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Serbischer Albanerdiskurs

Erstellt von FloKrass, 11.12.2011, 17:05 Uhr · 3 Antworten · 1.128 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von FloKrass

    Registriert seit
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    9.970

    Serbischer Albanerdiskurs

    An dieser Stelle möchte ich den serbischen Albanerdiskurs darstellen, der dazu geführt hat, dass die serbische Bevölkerung bis heute mehrheitlich so über den Albaner denkt und sich ihm nie nähern konnte.

    Die serbische Bevölkerungspolitik und die Repressionen gegenüber der albanischen Bevölkerung im Kosovo sind aus dem strategischen Denken der der Belgrader Eliten abzuleiten, das sich nahtlos an das serbische Albanerild aus der Zeit vor 1918 anschloss. Diese Vorstellungen wurden nicht nur am extremistischen Rand der serbischen Führungszirkel geäußert, sondern es finden sich darunter bekannte Namen wie der spätere Literaturneoblepreisträger Ivo Andriç. Die entwickelste Ausprägung erreichte das nationalistische Programm aber in Denkschriften von Vasa Çubriloviç aus den Jahren von 1937 und 1944, Çubriloviç, einer der Mitattentäter von Sarajevo 1914, ist einer der Vordenker radikaler ethnischer Säuberungen auf dem Balkan, ein Mann, der auch nach 1945 eine glänzende politische und wisschenschaftliche Karriere durchlief. In seiner Denkschrift von 1937 kam er zu folgendem Schluss: die albanischen Siedlungsgeiete in Jugoslawien bildeten ein Dreieck (von Westmakedonien in SW-NO Richtung bis in den nördlichsten Kosovo und von dort nach Westen in Richtung Montenegro verlaufend), das die serbische Südexpansion in den südslawisch besiedelten makedonischen Raum blokierte. Die etnische Homogenisierung und die dauerhafte Sicherung Vardarmakedoniens könnten nur dann erfolgen, wenn das albanische Dreieck beseitigt würde. Die Kolonisierung sei gescheitert, ihre Wirkung aufgehoben durch die hohe albanische Geburtenrate; zudem seien Korruption und Unfähigkeit der Verwaltung der Verwaltung mitverantwortlich. Als Grundfehler der serbischen Politik hebt er hervor, dass 1918 nicht alle aufständischen Albaner enteignet und aus dem Kosovo vertrieben worden seien. Das beste Land befinde sich noch in den Händen der Albaner. Nur "brutale Gewalt" könne angesichts des albanischen Bevölkerungswachstums die serbische Kontrolle über den Kosovo bewahren. Handele Serbien nicht sofort, würde in zwanzig bis dreißg Jahren ein gefährlicher albanischer Irredentismus entstehen. "Wenn Deutschland zehtausende Juden vertreibt und Russland Millionen von Menschen von einem Teil des Kontinents in einen anderen verschiebt, wird die Evakuierung von ein paar hundertausend Albanern keinen Weltkrief auslösen" (Robert Elsie, In the Heart of the Powder Keg. New York 1997, 408, lautet der Schlüsselsatz in Çubriloviçs Denkschrift. Er fühlte sich vom Zeitgeist bestärkt, wenn er eine Massenaussiedlung der Albaner nach Anatolien und nach Albanien empfahl. Um die Albaner zu Massenabwanderung zu bewegen, schlug er eine ganze Reihe von Maßnahmen vor: Gewinnung der muslimischen Geistlichkeit durch Geld und Drohungen; den Einsatz türkischer Werber, die die Vorteile von Emigration anpreisen sollten; dann aber vor allem massive Polizeigewalt, Steuer- und Bußendruck, Entlassung aus dem Staatsdienst, Aufhebung von Berufsbewilligungen, Niederreißen der traditionellen Mauern um die albanischen Häuser; Durchsetzung von veterinärmedizischen Maßnahmen, die den Viehhandel zum Erliegen bringen sollten; gezielte Verletzung der religiösen Gefühle durchdie Zerstörung von Friedhöfen, Misshandlung von muslmischen Geistlichen. Ein eigentlicher Kulturkampf sollte gegen die muslimischen Albaner geführt werden; die systematische Demütigung und Entwürdigung wurde der Regierung angeraten. Çubriloviç ging aber noch weiter: er wollte die Kolonisten bewaffnen, Çetnikbanden in großem Stile einsetzen, eine Masseneinwanderung aus dem überbevölkerten Montenegro in Gang setzen, durch Provokationen Konflikte schüren, die nach außen hin als albanische Stammesfähden und Landstreitigkeiten darstestellt werden sollten; örtliche Unruhen sollten hervorgerufen werden, die dann mit aller Härte niedergeschlagen werden sollten, und zwar nicht von den Behörden, sondern von den als ausgesrpochen brutal geltenden Montenigrinern und Çetnikkämpfern. Schließlich sollten - unter Ausschluss der Medien - nach dem Vorbild des Jahres 1878 ganze dörfer zerstört werden. Als Zielgebiete dieser umfassenden ethnischen Säuberungen definierte er die Dukagjinebene/Metohija und das Sharrgebirge - damit wären die die Ränder des albanischen Dreiecks und das kaum zugängliche Hochgebirge im Süden gewonnen und die Albaner im Innern des Kosovo vom albanischen Staat isoliert. In den Dörfern sei besonders gegen die Gebildeten und Wohlhabenden vorzugehen; sei die Elite einmal ausgeschaltet, würde die ungebildete und arme Bevölkerungsschicht leicht deportiert werden können. Der plan erinnert an Methoden der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik in Osteruopa. Er blieb aber nich nur auf dem Papier, sondern zahlreiche seiner Elemnte wurden - in unterscheidlicher Intensität - kurz vor dem zweiten Weltkrieg und dann zwischen 1945 und 1966 sowie zwischen 1989 und 1999 in die Tat umgesetzt. Gegen Ende des zweiten Weltkriegs legte Çubriloviç eine erweiterte und radikalisierte Version seines Memorandums vor. Die schweren Auseinandersetzungen auf dem Boden Jugoslawiens rechtfertigten nun seiner Meinung nach die ethnische Säuberung Jugoslawiens von allen feindlichen ethnischen Gruppen. Der Reihe nach auszuschalten seien Deutsche, Ungarn, Albaner, Italiener und Rumänen. Insbesondere die Unruheregion von Drenica und die Dukagjineben/Metohija seien durch umfassende Vertreibung der albanischen Bevölkerung für den jugoslwischen Staat zu sichern, die albanische Intelligenz systematisch auszuschalten.

    Obwohl sich die Belgrader Eliten intensiv mit dem Kosovo auseinandersetzten, fehlte ihnen jedes tiefere Interesse an der Gemeinschaft, die als gefährlicher Gegner wahrgenommen wurde. Bis in die Gegenwart fallen Ignoranz und mangelnde Kompetenz der wissenschaftlichen und kulturellen Führungsschicht Serbiens in Fragen der albanischen Kultur auf. Dies ist mit der überheblichen bis rassischtischen Haltung der serbischen Gesellschaft gegenüber den Albanern zu erklären. Typisch ist das Schicksal des kurzlebigen "Seminars für albanische Philologie (Seminar za arbansku filologiju)", das Ende der Zwanzigerjahre geschlossen wurde. Wer sich mit albanischer Kultur außerhalb staatlicher Strukturen beschfätigte, riskierte sein Leben: der Franziskanerpater Shtjefen Gjeçovi, der den Kanun kodifizierte, wurde 1929 ermordert, der international bekannte kroatische Albanienhistoriker Milan von Sufflay 1931 in Zagreb von serbischen Agenten erschlagen, was Albert Einstein und Heinrich Mann in einem vielbeachteten Protestaufruf anprangerten. Nicht nur die Albaner in Jugoslawien sollten in Unwissenheit gehalten werden, auch die europäische Öffentlichkeit sollte möglichst wenig über die Albaner erfahren. Je geringer die Aufmerksamkeit war, die die Albaner auf sich zogen, desto aussichtsreicher waren Pläne eines V. Çubriloviç.

    Quelle: Oliver Jens Schmitt, Kosovo - kurze Geschichte einer zentralbalkanischen Landschaft, S. 207-209.


    Und nun soll jeder abwägen, ob die Albaner ein Recht hatten, sich von Serbien abzuschpalten und ob es die Serben gegenwärtig im Kosovo haben. Viel Spaß beim nachdenken und argumentieren aber bitte nicht aus dem Bauch heraus argumentieren.

  2. #2
    Avatar von Carl Marks

    Registriert seit
    04.05.2011
    Beiträge
    1.004
    Der Artikel ist voller Fehler, Logiklöcher und einseitig politisch gefärbt!

    Beispiele...
    Original aus dem Text von FloKrass
    Die Kolonisierung sei gescheitert, ihre Wirkung aufgehoben durch die hohe albanische Geburtenrate; zudem seien Korruption und Unfähigkeit der Verwaltung der Verwaltung mitverantwortlich.
    Die Serben hatten zu der Zeit, nämlich Anfang und Mitte des 20. Jhdts. genau die gleiche demographische Entwicklung wie die Kosovoalbaner. Teilweise war der demographische Wachstum sogar größer, da Zentralserbien technologisch fortgeschrittener war und medizinisch besser versorgt, man aber sehr viele Kinder in die Welt setzte.

    Der demographische Bruch bei den Jugovölkern, wenn es überhaupt als sowas nenen kann, den in Jugoslawien gab es kein Bevölkerungsrückgang, sondern immer noch ein moderates Wachstum, erfolgte erst später ab den 60er Jahren.

    Original aus dem Text von FloKrass
    eine Masseneinwanderung aus dem überbevölkerten Montenegro in Gang setzen, durch Provokationen Konflikte schüren, die nach außen hin als albanische Stammesfähden und Landstreitigkeiten darstestellt werden sollten
    Überbevölkertes Montenegro??? Sind wir sicher das wir alle das gleiche Montenegro meinen?

    Original aus dem Text von FloKrass
    Das beste Land befinde sich noch in den Händen der Albaner.
    Falsch! Gerade die Siedlungsgebiete der Albaner sind alles andere als gut. Die besten Böden und Regionen sicherten sich serbische Siedler mit der Wiederansiedlung der 20er Jahre, das war weit vor der Zeit der Denkschrift. Die Albaner betrieben zu dieser Zeit auch eine leicht andere Form der landwirtschaft, deswegen war extrem gutes Ackerland nicht ganz so wichtig, das ist wirklich so.

    Original aus dem Text von FloKrass
    damit wären die die Ränder des albanischen Dreiecks und das kaum zugängliche Hochgebirge im Süden gewonnen und die Albaner im Innern des Kosovo vom albanischen Staat isoliert.
    Wieder falsch! Die Kosovalbaner waren traditionell schon immer vom albanischen Mutterland getrennt, das liegt an der Geographie des Kosovo. Zwischen dem fruchtbaren Zentrum des Kosmet und Albanien liegen hohe Gebirgsketten die in den Jahrhunderten als eine natürliche Grenze fungiert haben.

    Ob es die Kosovoalbaner nun wahrhaben wollen oder nicht, traditionell hat man mehr Beziehung mit den Serben aus Kosmet und Serbien gehabt, als mit dem albanischen Mutterland. Zwar ist die Sprache dieselbe, aber von Region zu Region gibt es starke kulturelle Unterschiede, genauso wie es die Unterschiede auch innerhalb Serbiens extrem gibt. Man sagt Kosovoserben nach, dass sie fast gar kein serbisch sprechen können und ihr Dialekt grammatikalisch einfach nur grausam ist.

    Original aus dem Text von FloKrass
    Der plan erinnert an Methoden der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik in Osteruopa.
    Wieder falsch! Die deutsche Vernichtungspolitik in Osteuropa war auch nicht von langer Hand geplant, zwar gab es Pläne zur "Besiedlung des Ostens" die Verbichtungsstrategien wurden jedoch kurzerhand initiiert und umgesetzt. Die "Judenproblematik" wurde auch erst auf der Wannseekonferenz erörtert und dort der massenmord beschlossen, das war erat 1942. Das Pamphlet stammt aus dem Jahr 1937, also Jahre vor dem Massenmord an der weißrussischen und russischen Bevölkerung und der industriellen Tötung der Juden Europas.

    Original aus dem Text von FloKrass
    Der plan erinnert an Methoden der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik in Osteruopa. Er blieb aber nich nur auf dem Papier, sondern zahlreiche seiner Elemnte wurden - in unterscheidlicher Intensität - kurz vor dem zweiten Weltkrieg und dann zwischen 1945 und 1966 sowie zwischen 1989 und 1999 in die Tat umgesetzt.
    Also Verbrechen an der albanischen Zivilbevölkerung kurz vor dem Zweiten Weltkrieg sind mir unbekannt. Im Zweiten Weltkrieg hatten die Serben im Kosovo mal reingar nichts zu melden und viele albanische Faschisten verübten Verbrechen an den Serben, hier kommen wir mal wieder auf die Bali Kombetar und die SS Skenderbeg zu sprechen...

    Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Sozialisten das Sagen und besonders dem Geheimdienstchef Rankovic lag das Kosovo sehr am herzen. Er ging repressiv gegen die albanische Bevölkerung vor, von Verhaftungen bis zu einzelnen Morden, es kann jedoch nicht die Rede von Massenmord oder Vertreibung sein. Jedoch wurden viele Albaner genötigt das Kosovo zu verlassen, teilweise geködert mit Geld, falschenversprechungen oder Drohungen, dies ist natürlich verabscheuenswert.

    Original aus dem Text von FloKrass
    zwischen 1989 und 1999 in die Tat umgesetzt.
    Na klar! Das einzigste Interesse galt der Umsetzung der denkschrift einer relativ unbedeutenden politischen gestalt. Genauso gut hätte man schreiben könne, Milosevic wollte die Ideen von Alexander dem Grossen umsetzen, absoluter Humbug!!!

    Original aus dem Text von FloKrass
    Obwohl sich die Belgrader Eliten intensiv mit dem Kosovo auseinandersetzten, fehlte ihnen jedes tiefere Interesse an der Gemeinschaft, die als gefährlicher Gegner wahrgenommen wurde. Bis in die Gegenwart fallen Ignoranz und mangelnde Kompetenz der wissenschaftlichen und kulturellen Führungsschicht Serbiens in Fragen der albanischen Kultur auf. Dies ist mit der überheblichen bis rassischtischen Haltung der serbischen Gesellschaft gegenüber den Albanern zu erklären.
    Solch ich jetzt mal was schreiben!

    Den meisten Serben sind die Albaner scheißegal! Es geht zwar um das Kosovo, dafür hegt meinen keinen besonderen Hass gegen die Albaner. Besonders die Kosovoserben sind am gemässigsten gegenüber den Albanern, im Vergleich zu Serben aus Zentralserbien, immerhin hat man jahrzehntelang freidlich miteinander gelebt. Keiner aus meiner Familie hat je den Kopf eines einzigen Albaners gefordert, man sieht ein, dass die Geschichte Scheiße verlaufen ist, auch mit der Einmischung der USA, dafür kann der gewöhnliche Kosovoalbaner aber nichts, er ist genauso ein Spielball der Großen wie der gewöhnliche Serbe.

    Klar werden Albaner in der serbischen Gesellschaft ein wenig herablassend betrachtet, da vielen einfach ein gewisses Maß an Bildung fehlt, aber mir wären jetzt Albanerwitze zum Beispiel neu, dafür weiß ich das man sich gerne über Bosnier lustig macht, also Serben wie auch Moslems ähnlich den Ostfriesenwitzen in Deutschland.


    Nochmal zu Vasa Čubrilović
    Er war Universitätsprofessor und Minister für Land und Forstwirtschaft, wo er natürlich die riesigen Armeen von Grizzlybibern und Bisamratten zur Vertreibung der Albaner kontrollieren konnte. Ok, jetzt Scherz beiseite, die Denkschrift von 1937 ist doch sehr hart in der Formulierung, hatte jedoch bestimmt nur wenig große Auswirkung auf die serbische Politik und Sicht der 90er Jahre. Mich würde die Reflektion der serbischen Geschichte in seinem Buch Istorija političke misli u Srbiji XIX. veka. Dieses letzte Buch würde mich interessiren, ob er auf seine alten tage nochmal klug geworden ist.

    Also auf den Jungen darf man nicht so viel geben, es gibt mindestens genausoviele Hardliner auch auf albanischer Seite, die seit an seit mit Onkel Enver gelnekt und gedenkt haben.

  3. #3
    Avatar von BIG-Eagle

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    War zu faul um es zu lesen.

  4. #4
    Avatar von Lahutari

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    Es gibt in diesem Text sicher einiges dem ich nicht zustimme,doch ist die Idee eines multiethnischen Staates Kosovo eig nicht schlecht ....
    Sicher gibt es einiges zu verbessern,aber ein langfristiger Frieden ist moeglich
    Na ja hat auf den ersten Blick sowieso fast nichts mit dem Thread gemein ^^

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