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Kosovo und die Statusverhandlungen NEWS

Erstellt von jugo-jebe-dugo, 15.11.2005, 15:34 Uhr · 4.928 Antworten · 156.387 Aufrufe

  1. #291

    Registriert seit
    01.01.2006
    Beiträge
    2.357
    Zitat Zitat von Gjakova
    Zitat Zitat von Krajisnik-Benkovac
    Zitat Zitat von drenicaku
    Zitat Zitat von radeon
    Mit der stimme der volkes im rücken, wird die serbische regierung nach diesem referendum gestärkt an das thema rangehen...
    slobodan milosevic hat seinen rücken vor den nato-angriffen auch durch ein referendum in bezug zu kosova gestärkt, damals stimmten über 95% der stimmberechtigten gegen eine autonomie kosovas.

    es hat serbien sehr viel gebracht........
    Wäre Seselj gewesen währe Heute das Kosovo über 50% serbisch besiedelt.
    ja genau mhmh
    denke ich auch

  2. #292
    jugo-jebe-dugo
    19.02.2006

    Alibi für die Statuslösung
    Am Ende kommt es nur darauf an, ob nach dem unhaltbaren Status quo der Kosovo ein souveräner Staat wird oder nicht - Von Andrej Ivanji

    Demokratische Standards vor dem Status, so hieß zunächst die Formel der UNO für den Kosovo. Eine logische Vorgangsweise, so schien es. Zuerst sollten Menschenrechtsfragen im Kosovo gelöst und demokratische Institutionen aufgebaut werden, um dann über den umstrittenen Status der südserbischen, von der UNO verwalteten Provinz zu reden. Jahre später sah man, dass aus der Umsetzung der Standards recht wenig wurde.

    Und albanische Politiker, die die Unabhängigkeit des Kosovo anstreben, wurden ungeduldig. Der UNO-Sicherheitsrat änderte also das Motto für den Kosovo in "Status vor Standards". Doch jetzt, nachdem die völlig entgegengesetzten Standpunkte von Belgrad und Prishtina kompromisslos aufeinander prallen und auf beiden Seiten Säbelrasseln zu hören ist, entschied sich UN-Chefverhandler Martti Ahtissari doch wieder für die "Politik der kleinen Schritte".

    Ob diese Schritte überhaupt irgendwo hinführen, ist eine andere Frage. Denn zu Beginn der "Verhandlungen über den zukünftigen Status des Kosovo" in Wien sind sich Belgrad und Prishtina nur in einem einig: dass es über den Status nichts zu verhandeln gibt. Prishtina fordert dezidiert die Unabhängigkeit, Belgrad lehnt das kategorisch ab. Reden wird man also über die Dezentralisierung, damit ein Gespräch überhaupt ins Rollen kommt. Der größte Erfolg dieses Treffens wird wohl sein, dass albanische und serbische Vertreter an einem Tisch sitzen.

    Doch die Resultate des nun beginnenden Vorspiels haben wenig Bedeutung. Am Ende kommt es nur darauf an, ob nach dem unhaltbaren Status quo der Kosovo ein souveräner Staat wird oder nicht. Und zu erwarten, dass eine der beiden Seiten in dieser Hinsicht nachgibt, wäre illusorisch. Der ganze Aufwand um die Verhandlungen soll also offensichtlich Washington und Brüssel später einmal als Alibi dienen, um den Status der Provinz bestimmen zu können.

    http://derstandard.at/?url=/?id=2349276

  3. #293
    jugo-jebe-dugo
    19.02.2006

    Wissen: Dezentraler Kosovo
    Schlüssel für eine Lösung in der Statusfrage

    Die Dezentralisierung des Kosovo gilt als Schlüssel für eine Lösung in der Statusfrage. Allerdings unterscheiden sich die Vorschläge für mehr Autonomie der Gemeinden stark - je nachdem, von wem sie kommen. Die serbischen Kosovaren wünschen sich, dass ihre Enklaven im Kosovo volle Autonomie in Kultur, Gesundheit und Finanzen und eine eigene Polizei und Justiz bekommen. Belgrad könnte als eine Art Schutzmacht agieren. Auch neue Gemeinden mit serbischer Mehrheit sollen nach diesem Modell geschaffen werden.

    Die albanische Seite lehnt dies ab und verweist auf Bosnien, wo die Teilung in zwei Entitäten den Zentralstaat unterhöhlt. Prishtina präferiert das mazedonische Modell. Dort gibt es keine ethnische Autonomie, allerdings wurde die lokale Selbstverwaltung verstärkt und damit auch die Partizipation der albanischen Minderheit gefördert. Seitens der UN-Verhandler gibt es bislang keinen Vorschlag.

    http://derstandard.at/?url=/?id=2349062

  4. #294
    jugo-jebe-dugo
    19.02.2006

    Der Beginn der langen Reden
    In Wien starten direkte Verhandlungen um den Kosovo-Status - Unter UN-Führung zunächst Dezentralisierung der Gemeinden als Thema

    Der Finne Martti Ahtisaari ist Leiter des UN-Verhandlungsteams in Wien.
    In Wien beginnen am Montag die direkten Verhandlungen um den Status des Kosovo. Unter UN-Führung wird zunächst über die Dezentralisierung der Gemeinden geredet. Eine Einigung zwischen Belgrad und Prishtina ist nicht in Aussicht.


    Wien/Belgrad/Prishtina - "Es ist wie vor der Scheidung einer Ehe". Mit diesen Worten beschrieb der kosovo-albanische Umweltminister Ardian Gjini das Verhalten Prishtinas und Belgrads vor den gemeinsamen Gesprächen, am Montag erstmals in Wien unter UN-Führung stattfinden. Verhandelt wird über den völkerrechtlichen Status der serbischen Provinz Kosovo. Beide Seiten stellen Maximalforderungen: Prishtina will nur über die Unabhängigkeit reden, für Belgrad kommt diese nicht infrage.

    Die obersten politischen Verhandlungsführer beider Seiten kamen nicht nach Wien. Das UN-Verhandlerteam unter dem Finnen Martti Ahtisaari und dem Österreicher Albert Rohan darf zunächst dem kosovo-albanischen Minister für lokale Verwaltung Lufti Haziri und Umweltminister Gjini die Hand schütteln. Der neue Präsident Fatmir Sedjiu, Premier Bajram Kosumi und die Vertreter der wichtigsten Oppositionsparteien Hashim Thaci von der PDK und Veton Surroi von Ora bleiben vorerst in Prishtina. Aus Belgrad reisten auch nur Berater von Premier Vojislav Kostunica und Präsident Boris Tadic an.

    Vorschläge zur Dezentralisierung

    Denn um den Status des Kosovo geht es zunächst ohnehin nicht. Die Delegationen sollen ihre Vorschläge zur Dezentralisierung vorstellen, bis Dienstagmittag soll verhandelt werden. Die strategische Überlegung der UN-Verhandler: Die Delegationen sollen sich in Details verbeißen, bis sie sich daran gewöhnen, miteinander zu reden. Durch die Gespräche über Dezentralisierung, die Übertragung von Autonomie auf lokale Ebenen, sollen zudem die festgefahrenen Positionen aufgeweicht werden.

    Die kosovo-albanische Delegation wird dem Verhandler Enver Hoxhaj zufolge "eine umfassende Reform der Verwaltung" unterbreiten, aber keine Vorschläge zu "Grenzen und Territorien" der Gemeinden. In der serbischen Delegation überwog vor der Abreise Defätismus. Man erwarte harte Gespräche ohne konkrete Resultate. Jegliche Abkommen über die Dezentralisierung werde Prishtina ohne die Endlösung der Statusfrage ohnehin nicht anerkennen, erklärte Milorad Todovorovic, Mitglied des serbischen Verhandlungsteams. Der albanische Vorschlag erinnere von der Form her an "Erpressung".

    Eine breite Autonomie des Kosovo im Rahmen Serbiens, und eine ebenso wesentliche Autonomie der serbischen Bevölkerung im Kosovo, lautete dagegen die serbische Verhandlungsposition. In Wien wird man die Gründung von sechzehn neuen Gemeinden im Kosovo vorschlagen. In vierzehn würden die Serben die Mehrheit haben, und in zwei die Bosniaken und die Goranci, die ebenfalls als Minderheiten im Kosovo leben. Die Gemeinden sollten im Gesundheits- und Bildungswesen, der sozialen und Kulturpolitik, sowie in kommunalen Diensten, der Justiz und Polizei große Selbstverwaltungsrechte genießen.

    Mehr Sicherheit

    Die Dezentralisierung soll den Serben im Kosovo vor allem mehr Sicherheit garantieren.Der Kosovo wird seit dem Krieg 1999 von der UNO verwaltet. Belgrad hat nur mehr Einfluss auf die serbische Bevölkerung - etwa 10 Prozent der Kosovaren. Der Westen präferiert eine "bedingte Unabhängigkeit", die EU soll Teile der Verwaltung übernehmen, die UN-Truppen sollen im Land bleiben. Letztlich entscheidet der UN-Sicherheitsrat. Die internationale Kontaktgruppe - die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien - spielen während der Gespräche eine wichtige Rolle.

    http://derstandard.at/?url=/?id=2349057

  5. #295
    Avatar von Kosova_Kid

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    das übliche


    http://www.baz.ch/news/index.cfm?key...BD485D3240ADB5


    Wien. DPA/baz. Historisch: Sieben Jahre nach dem Kosovo-Krieg treffen sich am Montag in Wien erstmals Serben und Kosovo-Albaner am Verhandlungstisch. Unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen geht es dabei jedoch noch nicht um den künftigen Status der abtrünnigen serbischen Provinz. Im Mittelpunkt der eineinhalbtägigen Gespräche steht vielmehr die so genannte Dezentralisierung der lokalen Befugnisse, durch die die serbische Minderheit mehr Eigenverantwortung bekommen soll.

    An dem historischen Treffen hinter verschlossenen Türen werden auch Vertreter der USA, der EU und de NATO teilnehmen. Die Gespräche stehen unter Vermittlung des Österreichers Albert Rohan, des Stellvertreters des finnischen UNO-Kosovo-Sondergesandten Martii Ahtisaari.

    Vor dem ersten Treffen liegen die Forderungen beider verfeindeten Seiten vor allem in der Frage des künftigen Status der Provinz extrem weit auseinander und sollen deshalb "ausgeklammert werden". Während die Albaner die volle Unabhängigkeit für das Gebiet fordern, lehnt Serbien dies rigoros ab und will nur eine weit reichende Autonomie anbieten.

  6. #296
    Avatar von Kosova_Kid

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    nebenbei,james blunt war kosovo soldat:


    http://kurier.at/kult/news/1282262.php


    Ex-Soldat James Blunt erzählt im kult-Interview, wie der Kriegs-Einsatz seine Songs geformt hat

    Sie belagern das Haus seiner Eltern, tauchen mit Kameras in der Kaserne auf, in der er einst gedient hat und bedrängen seine Ex-Freundinnen, über ihn auszupacken – wenn’s sein muss, auch mit Schecks in der Hand.
    Von den britischen Paparazzi wird James Blunt zurzeit so gejagt wie Robbie Williams und die Royal Family. Doch der Rummel scheint den 31-Jährigen kalt zu lassen. „Ich bin Musiker und nicht daran interessiert, eine öffentliche Figur zu sein“, sagt er im kult -Interview. „Aber wenn du viele Platten verkaufst, kommt das eben automatisch. Ich werde mich sicher nicht darüber beklagen!“

    Höhenflug

    Sechs Millionen Menschen haben „Back To Bedlam“, das Debüt von James Blunt, gekauft. Und mit der Veröffentlichung von „The Bedlam Sessions“ (Live-Versionen der Bedlam-Songs in einem CD/DVD–Paket) vor einer Woche ist immer noch kein Ende des Blunt-Höhenflugs abzusehen.
    Cool, für einen uncoolen Spätstarter, den man selbst bei seiner eigenen Plattenfirma zunächst für unvermarktbar hielt. „Ein wohlbehüteter Ex-Soldat aus der Upper Class – schlimmer kann’s imagemäßig nicht kommen“, lacht Declan Morrell. Der A&R-Manager von Warner gab Blunt – Instinkt besiegt PR-Gehirn – schließlich doch einen Vertrag: „Seine Songs hatten irgendwie etwas Unwiderstehliches.“
    Das, sagt der Musiker, komme von der Authentizität der Lieder: „Ich hatte eine sehr traditionelle, britische Erziehung, wo man lernt, die Form zu wahren und die Gefühle hinter einer Fassade zu verstecken. Lieder schreiben ist für mich ein Weg, sie anders auszudrücken.“
    So ist der Superhit „You’re Beautiful“ der Stich im Herzen, als Blunt eine Ex-Freundin in der U-Bahn wiedersah – zum ersten Mal mit einem anderen. Und „No Bravery“ spiegelt den Horror, den er im Kosovo erlebt hat, als er dort im Auftrag der Friedensmission der NATO stationiert war. „Ich selbst habe mehrere Male nur knapp überlebt. Ich habe Freunde sterben sehen, Massenmord und Zerstörung auf breitester Basis erlebt.“

    Bestien

    Der Song aber handelt von der sozialen Komponente des Krieges. „Zu sehen, wie die Menschen dort – zivilisiert und vernünftig als Einzelpersonen – in der Gruppe zu Tieren wurden und sich dazu hinreißen ließen, Frauen, Kinder und Großmütter bestialisch abzuschlachten, war erschütternd. Aber wir konnten wenigstens mithelfen, das zu stoppen. Sowohl Kosovo-Albaner als auch Serben sagten: Gott sei Dank seid ihr hier!“
    Nach dem Kosovo diente Blunt auch in der Leibgarde der Queen. Mit Begeisterung. Für ihn hat die Monarchie noch lange nicht ausgedient. „Man kann sicher hinterfragen, was die Royals individuell tun. Aber als Kollektiv bringen sie uns all die Touristen aus Japan und Amerika. Und für uns Briten sind sie eine unglaubliche Inspiration: Ein Soldat würde sein Leben hundert mal lieber für die Queen opfern als für Tony Blair.“

  7. #297
    jugo-jebe-dugo
    20.02.2006

    Haziri: "Unabhängigkeit wird kommen"
    Serbischer Delegationsleiter: "Unser Ziel ist Selbstverwaltung der Serben im Kosovo"

    Wien - "Die Unabhängigkeit wird kommen", sagte der Leiter des kosovo-albanischen Verhandlerteams, Lutfi Haziri, unmittelbar vor dem Beginn der Gespräche am Montag in Wien gegenüber zahlreichen Journalisten. Pristina wolle so rasch wie möglich eine Statuslösung. Die albanische Delegation sei für die Verhandlungen bereit und positiv gestimmt. Dem UNO-Chefverhandler Martti Ahtisaari sei noch heute Morgen versprochen worden, dass Pristina voll kooperieren werde.

    "Ziel ist die Selbstverwaltung"

    Der serbische Delegationsleiter Slobodan Samardzic erwartet keine raschen Resultate. "Unser Ziel ist die Selbstverwaltung der Serben im Kosovo", sagte Samardzic gegenüber Journalisten. Vor dem Beginn der Gespräche habe es in der Früh mit Ahtisaari ein "kurzes und protokollarisches" Treffen gegeben.

    Kritk

    In Belgrad gab es unterdessen Kritik an der Zusammensetzung des serbischen Verhandlungsteams. Während nämlich Pristina auf Minister-Ebene vertreten war, schickte Belgrad Berater. "Man musste den Minister nicht nach Wien schicken, da es nicht um Verhandlungen zwischen zwei Staaten geht", lautet das Argument des Verhandlerteams laut der Tageszeitung "Danas"

    http://derstandard.at/?url=/?id=2349680

  8. #298
    jugo-jebe-dugo
    20.02.2006

    Erste Direktgespräche in Wien begonnen
    Serbischer Delegationsleiter: "Unser Ziel ist Selbstverwaltung der Serben im Kosovo"

    Wien - Die ersten direkten Gespräche im Rahmen der Verhandlungen über den künftigen Status der südserbischen Provinz Kosovo haben am Montag in Wien begonnen. Bei dem eineinhalbtägigen Treffen unter Vorsitz von Albert Rohan, Stellvertreter des UNO-Chefverhandlers Martti Ahtisaari, steht die Dezentralisierung bzw. Reform der Lokalverwaltung im Mittelpunkt - eine für den künftigen Kosovo-Status wichtige Frage.

    Die Gespräche in Wien werden hinter verschlossenen Türen im Palais Daun-Kinsky geführt. Dem Treffen wohnen auch Vertreter der NATO, der USA und der UNMIK (UNO-Verwaltung im Kosovo) bei. Für die EU nimmt der österreichische Diplomat und Mitarbeiter des EU-Außenbeauftragten Javier Solana, Stefan Lehne, teil.

    Nach den einleitenden Worten von Rohan sollen die beiden Delegationen ihre Standpunkte zur Dezentralisierung vorstellen und danach Meinungen darüber austauschen. Am Montag stehen die Themen bzw. die Übertragung der Befugnisse in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Soziales und Kultur im Mittelpunkt.

    Die serbische Delegation wird von Leon Kojen und Slobodan Samardzic, Berater von Präsident Boris Tadic bzw. Premier Vojislav Kostunica, geleitet. Das Verhandlerteam Pristinas wird vom Minister für Lokalverwaltung, Lutfi Haziri, angeführt. Serbischer Delegationsleiter: "Unser Ziel ist Selbstverwaltung der Serben im Kosovo"

    http://derstandard.at/?url=/?id=2350337

  9. #299

    Registriert seit
    04.06.2005
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    7.678
    Fromme Wünsche

    Nach Jahren des politischen Schwebezustands soll endlich der künftige Status der serbischen Krisenprovinz bestimmt werden. Alle Hoffnungen ruhen auf Uno-Unterhändler Ahtisaari.

    Martti Ahtisaari, Sohn eines Militärtechnikers, musste fast seine
    ganze Jugend in Kasernen zubringen. Er spricht zwar betont leise, ein
    Englisch mit sanftem finnischem Akzent. Doch wenn es darauf ankommt, kann die schmeichelnde Tonlage schneidend werden wie die eines Truppenkommandeurs. Diese Wandlungsfähigkeit ist Teil seines
    Erfolgs: Der 68-Jährige gilt weltweit als durchsetzungsstarker Mediator und ausgebuffter Krisenmanager. Er war zu Beginn seiner Karriere Finnlands jüngster Botschafter, überwachte 1989 Namibias Gang
    in die Unabhängigkeit, trat später als Uno-Sondergesandter für die Hungernden am Horn von Afrika auf und als Friedensschlichter
    in der indonesischen Bürgerkriegsprovinz Aceh. Momentan hat der ehemalige finnische Staatspräsident (1994 bis 2000) sein Hauptquartier
    im Zentrum der österreichischen Hauptstadt aufgeschlagen. Mit einem Team handverlesener Mitarbeiter bereitet er sich auf seine nächste große Aufgabe vor: Von diesem Montag an wird unter seiner Leitung
    in der Donaumetropole über die Zukunft des Kosovo verhandelt. Es geht um den größten verbliebenen Krisenherd auf europäischem Boden – und
    um die heikle Frage, welchen Status die nach wie vor zu Serbien gehörende Krisenprovinz künftig haben soll. Seit Ende des Krieges 1999, seit die Nato mit ihren Bombardements der ethnischen
    Vertreibung der Albaner durch serbische Truppen und Paramilitärs ein Ende bereitete und den Belgrader Despoten Slobodan Milosevic in die Knie zwang, steht die 2,1 Millionen Einwohner zählende Region im
    Südosten Europas unter Aufsicht der Vereinten Nationen.

    Das Kosovo ist seither eines der ambitioniertesten Friedensprojekte der internationalen Staatengemeinschaft. Mehr als eine Milliarde Euro hat allein die Europäische Union in den Aufbau der Provinz gesteckt. Fast sieben Jahre nach Ende des Nato-Einsatzes wachen noch immer 17000
    Kfor-Soldaten aus 35 Nationen über Sicherheit und Stabilität. Albaner, die mit rund 90 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung stellen, wie auch Serben müssen lernen, friedlich miteinander zu leben. Nun soll der politische Schwebezustand beendet werden. Darauf hat sich die internationale Kontaktgruppe verständigt, der neben den USA und Russland noch Frankreich, Großbritannien, Deutschland und
    Italien angehören. Denn die ungeklärte Statusfrage hat sich zu einem permanenten Risikofaktor auf dem Balkan entwickelt. Es reicht allein der Blick ins geteilte Kosovska Mitrovica, wo sich beide Bevölkerungsgruppen noch immer unversöhnlich gegenüberstehen.

    Der von Serben bewohnte Nordteil der Stadt ist durch Gelder aus Belgrad künstlich an das Mutterland gekoppelt. Lediglich eine Brücke über den Fluss Ibar verbindet den Serbenkosmos mit dem albanischen Teil. Doch diese Trennlinie überschreitet kaum jemand – gespenstische Ruhe belastet den Ort, an dem es vor zwei Jahren schon einmal zu einer blutigen Jagd zwischen Serben und Albanern kam. Auch in den kleineren serbischen Enklaven im Kosovo herrscht weiterhin gespannte Nervosität. Die Wiener Status-Verhandlungen sollen endlich Ruhe schaffen. Wohin aber wird der Weg führen? In die Unabhängigkeit, wie die Albaner sie kategorisch fordern und die Serben sie ebenso vehement ablehnen? Die Positionen sind klar abgesteckt, ein für beide Seiten akzeptabler Kompromiss scheint schwer vorstellbar.

    Alle Hoffnungen richten sich nun auf Ahtisaari. Für den kühlen Finnen mit der Aura des netten älteren Herrn spricht seine Bilanz bei ähnlich heiklen Verhandlungsmissionen. Auch die Causa Kosovo ist dem Diplomaten bestens vertraut: Im Auftrag der EU verhandelte er 1999 in Belgrad über den Abzug der serbischen Truppen und das Ende der Nato-Luftschläge auf Belgrad. Beinahe schon legendär ist die entschlossenheit, mit der Ahtisaari dem serbischen Machthaber Slobodan Milosevic am Ende die Zustimmung zum Rückzug abnötigte: Der Herrscher in Belgrad reagierte auf das Friedensangebot, das ihm der Westen zusammen mit Russland unterbreitete, zunächst mit entsetztem
    Schweigen. „Können wir an diesen Bedingungen noch etwas verändern?“, fragte der Despot schließlich. Ahtisaari schüttelte den Kopf – keine überflüssigen Worte, keine großen Erklärungen. Das Signal des sturen
    Finnen war eindeutig und für seine Verhandlungsmethode typisch: Das war’s, nichts geht mehr. Als „neuen Star Europas“ feierten westliche Zeitungen den Unterhändler danach. Wird der gelernte Lehrer nun mit einem weiteren Diplomatiestreich auftrumpfen können? Aussichten auf eine Einigung gibt es; noch bevor im Wiener Palais Kinsky die Verhandlungen beginnen, wurden die Weichen für ein tragfähiges Ergebnis gestellt.

    Unter den Mitgliedern der Kosovo-Kontaktgruppe herrscht, so verraten Beobachter, unerwartet große Übereinstimmung darüber, dass die Krisenprovinz unabhängig werden soll. Selbst Moskau, das immer wieder demonstrativ ankündigte, es werde den Brüdern in Serbien bei ihren Bemühungen beistehen, sich im Kosovo ein letztes Stückchen territorialer Souveränität zu sichern, hat offenbar schon eingelenkt. Um am Verhandlungstisch dennoch keine Überraschungen zu erleben, betrieben die Unterhändler vergangene Woche noch hektische Pendeldiplomatie. Während die kosovo-albanische Delegation, trotz interner Macht- und Führungskämpfe, in Wien mit einem abgestimmten
    Plan auftritt, überwog in Belgrad bis zum Schluss noch Ratlosigkeit.

    „Mehr als Autonomie und weniger als Unabhängigkeit“ hat die Regierung als Parole ausgegeben. Damit stößt sie aber selbst innerhalb der serbischen Führung auf Ablehnung. Dies sei wohl ein „Rahmenwerk frommer Wünsche“, ließ Präsident Boris Tadic Premier Vojislav Kostunica abblitzen, seinen innenpolitischen Rivalen.
    Im Schulterschluss mit der „Serbischen Radikalen Partei“ und der orthodoxen Kirche heizt der Regierungschef trotzdem weiter die Stimmung an. Eine künftige Unabhängigkeit des Kosovo, so die Drohung,
    würde als Okkupation gewertet. In diesem Falle seien die serbischen Streitkräfte verpflichtet, mit allen Mitteln die territoriale
    Integrität des Landes zu schützen. Selbst Verteidigungsminister
    Zoran Stankovic fühlte sich daraufhin verpflichtet, die Wogen zu glätten. Er versicherte, Belgrad würde sich um keinen Preis mehr auf eine kriegerische Auseinandersetzung einlassen. Die Belgrader Kakophonie ist ein Indiz für die Hilflosigkeit der Serben. Vieles spricht dafür, dass sich die politische Führung längst auf den Verlust der Provinz eingestellt hat. Die Drohgebärden sind der Versuch, das Gesicht zu wahren – und ein Alibi für künftige Wahlen.
    Als Minimalziel hat der serbische Präsident Tadiƒ allerdings einen Punkt fest abgesteckt: Das Kosovo dürfe auf keinen Fall eine eigene Armee besitzen – geschweige denn einen eigenen Sitz bei der Uno.
    In PriΔtina dagegen gibt man sich betont selbstbewusst. Nach der Beerdigung von Präsident Ibrahim Rugova, der charismatischen
    Leitfigur des albanischen Autonomiestrebens, herrscht in der Provinz wieder politischer Alltag.

    Befürchtungen, nun könnte die Stunde der Scharfmacher schlagen, haben sich bislang nicht bewahrheitet – auch wenn radikale Verbände ehemaliger UÇK-Kämpfer der neuen Führung mit Rache drohen, sollte diese Abstriche an der Forderung nach einer klaren Unabhängigkeit machen. Rugovas Nachfolger Fatmir Sejdiu liefert ihnen allerdings auch keinen Vorwand zum Eingreifen. Die langersehnte Loslösung von Belgrad ist für den Jura-Professor beschlossene Sache: „Man könnte“, sagt er dem SPIEGEL, „die Unabhängigkeit eigentlich auch sofort ausrufen.“ Darüber hinaus ist Sejdiu aber um moderate Töne bemüht. So will er all jenen den Wind aus den Segeln nehmen, die Weiterungen fürchten – dass nämlich eine Unabhängigkeit des Kosovo auch die Albaner in Südserbien oder Mazedonien anspornen werde, nach staatlichem Anschluss zu rufen. Ein solches Szenario lehnt die internationale Staatengemeinschaft strikt ab – entsprechende Grenzveränderungen gelten als indiskutabel.

    Auch ein unabhängiges Kosovo wird nicht ohne den Westen auskommen können. „An einer internationalen Präsenz“, so Vermittler Ahtisaari, führe auch künftig „kein Weg vorbei“ (siehe Interview Seite 114). Die Europäische Union soll die wichtigste Rolle auf dem Amselfeld spielen,
    auch Nato und OSZE müssten die Provinz weiter begleiten. Bis es so weit ist, müssen in Wien allerdings viele Detailfragen geklärt werden.
    Das kann viele Monate dauern. Und was ist, wenn plötzlich doch radikale Kräfte die Verhandlungen torpedieren? Vermittler Ahtisaari gibt sich gelassen. „Was habe ich zu verlieren?“, fragt er lächelnd. „Wenn Sie schon mal eine ähnliche Sache erfolgreich zum Abschluss gebracht haben, sind alle davon überzeugt, dass Sie das wieder schaffen.“Ahtisaari selbst glaubt das wohl auch.

    Manfred Ertel, Renate Flottau, Marion Kraske
    ----------------------------------------------------
    d e r s p i e g e l 8 / 2 0 0 6

  10. #300

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    Serben und Kosovo-Albaner denken an Zukunft

    WIEN. Die ersten direkten Gespräche im Rahmen der Verhandlungen über den künftigen Status des Kosovo haben gestern in Wien begonnen. Die Atmosphäre wurde von allen Seiten als "konstruktiv" beschrieben.

    Bei dem bis heute Mittag dauernden Treffen stand die Dezentralisierung bzw. Reform der Lokalverwaltung im Mittelpunkt. Der völkerrechtliche Status selbst sollte zunächst ausgeklammert werden. "Wir wollen damit nicht beginnen", sagte der UNO-Verhandlungsleiter, Albert Rohan. Die Grundsatz-Positionen beider Seiten seien einfach "völlig entgegengesetzt": Die Vertreter der albanischen Mehrheit im Kosovo fordern eine Unabhängigkeit für die Provinz. Belgrad will höchstens eine weitgehende Autonomie gewähren.

    Unmittelbar vor Beginn der Direktgespräche hatte UNO-Chefverhandler Ahtisaari aber den künftigen Status der südserbischen Provinz de facto bereits präjudiziert. Wie er in einem Interview erklärte, habe die Kosovo-Kontaktgruppe sich bei ihrem letzten Treffen in London darauf geeinigt, dass am Ende die Bevölkerung des Kosovo über ihre Zukunft entscheiden müsse. "90 Prozent sind Albaner - wie werden die sich wohl entscheiden?"

    Diese Worte lösten in Belgrad großen Unmut aus. Sollte Ahtisaari damit fortfahren, "unvorsichtige" Aussagen zu machen, werde er "nicht mehr die richtige Person" für die Fortsetzung der Gespräche sein, hieß es aus Belgrad. Einen Rückzug des serbischen Verhandlerteams von den Gesprächen schloss der serbische Präsident Boris Tadic allerdings aus. Egal was komme, einen Verzicht auf die Verhandlungen werde es nicht geben.

    Im Osten des Kosovo gab es gestern eine Kundgebung einiger tausend Kosovo-Serben, die auf diese Weise dem serbischen Verhandlerteam in Wien ihre Unterstützung bekunden wollten. "Sollte der Kosovo unabhängig werden, so wird kein einziger Serbe mehr auf diesem Gebiet bleiben", warnte der lokale Serben-Führer Tokic.

    Ein historisches Bild

    Erstmals seit sieben Jahren saßen Serben und Kosovo-Albaner gestern in Wien an einem Tisch, um über die Zukunft des Kosovo zu verhandeln. Den Vorsitz hatte der Österreicher Albert Rohan, dem Stellvertreter des UNO-Chefverhandlers Martti Ahtisaari.

    http://www.nachrichten.at/politik/au...f51f23f7972084

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