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Die Wirtschaft des Kosovo und ihre Zerstörung

Erstellt von skenderbegi, 17.02.2014, 19:07 Uhr · 50 Antworten · 3.374 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von skenderbegi

    Registriert seit
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    11.090

    Die Wirtschaft des Kosovo und ihre Zerstörung

    I. Die Wirtschaft des Kosovo und ihre Zerstörung





    Situation vor 1991




    A. Strukturelemente


    Die Autonome Provinz Kosovo gehörte immer zu den ärmsten Landesteilen Jugoslawiens. Die Investitionen in Infrastruktur, Industrie und Landwirtschaft blieben seit 1947 deutlich hinter den Durchschnittswerten der Föderation zurück. Dadurch wurde der Entwicklungsrückstand der Region stetig größer. Bis 1980 hatte er sich verdoppelt. [Jens Reuter, Die Albaner in Jugoslawien, München et al., 1982, S. 54 ff. Soweit nicht anders vermerkt, beruhen die statistischen Angaben auf diesem Werk.]
    Zur Verdeutlichung einige statistische Indikatoren:

    • Im Jahr 1980 erstellte das Kosovo mit 7,8 Prozent der Bevölkerung Jugoslawiens nur 2,1 Prozent des Sozialprodukts der Föderation.
    • Im gleichen Jahr hatte nur jeder zehnte Kosovo-Albaner im arbeitsfähigen Alter einen Arbeitsplatz.
    • Die geringen Einkommen der Bewohner der Region werden an den Umsätzen des Einzelhandels je Einwohner deutlich: Sie bewegten sich auf nur einem Drittel des Durchschnitts der Föderation und nur 15 Prozent des Konsumniveaus Sloweniens. [ Jugoslavija 1918-1988, Statisticki Godisnjak, Beograd, Februar 1989, Tabelle 21-6, S. 324.]
    • Das Kosovo ist von den wirtschaftlichen Problemen Jugoslawiens der 80er Jahre besonders stark betroffen. [ Z.B. gingen die Einzelhandelsumsätze im Kosovo zwischen 1980 und 88 um 22 Prozent zurück; in der Föderation „nur" um 10 Prozent.]

    Das Kosovo war nicht nur arm. Es kann geradezu als Paradebeispiel einer peripheren Wirtschaft gelten:

    • Wichtige politische und bürokratische Entscheidungen werden außerhalb des Kosovo getroffen.
    • Seine Industrie ist weitestgehend auf die Bedürfnisse der übrigen Republik zugeschnitten: Die Energiewirtschaft (Braunkohleförderung für Wärmekraftwerke; Wasserkraft) trug 1980 45 Prozent zum Bruttosozialprodukt des Kosovo bei, aber ¾ der Energie wurden außerhalb des Kosovo verbraucht. An zweiter Stelle steht der Abbau der Blei-, Zink- und Silbervorkommen in dem gigantischen Bergwerk „Trepca", das diese Buntmetalle zu weit unter dem Weltmarkpreis liegenden Preisen in die übrige Republik liefern mußte und dadurch jährlich gigantische Verluste machte. [ Jährlich 300 Millionen Dinar, s. dazu Reuter, op.cit., 68f.] So konnte sich in der Region keine eigenständigen Akkumulations- und Wachstumsprozesse entfalten. Ökonomisch und politisch handelt es sich bei diesen Betrieben um Exklaven im Gebiet des Kosovo.
      Die statistisch rege erscheinende Investitionstätigkeit täuscht: Das Investitionsvolumen pro Kopf blieb in allen Jahren deutlich geringer als in anderen Landesteilen und nur etwa die Hälfte der geplanten Investitionen wurden wirklich vorgenommen. Die Zahl der neugeschaffenen Arbeitsplätze blieb wegen der hohen Kapitalintensität stets gering.
    • Entsprechend ist die physische Infrastruktur des Kosovo nur schwach entwickelt und auf die Bedürfnisse der anderen Landesteile ausgerichtet. Der ländliche Raum ist verkehrsmäßig kaum erschlossen.
    • Die Qualität der Ausbildung des Bildungswesens ist deutlich hinter dem Stand der fortgeschritteneren Landesteile zurückgeblieben. Dementsprechend schwierig ist dann für die Absolventen innerhalb oder außerhalb des Kosovo Tätigkeiten zu finden, die ihren formalen Qualifikationen entsprechen. [ Anfang der achtziger Jahre gab es doppelt soviele Studenten (47000 an der Universität Pristina) und Fachschüler (300000) wie Beschäftigte (173000). Dadurch wurde die Perspektivlosigkeit der Absolventen nur noch verstärkt. Die Bildungsprogramme waren beschäftigungspolitisch motiviert, d.h., um auf diese Weise die Arbeitslosigkeit zu kaschieren. (Reuter, op.cit. S. 62).]
    • Auch die Strukturen im Bereich der Dienstleistungen begünstigen das Zentrum. [ So waren die Großhandelsumsätze im Kosovo 1988 nur etwa halb so hoch wie die Einzelhandelsumsätze. Entsprechend höher waren sie in der Republik Serbien. (Vergleich der Tabellen 21-3 und 21-8 in Jugoslavija 1918-1988, op.cit.).]
    • Die geringen Beschäftigungsmöglichkeiten und die hohe Arbeitslosigkeit zwingen die Kosovo-Albaner (die anderen Bevölkerungsgruppen stehen deutlich besser da [ Reuter, op.cit., S. 63.] ), sich andere Lebensgrundlagen zu sichern. Dazu gehören die Landwirtschaft, die Schattenwirtschaft, Tätigkeiten in anderen Teilen der Föderation und im Ausland sowie die Emigration.
    • In der Landwirtschaft finden sich einerseits, insbesondere in den fruchtbaren Beckenlandschaften der Metohija und des Amselfeldes, staatliche Großbetriebe. Sie produzieren mit moderner Technik und wenig Arbeitskräften für den Markt. Etwa 20 Prozent des erzeugten Weizens geht auf sie zurück. Mit Ausnahme der Milchwirtschaft fällt ihr Anteil bei allen anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen deutlich geringer aus.
      Andererseits besteht der weit überwiegende Teil der landwirtschaftlichen Betriebe jedoch aus in zahlreiche Parzellen zersplitterte kleine Hofwirtschaften, also bäuerliche Familienbetriebe. Sie bestellen oftmals die weniger fruchtbaren Böden bzw. betreiben auf den für die Landwirtschaft weniger oder ungeeigneten Flächen, insbesondere an Hängen und in Höhenlagen, Weidewirtschaft. Sie produzieren weitestgehend für den Eigenverbrauch. [ 1988 wurden im Kosovo 385 Tsd. Tonnen Weizen und Roggen erzeugt. Davon wurden 61 Tsd. Tonnen verkauft. Die Weizenproduktion der staatlichen Betriebe belief sich auf 56 Tsd. Tonnen. (Jugoslavija 1918-1988, op.cit., Tabellen 13-22 und 13-25).] Da damit höchstens der Bedarf an Nahrungsmitteln befriedigt werden kann, sind sie auf andere Einkommen angewiesen. Damit handelt es sich um Nebenerwerbsbetriebe.
      Bei sozio-ökonomischer Betrachtung muß man eher von einer Subsistenzlandwirtschaft sprechen: In Ermangelung von Alternativen am Arbeitsmarkt wird auf kleinen Flächen unter hohem Arbeitseinsatz (dessen Grenzertrag gegen Null geht) ein wesentlicher Teil des Bedarfs der Familien an Grundnahrungsmitteln erzeugt.
      Der überwiegende Teil der Bevölkerung dürfte in diesen Subsistenzbetrieben leben, bzw. mit diesen als Wanderarbeiter in Verbindung stehen. [ Die Zahl dieser Betriebe konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Statistisch wurde die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten 1975 mit 45 Prozent angegeben (Reuter, op.cit., S. 57). Die Ermittlung solcher Zahlen ist im wesentlichen eine Definitionsfrage: Wie erfaßt man die Tätigkeit von Familienangehörigen? Ein häufig angewandtes Verfahren ist die Umwandlung in Vollarbeitskräfte. Ein solche Methode führt angesichts der hohen Arbeitslosigkeit im Kosovo zu einer deutlichen Unterschätzung der tatsächlich in der Landwirtschaft tätigen und von ihr abhängigen Bevölkerung. Die Zahl der Einheiten und die durchschnittliche Größe der Familien würden ein genaueres Bild vermitteln. Beide lassen sich schätzen: Die landwirtschaftliche Fläche des Kosovo umfaßt 409 Tsd. Hektar (Jugoslavija ..., op.cit., Tabelle 13-19). Höchstens 20 Prozent der Fläche dürfte von den staatlichen Großbetrieben bewirtschaftet werden (bei Weizen liegt der Anteil bei 20%; bei anderen wichtigen Produkten deutlich niedriger). Die privaten Einheiten dürften im Schnitt 3 Hektar bewirtschaften (in Gesamtjugoslawien waren es 1969 3,9 ha; Jugoslavija 1918-88, Tabelle 13-5; im Kosovo mit der mit Abstand höchsten Bevölkerungsdichte, muß man wohl von kleineren Flächen ausgehen). Das ergäbe rund 100 Tsd. private Betriebe. Die durchschnittliche Familien auf dem Land dürfte (vorsichtig gerechnet) 8 Personen umfassen: a. Der Zensus von 1981 ergab 6,8 Personen pro Haushalt; b. auf dem Lande sind die Haushalte größer als in den Städten; c. Petovar/Vujosevic (op.cit., S. 10) zeigen, daß die kosovarisch-alabanischen Haushalte selbst in der Hauptstadt größer geworden sind; d. selbst in einer Kleinstadt berichten sie von durchschnittlich 9,5 Familienmitgliedern. Die zunehmende Familiengröße dürfte auf die Zunahme der Bevölkerung und die beschränkten zur Verfügung stehenden Ressourcen zurückzuführen sein. So gerechnet müßten den Familienbetrieben 800 Tsd. Personen zugerechnet werden. Hinzu kämen noch die abwesenden, meist männlichen Wanderarbeiter (s.u.), die 1981 7,2 Prozent (!) der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung ausmachten, wobei dieser Prozentsatz in den ländlichen Gebieten zwischen 21,4 und 50 variiert (Petovar/Vujosevic, S. 10). Die Bevölkerung betrug Anfang 1999 ca. 1,6 Mill. Personen (Marie-Janine Calic, mündliche Mitteilung). So führen selbst diese eher vorsichtigen Schätzungen zu dem Schluß, daß eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung damals wie heute mit der kleinbetrieblichen Landwirtschaft verbunden ist.]
      Aufgrund des Bevölkerungsdrucks und der Verwandlung von Agrarflächen in Bauland werden zunehmend auch für die Landwirtschaft weniger geeignete Flächen bewirtschaftet. Dies beschleunigt die Erosion und führt auch zu anderen Belastungen der Umwelt. [ Petovar/Vujosevic, op.cit., S. 10.]
    • Typisch für solche peripheren Ökonomien ist, daß sie angesichts der geringen Beschäftigungsmöglichkeiten Arbeitskraft exportieren. [ Vgl. Claude Meillassoux, „Die wilden Früchte der Frau". Über häusliche Produktion und kapitalistische Wirtschaft, Frankfurt, 1975.] Dies geschieht einerseits in Form von Wanderarbeit in unterschiedlich langen Zyklen, andererseits durch Emigration.



    http://www.fes.de/fulltext/id/00557001.htm

    hier eine zusammenfassung der wirtschafts kosova`s vor 1991....


  2. #2
    Avatar von Maniker

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    Ohne Jugoslawiens (genauer: Slowenien und Kroatien) wäre der Kosovo heute noch ärmer als sonst. Keine einzige Fabrik, kein einziges Kraftwerk und keine einzige Mine würde im Land stehen.

  3. #3
    Avatar von VoxPopuli

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    Zitat Zitat von Ohrid Beitrag anzeigen
    Ohne Jugoslawiens (genauer: Slowenien und Kroatien) wäre der Kosovo heute noch ärmer als sonst. Keine einzige Fabrik, kein einziges Kraftwerk und keine einzige Mine würde im Land stehen.
    Die albanischen Gebiete wurden bewusst am ärmsten gehalten.

  4. #4
    Avatar von Maniker

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    Zitat Zitat von VoxPopuli Beitrag anzeigen
    Die albanischen Gebiete wurden bewusst am ärmsten gehalten.
    Hm. Vielleicht in Kosova, Vox, kenne mich dort nicht sehr gut aus. Aber in Mazedonien wurden die mehrheitlich albanischen Städte Kumanova, Tetova, Gostivari und Kërçova zum Teil mehr oder etwa gleich industrialisiert wie Städte im Osten, Shtip, Strumica, Kavadarci. Ich glaube, dass dort nicht bewusst auf die geographische Konzentration einer Ethnie geschaut wurde. Die geostrategisch wichtigen Städte wurden verkehrstechnisch erschlossen und industrialisiert. Shkupi, Manastiri und Velesi gehörten auch zu den stark industrialisierten Städte.
    Heute liegt natürlich fast alles brach... Sehr schade!

  5. #5
    Avatar von skenderbegi

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    Zitat Zitat von Ohrid Beitrag anzeigen
    Hm. Vielleicht in Kosova, Vox, kenne mich dort nicht sehr gut aus. Aber in Mazedonien wurden die mehrheitlich albanischen Städte Kumanova, Tetova, Gostivari und Kërçova zum Teil mehr oder etwa gleich industrialisiert wie Städte im Osten, Shtip, Strumica, Kavadarci. Ich glaube, dass dort nicht bewusst auf die geographische Konzentration einer Ethnie geschaut wurde. Die geostrategisch wichtigen Städte wurden verkehrstechnisch erschlossen und industrialisiert. Shkupi, Manastiri und Velesi gehörten auch zu den stark industrialisierten Städte.
    Heute liegt natürlich fast alles brach... Sehr schade!
    hast du den text durchgelesen?

    3/4 der energie welche produziert wurde ,wanderte in die anderen teilen jugoslawien`s!!!!

    das ist schon klar das in sachen industrie schwach aufgestellt war.

  6. #6
    Avatar von Maniker

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    Zitat Zitat von skenderbegi Beitrag anzeigen
    hast du den text durchgelesen?

    3/4 der energie welche produziert wurde ,wanderte in die anderen teilen jugoslawien`s!!!!

    das ist schon klar das in sachen industrie schwach aufgestellt war.
    Seien wir mal ehrlich, Skëndërbe, konnte Kosova die Energie selber aufbrauchen?

  7. #7
    Avatar von Vali

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    Zitat Zitat von Ohrid Beitrag anzeigen
    Seien wir mal ehrlich, Skëndërbe, konnte Kosova die Energie selber aufbrauchen?
    ja wieso nicht

  8. #8
    Avatar von Maniker

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    Zitat Zitat von Gostivari Beitrag anzeigen
    ja wieso nicht
    Alter, so viel Energieverbrauch hat ein knapp 2-Millionen-Balkanland nicht. Jugoslawien war eine Föderation. Geld kam von Slowenien nach Mazedonien, Paprika von Mazedonien nach Kroatien, Strom von Kosova nach Serbien, Drogengeld von Montenegro nach sonstwo usw.

  9. #9
    Avatar von Vali

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    Zitat Zitat von Ohrid Beitrag anzeigen
    Alter, so viel Energieverbrauch hat ein knapp 2-Millionen-Balkanland nicht. Jugoslawien war eine Föderation. Geld kam von Slowenien nach Mazedonien, Paprika von Mazedonien nach Kroatien, Strom von Kosova nach Serbien, Drogengeld von Montenegro nach sonstwo usw.
    geld ging direkt nach serbien von allen ecken

  10. #10
    Avatar von skenderbegi

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    Zitat Zitat von Ohrid Beitrag anzeigen
    Seien wir mal ehrlich, Skëndërbe, konnte Kosova die Energie selber aufbrauchen?
    du bist ein hoffnungsloser fall.....
    erst sagst du würdest nicht genau bescheid wissen über kosova willst aber weiterhin mitreden?

    entscheid dich mal!!!

    hast die frage nicht beantwortet ob den ganzen text gelesen hast?
    wenn auf den link gehst hast noch mehr davon.

    der text soll aufzeigen wie kosova vorallem durch serbien wirtschaftlich benachteiligt wurde....
    da war mazedonien tatsächlich besser aufgestellt gerade in sachen infrastruktur.....

    beispielsweise wurde die strasse von unserem dorf welche die verbindung zur hauptstrasse ferizaj-gjilan war durch spenden der dorf bewohner 1987 gebaut!!!!

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