EU-Mission gestartet

20 Verdächtige für Mord an 372 albanischen Zivilisten 1999 identifiziert

Belgrad/Pristina. Die EU-Justizmission im Kosovo (EULEX) hat Ermittlungen über das womöglich schwerste Kriegsverbrechen eingeleitet, zu dem es während des Kosovo-Krieges (1998/99) gekommen ist. Untersucht wird die Ermordung von 372 albanischen Zivilisten am 27. und 28. April 1999 in der westkosovarischen Stadt Gjakova (serbisch: Djakovica). Wie EULEX mitteilte, wurden bisher ungefähr 20 Personen identifiziert, die wegen des Massakers angeklagt werden könnten.

Die Leichen der meisten Opfer wurden nach dem Sturz des Belgrader Regimes von Slobodan Milosevic in einem Massengrab auf einem Übungsplatz einer serbischen Sonderpolizei-Einheit im Belgrader Vorort Batajnica entdeckt. Im Massengrab befanden sich rund 700 Leichen von Kosovo-Albanern.

Unter Marschall Tito besaß der Kosovo den Status einer autonomen Provinz innerhalb der jugoslawischen Teilrepublik Serbien. Seit den 80er Jahren gab es Bestrebungen der Kosovo-Albaner, die schon damals die große Mehrheit in der Region stellten, nach einer eigenen Teilrepublik. Diese Bewegung wurde jedoch unterdrückt. 1989 entzog Präsident Milosevic der Provinz größtenteils den Autonomiestatus. In den 90er Jahren kämpfte dann die Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) mit Gewalt für die Unabhängigkeit. Die Lage eskalierte 1998 zu einem Krieg, in dem es zu Massenvertreibungen kam. Die NATO griff schließlich ein und stoppte mit Bombardements auf Jugoslawien die Kampfhandlungen. Die NATO-Truppe KFOR wurde im Kosovo stationiert; Belgrad wurde die Regierungsgewalt entzogen und die UNO-Übergangsverwaltung im Kosovo (UNMIK) installiert. Im Februar 2008 erklärte der Kosovo seine Unabhängigkeit.

Untersuchungen zu womöglich schwerstem Kriegsverbrechen im Kosovo - EU-Mission gestartet - Wiener Zeitung Online