Angriffe auf Gaddafi-Hochburgen festgefahren

Tripolis/Kairo (dpa) - Drei Wochen nach dem Fall der libyschen Hauptstadt Tripolis kommen die Aufständischen bei der Zerschlagung des letzten Widerstands nicht wie gewünscht voran.

Der Kampfeswille der letzten Anhänger von Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi sei unterschätzt worden, zitierte der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira am Montag einen Sprecher des Übergangsrates. Mit Al-Saadi al-Gaddafi hat sich derweil bereits das vierte von acht Kindern des untergetauchten Diktators ins Ausland abgesetzt.

Trotz aller Angriffe der Aufständischen kontrollieren Gaddafi-Kämpfer weiterhin vier Städte - Sirte, die Geburtsstadt Gaddafis, Bani Walid, die Oase Dschufra und die Garnisonsstadt Sebha im Süden. Ein Ultimatum der Übergangsregierung, die Waffen niederzulegen, war in der Nacht zum Samstag abgelaufen. Der Sturm der Städte wird nach Einschätzung ausländischer Korrespondenten vor Ort möglicherweise noch Tage oder Wochen dauern.

Während sich in Libyen die letzten Verbliebenen des Gaddafi-Regimes weiter an die Macht klammern, konzentriert sich der Übergangsrat auf die Zukunft des Landes. Binnen zehn Tagen solle eine offizielle Übergangsregierung gebildet werden, kündigte Mahmud Dschibril am Wochenende an. Der 59-Jährige ist derzeit de facto Regierungschef.

Der Sturm von Bani Walid wird nach Informationen von Al-Dschasira durch einen Zwist unter den Rebellen behindert. Demnach wollen Kämpfer, die in der Wüstenstadt aufgewachsen sind oder aber zum gleichen Stamm, den Warfalla, gehören, Bani Walid selbst befreien. Erfahrene Kämpfer der Rebellen aus andere Landesteilen würden an die Seite gedrängt. Nach Informationen von Al-Dschasira versuchen Gaddafi-Loyalisten in Bani Walid, die Einwohner einschüchterten. Sie hätten unter anderem auch das Gerücht in Umlauf gesetzt, dass die Rebellen die schönsten Mädchen für sich behalten wollten.

Immer mehr enge Familienmitglieder des gestürzten libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi setzen sich ins Ausland ab. Gaddafis Sohn Al-Saadi wurde am Sonntag im Nachbarland Niger aufgegriffen. Der 38 Jahre alte Ex-Fußballprofi sollte in die Hauptstadt Niamey gebracht werden. Die Regierung gab humanitäre Gründe für die Aufnahme an.

Al-Saadi ist bereits das vierte von acht Kindern Gaddafis, das im Ausland Zuflucht gefunden hat. Zuvor war Ende August die zweite Ehefrau des untergetauchten Ex-Machthabers, Safija al-Gaddafi, mit der Tochter Aischa und dem Sohn Hannibal nach Algerien geflüchtet. Mit dabei war auch Gaddafis ältester Sohn Mohammed, der aus erster Ehe stammt. Wo sich Ex-Diktator Gaddafi aufhält, ist weiterhin unklar.

Dagegen wird immer klarer, dass die Fluchtroute von Führungsmitgliedern des Gaddafi-Regimes in Sebha beginnt und dann entweder in Richtung Algerien oder Niger durch die Wüste führt. Deshalb begannen Rebellen am Wochenende damit, die 600 Kilometer südlich von Tripolis gelegene Stadt zu umzingeln.

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