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Wie der Neoliberalismus die Weltwirtschaft zerstört

Erstellt von Yunan, 19.09.2011, 15:39 Uhr · 32 Antworten · 3.935 Aufrufe

  1. #1
    Yunan

    Böse Wie der Neoliberalismus die Weltwirtschaft zerstört

    19.09.2011

    Neoliberalismus nach Lehman-Pleite

    Das unzähmbare Monster

    Von Stefan Schultz



    DPA
    Lehman-Filiale: Verstörendes Experiment

    Seit dem Crash der US-Bank Lehman Brothers gilt der freie Markt als gescheitert. Selbst Erzkonservative flirten inzwischen mit dem Sozialismus, der Staat mischt wieder mit. Der Neoliberalismus aber lebt - er hat sich so stark im Finanzsystem eingenistet, dass man ihn kaum noch wegregulieren kann.


    Es war ein verstörendes Experiment: Eine Wirtschaftstheorie wird unter realen Bedingungen getestet. Die Politik setzt die Theorie um. Doch das Experiment schlägt fehl - und stürzt die Welt in großes Unglück.

    Die Rede ist nicht etwa vom Kommunismus, sondern vom Neoliberalismus. Seit dem Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 hat dieses Denken kein Fundament mehr. Der Glaube "Je weniger Staat, desto besser", die Lehre "Der Markt reguliert sich selbst", die Überzeugung, dass die selbstbestimmten Handlungen aller Individuen sich gegenseitig ausgleichen und die Gesellschaft insgesamt in eine positive Richtung weiterentwickeln - all das ist am 15. September 2008 an der Wirklichkeit gescheitert.

    Politisch aber ist der Neoliberalismus noch lange nicht tot. Rund zwanzig Jahre lang hat die Theorie die Finanzpolitik vieler Staaten geprägt, und auch heute noch, da selbst glühende Verfechter des freien Markts sich von ihr abwenden, ist der Neoliberalismus stark. Er hat sich so sehr in den Strukturen der Finanzmärkte festgesetzt, hat das System so stark verändert, dass man ihn nur noch schwer wegregulieren kann.

    Wie der Neoliberalismus seine heutige Form bekam

    Der Aufstieg des Neoliberalismus begann mit seiner Radikalisierung. In den achtziger Jahren wurde der Begriff erkennbar umdefiniert. Ursprünglich umfasste das Wort eine Reihe verschiedener Denkkonzepte. Neoliberale wie Walter Eucken plädierten etwa für einen ordnungspolitischen Rahmen, der Monopole bekämpft; eine progressiv verlaufende Einkommensteuer wurde verteidigt, und unter gewissen Umständen gar ein Mindestlohn.

    Dann kamen Ronald Reagan und Margaret Thatcher. Der US-Präsident und die britische Premierministerin orientierten ihre Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik stark an einer besonders konsequenten Spielart des Neoliberalismus. Sie assoziierten den Begriff fast ausschließlich mit einem schlanken Staat und einem möglichst freien Markt. Grundlage waren die Konzepte von Milton Friedman oder Friedrich August von Hayek, die staatliche Eingriffe selbst in Konjunkturkrisen ablehnen.

    Seit Mitte der achtziger Jahre ergriff dieser "Freiheit über alles"-Gedanke mehr und mehr Besitz von der Finanzpolitik. 1986 erlaubte Thatcher britischen Banken den Einstieg ins Wertpapiergeschäft. 1999 hob der damalige US-Präsident Bill Clinton die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken auf. Und zum 1. Januar 2004 erlaubte der damalige Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) Hedgefonds in Deutschland das öffentliche Handeln.

    In den folgenden Jahren entstand an den deregulierten Märkten eine neue Art Kapitalismus: der Casino-Kapitalismus, der die Finanzmärkte immer stärker von den Gütermärkten abkoppelte. Der Wert aller auf der Welt vorhandenen Güter und Dienstleistungen wird auf 63 Billionen Dollar geschätzt. Das Volumen aller Finanzderivate auf rund 600 Billionen Dollar, also auf gut das Zehnfache.

    Wie die freien Finanzmärkte die Gesellschaft zersetzen

    Nach und nach erzeugte dieses Finanz-Casino eine gewaltige Blase - die mit der Lehman-Pleite platzte. Der zu freie Markt führte geradewegs in die Katastrophe. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler verglich die Finanzmärkte mit einem Monster.

    Die neoliberale Theorie hat seitdem kein Fundament mehr. Zu groß und offensichtlich sind ihre Schwächen und Logik-Lücken: Ihr zufolge hätte die Finanzkrise nie passieren dürfen. Dass die Leidenschaften Einzelner das ganze System an den Rand des Zusammenbruchs führen, ist in der Theorie nicht vorgesehen. Doch in genau einer solchen Krise steckt die Welt seit drei Jahren: Diese Krise hat Millionen Menschen den Job gekostet, hat Staaten an den Rand der Pleite gedrängt und zu herben sozialen Einschnitten gezwungen. Die Welt ist nach dem Lehman-Crash ein Stück unsozialer, ein Stück kälter geworden. Die Uno sieht inzwischen gar die Menschenrechte bedroht .

    Besonders jene Länder, die neoliberale Ideale in den vergangenen Jahrzehnten konsequent politisch umgesetzt haben, sind gesellschaftlich stark beschädigt. In England randalierten Anfang August Jugendliche auf den Straßen, um ihrem Frust über eine Gesellschaft Ausdruck zu verleihen, die die Reichen bevorzugt und den unteren Schichten kaum Aufstiegsperspektiven bietet. In den USA, einer traditionell stark wirtschaftsliberal geprägten Nation, ist die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordhoch. Das Ideal, dass sich der Markt zum Wohl aller selbst reguliert, hat mit der Lebenswirklichkeit von Millionen Menschen nichts mehr zu tun.

    So erdrückend sind diese Realitäten, dass inzwischen selbst der offizielle Thatcher-Biograf mit dem Sozialismus flirtet. "Es zeigt sich - wie die Linke immer behauptet hat -, dass ein System, das angetreten ist, das Vorankommen von vielen zu ermöglichen, sich zu einem System pervertiert hat, das die wenigen bereichert", schrieb Charles Moore Ende Juli im "Daily Telegraph". Kurz darauf legte Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der konservativen "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", in einem Essay nach: "Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat."

    Märkte kaum regulierbar

    Der Staat, den die Neoliberalen zuvor so erfolgreich zurückgedrängt hatten, ist seit der Lehman-Pleite wieder unter Handlungsdruck. Regierungen legten Multi-Milliarden-Pakete auf, um Großbanken zu retten - ausgerechnet jene Unternehmen, die zuvor besonders stark für freie Märkte lobbyiert hatten. Sie legten Multi-Milliarden-Konjunkturprogramme auf, die wenige Jahre vorher kaum denkbar gewesen wären. Die Lehren des Ökonomen John Maynard Keynes sind plötzlich wieder in. Die Lehre vom starken Staat als Manager der Weltfinanzkrise löst die Lehre vom freien Markt ab.

    Die Renaissance des Keynesianismus setzt sich bis heute fort. Im traditionell eher neoliberalen Amerika hat Präsident Barack Obama gerade ein neues Konjunkturpaket präsentiert. Zum wiederholten Mal greift die US-Regierung ins Wirtschaftsystem ein - obwohl sie sich das angesichts einer Schuldenquote von fast 100 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung kaum noch leisten kann.

    Auch gibt es wieder mehr staatliche Regulierung. In den USA hat das Parlament ein rund 800 Seiten starkes Gesetz zur Zähmung der Finanzmärkte verabschiedet; in Europa wird die Einführung einer EU-weiten Steuer auf alle Finanzgeschäfte erwogen, Banken müssen ihre Geschäfte bald mit weit mehr eigenem Kapital absichern als bisher; und selbst das finanzmarktfreundliche England plant tiefgreifende Reformen.

    Kritikern gehen diese Reformen nicht weit genug. In England etwa lässt die Regierung den Geldhäusern bis 2019 Zeit, sich neu aufzustellen. In Amerika werden Großbanken noch immer zu lax überwacht, auch der Handel mit gefährlichen Finanzprodukten wie Derivaten ist nur zum Teil reguliert. Der Kampf von rund 1400 Lobbyisten gegen eine zu starke Zähmung der Märkte hat Wirkung gezeigt.

    Der globale Casino-Kapitalismus, das wird nun vielen bewusst, lässt sich nur schwer regeln. Das Hauptproblem ist stets, dass einzelne Staaten bei gewissen Regeln nicht mitmachen wollen, weil sie keine Standortnachteile in Kauf nehmen wollen. Wenn aber die Regulierung nicht überall gleich ist, können Zocker einfach in ein anderes Land umziehen, in dem weniger strenge Gesetze gelten. Um die entgrenzten Märkte wirklich konsequent wieder zu begrenzen, bräuchte es idealerweise eine Weltfinanzregierung.

    Diese aber wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Und so mag der Neoliberalismus als Theorie massiv an Bedeutung verlieren - das Finanzsystem aber ist noch immer so von ihm durchdrungen, dass eine angemessene Regulierung enorm schwierig wird.

  2. #2
    Avatar von Katana

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    3.543
    Hast du schön geschrieben Stefan. Wo ist der Link und deine Meinung?

    Der Neoliberalismus ist schuld das Griechenland pleite ist.

  3. #3
    Avatar von Duušer

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    4.820
    Die Welt muss kommunistisch wirtschaften

  4. #4
    Yunan
    Zitat Zitat von TurkishTiger Beitrag anzeigen
    Hast du schön geschrieben Stefan. Wo ist der Link und deine Meinung?

    Der Neoliberalismus ist schuld das Griechenland pleite ist.
    Unter anderem auch an der Fast-Pleite der Türkei vor 10 Jahren.

  5. #5
    Avatar von kiko

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    10.647

    Sündenbock Griechenland?

    So, wollte jetzt nicht extra nen neuen Thread aufmachen.
    Aber hier an die Wirtschaftsexperten im BF. Ein interessanter Artikel vom letzten Jahr.
    http://www2.alternative-wirtschaftsp...oads/m0910.pdf

    Ist ein langer Text, aber sehr informativ.

    Obwohl die
    Weltwirtschaft, von den prominenten Ausnahmen China und Indien abgesehen, insgesamt in
    einer Krise ist, behaupten Bundesregierung, Medien und Wirtschaftslenker in Deutschland,
    Faulheit und Verschwendung hätten Griechenland in eine Krise gestürzt, die nun den Euro und
    die gesamt europäische Wirtschaft bedrohen. Dabei übersehen sie, dass die Weltwirtschaft
    insgesamt an Überkapazitäten leidet, die mangels Nachfrage auf absehbare Zeit nicht ausgelastet
    werden können. Sie verlieren kein Wort darüber, dass deutsche Exporterfolge zu Lasten
    schwächerer Konkurrenten in anderen Ländern erzielt worden sind und verschweigen
    wohlweislich, dass Griechenland und andere Mittelmeeranrainer keineswegs die einzigen Länder
    sind, die von der deutschen Exportmaschine in den letzten Jahren überrollt worden sind. Über
    Leistungsbilanzdefizite und damit einhergehende Auslandsverschuldung klagen beispielsweise
    auch französische Unternehmen und Präsident Nicola Sarkozy. Trotzdem, Frankreich gehört eben
    mit Deutschland zu den Tonangebern in Europa, versucht Angela Merkel gar nicht erst, Paris
    jene Sparpolitik aufzuzwingen, die sie in Athen für unausweichlich hält. Im Gegenteil:...............

  6. #6
    Avatar von Indianer

    Registriert seit
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    24.882
    Zitat Zitat von kiko Beitrag anzeigen
    So, wollte jetzt nicht extra nen neuen Thread aufmachen.
    Aber hier an die Wirtschaftsexperten im BF. Ein interessanter Artikel vom letzten Jahr.
    http://www2.alternative-wirtschaftsp...oads/m0910.pdf

    Ist ein langer Text, aber sehr informativ.

    Obwohl die
    Weltwirtschaft, von den prominenten Ausnahmen China und Indien abgesehen, insgesamt in
    einer Krise ist, behaupten Bundesregierung, Medien und Wirtschaftslenker in Deutschland,
    Faulheit und Verschwendung hätten Griechenland in eine Krise gestürzt, die nun den Euro und
    die gesamt europäische Wirtschaft bedrohen. Dabei übersehen sie, dass die Weltwirtschaft
    insgesamt an Überkapazitäten leidet, die mangels Nachfrage auf absehbare Zeit nicht ausgelastet
    werden können. Sie verlieren kein Wort darüber, dass deutsche Exporterfolge zu Lasten
    schwächerer Konkurrenten in anderen Ländern erzielt worden sind und verschweigen
    wohlweislich, dass Griechenland und andere Mittelmeeranrainer keineswegs die einzigen Länder
    sind, die von der deutschen Exportmaschine in den letzten Jahren überrollt worden sind. Über
    Leistungsbilanzdefizite und damit einhergehende Auslandsverschuldung klagen beispielsweise
    auch französische Unternehmen und Präsident Nicola Sarkozy. Trotzdem, Frankreich gehört eben
    mit Deutschland zu den Tonangebern in Europa, versucht Angela Merkel gar nicht erst, Paris
    jene Sparpolitik aufzuzwingen, die sie in Athen für unausweichlich hält. Im Gegenteil:...............

    dann macht mal hinne, daß ihr stärker werdet.
    wobei wir wieder beim fleiß wären

  7. #7
    Avatar von kiko

    Registriert seit
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    10.647
    Zitat Zitat von Indianer Beitrag anzeigen
    dann macht mal hinne, daß ihr stärker werdet.
    wobei wir wieder beim fleiß wären
    nicht nur das Markierte, sondern den ganzen Text lesen.
    Habe doch keinen Bildartikel gepostet, wo eine Artikel schon mit 2 Absätzen fertig wäre

  8. #8
    Avatar von Indianer

    Registriert seit
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    Zitat Zitat von kiko Beitrag anzeigen
    nicht nur das Markierte, sondern den ganzen Text lesen.
    Habe doch keinen Bildartikel gepostet, wo eine Artikel schon mit 2 Absätzen fertig wäre

    ja aba, mit diesen zwei worten ist doch alles gesagt.

    ohne fleiß, kein preis.

    so ist das ganze leben.


    PS
    öffne mal den link in meiner sig.

  9. #9
    Avatar von Josip Frank

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    14.02.2011
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    9.008
    Zitat Zitat von kiko Beitrag anzeigen
    nicht nur das Markierte, sondern den ganzen Text lesen.
    Habe doch keinen Bildartikel gepostet, wo eine Artikel schon mit 2 Absätzen fertig wäre
    nur das es Bild in zwei Absätzen auf den Punkt bringt.


    Und die Griechen.....natürlich sind die Deutschen schuld, dass man nun bis 67 Jahren arbeiten muss

  10. #10
    Avatar von kiko

    Registriert seit
    28.07.2008
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    10.647
    Zitat Zitat von Josip Frank Beitrag anzeigen
    nur das es Bild in zwei Absätzen auf den Punkt bringt.


    Und die Griechen.....natürlich sind die Deutschen schuld, dass man nun bis 67 Jahren arbeiten muss
    oh mein Gott, metkovic
    Bleib lieber beim Nationalistischen!!!!!!!

    Ich weiss, dass der Text etwas lang ist und nicht für jedermann verständlich. Er ist ja auch nur an die gerichtet, die sich wirklich mit der Wirtschaftskrise befassen wollen. Ich weiss, dass es einfacher ist, die Bildüberschrift zu lesen und dann schon ALLES über die Wirtschaft zu wissen. Zumindest glaubt man das.
    Aber ihr solltet euch mal die Zeit nehmen und den Text lesen.
    Klar hast du recht Indi: Ohne Fleiss keinen Preis
    Aber so einfach lässt sich die Weltwirtschaftskrise, mit Millionen von Einzelschiksalen auf der ganzen Welt, nicht erklären.

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