BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Erweiterte Suche
Kontakt
BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Benutzerliste

Willkommen bei BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen.
Seite 7 von 11 ErsteErste ... 34567891011 LetzteLetzte
Ergebnis 61 bis 70 von 103

Das Tal der Trauer....

Erstellt von rockafellA, 26.04.2009, 19:21 Uhr · 102 Antworten · 4.763 Aufrufe

  1. #61
    Šaban
    ich weiss nicht was dieser Thread bringen soll

    In kroatien und bosnien sind auch viele massaker passiert... wahrscheinlich haben wir schon vergeben! Aber nicht vergessen.

    Aber was hier passiert ist nur provokation von usern

  2. #62
    GjergjKastrioti
    Zitat Zitat von Vatrena Beitrag anzeigen
    Sollen sie auch nicht man sollte jeden dafür bestrafen! Nur sollte man bei der Wahrheit bleiben!
    ja und die wahrheit ist nunmal dass menschen umgebracht wurden, da sind diese ganzen zahlenspiele hier (egal von welcher seite) überflüssig, da es egal ist ob es nun 30 oder 300 waren. Also was sollen immer diese schwachsinnigen disskussionen vonwegen "soviele waren es garnicht blabla". Und dann immer diese Ausreden vonwegen zeig mal ne quelle, als wäre es so unmöglich dass dort jemals sowas passiert ist.

  3. #63

    Registriert seit
    16.01.2009
    Beiträge
    17.122
    Zitat Zitat von Šaban Beitrag anzeigen
    ich weiss nicht was dieser Thread bringen soll

    In kroatien und bosnien sind auch viele massaker passiert... wahrscheinlich haben wir schon vergeben! Aber nicht vergessen.

    Aber was hier passiert ist nur provokation von usern
    Ja, aber sicher nicht nur an euch Kroaten und Bosniaken, und ihr wart auch sicher keine Unschuldsengel.
    Gilt also wie Jasenovac, vergeben, aber nicht vergessen!!!

  4. #64

    Registriert seit
    13.10.2008
    Beiträge
    7.453
    Zitat Zitat von Šaban Beitrag anzeigen
    ich weiss nicht was dieser Thread bringen soll

    In kroatien und bosnien sind auch viele massaker passiert... wahrscheinlich haben wir schon vergeben! Aber nicht vergessen.

    Aber was hier passiert ist nur provokation von usern



    ab wann ist schluss mit vergeben??? wie viele mal müssen menschen aufgrund ihres albaner sein,vertrieben und getötet werden??? und dass immer wieder mit der gleichen begründung seit über hunderten von jahren schon.???


    denn deutschen können die juden vergeben,weil sie seid über 60 jahren schon nicht probiert haben die juden zu vertreiben oder sonst was,ganz im gegenteil sogar,deutschland ist das freundlichste jüdische land in europa,und werden es die nächsten 50 oder 100 jahre auch bleiben,wenn bist dann nicht eine neue europäische nation entstanden ist und es sowieso nichts ausmachen wird.

    aber die serben hatten es nicht mal 50 jahre mit anderen ethnien ausgehalten,immer war man auf der suche nach gründen wie man die albaner los wird oder klein hält,und so einer politik die von generation zu generation weiter gegeben wird darf man einfach nicht vergeben geschweige den vergessen.


    diese tatsachen als hetze zu bezeichnen,hat nur damit zu tun weil ich es schreibe und nicht weil es nicht wahr ist.

  5. #65

    Registriert seit
    08.03.2009
    Beiträge
    183
    Zitat Zitat von Gentleman Beitrag anzeigen
    Es gibt keinen Frieden und kein Vergeben solange Serben im Kosovo leben.
    Du hast absolut nicht mehr alle Latten am Zaun! Schlimm genug, dass überhaupt Menschen gestorben sind...Du machst hier weiter auf großen Albaner...anstatt auch mal an andere zu denken...
    Du willst keinen Frieden solange Serben im Kosovo, sprich Serbien leben???

    Du lebst an der Realität vorbei...Keiner möchte mehr einen Krieg...die Verbrechen die gegen die Menschlichkeit begangen wurden, werden sicherlich bestraft...da braucht man keinen Halbstarken wie Dich dazu...

    Wir sollten lieber alle mal die Ärmel hockkrämpeln und unser Land wieder zu dem machen was es mal war...auf welche alle Bürger egal welcher Herkunft...stolz sein können!!

  6. #66

    Registriert seit
    08.03.2009
    Beiträge
    183
    Zitat Zitat von rockafellA Beitrag anzeigen
    ab wann ist schluss mit vergeben??? wie viele mal müssen menschen aufgrund ihres albaner sein,vertrieben und getötet werden??? und dass immer wieder mit der gleichen begründung seit über hunderten von jahren schon.???


    denn deutschen können die juden vergeben,weil sie seid über 60 jahren schon nicht probiert haben die juden zu vertreiben oder sonst was,ganz im gegenteil sogar,deutschland ist das freundlichste jüdische land in europa,und werden es die nächsten 50 oder 100 jahre auch bleiben,wenn bist dann nicht eine neue europäische nation entstanden ist und es sowieso nichts ausmachen wird.

    aber die serben hatten es nicht mal 50 jahre mit anderen ethnien ausgehalten,immer war man auf der suche nach gründen wie man die albaner los wird oder klein hält,und so einer politik die von generation zu generation weiter gegeben wird darf man einfach nicht vergeben geschweige den vergessen.


    diese tatsachen als hetze zu bezeichnen,hat nur damit zu tun weil ich es schreibe und nicht weil es nicht wahr ist.
    Ach komm hör doch auf!! Seit 50 Jahren werden Albaner vertrieben...wohin denn...wo seits Ihr denn alle hin...Es gibt ca. keine Ahnung 1,7 Mio Albaner im Kosovo...waren es jemals mehr?? Was ´98 ´99 passiert ist darf man nicht vergessen...aber vergeben kann man...man muss schauen, dass es vorwärts geht...der Blick muss nach vorne gerichtet sein...nicht nach hinten...
    Ich finde, man kann die Nazi-Verbrechen nicht mit den Balkan geschehnissen vergleichen...Von den Nazis wurden 6 Mio Juden ermordert...jeder vergleich mit den Nazis würde eine Beleidung für jeden Juden sein, der Umgebracht wurde!!! Die Art und Weise wie Juden regelrecht vernichtet wurden ist nicht zu verhamlosen!!! Was nicht bedeuten soll, das die insgesamt 120.000 Tode des Balkankrieges nicht viel zu viele waren!!! Denn jeder Tote ist einer zu viel!!!

  7. #67

    Registriert seit
    05.09.2004
    Beiträge
    7.890
    Mama, sie haben Erolinda erschossen!


    Vor zehn Jahren löschten serbische Polizisten im Kosovo eine albanische Großfamilie aus. Im Kriegsverbrecherprozess gegen sie wird jetzt in Belgrad das Urteil gesprochen

    Frank Nordhausen Milorad Nisavic ist ein dicker kleiner Mann mit schwarzem Schnurrbart, der stets ein Jeanshemd trägt. Er sitzt im Spezialgericht in Belgrad hinter Gittern und dickem Panzerglas. Nisavic ist angeklagt, im Kosovo Kriegsverbrechen verübt zu haben. Manchmal spricht der Serbe kurz mit seinem Mitangeklagten Miroslav Petkovic, einem stiernackigen Kahlkopf, der dann beflissen grinst. Nisavic legt auch gern die Arme auf die Lehnen der Nachbarstühle. Der 48-Jährige macht einen gelassenen Eindruck. Aber der Eindruck täuscht. Wenn er aus dem Gitterkäfig vor die Richterbank geführt wird und redet, wird er schnell laut, und manchmal kommt er Richtern und Zeugen bedrohlich nahe.
    Nisavic stammt aus Suhareka, einer Kleinstadt im südlichen Kosovo. Er ließ sich dort "Boss" nennen, Boss hießen auch die Fahrschule, die er in den 90er-Jahren betrieb, und sein Hotel. Und Nisavic war zugleich Chef des serbischen Geheimdienstes in Suhareka, er war ein mächtiger und gefährlicher Mann. Am 26. März 1999, zwei Tage nach Beginn des Kosovo-Krieges, sollen er und ein Dutzend weitere Männer 50 Kosovo-Albaner ermordet haben.
    Auf der anderen Seite des Panzerglases hat an diesem Tag im April Xhelal Berisha im Belgrader Gericht Platz genommen. Berisha benötigt die Kopfhörer mit der albanischen Simultanübersetzung nicht, er versteht Serbisch gut. Dem 52-jährigen Mann entgeht keine Nuance der Verhandlung. Manchmal, wenn ein Verteidiger oder ein Angeklagter redet, wirkt er erstaunt und schüttelt den Kopf. Am Morgen hat Xhelal Berisha gesagt, dass es gut sei, hier zu sein und die Mörder hinter den Stahlstäben zu sehen. Er will, dass sie ihre Strafe bekommen.
    Berisha ist von Beruf Akkordeonspieler, ein Mann mit einem freundlichen Gesicht. "Ich komme jetzt bereits zum fünfzehnten Mal nach Belgrad zum Prozess", sagt er. Nisavic und sein Trupp nahmen ihm seinen Bruder Nexhat und dessen vier Kinder, seinen Neffen Faton, dessen Frau, Schwester und zwei Söhne. 49 Mitglieder des kosovo-albanischen Clans der Berishas starben an jenem Tag. "Als der Prozess im Oktober 2006 begann, haben wir beschlossen, dass immer jemand aus Suhareka dabei ist. Wir wollten zeigen, dass wir nichts vergessen."
    Sechs Männer sind mit dem Boss jetzt in Belgrad angeklagt. Es sind Männer zwischen 40 und 55, sie tragen Jeans und Baumwollhemden. Vor den Richtertisch gerufen, sprechen sie ruhig, in einfachen Worten. Mit Ausnahme des cholerischen Nisavic. Die Verhandlung wird gefilmt und auf große Flachbildschirme übertragen, die bei den Angeklagten hinter dem Gitter und im Zuschauerraum hängen. Jedes Wort vor diesem Gericht wird aufgezeichnet, jedes Beweisstück in Großaufnahme gezeigt. Es gibt sogar eine Bildregie. Man sieht jede Regung der Angeklagten und Zeugen, Anwälte und Richter, jedes Blinzeln, jedes Zucken der Gesichtsmuskeln.
    Niemand im Gerichtssaal wird den Auftritt von Shyrete Berisha vergessen. Am 4. Dezember 2007 wurde sie als Zeugin gehört. "Sie kam ganz in Schwarz", erinnert sich Xhelal Berisha "Sie sprach mit klarer, starker Stimme." Shyrete Berisha ist die Hauptzeugin der Anklage. Sie ist eine der drei Überlebenden des Massakers vom 26. März 1999, das für die Albaner im Kosovo eine ähnliche Bedeutung hat, wie Srebrenica für die Bosnier. Eine nationale Tragödie. Shyrete Berishas Anhörung dauerte von neun Uhr morgens bis sechs Uhr abends; 70 Seiten umfasst ihre Aussage.
    In den Tagen nach dem Beginn der Nato-Bombardements auf Serbien, zu dem das Kosovo gehörte, kam es in der Region um Suhareka zu heftigen Angriffen albanischer Rebellen gegen die serbische Armee. Die Serben antworteten mit Terror gegen die albanische Zivilbevölkerung. Am 24. März 1999 hatten Einheiten der berüchtigten Spezialpolizei ein erstes Blutbad in der 20 000-Einwohner-Stadt angerichtet, dem 40 Albaner zum Opfer fielen. Eine weitere Einheit überfiel am 25. März die Häuser der Familie Hoti, enger Verwandter der Berishas. Sie befahl den Frauen und Kindern, nach Albanien zu gehen und tötete 32 Menschen. Aber der Hauptschlag stand noch aus.
    "Wir wussten, dass etwas Furchtbares vorging und dass es sich gegen unsere Familie richtete", sagte Shyrete Berisha vor Gericht. Die Berishas waren der angesehenste und wohlhabendste albanische Clan in Suhareka, wo die Bevölkerung damals zu zehn Prozent aus Serben und zu neunzig Prozent aus Albanern bestand. Dass die Berishas vergleichsweise wohlhabend waren, reicher als die meisten Serben der Stadt, machte viele Serben wütend. Es war ein offenes Geheimnis, dass Milorad Nisavic, der Boss, die Berishas hasste, seit er eine lukrative Einnahmequelle an sie verloren hatte. Die OSZE-Beobachtermission in Suhareka hatte sich zunächst in seinem Hotel einquartiert. Als man aber bemerkte, dass sich kein Albaner mit seinen Beschwerden in das Haus des lokalen Geheimdienstchefs traute, suchte und fand man ein anderes Quartier: im Doppelhaus der Brüder Sedat und Bujar Berisha. Deren elegantes Heim nannte man in Suhareka "das weiße Haus", weil es weiß verklinkert war.
    Am 26. März vormittags begannen serbische Polizeieinheiten wie schon in den Tagen davor, albanische Häuser in Suhareka in Brand zu stecken, willkürlich Menschen zu erschießen und aus der Stadt zu jagen. Gegen zwölf Uhr umstellten Einheiten in blauen und grünen Uniformen das weiße Haus. Viele Mitglieder des Familienclans hatten sich dort versammelt, um in der Gefahr zusammenzubleiben. Nisavic und die Brüder Zoran und Miroslav Petkovic waren bereits am Vortag am Haus aufgetaucht und hatten die Herausgabe der Ausrüstung der abgezogenen OSZE-Beobachter verlangt: Computer, Fernseher, Faxgeräte. Die Familie übergab Nisavic auch ihre Ersparnisse, 50 000 D-Mark. "Habt keine Angst, wir werden euch verteidigen", hätte Nisavic dann versprochen, sagte Shyrete Berisha vor Gericht.
    Das Gegenteil war der Fall. Nisavic, die Petkovic-Brüder und andere Serben kamen wieder. Sie kamen mit Lastwagen und einem Land Rover. Sie trugen Munitionsgürtel, Kalaschnikows und Gesichtsmasken. Shyrete erkannte sie trotzdem. Ein Dutzend Männer postierten sich im Garten vor dem weißen Haus zwischen den blühenden Obstbäumen. Sie befahlen den Berishas herauszukommen, trennten Männer, Frauen und Kinder, durchsuchten die Gebäude.
    Shyrete Berisha sagte aus, dass Zoran Petkovic befahl: "Bujar, komm her!" Bujar Berisha war der Eigentümer eines kleinen Busunternehmens, für das Zoran Petkovic als Fahrer arbeitete. Als Bujar Berisha aus dem Haus trat, fragte ihn Petkovic: "Wo ist dein Schmuck? Wo ist das Geld von der OSZE?" Milorad Nisavic stand daneben und sagte höhnisch: "Bujar, wo ist deine Nato jetzt? Wo sind deine Amerikaner?" Bujar sagte kein einziges Wort. Bei den Birnbäumen befahlen sie ihm: "Bujar, dreh' dich um!" Bujar drehte sich um, und sie erschossen ihn. Als sein Bruder Sedat versuchte zu fliehen, wurde auch er erschossen. Als die Serben Anstalten machten, einen weiteren Mann zu erschießen, den 27-jährigen Lehrer Faton Berisha, steckte der seine Finger in die Ohren und brüllte mit aller Kraft. Er starb durch eine Kugel in den Kopf.
    Shyrete Berisha musste mitansehen, wie Milorad Nisavic anschließend dreimal auf ihren Mann Nexhat schoss. Der 44-Jährige war der Bruder von Bujar und ebenfalls Lehrer. Sie berichtete auch, wie Frauen und Kinder zu schreien begannen, und wie die Serben sie daraufhin zur Hauptstraße trieben. "Haut ab nach Albanien!" riefen sie. Als die Frauen, Kinder und alten Männer losgingen, hörten sie weitere Schüsse aus Kalaschnikows und Explosionen. Rauch stieg über den Häusern auf. Shyrete Berisha führte ihre vier, Vjollca Berisha ihre drei Kinder mit sich.
    Unter Gewehrsalven dirigierten die Serben die Gruppe in ein Einkaufszentrum am Busbahnhof, bis sie die kleine Pizzeria "Kalabria" erreichte. Sie brachen die Tür auf, trieben die Menschen in den engen Raum. Dann warfen sie zwei Handgranaten in die Pizzeria und schossen mit ihren Maschinenpistolen in die vierzigköpfige Menge. Panik brach aus. Alle versuchten verzweifelt, unter Tischen oder hinter dem Tresen Schutz zu finden. Majlinda, Shyretes 16-jährige Tochter, sagte: "Mama, sie haben Erolinda erschossen!" Erolinda war ihre 14-jährige Schwester. Ein schwer verwundetes Mädchen schluchzte: "Was haben sie mir angetan, o mein Gott, sie sollen kommen und mich töten." Shyrete hörte Menschen weinen und klagen und sterben. Ihr zwei Jahre alter Sohn Redon wollte Milch trinken. "Ich gab ihm die Flasche, weil ich dachte, dann würde er ruhig sein, aber sie hörten ihn, kamen zurück, immer wieder, schossen wieder und wieder in den Raum."
    Redon war tot, seine große Schwester Majlinda auch, eine Handgranate zerfetzte sie. Shyrete und Vjollca und drei ihrer Kinder überlebten schwer verwundet. Shyrete hatte zwölf Kugeln in Beinen, Armen, Schulter und im Bauch. Auch Vjollca hatte Schüsse in den Bauch und die Beine bekommen. "Der Mann, der auf uns schoss, war Zoran Petkovic", sagte Shyrete Berisha vor dem Gericht. Und Vjollca, die sich weigerte, nach Belgrad zu kommen, sagte in ihrer Vernehmung durch die serbischen Staatsanwälte im Kosovo: "Als sie dann mit ihren zwei Pritschenwagen kamen und uns auf die Ladefläche warfen, erkannte ich den Fahrer des Wagens - es war Zoran Petkovic." Mindestens 15 Zeugen beobachteten die Szene. Shyrete und Vjollca schafften es, den Atem anzuhalten und sich trotz der starken Schmerzen totzustellen. Shyretes zehnjähriger Sohn Altin lebte noch, stöhnte aber, als die Serben ihn hochhoben - und wurde erschossen.
    Nachdem sie Körper auf Körper gehäuft hatten, fuhren die Mörder los in Richtung Prizren. Beide Frauen lagen auf der gleichen Ladefläche und konnten miteinander sprechen. Da sie nur von einer Plane bedeckt waren, schlug Shyrete vor: "Springen wir hinunter! Es ist unsere einzige Chance." Shyrete sprang als erste, zwei albanische Bauern fanden sie und brachten sie in ein Feldlazarett der albanischen Rebellen. Vjollca sprang vier Kilometer später mit dem achtjährigen Gramoz. Ihre noch lebende Tochter Dafina musste sie zurücklassen; das brach ihr das Herz. Auch Vjollca und Gramoz wurden gerettet.
    Die Leichen von Bujar, Sedat, Nexhat, Fatima und Faton Berisha wurden auf einem Friedhof nahe des "weißen Hauses" verscharrt. Die Toten aus der Pizzeria wurden zunächst bei Prizren vergraben, zwei Wochen später aber wieder exhumiert. Bisher unbekannte Angehörige einer serbischen Antiterroreinheit luden sie in Kühllaster und fuhren einen Teil zum Massengrab im Belgrader Vorort Batajnica, wo sie 2001 entdeckt wurden. Doch bis heute werden 21 Leichen vermisst.
    "Innerlich bin ich damals gestorben", sagte Shyrete Berisha am Schluss ihrer Befragung. "Ich habe meinen Mann und meine vier Kinder verloren. Ich lebe nur noch dafür, diese Verbrechen zu bezeugen." Das hat sie im Suhareka-Prozess getan und zuvor im Prozess gegen den früheren serbischen Ministerpräsidenten Slobodan Milosevic in Den Haag. Als sie zum Prozess nach Belgrad kam, lebte sie schon an einem unbekannten Ort in Westeuropa unter neuem Namen. Sie ist eine der am besten geschützten Zeugen des Haager Gerichts.
    Die meisten Serben interessieren sich nicht für die Belgrader Kriegsverbrecherprozesse, kaum jemand verfolgt sie. An den letzten fünf Verhandlungstagen im März und im April waren außer zwei albanischen Reportern nur die beiden Berichterstatter der serbischen Nachrichtenagenturen im Gericht. Zwei Drittel der Zuschauerplätze bleiben unbesetzt. Eine Gruppe Jurastudenten verließ die Verhandlung bereits nach der Pause.
    "Das Spezialgericht ist wie ein schwarzes Loch", sagt Stasa Zajovic, die den Prozess für die Antikriegsorganisation "Frauen in Schwarz" beobachtet. Wie ein Ort, den es gar nicht gibt. Weil er aber doch existiert, stehen seine drei Staatsanwälte, drei Ermittler und zwei Assistenten unter permanentem Polizeischutz. Radikale serbische Parteien fordern regelmäßig, das Gericht aufzulösen. Als die Staatsanwälte im Juli 2008 die Festnahme des untergetauchten Kriegsverbrechers Radovan Karadzic anordneten, musste man sie für ein paar Tage außer Landes bringen. "Es war zu gefährlich für uns hier in Belgrad", sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Bruno Vekaric. Er zeigt einen Leitzordner voller Morddrohungen, berichtet von aufgeschlitzten Reifen, von tätlichen Angriffen beim Einkauf auf dem Markt. Als das Gericht kürzlich die Festnahme von vier serbischen Polizisten in Leskovac anordnete, verhinderten aufgebrachte Demonstranten die Verhaftung der "Patrioten". Für die Angeklagten im laufenden Prozess erwartet Vekaric keine Solidaritätsbekundungen. "Wir haben genug Beweise, um diese Männer für zwanzig Jahre hinter Gitter zu bringen", sagt er. Zwanzig Jahre sind die Höchststrafe für Kriegsverbrechen nach den jugoslawischen Gesetzen, die zur Tatzeit galten.
    Es ist der 7. April, der zweite Tag der Plädoyers im Suhareka-Prozess. Wieder ist Xhelal Berisha mit seiner Frau, seiner Schwester und seinem Cousin nach Belgrad gereist. Wie immer hat sie ein serbischer Bus aus Suhareka abgeholt. Wie immer sind sie von drei albanischen Bodyguards begleitet worden. An der serbischen Grenze kamen noch sieben serbische Polizisten hinzu. Als Xhelal Berisha das erste Mal nach dem Krieg nach Belgrad kam, hatte er Angst. Große Angst. "Es war eine Fahrt ins Ungewisse. In die Hauptstadt der Mörder." Jetzt, nach der fünfzehnten Reise, hat er sich daran gewöhnt.
    Nach drei Jahren, nach einem nicht enden wollenden Prozessmarathon, hält der Staatsanwalt sein Plädoyer. Mioljub Vitorovic ist ein bedächtiger Mittfünfziger, der die Neigung hat, beim Sprechen seinen Kopf zu beugen und sehr leise zu reden. Aber das sollte nicht dazu verleiten, ihn zu unterschätzen. Vitorovic und die anderen Staatsanwälte haben es gewagt, mit Milorad Nisavic erstmals einen serbischen Geheimdienstmann wegen Kriegsverbrechen anzuklagen. Und sie haben es gewagt, Radoslav Mitrovic vor Gericht zu bringen, einen hohen Befehlshaber der Spezialpolizei MUP. Nisavic habe den Einsatz befehligt, aber Mitrovic soll der strategische Kopf gewesen sein. Er habe seine Befehle von ganz oben erhalten und zu ihrer Durchführung auch die lokale Polizei kommandiert. So sieht es die Staatsanwaltschaft.
    Dass Serbien überhaupt Kriegsverbrechen verfolgt, ist im Westen so gut wie unbekannt. 2003 wurde das Belgrader Spezialgericht auf Druck der EU und des Haager Gerichtes eingerichtet und es arbeitet durchaus gewissenhaft. Immerhin konnten bis März diesen Jahres sechs Prozesse abgeschlossen werden, bei denen es um mindestens 2216 Opfer ging. Von 91 Angeklagten wurden aber bisher erst zwei Dutzend rechtskräftig verurteilt. Das liegt nicht am Spezialgericht. Zum einen liegt es am Obersten Serbischen Gerichtshof. Er hat fast jedes Urteil kassiert und zurückverwiesen. Die bekannte serbische Menschenrechtlerin Natasa Kandic sieht darin weniger juristische als vielmehr politische Hintergründe. "Das Oberste Gericht verkörpert das alte Milosevic-Serbien."
    Es liegt auch an der oft schwierigen Ermittlungslage - Zeugen sind schwer zu finden oder "fallen um", Beweise sind schwer zu beschaffen. Im Suhareka-Prozess ist die Lage vergleichsweise günstig. Erstmals haben serbische Polizisten gegen ihre Kollegen ausgesagt, Ortspolizisten aus Suhareka: anonym, hinter einem Schirm. Sie belasteten Mitrovic, Nisavic und seine Leute schwer. Sie beschrieben, wie Nisavic und die Brüder Petkovic einzelne Menschen ermordeten. Sie machten klar, dass nicht alle serbischen Polizisten in Suhareka einverstanden waren mit den Befehlen, die man ihnen gab: "Losgehen, töten, aufladen, wegfahren." Einer der Zeugen sagte, dass ein Polizist zögerte, den Mordbefehl auszuführen. Daraufhin habe ihn der mitangeklagte Chef der Polizeistation von Suhareka angebrüllt: "Beweg dich! Worauf wartest du? Soll ich es etwa für dich tun?"
    Staatsanwalt Vitorovic spricht eine halbe Stunde. Er spricht von ethnischer Säuberung. Er sagt, dass Mitrovic der verantwortliche Befehlshaber war "für alle Kriegsverbrechen in der Region". Dass sich bei Nisavic Befehl und Rachegefühle vermischten. Er beschreibt, wie die Mörder nach dem Massaker von Tür zu Tür gingen in Suhareka, den Albanern Geld abnahmen und ihnen befahlen, sofort die Stadt und das Land zu verlassen - sonst würde es ihnen wie den Berishas ergehen. "Das Resultat der Aktion war die Massenflucht der örtlichen Albaner." Vitorovic spricht von den "Exekutoren eines Massenmordes", die vor Gericht gelogen und sich in massive Widersprüche verwickelt hätten. Er spricht von Tätern, die "die grandiose Zukunft Serbiens mit den Knochen Unschuldiger aufbauen" wollten. Er sagt: "Wir bestrafen diese Menschen, um die Hypothek kollektiver Schuld von uns zu nehmen. Die Opfer des 26. März wurden von niemandem beschützt. Niemand wollte sie retten, niemand ihnen helfen." Vitorovic findet die richtigen Worte für das monströse Verbrechen. "Diese Menschen wurden aus keinem anderen Grund getötet, als dass sie Albaner waren", sagt er zum Schluss. "Ich werde jetzt die Namen der Ermordeten vorlesen. Bujar Berisha, Faton Berisha, Florije Berisha ..."
    Die Männer, die für das Leid verantwortlich sein sollen, sitzen unbewegt auf ihren Stühlen. Milorad Nisavic räkelt sich ein wenig. Dann sprechen die Verteidiger. Sie haben das furchtbare Geschehen im Verlaufe des Prozesses nie angezweifelt. Aber die Schuld ihrer Mandanten. Anders als in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen berufen sie sich nicht auf übergeordneten Befehlsnotstand. Die Verteidiger sagen nicht: "Mein Mandant war anwesend, musste aber Befehle befolgen." Sie sagen: "Er war dort, hat aber nichts getan." Oder sie sagen: "Er hat an dem Tag nichts in Suhareka zu tun gehabt, also kann er nichts verbrochen haben."
    "Nisavic war am fraglichen Tag nicht in Suhareka", sagt sein Anwalt dann auch im Plädoyer. "Zoran Petkovic war in Suhareka, aber er stand nur Wache am weißen Haus", sagt sein Verteidiger. Ein anderer erklärt das Gericht für parteiisch: "Hier wird ein politischer Prozess geführt, um der EU zu schmeicheln." Nicht die Angeklagten, sondern die Nato sei schuld an den Verbrechen. Der Anwalt von Radoslav Mitrovic, ein sehr selbstbewusster Mann mit Glatze und Musketierbart, der auch Radovan Karadzic in Den Haag vertritt, hält den ganzen Prozess für absurd. Er behauptet, gegen die Aussage mehrerer Zeugen, dass sein Mandant nicht in Suhareka war. "Er hat keinen Befehl erteilt, Zivilisten zu attackieren. Dieser Prozess spielt nur den Albanern in die Hände."
    Dann treten die Angeklagten vor, sie haben das letzte Wort. Unisono sagen sie, sie würden bedauern, was geschehen sei, und dann: "Aber ich bin unschuldig." Nur Milorad Nisavic fällt aus der Rolle. "Das ist ein Komplott", ruft er. "Ihr habt meine Familie zerstört, ich bin finanziell ruiniert."
    Es ist Frühling in Belgrad. Die Kirschbäume blühen, die Vögel zwitschern, warme Luft streichelt die Haut. Frühling wie damals vor zehn Jahren, als Milorad Nisavic und sein Trupp serbischer Männer den Tod nach Suhareka brachten. Die albanischen Prozessbeobachter aus Suhareka sitzen am Abend noch einmal mit der serbischen Menschenrechtlerin Natasa Kandic zusammen. Xhelal Berisha spricht über den letzten Auftritt der Angeklagten und ihrer Verteidiger. "Diese Leute haben kein Ehrgefühl, keinen Anstand, keine Menschlichkeit", sagt er. Sein Cousin Idriz Haxhin sagt, er habe inzwischen Achtung vor dem serbischen Gericht. "Anfangs fragten unsere albanischen Nachbarn, warum fahrt ihr nach Belgrad? Was für einen Sinn hat das? Glaubt ihr, dass Serben in Serbien angeklagt und verurteilt werden?" Idriz Haxhin war auch skeptisch. Er hat lange darüber nachgedacht. Jetzt glaubt er, dass es gut ist, was die serbische Justiz tut. "Kein Urteil kann uns wiedergeben, was wir verloren haben. Aber die Tatsachen sind minutiös aufgearbeitet worden. Und das ist wichtig für spätere Generationen."
    Am kommenden Mittwoch will das Belgrader Gericht seine Entscheidung verkünden.


    Mama, sie haben Erolinda erschossen! : Textarchiv : Berliner Zeitung Archiv

  8. #68

    Registriert seit
    05.09.2004
    Beiträge
    7.890
    „Wir waren seit Tagen im Wald. In den Bergen von Çiçavica lief die größte Offensive seit Anfang der Kämpfe. Es war der 22. September 1998. Wir waren 14 Leute aus unserer Familie und 70 Leute insgesamt aus unserem Dorf. Sie umzingelten uns von allen Seiten und wir konnten nirgends mehr fliehen oder Nahrung besorgen. Nach drei Tagen war der Vorrat an wilden Früchten aufgebraucht. Die Kinder fingen an heftig zu weinen, manche von ihnen wurden schwer krank und sie hatten keine Hoffnung mehr zu überleben. Ihre hungernden Körper drohten zu sterben und ihren Seelen schienen vor Angst zu ersticken.
    Es war Mittag als paramilitärische Soldaten uns alle versammelten. Sie trugen Tücher um ihre Köpfe und ihre Gesichter waren bemalt. Unsere Männer wurden einzeln an die umliegenden Bäume gebunden. Später kam ein Lastwagen, in dem sie die Männer einschlossen. Dann nahmen sie unser Geld, den Schmuck und alles andere Wertvolle. Sie drohten uns mit dem Tod der Kinder, um dadurch unseren Willen zu brechen und weitere Wertgüter zu erhalten. Einer Frau, die versuchte ihnen das Automatikgewehr zu entreißen, nahmen sie den 2-jährigen Sohn weg und schnitten ihm das Ohr und drei Finger ab. Mein Bruder versuchte trotz der gebundenen Hände tätig zu werden. Sie nahmen ihn, entkleideten ihn vor allen Augen und schnitten ihm die Genitalien ab. Meine Mutter und meine Schwägerin bewegten sich nicht. Ich wollte zu ihm laufen, da er sich nicht mehr bewegte. "Ich werde dich mit seinem Organ vergewaltigen“, sagte einer der Polizisten zu mir, während zwei andere mir die Hände fesselten und mich am Lastwagen festmachten. Ich versuchte Widerstand zu leisten, doch dann schlugen sie so stark auf meinen Kopf ein, dass ich das Bewusstsein verlor. Als ich wieder zu mir kam, war ich ausgezogen und weiterhin gefesselt. Einige Meter weiter vergewaltigten sie eine andere Frau oder Mädchen, das ich nicht kannte. Vor meinen Beinen kniete meine weinende Mutter. „Sie haben deinen Bruder samt seiner Frau getötet“, sagte sie zu mir. Vielleicht tat sie es, weil es ihr das Herz brach. "Vielleicht ist es besser wenn du auch stirbst", flüsterte sie. „es wird leichter für mich sein, wenn ich einsam bin.“ Ich zitterte am ganzen Körper; ob vor Kälte, Angst oder Schmerzen habe ich nicht mehr wahrnehmen können. Um uns herum waren unzählige Leichen. Überall lagen Fingerteile, Händeteile und Ohren. Später kam ein Polizist zu mir. „Weil du jungfräulich warst, werde ich dich zur Frau nehmen“, sagte er zu mir. „Du wirst mit mir nach Serbien kommen und dort werden wir uns ein Nest bauen, genau so wie es sich unser Präsident Milosevic vorgestellt hat; dass alle serbischen Jungs mit Albanerinnen verheiratet sind und dass sie dann serbische Kinder gebären und dass wir alle albanischen Männer in Kosova töten. Sag mir, wirst du mir ein Sohn schenken?“, fragte er mich und vergewaltigte mich dann vor den Augen meiner Mutter. Ich weiß nicht wie lange er mich schändete; aber als ich die Augen öffnete, war sein Körper blutüberströmt. Meine Mutter saß weinend neben mir. Einige Frauen hatten die Leichen bereits nebeneinander gelegt. Eine andere Frau kam auf mich zu und versuchte mir irgendetwas anzuziehen. Doch in diesem Moment war mir meine Nacktheit gleichgültig. Ich hatte das Gefühl, nicht mehr ich selbst zu sein. Mein Bauch schmerzte, ich schämte mich und die Vergewaltigung hinterließ bei mir das Gefühl, schmutzig zu sein. Jemand gab mir ein wenig Wasser und dann kleidete ich mich an. Ich hatte kein Gefühl mehr. Tote Körper waren um mich und ich verstand nicht, warum ich den Tod so sehr herbeisehnte. Ich wollte sterben; mehr als alles andere. Mutter stand nur neben mir und weinte; dieses Mal sagte sie nichts. Eine Frau kam zu mir und bat mich die Wunden ihres sechsjährigen Sohnes, dem sie die Finger abgeschnitten hatten, zu versorgen. Ich versuchte es, aber meine Hände funktionierten nicht. Ich schaffte es kaum ihm die Wunden mit einem Hemdfetzen zu verbinden. Später begruben wir die 18 Leichen. Mutter bekam bald darauf hohes Fieber. Im Wald fanden wir ein Aspirin für sie. Nachdem sie die Tablette genommen hatte, sagte sie: „Es war ein Fehler diese Medizin zu nehmen. Vielleicht braucht sie jemand anderes. Ich habe ein gebrochenes Herz und die Medizin kann mir nicht helfen. Ich sterbe an einem gebrochenen Herzen, das mehr wegen dir als wegen deinem Bruder und deiner Schwägerin gebrochen ist. Meine Tochter, verheimliche nichts und erzähle alles".
    „Mit diesen Worten starb auch meine Mutter und ich blieb ganz alleine und dazu noch schmutzig“, sagte das Mädchen aus den Wäldern von Çiçavica.


    Da gibts gar nichts zu verzeihen ... !!

  9. #69

    Registriert seit
    05.09.2004
    Beiträge
    7.890
    Die Mutprobe

    „Das Bombardement hatte schon vor Tagen angefangen. Mein Ehemann und ich trösteten uns gegenseitig und versteckten unsere Angst vor unseren Kindern.
    Die Menschen aus der Umgebung von Gjakova, die wir bei uns untergebracht hatten, taten dasselbe. Wir hatten keine Möglichkeit aus der Stadt zu gehen, während es in der Stadt vor hunderten von Soldaten, Polizisten und paramilitärischen Einheiten nur so wimmelte. Am 29. März fingen sie an die Männer in unserem Viertel zu verhaften. Ich starb fast vor Angst. „Was sollen wir machen? Wir haben ja auch noch unseren 12-jährigen Sohn", sagte ich zu meinem Ehemann. „Wir warten und schauen was passiert- Unsere Soldaten sind nicht sehr weit weg. Vielleicht beobachten sie was in der Stadt passiert und wir können vielleicht dem Unglück entkommen.“
    An diesem späten Nachmittag gingen wir zum Haus eines Bekannten am Stadtrand von Gjakova, um nach etwas essbarem zu suchen. Doch wir konnten nichts finden. Mein Mann und ich gingen nach draußen und suchten in dem Haus einer anderen Familie nach Nahrungsmitteln. In der Nacht hatten wir insgesamt drei Familien in unserem Haus untergebracht. Am morgen waren wir unglücklicherweise alle eingeschlafen. Die serbische Polizei brach die Tür ein und wir schauten alle verwirrt um uns. „Geld und Gold her, falls ihr am Leben bleiben wollt, dann lassen wir euch alle sofort nach Albanien gehen, wenn ihr versprecht nie wieder zurück zu kommen“, brüllte einer der Polizisten.
    „Wir werden gehen und unsere Kinder retten", flüsterte mein Mann langsam. Diejenigen, die Geld oder Gold hatten, gaben es den Polizisten. Sie nahmen auch unsere Taschen weg, weil sie dachten sie würden darin etwas Wertvolles finden.
    „Ihr Frauen könnt schon mal los, eure Männer kommen in einer halben Stunde nach, wenn wir uns vergewissert haben, dass es keine UÇK - Soldaten sind“, sagte einer der serbischen Polizisten. „Wir werden uns nicht trennen“, sagte ich und hielt an. Der Junge einer anderen Familie, die bei uns Zuflucht gefunden hatte, versuchte zu entkommen, aber die Polizisten schossen auf ihn und töteten ihn. Seine Mutter hatte versucht vor seinen Körper zu springen, aber die Kugel, von der sie getroffen wurde, ging glatt durch und traf ihren Sohn trotzdem. Das Heulen und Schreien wurde immer lauter und die verletzte Frau wollte sich nicht vom toten Körper ihres Sohnes trennen. Die serbischen Barbaren, die jetzt richtig sauer wurden, fesselten alle Männer. Die Frauen zogen sie aus. Die Kinder, elf an der Zahl, fingen an zu weinen und währenddessen starb die verletzte Frau.
    „Jetzt werden wir einen wunderbaren Film drehen, weil wir einen für das Nachtprogramm von TV Prishtina brauchen“, sagte einer der serbischen Polizisten und zerrte ein 15-jähriges Mädchen ins Bett, um sie zu vergewaltigen. Wenn ich daran denke wünschte ich damals wie heute, ich wäre tot. Das junge Mädchen wurde von drei Männern festgehalten und von anderen drei vergewaltigt und geschlagen, bis sie starb. Danach vergewaltigten sie die Frau eines Bekannten und zum Schluss vergewaltigten sie mich. Dabei schlugen sie mich und schnitten mir eine Brust ab. Dann warfen sie mich aus dem Bett und nahmen sich ein junges Mädchen. Als sie anfing zu schreien und nach Hilfe zu rufen, zogen sie ihr die Fingernägel heraus. Am Ende, nach dem sie es vergewaltigt hatten, nahmen sie das Mädchen mit. Sie nahmen auch die Männer mit. Ich überlebte, aber mein Leben wurde zur Hölle, und das ist es immer noch geblieben. Alle, die dort anwesend waren, haben gesehen wie man mich geschändet hat. Meine Kinder haben es auch gesehen. Meinen Sohn haben sie mitgenommen und ich weiß heute noch nichts über sein Schicksal. Meinen Mann haben sie ins Gefängnis gesteckt. Sie ließen ihn vier Monate nach Kriegsende frei. Ich war sehr froh, dass er überlebt hatte, aber ich hatte keine Kraft ihn zu umarmen. Ich schämte mich so sehr, weil er die Vergewaltigung mit ansehen musste. Auch heute schäme ich mich vor ihm. Er umarmte mich weinend, wünschte mir Beileid für unseren getöteten Sohn und umarmte auch die Mädchen. Wir alle weinten, sogar alle im Hof versammelten Menschen weinten. Als wir uns ein wenig beruhigten, sagte ich mit einer weinenden Stimme zu meinem Mann, dass es gut sei, dass er wieder da sei. „Das Haus wird nicht ohne Oberhaupt sein wird. Ich weiß jetzt, dass unsere Töchter jemand haben, an dem sie sich anlehnen können.“ Ich sagte zu meinem Mann, dass ich als entehrte Frau gehen müsse, da ich mich vor ihm schämte. „Jetzt wo du da bist, weiß ich, dass die Mädchen Unterstützung haben und ich kann zu meinen Verwandten gehen, damit du dich nicht entehrt fühlst". Ich wollte weiter reden, aber das Weinen und die Tränen meiner Töchter und die meines Mannes unterbrachen mich. „Du wirst nirgends hingehen“, erwiderte er. „Du bist die Ehre dieser Familie, und wenn jemand in dieser Familie entehrt ist, dann bin ich das. Die Ehre der Familie hätte ich verteidigen müssen, und nicht du. Du bist unschuldig und du warst und bist meine Ehefrau.“, sagte mir mein Mann.
    Ich, B.B. aus Gjakova, fühle mich heute noch geschändet und schmutzig, aber ich lebe zusammen mit meinen Mann und den Töchtern, und ich hoffe, dass mein einziger Sohn eines Tages zu mir zurückkommen wird.

  10. #70

    Registriert seit
    05.09.2004
    Beiträge
    7.890
    „Ich würde gerne alles vergessen“

    H. G. aus Prishtina wischte sich die Tränen weg. Ihr Körper zitterte, sie verkrampfte ihre Hände, schaute mal zu ihrer Tochter mal zum Fenster. Dann fing sie ihre schmerzhafte Erzählung an: „Prishtina bekam den Krieg zum ersten Mal während der Bombardierungen zu spüren. Erst als Armee, Polizei und paramilitärische Einheiten anfingen die Menschen aus ihren Häusern zu vertreiben, glaubte ich den Erzählungen der Menschen aus den Kriegsherden, die ganz Kosova überzogen hatten. Ich hatte niemandem die Tür geöffnet und als sie uns aus dem Haus vertrieben, hatte ich keine Kraft woanders anzuklopfen. Man sagt nicht umsonst, dass derjenige der satt ist niemals dem Hungrigen glaubt. Ich hielt mich für intellektuell und hatte mich denen angeschlossen, die gegen den Krieg waren, weil wir daran gewohnt waren, dass andere bei Protestmärschen umgebracht wurden, dass andere protestierten, dass andere litten und wir hofften indessen, dass wir auf die Rücken anderer gewinnen würden! Als sie uns aus dem Haus schmissen und meinen Mann mitnahmen, da hörte ich ihn sich selbst fluchen, weil er sich nicht der UÇK angeschlossen hatte. Als sie ihn in das Fahrzeug setzten, sagte er mit weinerlicher Stimme: "Ich verdiene es nicht einmal, dass man um mich weint, weil ich nicht wie ein Held sterbe, wie ein Held mit einem Gewehr in der Hand, sondern wie ein Schwächling, wie ein Verrückter, der den Befreiungskampf seines Volkes nicht unterstützt hat.“ Ich weiß, dass meine Tochter laut zu weinen begann als das Fahrzeug wegfuhr. Sie vertrieben auch unsere Nachbarn aus ihren Häusern. Sie durchsuchten einige andere Häuser und nachdem sie alle Männer mitgenommen hatten, führten sie alle Frauen zur Allgemeinschule "Naim Frashëri“. Wir waren ungefähr 20 hauptsächlich junge Frauen. Zwei über 40-jährige erschossen sie sofort. Sie erschossen auch einen alten Mann. In der ersten Nacht kam niemand, aber am Morgen danach kamen sie und zogen uns alle nackt aus. Zwei junge Mädchen nahmen sie mit und wir wussten nicht was geschieht. Die Mädchen kamen nie wieder zurück. Am nächsten Tag kamen einige Soldaten und nahmen sieben Frauen, die ihnen gefielen, mit. Als sie schließlich auch meine Tochter mitnahmen, hatte ich das Gefühl, mein Herz bliebe stehen. Sie brachten sie fünf Stunden später völlig verblutet zurück. Sie hatten sie vergewaltigt und hatten sie an mehreren Stellen am Körper geschnitten. Sie sagte zu mir mit einer leisen Stimme: „Bitte Mutter, nimm ein Stuhl und schlag mir damit auf den Kopf damit ich sterbe und mich nicht so erniedrigt fühle, bitte...“
    Aus Verzweiflung und Sorge um meine Tochter schrie und weinte ich; doch niemand hörte uns und niemand wollte etwas von uns wissen. Zwei Tage später nahmen sie einige andere Frauen mit und brachten sie nicht mehr zurück. Am nächsten Tag nahmen sie mich zusammen mit meiner Tochter mit. Wir wurden gleichzeitig vergewaltigt. In diesem Moment begriff ich, wieso meine Tochter den Tod herbeisehnte. Ich kann mich nicht erinnern was mit mir passierte, denn ich war zu sehr um meine Tochter besorgt. Als ich versuchte einen zu schlagen, ließ er von mir ab und vergewaltigte mich nicht weiter. Aber er fesselte mich und fing an mir die Fingernägel mit Elektrikerzangen herauszuziehen. Meine Tochter schickten sie zurück in den Raum, in dem sie uns eingeschlossen hielten. Mich zwangen sie, bei den darauf folgenden Vergewaltigungen anwesend zu sein. Es waren mehr als 20 Frauen, die sie schändeten.
    Tage vergingen und ich stand immer noch gefesselt da, ohne etwas zu essen bekommen zu haben, nicht einmal etwas zu trinken. Einige Tage später schlossen sie mich zusammen mit sechs anderen Frauen in meinem Alter in den Keller ein, während sie die jungen Mädchen jeden Tag schändeten. Nur Gott weiß, wie sehr ich während dieser Tage geweint, geschrieen und gelitten habe.
    Und ich war gezwungen die zitternden jungen Körpern zu sehen und das Geschrei und Weinen voller Schmerz zu hören. Ich teilte den Schmerz mit ihnen, meine verwundete Seele tat mir weh. Auch heute frage ich mich, wie ein Mensch angesichts dieser Erlebnisse nicht vollkommen den Verstand verliert. Oder wie ein Mensch vor Schmerz nicht sterben kann. Doch wenn Gott möchte, dass ein Mensch leben soll, dann lebt er, egal was mit ihm geschieht. Erst jetzt verstehe ich die Macht Gottes, erst jetzt verstehe ich was es heißt, wenn Gott sagt, dass du Opfer sein musst. Oder vielleicht hat Gott die Macht über die Menschen verloren und der Teufel namens Shka nahm Kosova in seine Hand und tat alles wie es ihm beliebte; überall dort in Kosova, wo die Jungs von der UÇK nicht waren. Ich weiß, dass ich jetzt nicht einmal das Recht habe die UÇK zu erwähnen, weil ich und meine Familie nichts unternahmen um sie zu unterstützen, aber wenn ich die Hoffnung nicht gehabt hätte, dass sie die serbischen Kräfte zerschlagen würden, dann wären ich und die anderen Frauen, die dort jeden Tag durch von albanischem Blut nicht satt werdenden serbischen Monstern gefoltert wurden, heute nicht hier. Als man uns am meisten verletzte und folterte, trösteten wir uns mit den Worten, dass Gott keinen Flecken Erde ohne Erretter lässt. Deswegen hat Kosova auch junge Männer, die zu den Waffen gegriffen haben und die Heimat verteidigt haben. Manchmal wünschen wir uns, dass keine von uns stirbt, damit wir auch später von diesen Gräueltaten berichten können. Als mich die Serben schändeten habe ich auch meine Söhne verflucht, die ich selber in den Westen geschickt hatte um sie zu retten. Ich verfluchte sie, weil sie mir nicht widersprachen und zu den Waffen gegriffen haben, um die Heimat zu verteidigen. Ich würde heute meinen vollen Namen und Nachnamen öffentlich machen, wären da nicht meine Söhne, die es sehr treffen würde, wenn sie erfahren würden, was ihrer Mutter und ihrer Schwester widerfahren ist. Als nach dem Krieg mein ältester Sohn eines Morgens nach Hause kam, sagte er: „Mutter, auch wenn sie euch verhaftet, geschlagen und gefoltert haben, es ist leichter, weil ihr der Vergewaltigung entgangen seid.“ Ich wurde sofort bewusstlos. Er weiß heute noch nicht, dass wir beide vergewaltigt wurden. Er denkt, dass ich um meinen ermordeten Mann trauere. Die Wahrheit über das, was uns angetan wurde, kennt er nicht. Manchmal würde ich gerne alles Geschehene vergessen. Aber würde ich den Wert der Freiheit kennen, wenn ich all dieses Unglück vergessen würde? Ich weiß, dass mich die bitteren Erlebnisse, die uns die Barbaren Milosevics’ zugefügt haben, noch eine lange Zeit belasten werden. Aber ich will nicht sterben, weil ich gerne die Unabhängigkeit Kosovas erleben würde! Nur dann würde ich friedlich sterben, weil ich sicher wäre, dass meine Neffen und Nichten niemals wieder von serbischen Barbaren vergewaltigt werden können.

Seite 7 von 11 ErsteErste ... 34567891011 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 247
    Letzter Beitrag: 11.09.2017, 23:17
  2. musik mit trauer verbinden ?
    Von SMEKER im Forum Rakija
    Antworten: 24
    Letzter Beitrag: 31.10.2010, 18:33
  3. Trauer um Robert Enke
    Von Cobra im Forum Sport
    Antworten: 13
    Letzter Beitrag: 11.11.2009, 16:51
  4. Pekings Angst vor politischer Trauer
    Von jugo-jebe-dugo im Forum Aussenpolitik
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 17.01.2005, 22:42