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Ungleiche Vermögensverteilung und die Wirtschaftskrise

Erstellt von skorpion, 24.09.2012, 17:59 Uhr · 39 Antworten · 6.598 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von skorpion

    Registriert seit
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    Ungleiche Vermögensverteilung und die Wirtschaftskrise

    Wieder einmal hat ein aktuelles Gutachten mit frischen Zahlen bestätigt, was seit Jahren jeder weiß: Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Auf der anderen Seite stürzen die Finanzjongleure dieser Welt die reale Wirtschaft in immer neue Krisen. Und die einfachen Steuerzahler müssen für die Fehler der "Großen" bürgen und letztlich auch zahlen. Aber liegt die Ursache der Wirtschaftskrise(n) nicht auch und vor allem in der falschen Verteilung des Vermögens?

    Was macht der gemeine Superreiche mit seinem vielen Geld? Zunächst genießt er den Luxus. Eine Villa am Tegernsee, ein Chalet im Tessin, ein Ferienhaus auf Sylt und eine Finca auf Mallorca, dazu eine Yacht an der Côte d'Azur. In den Garagen Mercedes Benz, Audi, Lamborghini oder warum nicht auch Rolls Royce oder Bugatti. Die Gemahlin geht shoppen bei YSL, Dior oder Chanel, die Gespielin wird ausgestattet von Armani, Gucci oder Fendi. Man trifft sich zwischen St. Moritz und Monte Carlo, im Casino, an der Rennbahn oder beim Après-Ski. Hummer mit Kaviar gegen den Hunger, Champagner zum Baden. Wieviele Millionen kann man auf diese Weise ausgeben? Ich kann es Euch leider nicht aus eigener Erfahrung sagen, aber irgendwo kommt sicher der Punkt, an dem man alles wichtige hat und wo einen der Konsum nicht mehr richtig reizt. Klar, eine schicke Armbanduhr, ein bißchen Schmuck oder ein Privatauftritt von Lady Gaga zum 18. Geburtstag des Kindes, sowas geht immer, aber was tun, wenn man das Geld einfach nicht mehr los wird, wenn es schneller nachkommt, als man es ausgeben kann? Die Lösung heißt Investment. Man kauft einfach mal irgendetwas extrem teures, was man eigentlich nicht braucht, sei es als Abschreibungsobjekt oder weil man sich Wertzuwachs verspricht. Immobilien, Aktienpakete, Beteiligungen, Rohstoffe... die Klassiker eben. Aber auch das wird langweilig und lästig, soll sich doch ein Anlageberater darum kümmern. Die überbieten sich gegenseitig mit Renditeversprechen, wie sie das im Einzelnen realisieren wollen, versteht kein normaler Mensch und es ist ja auch egal, solange die Abrechnungen attraktiv aussehen. Die Anlageberater ihrerseits stehen im Wettbewerb und sie schulden ihren Auftraggebern Erfolg. Großen Erfolg, die Konkurrenz schläft nicht. Da heiligt der Zweck dann die Mittel und hie und da geht eben auch mal etwas daneben, was soll's, no risk, no fun.

    Dabei werden grundsätzlich keine realen Werte geschaffen, der Gewinn entsteht dadurch, daß man billig kauft und teuer verkauft, wenn es sein muß sogar Dinge, die man gar nicht hat (Leerverkäufe). Es werden dabei Renditen erzielt, wie man sie mit realen Geschäften (Produktion und Verkauf von Waren und Dienstleistungen) kaum erreichen kann. Idealerweise gehen diese Gewinne natürlich am Finanzamt vorbei.

    Was wäre nun besser daran, wenn man Vermögen von oben nach unten stärker umverteilen würde?

    Anders als bei den Superreichen ist die Nachfrage bei den gewöhnlichen Normalverdienern in der Regel noch nicht gedeckt. Zunächst steht die Bezahlung der Dinge an, die man infolge Geldmangels schon länger vor sich herschiebt, dann kommen die offenen Wünsche. Ein neues Auto vielleicht, ein Flachbildfernseher, ein Kaminofen fürs Wohnzimmer, eine Spielekonsole, ein neuer PC, ein tolles Handy, schicke Klamotten, Spielzeug, Reisen, die Liste nimmt kein Ende. Vielleicht investiert auch der eine oder andere in eine Altersvorsorge, aber der allergrößte Teil des Geldes würde dem Markt sofort als Kaufkraft zur Verfügung stehen. Es entsteht Nachfrage. Der Handel verkauft, wie blöd und die Industrie kommt mit der Herstellung kaum nach. Man muß neue Kräfte einstellen (die dann wieder ihr Geld unter die Leute bringen). Besser bezahlte Arbeitnehmer sind auch motivierter und leistungsfähiger/ -williger. Und alle verdienen sie mit. Der Fiskus direkt (Einkommenssteuer) und indirekt gleich noch mal (MwSt. und USt). Die Rentenkassen, die Sozialversicherung, die Krankenversicherung (und sogar die Kirchen). Gleichzeitig sinken die Ausgaben für Sozialleistungen.

    Und die Reichen? Profitieren im Grunde auch. Eigentlich ist es genau wie vorher, nur investieren sie nun in etwas sinnvolles. Sozialer Frieden ist ja auch nicht schlecht. Und die Firmen, die plötzlich boomen, gehören ja auch jemandem...

    Ist es wirklich so einfach oder wie stellt es sich aus Eurer Sicht dar?



  2. #2

    Registriert seit
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    2.572
    Und wie genau soll die Umverteilung verlaufen? Gesetzlicher Betriebskommunismus? Jeder verdient das selbe?

    Auf der anderen Seite stürzen die Finanzjongleure dieser Welt die reale Wirtschaft in immer neue Krisen.
    Es gibt kein Fortschritt ohne Rückschläge.

    Was macht der gemeine Superreiche mit seinem vielen Geld?
    Er kauft sich Dinge, die anderen den Arbeitsplatz und Verdienst sichern.

  3. #3
    Mulinho
    Dafür müsste man auf der ganzen Welt die gleichen Steuerabgaben haben. Also ein Ding der Unmöglichkeit. Aber deinen Denkansatz finde ich gut!

  4. #4
    Avatar von skorpion

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    3.739
    Zitat Zitat von Unabhängiges System Beitrag anzeigen
    Und wie genau soll die Umverteilung verlaufen? Gesetzlicher Betriebskommunismus? Jeder verdient das selbe?

    ...
    Er kauft sich Dinge, die anderen den Arbeitsplatz und Verdienst sichern.
    Über konkrete Maßnahmen müßte man im Detail entscheiden. Eine Möglichkeit wäre, die Steuerprogression fortzuführen. In Deutschland ist die Obergrenze bei 250400 €, von da an wird der Spitzensteuersatz von 45 % (bzw. incl. Soli von 47,48 %) fällig. Warum kann man nicht weitere Stufen hinzufügen für höhere Einkommen? Insbesondere die skandinavischen Länder, aber auch Belgien, die Niederlande oder Österreich haben deutlich höhere Steuersätze, aber die Millionärsflucht ist etwas auf dem gleichen Niveau. Gleichzeitig ist nichts bekannt davon, daß Bulgarien, Rumänien oder die baltischen Staaten von den Reichen überrannt werden. Auch eine neue, vereinfachte Vermögenssteuer wäre denkbar, ebenso ein "Sonderopfer".

    Kauft er sich eben nicht. Ein Anzug vom Nobeldesigner sichert bestimmt nicht mehr Arbeitsplätze, als die 20 "normalen" Anzüge, die man für das gleiche Geld bekommen könnte. Ebenso schafft die Luxuslimousine nicht mehr Arbeitsplätze, als die um und bei 10 Kleinwagen, die man für das gleiche Geld kaufen könnte.



    Zitat Zitat von Mulinho Beitrag anzeigen
    Dafür müsste man auf der ganzen Welt die gleichen Steuerabgaben haben. Also ein Ding der Unmöglichkeit. Aber deinen Denkansatz finde ich gut!
    Ich denke nicht, daß man soweit gehen müßte. Auch Reiche sind ja irgendwo "zuhause", nicht alle zieht es in die Steueroasen. Zur Not würde es reichen, daß man den Geldabfluß unterbinden oder die staatsbürgerlichen Rechte beschneiden würde für Leute, die sich vor ihren Pflichten drücken. Wer von 10 % Flattax in Bulgarien profitieren will, soll eben Bulgare werden. Wenn das dann doch nicht so toll ist- Pech!

    Bereits jetzt gibt es ja ziemlich unterschiedliche Steuersätze (und Berechnungsgrundlagen). Sämtliche bedeutenden und wohlhabenden Staaten liegen irgendwo zwischen 40 und 60 % (die Schweiz mit 39,97 % knapp darunter). Unberücksichtigt ist dabei natürlich das Preisniveau der Länder, in Norwegen und der Schweiz fressen die hohen Preise die niedrigeren Steuern wieder auf. Und schließlich gibt es ja auch noch diverse andere Steuerarten, wie Verbrauchssteuern. Warum nicht Luxusartikel hoch besteuern?


  5. #5

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    Zitat Zitat von skorpion Beitrag anzeigen
    Über konkrete Maßnahmen müßte man im Detail entscheiden. Eine Möglichkeit wäre, die Steuerprogression fortzuführen. In Deutschland ist die Obergrenze bei 250400 €, von da an wird der Spitzensteuersatz von 45 % (bzw. incl. Soli von 47,48 %) fällig. Warum kann man nicht weitere Stufen hinzufügen für höhere Einkommen? Insbesondere die skandinavischen Länder, aber auch Belgien, die Niederlande oder Österreich haben deutlich höhere Steuersätze, aber die Millionärsflucht ist etwas auf dem gleichen Niveau. Gleichzeitig ist nichts bekannt davon, daß Bulgarien, Rumänien oder die baltischen Staaten von den Reichen überrannt werden. Auch eine neue, vereinfachte Vermögenssteuer wäre denkbar, ebenso ein "Sonderopfer".

    Kauft er sich eben nicht. Ein Anzug vom Nobeldesigner sichert bestimmt nicht mehr Arbeitsplätze, als die 20 "normalen" Anzüge, die man für das gleiche Geld bekommen könnte. Ebenso schafft die Luxuslimousine nicht mehr Arbeitsplätze, als die um und bei 10 Kleinwagen, die man für das gleiche Geld kaufen könnte.
    Ich finde es so schon unfair, dass reiche Menschen soviel Steuern verschenken müssen und du willst den Steuersatz sogar erhöhen. Das ist einfach Unverschämt. Sie bekommen für ihre Steuern den selben Staat wie alle anderen auch.

    Ich habe nicht gesagt, dass es mehr Arbeitsplätze schafft sondern einfach nur, dass es Arbeitsplätze schafft. Denn es kam mir so vor, als wolltest du uns weiß machen, dass nur reiche Menschen etwas vom Luxus haben. Das stimmt aber nicht.

    Ansonsten ist das alles kommunistische Idealistenscheisse. Wir können auch eine Billionen Yugos bauen und sie auf der Welt verschenken. Wir könnten aber auch gleich in der Steinzeit leben und alle völlig gleich sein.

    Achja, zur Behauptung, dass Reiche reicher werden und Arme ärmer: Eine Cousine von mir hat BWL studiert und ist jetzt mit 30 in einer sehr guten Position in ihrer Firma. Sie fährt einen Carrera und hat eine schicke Wohung. Unsere Vorfahren waren allesamt ungebildete Bauer. Ihr Vater ist Fabrikarbeiter, kann nur das nötigste deutsch. Also dieses linke Gelaber kann ich nichtmehr hören. Wer fähig ist, aus dem wird was und wer nicht, der soll verrecken. Ende der Geschichte.

  6. #6
    Avatar von Bambi

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    Zitat Zitat von Unabhängiges System Beitrag anzeigen
    Ich finde es so schon unfair, dass reiche Menschen soviel Steuern verschenken müssen und du willst den Steuersatz sogar erhöhen. Das ist einfach Unverschämt. Sie bekommen für ihre Steuern den selben Staat wie alle anderen auch.

    Ich habe nicht gesagt, dass es mehr Arbeitsplätze schafft sondern einfach nur, dass es Arbeitsplätze schafft. Denn es kam mir so vor, als wolltest du uns weiß machen, dass nur reiche Menschen etwas vom Luxus haben. Das stimmt aber nicht.

    Ansonsten ist das alles kommunistische Idealistenscheisse. Wir können auch eine Billionen Yugos bauen und sie auf der Welt verschenken. Wir könnten aber auch gleich in der Steinzeit leben und alle völlig gleich sein.

    Achja, zur Behauptung, dass Reiche reicher werden und Arme ärmer: Eine Cousine von mir hat BWL studiert und ist jetzt mit 30 in einer sehr guten Position in ihrer Firma. Sie fährt einen Carrera und hat eine schicke Wohung. Unsere Vorfahren waren allesamt ungebildete Bauer. Ihr Vater ist Fabrikarbeiter, kann nur das nötigste deutsch. Also dieses linke Gelaber kann ich nichtmehr hören. Wer fähig ist, aus dem wird was und wer nicht, der soll verrecken. Ende der Geschichte.
    Schön dass du ein solches Beispiel kennst, ich selbst bin auch ein solches aus einer totalen Arbeiterfamilie, aber das ist nicht die Mehrheit, bei weitem nicht.

    Chancengleichheit beim Studieren: Immer weniger gehen an die Uni | Wissen - Frankfurter Rundschau

  7. #7
    Avatar von Viljuška

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    Ungleiche Vermögensverteilung oder gleich: Kapitalismus!

  8. #8

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    Zitat Zitat von Bambi Beitrag anzeigen
    Schön dass du ein solches Beispiel kennst, ich selbst bin auch ein solches aus einer totalen Arbeiterfamilie, aber das ist nicht die Mehrheit, bei weitem nicht.

    Chancengleichheit beim Studieren: Immer weniger gehen an die Uni | Wissen - Frankfurter Rundschau
    Und was genau willst du mir damit sagen? Dass es Menschen gibt, die nicht an Wohlstand kommen, weil sie sich nicht trauen zu studieren? Und was soll man jetzt tun? An diese Menschen den Wohlstand anderer verschenken oder was?

  9. #9
    Avatar von pr!mus

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    Für den Anfang könnte man darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoll ist die Reallöhne in Deutschland steigen zu lassen. Denn diese haben sich in den letzten zwanzig Jahren kaum verändert und verschärfen das Problem nur noch.

    Den meisten wird nicht bewusst sein, dass die Exportüberschüsse nur deswegen erzielt werden konnten, weil die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf einen Teil ihrer Lohnerhöhung verzichtet haben, um die Exportprodukte zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten zu können. Die daraus resultierenden Gewinne werden dann natürlich nicht nach "unten" gereicht, sondern verschwinden auf halber Strecke in den Taschen derer, die es finanziell nicht unbedingt nötig hätten.

  10. #10
    ELME.

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