BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Erweiterte Suche
Kontakt
BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Benutzerliste

Willkommen bei BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen.
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 20

Syrien: Und ihr denkt, es geht um einen Diktator

Erstellt von Krosovar, 13.03.2013, 19:48 Uhr · 19 Antworten · 1.504 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Krosovar

    Registriert seit
    20.09.2008
    Beiträge
    9.106

    Syrien: Und ihr denkt, es geht um einen Diktator

    U aware ?


    Und ihr denkt, es geht um einen Diktator

    24.07.2012 · Die Reaktionen auf den Syrien-Konflikt offenbaren die geopolitische Ahnungslosigkeit mancher deutscher Kommentatoren: Zehn Minuten Nachhilfe aus gegebenem Anlass können nicht schaden.
    Von Hans-Christof Kraus



    © AFP Blutiger Diktator? Folgt man der Darstellung des Konflikts in weiten Teilen der westlichen Welt, dann scheint es sich lediglich um die Frage zu handeln, ob es gelingt, die syrische Bevölkerung von Assad zu befreien

    Man kann nur staunen über das Ausmaß an fast schon sträflicher Naivität oder auch nur schlichter Ignoranz, das viele Beurteiler der Syrien-Krise an den Tag legen, vor allem, wenn es darum geht, die Hintergründe für das zähe Tauziehen im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zwischen Amerika und den westlichen Mächten einerseits, Russland und China andererseits aufzuhellen. Folgt man der Darstellung des Konflikts in weiten Teilen der westlichen Welt, dann scheint es sich lediglich um die Frage zu handeln, ob es gelingt, die syrische Bevölkerung von einem blutigen Diktator zu befreien. Vor allem in Deutschland scheint die Unkenntnis, mit der diese Auseinandersetzung derzeit diskutiert wird, grenzenlos zu sein - bis hin zu einer angeblichen, allerdings nicht bestätigten Anfrage an die russische Regierung, ob sie bereit wäre, Assad im Falle seines Sturzes in Russland Asyl zu gewähren.
    Dabei geht es um vollkommen andere Probleme. Die Konfliktlinien verlaufen dort, wo sie von fast allen deutschen Beobachtern nicht einmal mehr wahrgenommen werden, und zwar vor allem deshalb, weil man in unserem Land verlernt hat, in weltpolitischen und geostrategischen Kategorien zu denken. Ob die Syrer, in weltpolitischer Sicht gesehen, derzeit oder künftig von einem Diktator aus dem Hause Assad, von einer demokratischen oder sich als demokratisch inszenierenden Regierung oder auch von einem radikal muslimischen Regime regiert werden, ist aus der Perspektive geostrategischer Erwägungen zuerst einmal gleichgültig.
    Eine Einteilung in „Weltinsel“ und „Herzland“

    Als um und nach 1900 die Welt, die gesamte Landoberfläche des Globus, aufgeteilt und zumeist unter die politische Oberherrschaft der Europäer und Amerikaner gestellt worden war, entwickelten die geostrategischen Denker der damaligen Zeit ein vollkommen neues Bild künftiger Weltpolitik. Die Angelsachsen hatten, obwohl gerade sie unangreifbar erschienen, jetzt zum ersten Mal Anlass, um ihre Weltstellung fürchten zu müssen. Der britische Geograph und Politiker Halford Mackinder entwickelte kurz vor dem Ersten Weltkrieg seine außerordentlich folgenreiche Lehre von der Unterlegenheit der maritimen Weltmächte.
    Beerdigung der Opfer eines Anschlags in Damaskus: Folgt man Darstellungen des Konflikts in der westlichen Welt, handelt es sich meist um die Frage, ob es gelingt, die syrische Bevölkerung von einem blutigen Diktator zu befreien


    Hatte bis dahin das Diktum des amerikanischen Militärtheoretikers Alfred T. Mahan von der Unangreifbarkeit global agierender Seemächte gegolten, so machte Mackinder die Gegenrechnung auf: In seiner neuen Analyse der Landoberfläche des Globus ordnete er die Seemächte dem „äußeren insularen Bereich“ zu, während er Europa, Asien und Afrika als gigantischen Großkontinent auffasste, den er die „Weltinsel“ nannte. Kern dieser Weltinsel war das „Herzland“ („pivot area“), das er in Nord- und Mittelasien verortete. Hier und im Umfeld des „Herzlandes“ seien sieben Achtel der Weltbevölkerung angesiedelt, auch befinde sich in diesem Gebiet der bei weitem größte Anteil der auf der Erde verfügbaren Rohstoffe. Künftige Herrscher der Welt könnten daher nicht mehr die angelsächsischen Seemächte sein, so Mackinders Schlussfolgerung, sondern eventuell diejenige Macht (oder Mächtegruppierung), die in der Lage sei, das Herzland vollständig unter die eigene Kontrolle zu bringen.
    Debatte um die weltpolitisch entscheidende Region der Erde

    Das starke angelsächsische Misstrauen gegen die kommunistische Sowjetunion in der Zwischenkriegszeit, aber anschließend auch der unerbittliche, bis zum Ziel der bedingungslosen Kapitulation geführte Kampf Amerikas und Großbritanniens gegen die beiden das Herzland von Westen und Osten bedrohenden Achsenmächte Deutschland und Japan sind nur vor dem Hintergrund dieser geopolitischen Konzeption zu verstehen: Der Albtraum einer von Deutschland und Japan gemeinsam oder schlimmstenfalls sogar von Deutschland allein kontrollierten „pivot area“ im Herzen Eurasiens musste mit allen Mitteln verhindert werden. Hierin bestand das erste und wichtigste Kriegsziel Roosevelts und Churchills, dem alles andere untergeordnet wurde.
    Noch vor Kriegsende wurde die Lehre Mackinders von der Bedeutung des Herzlandes weiterentwickelt und etwas abgewandelt. Nicholas Spykman, bedeutendster amerikanischer Geopolitiker seiner Zeit, entwickelte schon während des Krieges die Theorie, dass nicht eigentlich das Herzland, sondern dessen Randgebiet, das „Randland“ („rimland“), die weltpolitisch entscheidende Region der Erde sei: Dieses „rimland“ erstreckt sich von Skandinavien über Mittelosteuropa, die Türkei, die arabischen und vorderasiatischen Länder und Indien bis hin nach Indochina, Korea, Ost- und Nordchina. Hier sei die wirklich entscheidende Region der Weltinsel, des gesamten eurasiatischen Kontinents also, zu finden, und wem es gelinge, dieses Randland mit seinen ungeheuren Menschenmassen und seinen unerschöpflichen Rohstoffen unter die eigene Kontrolle zu bringen, sei der Herr der Erde oder könne zumindest den anderen Mächten, gerade auch den traditionellen Seemächten, seinen Willen aufzwingen.
    Interventionsverbot für raumfremde Mächte?

    Nicht zuletzt auf der Voraussetzung dieser grundlegenden Analysen des bereits 1943 verstorbenen Spykman wurde es nach dem Krieg die geopolitische Staatsräson der Vereinigten Staaten, den traditionellen Isolationismus endgültig aufzugeben, dafür aber fortan aktive Weltpolitik zu treiben. Für die Ära des Kalten Krieges jedenfalls lässt sich sagen, dass fast alle der Hauptkonfliktlinien zwischen Ost und West in den Regionen jener breiten „Randland“-Zone zwischen Finnland im Westen, Korea im Osten gelegen haben. Zwar nicht alle, aber doch die meisten Kriege der Nachkriegszeit, vom Koreakrieg über die Nahost- und die Golfkriege bis hin zum Vietnamkonflikt haben sich in genau dieser Zone abgespielt.
    Die geopolitisch-völkerrechtliche Gegentheorie zu Mackinder und Spykman ist fast noch älter; im Kern ist sie bereits in der amerikanischen Monroe-Doktrin von 1823 zu finden; mit der Titelformulierung einer berühmten Schrift des zwanzigsten Jahrhunderts, erschienen während des Zweiten Weltkriegs, kann man sie als „Völkerrechtliche Großraumordnung mit Interventionsverbot für raumfremde Mächte“ (Carl Schmitt) bezeichnen. Dieses Modell hat in seiner Entstehungszeit freilich nicht funktioniert; und gerade mit Blick auf die Bedeutung des Herz- und des Randlandes haben die Amerikaner ein Interventionsverbot außerhalb der eigenen amerikanischen Hemisphäre (jedenfalls dann, wenn es gegen die eigenen Interessen gerichtet war) weder anerkannt noch respektiert.
    Es geht nicht vorrangig darum, der syrischen Bevölkerung zu helfen

    Im Gegenteil: Sie haben auch nach 1945 immer wieder gerade dort interveniert, wo es ihnen erforderlich schien, die eigene Machtstellung konsequent zu stärken. Nicht zuletzt der Ölreichtum und die auch strategisch entscheidend wichtige Lage der Region zwischen dem östlichen Mittelmeer und dem Arabischen Meer haben gerade dieses Gebiet zu einem Hauptaktionsfeld amerikanischer Außenpolitik werden lassen, bis hin zum letzten Irak-Krieg, zur Besetzung Afghanistans und zu den undurchsichtigen, völkerrechtlich jedenfalls in keiner Weise legitimierbaren Aktionen im nordöstlichen Pakistan.
    Die Vereinigten Staaten haben auch nach 1945 immer wieder gerade dort interveniert, wo es ihnen erforderlich schien, die eigene Machtstellung konsequent zu stärken


    Der aktuelle Konflikt um ein Eingreifen oder Nicht-Eingreifen in den syrischen Bürgerkrieg ist deshalb so brisant, weil sich in dieser Frage der Gegensatz zwischen zwei radikal unterschiedlichen geostrategischen und weltpolitischen Konzeptionen manifestiert. Den Amerikanern und der westlichen Seite geht es nicht oder nicht vorrangig darum, der bedauernswerten syrischen Bevölkerung zu helfen, sondern um Einflussnahme auf die Neugestaltung des Landes nach einem voraussichtlichen Sturz des derzeitigen Regimes, obwohl man mit diesem bisher stets gut zusammenarbeiten konnte. Mehrere, seit längerem geplante, für den Westen wichtige Öl- und Gaspipelines stehen auf dem Spiel, die Saudi-Arabien und Qatar mit dem östlichen Mittelmeerraum und der Türkei verbinden und deshalb partiell durch syrisches Gebiet führen sollen.
    Das Blatt hat sich gewendet

    Russen und Chinesen nehmen die gegenteilige Perspektive ein. Die russische Militärbasis am Mittelmeer, im syrischen Hafen Tartus gelegen, steht ebenfalls auf dem Spiel - wie die allgemeine machtpolitische Stellung Moskaus und Pekings im nahöstlich-vorderasiatischen Raum. Der Blick auf einen möglichen militärischen Konflikt zwischen Israel und Iran macht es für die beiden größten Mächte Asiens unabdingbar, hier präsent zu sein.
    Noch ist nicht vorauszusehen, welche von beiden Seiten sich durchsetzen wird, denn auch die Amerikaner haben schon häufiger UN-Resolutionen missachtet, wenn ihnen dies zur Förderung ihrer eigenen Interessen notwendig erschien. Den unerklärten Krieg gegen den Irak, der zum Sturz des Regimes von Saddam Hussein führte, haben Moskau und Peking höchst widerwillig hinnehmen müssen - am Ende nur deshalb, weil sie es nicht wagen konnten, der zeitweilig einzigen hochgerüsteten Weltmacht entschiedener entgegenzutreten. Heute hat sich das Blatt gewendet: Aufgrund schwerer hausgemachter wirtschaftlicher Probleme, die mit einem weit überdehnten außen- und militärpolitischen Engagement zusammenhängen, befinden sich die Vereinigten Staaten in einer deutlich geschwächten Position. Ihr militärisches Eingreifen in Syrien erscheint schon aus diesem Grund als kaum wahrscheinlich.
    Die Würfel sind noch nicht gefallen

    Insofern muss die Regierung in Washington das inzwischen dreimal hintereinander ausgesprochene Veto Pekings und Moskaus, mit der eine UN-Resolution gegen das syrische Regime verhindert wird, als ernste Warnung auffassen. Wie es scheint, sehen sich China und Russland in einem gemeinsamen Kondominat über den südasiatischen Raum, und ihr striktes Nein gegen ein Eingreifen der westlichen Mächte in Syrien kann sehr wohl im Sinne einer politisch-völkerrechtlichen Doktrin eines wenigstens angedeuteten Interventionsverbots für raumfremde Mächte, womit vor allem Amerika gemeint ist, gesehen werden. Die Regierung in Washington wiederum wird ein solches Verbot, wäre es denn ernst gemeint, kaum akzeptieren können, denn in der Konsequenz würde dies den endgültigen Verzicht auf politisch-ökonomische Einflussnahme, eventuell sogar auf militärisches Eingreifen in den Regionen des „Randlandes“ bedeuten. Washington kann schon aus ureigenem Interesse jene eurasiatischen Randregionen nicht ihrem Schicksal - und schon gar nicht den beiden asiatischen Weltmächten - überlassen.

    Insofern kann man am Ausmaß, am Verlauf und an den, wie abzusehen ist, schon bald eintretenden Folgen des Syrien-Konflikts wie in einem Brennspiegel die gegenwärtige Verteilung weltpolitischer Machtpotentiale ablesen. Die Würfel sind noch nicht gefallen. Aber die geostrategischen Global Player halten sie bereits in der Hand.





    Syrien: Und ihr denkt, es geht um einen Diktator - Feuilleton - FAZ

  2. #2

    Registriert seit
    11.03.2013
    Beiträge
    248
    Pass auf mein Freund, jetzt wird es als Verschwörungstheorie abgestempelt.

  3. #3
    Ado

    Registriert seit
    01.03.2009
    Beiträge
    8.973
    Also wird nach Syrien der grosse Showdown im Iran folgen?

  4. #4

    Registriert seit
    11.03.2013
    Beiträge
    248
    Zitat Zitat von Ado Beitrag anzeigen
    Also wird nach Syrien der grosse Showdown im Iran folgen?
    libya_syria_iran-democracy.jpg



    Das Video ist von 2001 !!

  5. #5
    Avatar von BlackJack

    Registriert seit
    11.10.2009
    Beiträge
    65.434
    oh man, seit Jahren müssen wir uns eure Prophezeiungen zum quasi schon fast sozusagen stattgefundenen bevorstehenden Angriff auf den Iran anhören, schmiert euch das in die Haare

  6. #6
    Avatar von Krosovar

    Registriert seit
    20.09.2008
    Beiträge
    9.106
    Zitat Zitat von Ado Beitrag anzeigen
    Also wird nach Syrien der grosse Showdown im Iran folgen?
    Natürlich.
    Nicht umsonst läuft schon jahrelang die Propaganda gegen
    dieses Land mit einer 5000 jährigen Geschichte.
    Da können die Amis mit ihrer nichtmal 300 jahren alten Geschichte,
    die zum Grossteil aus dem Massenmord an den Ureinwohnern
    und diversen Kriegen im Eurasischen Berech besteht nicht mithalten.
    Wer wäre da nicht neidisch ? ( not srs)
    lulz

  7. #7

    Registriert seit
    13.02.2013
    Beiträge
    1.157
    Noch dazu weiss nicht warum der Westen eine Opposition unterstützen soll, die sich nach der Machtergreifung vor allem dann gegen die USA richten?

  8. #8
    Avatar von BlackJack

    Registriert seit
    11.10.2009
    Beiträge
    65.434
    Zitat Zitat von Krosovar Beitrag anzeigen
    Natürlich.
    Nicht umsonst läuft schon jahrelang die Propaganda gegen
    dieses Land mit einer 5000 jährigen Geschichte.
    Da können die Amis mit ihrer nichtmal 300 jahren alten Geschichte,
    die zum Grossteil aus dem Massenmord an den Ureinwohnern
    und diversen Kriegen im Eurasischen Berech besteht nicht mithalten.
    Wer wäre da nicht neidisch ? ( not srs)
    lulz
    Das verstehe ich jetzt überhaupt nicht, was hat denn die Geschichte damit zu tun? Im Moment herrschen im Iran Mullahs, die mit einem Großteil der Geschichte Persiens nichts zu tun haben? Außerdem geht es auch um moderne Atomwaffen ... Also aus der Geschichte kann man zumindest hier gar nichts Sinnvolles ableiten wie ich finde ... zum Zweiten ... wann kommt denn nun endlich dieser Angriff auf den Iran?

  9. #9
    Avatar von Krosovar

    Registriert seit
    20.09.2008
    Beiträge
    9.106
    Zitat Zitat von BlackJack Beitrag anzeigen
    Das verstehe ich jetzt überhaupt nicht, was hat denn die Geschichte damit zu tun? Im Moment herrschen im Iran Mullahs, die mit einem Großteil der Geschichte Persiens nichts zu tun haben? Außerdem geht es auch um moderne Atomwaffen ... Also aus der Geschichte kann man zumindest hier gar nichts Sinnvolles ableiten wie ich finde ... zum Zweiten ... wann kommt denn nun endlich dieser Angriff auf den Iran?
    Respect the (not srs) tag ...

  10. #10
    Avatar von BlackJack

    Registriert seit
    11.10.2009
    Beiträge
    65.434
    Zitat Zitat von Krosovar Beitrag anzeigen
    Respect the (not srs) tag ...
    Was heißt "not srs"? Weiß ich wirklich nicht

Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Für einen Tag Diktator sein...
    Von skorpion im Forum Politik
    Antworten: 108
    Letzter Beitrag: 23.10.2012, 16:52
  2. Syrien Blutiger Montag in Syrien
    Von ***Style*** im Forum Arabische Revolution
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 20.12.2011, 07:53
  3. Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 11.06.2010, 19:51
  4. Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 20.10.2009, 21:12
  5. Bereitet Israel sich auf einen Krieg gegen Syrien vor?
    Von cro_Kralj_Zvonimir im Forum Aussenpolitik
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 06.06.2007, 19:30