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Vidovdan: Der kosovo-mythos als grundlage der serbischen identität

Erstellt von Jean Gardi, 29.06.2017, 18:52 Uhr · 90 Antworten · 3.390 Aufrufe

  1. #1

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    15.04.2012
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    Vidovdan: Der kosovo-mythos als grundlage der serbischen identität

    VIDOVDAN: DER KOSOVO-MYTHOS ALS GRUNDLAGE DER SERBISCHEN IDENTITÄT

    Jun 28, 2017


    Bis heute ist der Vidovdan einer der wichtigsten Feiertage der Serben. (FOTO: zVg.)

    Das Kosovo stellt schon seit jeher das politische Pulverfass des Balkans dar. Es ist ehemaliger Bestandteil der 1992 neu konstituierten föderativen Bundesrepublik Jugoslawien und war nach dessen Zerfall Teilregion der Republik Serbien. Viele erinnern sich wohl noch an den Kosovokrieg von 1999 und dessen Folgen. Die Republik Kosovo als Staat gibt es also erst seit weniger als zehn Jahren, aber die Historie rund um dieses westbalkanische Gebiet zeichnet den Balkan, vor allem Serbien, noch bis heute.

    Die territorialen Ansprüche Serbiens auf das Kosovo gibt es nicht erst seit Kurzem, sondern reichen lange in die Geschichte zurück. Rund um den Kosovo rankt sich ein unglaublich dichtes Netz an Mythen, Sagen und Legenden, welche für die serbische Geschichte und in weiterer Folge für die Serben als ethnische bzw . Volksgruppe mehr als essentiell sind. Aber erstmals zu den Geschehnissen an jenem bekannten Tag, am 28. Juni 1389.


    Die Basis stellt die Schlacht am Amselfeld (Kosovo polje) dar, welche sich am 28. Juni (jul.) 1389, unweit von Priština, ereignete. Ein serbisches Koalitionsheer, unter der Führung von Car Lazar, Vuk Branković und Miloš Obilić, und vielen anderen Verbündeten, stand dem osmanischen Heer unter Murat I. und dessen Söhnen Bayezid I. und Yakub gegenüber. Der Konflikt entstand durch die Offensiven seitens der Osmanen gegen die christlichen Reiche auf der Balkanhalbinsel. Die Schlacht endete ohne eindeutige Siegermacht und beide Seiten verloren ihren Anführer, allerdings bedeute dieser Ausgang eine Schwächung der serbischen Mächte.
    Bis heute ist der 15. Juni(jul.)/28.(greg.) Juni, Vidovdan (St. Veitstag) ein Feiertag in Serbien – ein Gedenken an die Schlacht.
    Massentrauma Kosovo
    Der „Verlust“ des Kosovo an die Osmanen, ist ein Schlüsselereignis für die serbische Identität. Eine gemeinsame „Erinnerung“, sei sie nun wahrheitsgetreu oder nicht, an einen großen Verluste bedeutet einen großen Einschnitt in das kollektive Denken einer Ethnie. Dieser Begriff des gemeinsamen Verlustes, Niederlage oder Unterdrückung manifestiert sich oftmals in der kollektiven Identität als kollektives Trauma.


    Dieser Begriff beschreibt ein vergangenes und einschneidendes Ereignis, welches von Mitgliedern einer ethnischen Gruppen geteilt wird. Diese kollektiven Traumata werden von Generation zu Generation weitergegeben um zu verhindern, dass die Geschehnisse und die gemeinsame Erinnerung in Vergessenheit gerät. Kollektive Traumata „schleppen“ sich durch die Geschichte einer ethnischen Gruppe, wenn die vorhergehenden Generationen es nicht geschafft haben, sich mit diesem Trauma auseinanderzusetzen und es zu überwinden.
    Nun aber wieder zurück zu den Ereignissen vom 28. Juni 1389 und dessen Fortleben als kollektives Trauma in der serbischen Identität.


    Uroš Predićs “Kosovka devojka” (FOTO: zVg.)Fakt versus Fiktion?
    Eine der wichtigsten Figuren dieser Geschichte ist Car Lazar, welcher bereits im Jahre 1390/91 von der orthodoxen Kirche heiliggesprochen wurde. Ebenso bilden der Held Miloš Obilić, welcher den Sultan ermordete, und der Verräter Vuk Branković ein interessantes Held-Antiheld-Symposium für den Mythenkomplex.


    Die mythische Erinnerung an den Vidovdan-, Kosovo- bzw. Amselfeldmythos besitzt einen zentralen Stellenwert in der kollektiven Identität der SerbInnen, man kann ihn als Nationalmythos der Serben bezeichnen. Die Bedeutung des Mythos ist es, eine „serbische Geistigkeit“, also eine kollektive Identität mittels kollektiven Traumas, zu kreieren und das serbische Volk zu mobilisieren. Man sollte, jedoch, aufgrund der Verschleierung von Sieg und Niederlage, zwischen den wirklichen, historischen Gegebenheiten und der literarischen und politischen Funktion differenzieren.
    Oftmals wird diese Schlacht als Entscheidungsschlacht gesehen, welche den Osmanen die Unterwerfung des Balkan ermöglichte, dies ist aus historischer Sicht nicht tragbar, jedoch ist genau jener Gedanke, einer der zentralsten des Amselfeldmythoses.
    Da die Osmanen nun Jahrhunderte am Balkan herrschten, versuchte vor allem die orthodoxe Kirche dem entgegen zu wirken, die schnelle Heiligsprechung des Caren Lazar begründete den bis heute zu spürenden Kult um den Heerführer. Heute ist er einer der wichtigsten Heiligen der orthodoxen Kirche. Dieser kurze Querschnitt des Mythos rund um den Kosovo zeigt bereits dessen Vielschichtigkeit und Schwierigkeit zur Analyse, da es nicht nur durch mündliche Überlieferung zu bewussten, bzw. unbewussten Veränderungen der Geschichte und somit zu Mythenbildung kam, sondern auch einige Institutionen, vor allem die orthodoxe Kirche, bewusst zur Ausbildung derer beitrug.


    Eine Darstellung des Mordes von Miloš Obilić am osmanischen Sultan Murat I. (FOTO: zVg.)Der Held den es nie gab?
    Einen besonderen Stellenwert im Kult rund um den Kosovo hat Miloš Obilić – der Held der den Sultan ermordete. Bereits in den ersten 40 Jahren nach der Schlacht (1390 bis 1439) erschienen dreizehn Werke über den „Boj na Kosovu“. In diesen waren Allerdings der Teil „Kosovska večera“ aus der heutigen Version des serbischen Nationalepos „Kosovski ciklus“ und der Streit zwischen dem Helden Obilić und dem Verräter Branković noch nicht enthalten.

    Bis heute ist es nicht möglich Miloš Obilić als existente historische Person nachzuweisen. Das erste Mal wird er vor 1410 im Text über die Schlacht von Ahmedi als „neki kaurin“ (Ungläubiger, Nicht-Muslime) erwähnt. Diese nicht namentliche Erwähnung zieht sich von 1410 bis 1480, wo er nur mit diversen Eigenschaften aber niemals als Miloš Obilić beschrieben wurde. Dies zieht sich bis in 17. Jahrhundert wo er verschiedenste Namen bekam. Erst im Jahr 1765 wurde als Held Miloš Obilić namentlich genannt.

    Daher stellt sich nicht unbegründet die Frage, ob es die Figur des Sultansmörders wirklich gab und ob Obilić wirklich existierte. Der Held überlebte vor allem im Westen, außerhalb des Osmanischen Reiches, wo er zur Zeit der serbischen Aufstände bzw. bei schlechten Beziehungen zwischen Serben und Osmanen immer wieder „ausgegraben“ wurde. Gegen die Existenz von Obilić spricht zudem die albanische Quellenlagen, welche ihn als Witzfigur Millosh Kobiliq darstellt, die weit entfernt von einer Heldendarstellung ist. War Obilić also wirklich der Held, oder ist er nur erfunden?

    Das Einzige worüber sich Wissenschaftler heute einig sind, ist, dass die heutige Fassung des serbischen Nationalepos aus dem 19 Jahrhundert stammt, weshalb es auf keinen Fall auszuschließen ist, dass es zu starken Umdichtungen und Veränderungen kam, welche der derzeitigen Lage des serbischen Volkes entsprechen sollten.


    Wunden verheilen (absichtlich?) niemals
    Im Laufe der Geschichte der Serben taucht der 28. Juni, neben der Schlacht am Amselfeld, mehrmals auf und ist immer Zeichen großer Umwälzungen. Dies hat natürlich ebenso zu der Mythisierung dieses Tages und der Schlacht geführt:


    • 28. Juni 1878: Debatte rund um das Fürstentum Serbien beim Berliner Kongress
    • 28. Juni 1881: Geheimkonvention zwischen Serbien und Österreich-Ungarn unterzeichnet (Unabhängigkeit Serbiens von der K&K-Monarchie und Recht ein Königreich zu werden)
    • 28. Juni 1914: Attentat von Sarajevo, bei welchem der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin ermordet wurden.
    • 28.06. 1919: Friedensvertrag von Versailles, das offizielle Ende des Ersten Weltkriegs
    • 28.06.1921: Vidovdaner Verfassung des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen durch König Aleksander Karađorđević
    • 28.06.1948: Beendigung der Beziehungen der Kommunistische Partei Jugoslawiens mit den Staaten des kommunistischen Blocks.
    • 28. Juni 1989: 600-Jahresfeier der Schlacht am Amselfeld, historisch sehr einflussreiche Rede von Slobodan Milošević in Gazimestan (Kosovo)
    • 28. Juni 2001: Milošević wird dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag übergeben.

    Es ist also augenscheinlich, dass der Tag immer wieder in der Geschichte des serbischen Volkes auftaucht und daher ist es nicht verwunderlich, dass gleichzeitig auch der Vidovdanmythos im großen Stile wiederblebt wird. Die Hauptaufgabe des Mythenkomplexes ist es, soziale, religiöse und gesellschaftliche Regeln und Handlungen zu legitimieren und zu festigen. Die Wichtigkeit der Verbreitung des Mythos um den Kosovo sieht man auch in der zahlreichen Verwendung dieser Motive in populärer Kultur, sowie Literatur und Musik.

    Zusammenfassend ist zu sagen, dass es sich beim kollektiven kosovarischen Trauma der SerbInnen um ein altes aber sehr lebendiges Trauma innerhalb des Balkans handelt. Der Einfluss und die Wichtigkeit haben über die Jahrhunderte seit der Schlacht nicht abgenommen und bestimmen bist heute sowohl gesellschaftliche als auch politische Gegebenheiten in Serbien und dem Kosovo selbst. Durch die Geschichte hindurch war und ist es ein brisantes Thema, welches die Geschichte des Balkans bzw. Europas noch über längere Zeit beschäftigen wird.
    Abschließen möchte ich mit einem Zitat, welches die Situation rund um den Komplex an Mythen (das kollektive Trauma) rund um die Schlacht am Kosovo sehr gut beschreibt:
    „Der Mythos kann in vielerlei Hinsicht eine Bedrohung darstellen. Erstens wegen seiner Tendenz zur schrankenlosen Expansion; der Mythos kann wuchern wie ein Tumor, er kann den Platz der positiven Erkenntnis anstreben, kann fast alle Kulturbereiche gewaltsam erobern und in Despotismus, Terror und Lüge ausarten …“ (Kołakowski, Leszek (1984) Die Gegenwärtigkeit des Mythos. Piper, München: 132).

    Vidovdan: Der Kosovo-Mythos als Grundlage der serbischen Identität - Seite 3 von 3 - KOSMO

  2. #2
    Avatar von Jovan

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    der Artikel ist zu schwammig und nicht genau

    lazar hrebljamovic trug den Titel knez und nicht Car.

    So viel zur Seriosität, aber lorne ist eben nichts zu peinlich.

  3. #3
    Avatar von Zoran

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    Kosmo erinnert mich an Kosmonaut.

    Pozdrav

  4. #4
    Gast829627
    Der Drachenorden (Ordo Draconis, Societas Draconistarum) wurde im Jahr 1408 unter dem Schutz von König Sigismund von Luxemburg [ab 1433 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches] errichtet, und zwar ursprünglich als Kreuzzugsorden, dem nur auserwählte Adelige angehören konnten. Die Ordensvorschriften und die innere Organisationsform entsprachen jenen des Ordens des Heiligen Georg von Burgund [Order of Saint George of Burgundy, Noble Order of Saint George of Rougemont] [2], eines französischen Ritterordens, doch die Inspiration für die Errichtung entstammte wohl eher den Wirrnissen der Balkankriege, wo bereits im späten vierzehnten Jahrhundert eine Geheimgesellschaft in Serbien gegründet worden war.
    Dieser ursprüngliche Orden, der den Namen 'Der Heilige Drachenorden des St. Georg' [Sacred Order of the Dragon of Saint George] trug, war von Miloš Obilić gegründet worden, dem ersten Serben, der nach feudaler Tradition zum Ritter geschlagen wurde. Obilić errichtete den Orden gemeinsam mit zwölf weiteren Rittern und verfolgt damit einen einzigen Zweck: die Ermordung des osmanischen Sultans Murad I. Dies gelang Miloš Obilić im Verlaufe der verheerenden Schlacht am Amselfeld [Kosovo Polje] am 15. Juni 1389, als er sich in Murads Zelt einschleichen konnte und den Sultan erstach. Während der Schlacht fielen alle ursprünglichen Mitglieder des Drachenordens bis auf einen , der überlebte und in der Folge zum militärischen Erzieher des serbischen Fürsten Stefan Lazarević avancierte.




    kackt ab hater .....

  5. #5
    Avatar von Jovan

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    oh yeah copy-past Legija wieder am Start.

  6. #6

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    5.639
    Zitat Zitat von Mr. T Beitrag anzeigen
    der Artikel ist zu schwammig und nicht genau

    lazar hrebljamovic trug den Titel knez und nicht Car.

    So viel zur Seriosität, aber lorne ist eben nichts zu peinlich.
    Und du den Titel Knecht
    majmun kennst du die serbische Geschichte etwa nicht?

  7. #7
    Gast829627
    Zitat Zitat von Mr. T Beitrag anzeigen
    oh yeah copy-past Legija wieder am Start.

    nicht jeder ist so belesen und wortgewandt wie du zahnloser.....

  8. #8
    Avatar von Jovan

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    Zitat Zitat von Legija Beitrag anzeigen
    nicht jeder ist so belesen und wortgewandt wie du zahnloser.....
    okay tut mir leid



    Zitat Zitat von Jean Gardi Beitrag anzeigen
    Und du den Titel Knecht
    majmun kennst du die serbische Geschichte etwa nicht?
    die kenn ich wohl besser als du seppartistischer smegma stripper! Die Geschichte ist eben nicht unbedingt fiktion, sondern auch fakt, die schlacht auf den Amselfeld lief auf sudden death du gangsta, zudem wurden die Türken vorher zweimal weggeschlagen (und das nur von nem Fürsten ). Der Kosovo Mythos nur ein Teil der Serbischen Identität, die drei Aufstände entstanden auch ohne die Legende.

    Der heilige Knez Lazar war wirklich ne harte Kante

  9. #9
    Avatar von Indiana Jones

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    03.04.2015
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    4.194
    Wer wurde weggeschlagen? Wie kann man eine Niederlage als Sieg verkaufen? Die Türken haben alle besiegt, darum konnten sie mehr als ein halbes Jahtausend über alle und vorallem über die Serben herrschen. Ihr Balkanesen reimt euch schon Sachen zusammen. Unzwar alle.

  10. #10
    Avatar von DZEKO

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    09.08.2009
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