische Kampagne sicherte zudem Slobodan Milosevic den Aufstieg zur Macht.
    Für die Serben, auch das war zu lernen, hat das Kosovo eine besondere Bedeutung. Der Mythos um die verlorene Schlacht von 1389 gegen die Türken verpflichtet nach Auffassung der serbisch-orthodoxen Kirche und der Nationalisten alle Serben dazu, mit allen Mitteln das Kosovo zu verteidigen.
    Weil die albanischen Bevölkerungsmehrheit das Kosovo ebenfalls als ihr Land ansieht und behauptet, ihre illyrischen Vorfahren hätten längst vor der serbischen Einwanderung dort gelebt, führte der mit historischen Argumenten geführte Streit der Nationalisten beider Seiten geradewegs in einen unlösbaren Konflikt. Die Quadratur des Kreises hätte nur mit gegenseitigem Respekt und der Achtung der Menschenrechte aller geschaffen werden können. Im sozialistischen Jugoslawien hatte dies noch Staatschef Tito versucht, indem er nach dem Terror der Fünfzigerjahre mit der Verfassung von 1974 dem Kosovo Autonomie gewährte.
    Als ich 1988 und 1989 wieder ins Kosovo kam, konnte ich beobachten, wie sich die Lage änderte: Milosevic ließ Autonomie abschaffen, die albanische Sprache wurde im öffentlichen Leben verboten, und rund 130.000 Albaner wurden aus Schulen, den Staatsbetrieben und der Verwaltung herausgedrängt, so dass Anfang der Neunzigerjahre 400.000 junge Albaner in die Emigration gezwungen wurden. Kurz: Ich war Zeuge, wie in Europa ein Apartheidsystem entstand.
    Unfassbar war für mich, wie so etwas Ende des 20. Jahrhunderts in Europa passieren konnte und dass zu Hause die Öffentlichkeit kaum Notiz davon nahm. Als die Albaner als Antwort auf Rechtlosigkeit und Unterdrückung einen friedlichen, pazifistischen Widerstand entwickelten, zeigten nur wenige Solidarität. Auch nicht innerhalb der Linken, die sich ja selbst als pazifistisch bezeichnete. Der albanische Pazifismus wurde dagegen in Serbien als Schwäche der Albaner interpretiert. Und nicht nur dort: Bei den Friedensverhandlungen in Dayton, die 1995 den Bosnienkrieg beendeten, waren die Albaner nicht einmal an den Katzentisch gebeten. Mit friedlichen Mitteln allein kann man nichts erreichen, lautete die Lehre, die die Albaner daraus zogen. Nur so ist der Aufstieg der Befreiungsarmee des Kosovo, der UÇK, zu verstehen.
    In vielen Punkten sollte ein großer Teil der deutschen Linken der serbischen Propaganda auf den Leim gehen. Die serbischen Massaker an der Zivilbevölkerung, so am Jashari-Clan im März 1998, die Zerstörung und ethnische Säuberung der Stadt Decani im Juni, das In-Brand-Stecken von hunderten Dörfern im Sommer 1998, das mindestens 300.000 Menschen zur Flucht in die Wälder zwang, das Massaker von Orahovac im Juli 1998 - es gab dort zwar keine Massengräber, aber ein Massaker an hunderten Menschen -, später das Massaker von Racak, wurden heruntergespielt. Bei einigen führten diese Ereignisse jedoch zum Umdenken.
    Wer sich etwas in die Geschichte vertiefte, konnte erfahren, dass es schon Anfang des 20. Jahrhunderts in Serbien Bestrebungen gab, die albanische Bevölkerung aus dem Kosovo zu vertreiben. Die Denkschrift von Vasa Cubrilovic, der ein systematischeres Vorgehen der Behörden im Kosovo zur Vertreibung der Albaner eingeklagt hatte, setzte sich bis 1939 tatsächlich durch. Zehntausende muslimische Albaner wurden in die Türkei und nach Albanien abgeschoben, hunderttausende hätten es sein sollen. In den Fünfzigerjahren war Cubrilovic Ratgeber des berüchtigten jugoslawischen Innenministers Jovan Rankovic. Und wieder wurden zehntausende Albaner aus dem Kosovo vertrieben, um die ethnische Zusammensetzung des Kosovo zugunsten der Serben zu verändern.
    Das serbische Militär baute 1998 systematisch seine Stellungen so auf, dass es das gesamte Territorium mit seiner Artillerie erreichen konnte. Und so waren die militärischen Grundlagen geschaffen, diesen Traum zu erfüllen und die systematische Vertreibung der Albaner durchzuführen.
    Kein Zweifel, es war im Interesse Europas und der USA, dem Treiben im Kosovo ein Ende bereiten. Ob bei den handelnden Politikern der Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen im Vordergrund stand, oder die Angst vor neuen Flüchtlingsströmen, sei dahingestellt. Im Sommer 1998 begann die Nato mit dem Aufbau militärischer Strukturen, die eine Intervention und einen Krieg gegen Serbien ermöglichen sollten. Denn ein halbes Jahr ist mindestens notwendig, um die erforderliche Infrastruktur zu erstellen. Damit wurde ein Drohszenario aufgebaut, um den Forderungen nach einer politischen Lösung bei den Verhandlungen, die in Rambouillet bei Paris stattfinden sollten, militärisch Nachdruck zu verleihen.



    Hätte Milosevic damals dem Vertrag zugestimmt, Serbien hätte sich viel Ungemach ersparen können. Das Kosovo wäre immer noch Teil Serbiens, hätte lediglich eine erweiterte Autonomie unter internationaler Kontrolle, nicht jedoch die Unabhängigkeit erreicht. So aber kam es zum Bombenkrieg der Nato und der Loslösung des Kosovo.
    War der Krieg ein Bruch des Völkerrechts? Vielleicht. Aber dass die Verteidigung der Menschenrechte im UN-Sicherheitsrat mit zwei Vetomächten wie Russland und China gut aufgehoben ist, darf bezweifelt werden. Völkerrecht schreibt sich fort. Und die UN, auch Russland und China, haben mit ihrer Mission im Kosovo das Vorgehen der Nato stillschweigend akzeptiert.
    Die internationale Intervention im Kosovo, die UN-Mission und jetzt die EU-Mission, hat immerhin erreicht, dass sich das Leben im Kosovo langsam entspannt hat. Und dass wieder Hoffnung aufkommt, obwohl Serbien noch immer versucht, ins Kosovo hineinzuregieren.



    Als am 17. Februar 2008 die Unabhängigkeit des Landes ausgerufen wurde, feierten nur die Albaner. Beim letzten Besuch vor wenigen Wochen im Kosovo war zu bemerken, dass die serbische Ablehnungsfront in den südlichen Enklaven bröckelt. Vielleicht wird es ja doch noch was mit einem multiethnischen Kosovo, in dem alle, Albaner und die Minderheiten, sich gegenseitig und die Menschenrechte respektieren.


    Zehn Jahre Kosovokrieg: Es musste sein - taz.de

  2. #2
    Avatar von BESA-SHQIPTARE

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    Dieser Bericht ist sehr informativ und stellt die wahren Geschehnisse im Kosovo klar und deutlich dar.
    Dass die Serben anders denken ist aufgrund der serbischen Propaganda verständlich. Ein Staat, das seinen eigenen Bürger Lügen und Märchen erzählt, sein eigenes Volk aufhetzt und dazu bringt freiwillig Krieg gegen "Vergewaltiger & Terroristen" zu führen, aber stattdessen Kinder, Frauen und alte Leute töten, ihre Häuser zerstören, muss umgeschult werden. So einen Staat darf es nicht weiterhin mitten unter uns hier in Europa geben. Fakt ist, dass Serbien bis dato sich für keins ihrer Völkermorde öffentlich oder privat entschuldigt hat, damit meine ich auch die Kriege in Kroatien und Bosnien & Herzegovina. Die serbische Regierung verhält sich nachwievor menschenrechtsverletztend, anderen gegenüber ethnisch & religös feindlich, antialbanisch & nationalistisch.
    Wäre die Nato nicht present, würde Serbien noch heute in das Kosovo marschieren und genauso vorgehen wie zu Milosevics Zeiten.

  3. #3

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    Wieso erzählst du uns nicht was von anno 1981, wo der albanische Nationalismus im Kosovo entfachte und als erstes das Kloster in Pec niederbrannte?


    Thirteen New York Times Articles on Kosovo, from 1981 to 1988



  4. #4
    Avatar von Furyc

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    18.580
    OMG

    The never ending story starts again ....

  5. #5
    Avatar von Krosovar

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    Zitat Zitat von Mastakilla Beitrag anzeigen
    Wieso erzählst du uns nicht was von anno 1981, wo der albanische Nationalismus im Kosovo entfachte und als erstes das Kloster in Pec niederbrannte?


    Thirteen New York Times Articles on Kosovo, from 1981 to 1988


    Das arme Kloster

  6. #6
    Avatar von Balkanpeace

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    Zitat Zitat von Mastakilla Beitrag anzeigen
    Wieso erzählst du uns nicht was von anno 1981, wo der albanische Nationalismus im Kosovo entfachte und als erstes das Kloster in Pec niederbrannte?


    Thirteen New York Times Articles on Kosovo, from 1981 to 1988



    Stimmt vergessen das haben die ja nur zum Spaß gemacht icht wahr?

  7. #7

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    Zitat Zitat von Krosovar Beitrag anzeigen
    Das arme Kloster
    Oh Entschuldige

    "In June a 43-year-old Serb, Miodrag Saric, was shot and killed by an Albanian neighbor, Ded Krasnici, in a village near Djakovica, 40 miles southwest of Pristina, according to the official Yugoslav press agency Tanyug. It was the second murder of a Serb by an Albanian in Kosovo this year. The dispute reportedly started with a quarrel over damage done to a field belonging to the Saric family."

    7. July 12, 1982 New York Times
    "Some 57,000 Serbs have left Kosovo in the last decade, and the number increased considerably after the riots of March and April last year, according to Vukasin Jokanovic, another executive secretary of the Kosovo party.
    Mr. Jokanovic, former president of the Commission on Migration set up after last year's disturbances, said the cause of Serbian migration was "essentially of a political nature."
    The commission has given four basic reasons for the departures: social-economic, normal migration from this underdeveloped area, an increasingly adverse social-political climate and direct and indirect pressures.
    Mr. Jokanovic, a Serb, called the pressures disturbing and said they included personal insults, damage to Serbian graves and the burning of hay, cutting down wood and other attacks on property to force Serbs to leave."

    7. July 12, 1982 New York Times


    http://emperors-clothes.com/a/13.htm#1

  8. #8

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    Zitat Zitat von Fury Beitrag anzeigen
    OMG

    The never ending story starts again ....
    ich finds lustig

  9. #9

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    ja klar war es notwendig wie sonst sollten die usa so eine riesige militärstation aufbauen?

  10. #10
    Avatar von BESA-SHQIPTARE

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    Zitat Zitat von kajgana Beitrag anzeigen
    ich finds lustig
    Ganz Plötzlich nach dem Zusammenburch Jugoslawiens habt ihr Slaven den Doppelkopfadler der fast genauso aussieht wie der von den Illyrern 3000v.Chr. noch heute von den Albanern verwendet wird.
    Konntet ihr euch wirklich nichts anderen einfallen lassen?
    Wieso habt ihr nicht ein Hühnchen genommen oder sowas.

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