11.07.10|
[h2]Kosovo[/h2]
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[h1]Tony Blair hat in Pristina viele kleine Namensvetter[/h1]
Aus Dankbarkeit für seinen Einsatz für das Kosovo benannten Albaner ihre Söhne nach dem früheren britischen Premier.
Foto: dpa/DPA Gestatten: Tony Blair. Sechs der Jungs, die von ihren Eltern nach dem britischen Ex-Premier benannt wurden (im Original auf der Leinwand im Hintergrund). Sie dankten ihm damit für seinen Einsatz für das Kosovo von Thomas Kielinger

Ex-Premierminister Tony Blair und seine Frau Cherie verbrachten vergangene Woche einige Tage in der Kosovo-Hauptstadt Pristina, auf Einladung der dortigen Regierung. Was sie erwartete, hat sie tief bewegt. Eine große Leinwand, mit einem Photo von Blair darauf projiziert, schmückte den Hintergrund einer Feilichtbühne, auf der sich neun Jungen im Alter zwischen acht und zehn Jahren aufgereiht hatten.

Dann dies: Alle neun heißen „Tony Blair“, so dankbar waren ihre Eltern für den Einsatz Blairs für die Freiheit des Kosovo. Denn der damalige britische Regierungschef hatte im Jahr 1999 unermüdlich darum gekämpft, dass dem Vorgehen des Serben-Anführers Milosevic Einhalt geboten würde, der eine Politik der ethnischen Säuberung verfolgte und tausende Albaner aus ihrer Heimat vertreiben ließ.

Gegen diese Unmenschlichkeit organisierte Blair die Solidarität der Nato und konnte US-Präsident Bill Clinton dazu bewegen, Luftangriffe gegen Belgrad zu führen. So gelang es, den Kosovo aus serbischer Umklammerung zu befreien. Tony Blairs Popularität im Kosovo ist seitdem grenzenlos, ähnlich übrigens wie in Sierra Leone, wohin der Premier im Jahr 2000 britisches Militär entsandte, dessen Einsatz einen blutigen Bürgerkrieg beenden half.

In Sierra Leone wie im Kosovo hat sich die Blair-Doktrin einer „Intervention aus humanitären Gründen“ bewährt. Im Irak weniger. Doch ist über Glück und Unglück in der Weltgeschichte, wie schon der große Jacob Burghardt schrieb, kein endgültiges Urteil zu fällen. Derweil darf sich Tony Blair sagen, wenigstens an einigen Orten der Welt befreiend gewirkt zu haben.

Im vergangenen Jahr wurde in Pristina eine Clinton-Statue enthüllt, während neun junge Albaner Blairs Namen tragen. Wer hat das Bleibende im Kosovo auf seiner Seite, Clinton oder Blair? Beide. Dankbarkeit, in Stein und in Namen verewigt.

Kosovo: Tony Blair hat in Pristina viele kleine Namensvetter - Nachrichten Politik - Ausland - WELT ONLINE