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Ahsdorn im Spiegel Interview über Bosnien

Erstellt von lupo-de-mare, 01.10.2005, 08:30 Uhr · 38 Antworten · 1.673 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von lupo-de-mare

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    Ahsdorn im Spiegel Interview über Bosnien

    "Das ist ein Wunder"

    Paddy Ashdown, Hoher Repräsentant der Internationalen Gemeinschaft, über zehn Jahre Wiederaufbau, die schwierige Aussöhnung und das Ringen um eine neue Verfassung Der Bosnien-Krieg wurde mit dem am 21. November 1995 beschlossenen Dayton-Abkommen beendet. Seither wacht ein von EU und Uno bestellter Hoher Repräsentant über die Einhaltung des Friedensschlusses. Der 64-jährige Brite Lord Ashdown, ausgebildet bei den Royal Marines, später als Politiker der britischen Liberaldemokraten aktiv, hat das Amt seit Mai 2002 inne.


    SPIEGEL: Knapp zehn Jahre nach Abschluss des Dayton-Abkommens funktioniert Bosnien immer noch nicht als einheitlicher Staat. Sind Sie enttäuscht?

    Ashdown: Ich wollte zweierlei: Das Land zu einem normalen Staat machen, und es auf den Weg nach Europa bringen. Wir haben immerhin schon ein einheitliches Justiz- und Zollwesen, die Grundlage für ein einheitliches Steuersystem gelegt und drei verschiedene Geheimdienste zu einem vereint.

    SPIEGEL: Dennoch wird Bosnien als Staat vor allem von serbischen Politikern weiter abgelehnt. Ist das multiethnische Projekt eines Zusammenlebens von Serben, Kroaten und Muslimen gescheitert?

    Ashdown: Wenn man einen Schotten fragt, ob er Brite ist oder Schotte, wird er ihnen antworten, er sei Schotte. Und genauso ist es auch hier. Die Loyalität der Serben und Kroaten gegenüber dem bosnischen Staat ist äußerst gering, aber man kann die Leute nicht zwingen, die Nationalhymne von Bosnien-Herzegowina zu singen. Das Ganze braucht Zeit.

    SPIEGEL: Kritiker wie Johan Galtung, Inhaber des Alternativen Nobelpreises, sehen Bosnien nach wie vor im Zustand des Kalten Krieges.

    Ashdown: Man muss Bosnien mit anderen Friedensmissionen vergleichen. In Nordirland etwa ist 35 Jahre nach dem Bürgerkrieg kein einziger Flüchtling zurückgekehrt. Auch in Deutschland konnten nach den Vertreibungen im Zweiten Weltkrieg Millionen Menschen nicht nach Hause. Hier sind eine Million Flüchtlinge zurückgekehrt. So etwas hat es nie zuvor gegeben.

    SPIEGEL: Dennoch leben die drei ethnischen Gruppen heute separierter denn je, beinahe wie in Ghettos.

    Ashdown: Natürlich ist der Weg zum endgültigen Frieden lang, aber in Bosnien werden schon jetzt regelmäßig Wahlen abgehalten,

    BOSNIEN-HERZEGOWINA Seite 125 neuer Spiegel 39/2005

    ... Fortsetzung von Seite 124





    und anders als etwa auf Zypern existiert vollständige Bewegungsfreiheit. Zudem haben wir hier mit die stabilste Währung des gesamten Balkans. Die Zahl der nach dem Krieg stationierten Soldaten sank von 60 000 auf mittlerweile 6600. Bosnien ist weit davon entfernt, ein schwarzes Loch zu sein. Es ist die erfolgreichste Friedensmission, die die Welt je gesehen hat.

    SPIEGEL: Verschließen Sie da nicht die Augen vor der Realität? 90 Prozent der Serben würden wohl bei einem Referendum für einen Anschluss an Belgrad votieren.

    Ashdown: Das mag sein, gleichzeitig glauben aber auch nur zehn Prozent, dass ein solches Szenario realistisch ist. Natürlich gibt es Spannungen zwischen den drei Ethnien, aber sie sind wesentlich geringer als noch vor fünf Jahren, und das Wichtigste: Sie nehmen weiter ab. Die wahren Helden in diesem Land sind die einfachen Menschen, die an jene Orte zurückkehrten, von denen sie zuvor vertrieben worden waren. Heute leben sie dort wieder miteinander, etwa in Srebrenica. Das ist ein Wunder.

    SPIEGEL: Der meistgesuchte Kriegsverbrecher, Radovan Karadzic, ist weiter auf der Flucht. Wie groß ist sein Einfluss auf die Republika Srpska?

    Ashdown: Die Zahl seiner Anhänger sinkt. Er war zum Beispiel dagegen, die Armeen der Republika Srpska und der kroatisch-muslimischen Föderation zu vereinigen, aber wir haben das durchgeboxt. Noch vor Jahren hätte er eine solche Entscheidung von seinem Versteck in den Bergen aus verhindern können.

    SPIEGEL: Carla Del Ponte, Chefanklägerin beim Jugoslawien-Tribunal, bezweifelt, dass es den ernsthaften Willen gibt, ihn zu fassen.

    Ashdown: Der Wille ist da, aber bis Anfang des Jahres haben die Institutionen der Republika Srpska, die Polizei, kriminelle Netzwerke und viele Politiker, die Verhaftung Karadzics noch aktiv verhindert. Das hat sich geändert. Nicht zuletzt auf Grund meines massiven Drucks.

    SPIEGEL: Zum Beispiel nachdem Sie im vergangenen Sommer auf einen Schlag 59 serbische Offizielle aus ihren Ämtern entfernten.

    Ashdown: Wofür ich heftige Kritik einstecken musste. Doch es hat sich gelohnt. Neun Jahre lang hat die Republika Srpska keinen einzigen Kriegsverbrecher nach Den Haag geschickt. In diesem Jahr wurden gleich neun der wichtigsten ausgeliefert. Damit sitzen Karadzics engste Mitarbeiter hinter Gittern, er ist nun mehr und mehr auf sich gestellt. Um ihn zu fangen, mussten zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Erstens musste die öffentliche Meinung geändert werden. Deshalb habe ich die Serben gezwungen, einen Bericht über das Massaker von Srebrenica zu verfassen, in dem sie die begangenen Kriegsverbrechen einräumen. Zweitens musste politischer Druck ausgeübt werden, um die Republika Srpska zur Kooperation mit Den Haag zu bewegen. Die Militäraktion gegen Karadzic wird der nächste Schritt sein.

    SPIEGEL: Um das Unterstützernetzwerk trockenzulegen, müsste sympathisierenden serbischen Polizisten das Handwerk gelegt werden. Doch die Polizeireform, mit der man mehr Kontrolle über die serbische Polizei bekommen würde, droht am Widerstand der Serben zu scheitern.

    Ashdown: Die Serben, die das Dayton-Abkommen gehasst haben, nutzen es nun, um einen Fortgang der Reformen zu verhindern. Dem Parlament der Republika Srpska wurde der Schlüssel zum Tor nach Europa gereicht - es hat ihn weggeworfen. Bosnien hat die Chance verpasst, zum zehnjährigen Jahrestag von Dayton Gespräche für ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU aufnehmen zu können. Damit hält ein Teil des Landes den anderen mutwillig zurück.

    SPIEGEL: Hat nicht gerade Ihre Politik der harten Hand die Spaltung zwischen den ethnischen Gruppen vertieft?

    Ashdown: Viele haben mich kritisiert, weil ich gegenüber den Serben zu harsch vorgegangen bin. Aber ich will an den Ergebnissen gemessen werden. Der Widerstand in Banja Luka gegen die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal jedenfalls ist heute geringer als je zuvor.

    SPIEGEL: Auch in der Bildung ist die Teilung des Landes noch nicht überwunden. In der Föderation, also bei Kroaten und Muslimen, gibt es wieder getrennte Schulen.

    Ashdown: Das ist eine Konsequenz aus der Geschichte dieses Landes. Ich akzeptiere die Trennung nicht, in Zukunft müssen die Schulen integriert werden.

    SPIEGEL: In Diplomatenkreisen wird hinter vorgehaltener Hand die Aufhebung der beiden Entitäten und die Bildung eines starken Gesamtstaats gefordert.

    Ashdown: Dies wird nie ein zentralisierter Staat wie Frankreich oder Großbritannien sein. Er wird eher dezentrale Strukturen aufweisen - wie etwa Belgien oder die Schweiz -, um den ethnischen und religiösen Unterschieden gerecht zu werden. Die Republika Srpska und die kroatisch-muslimische Föderation sind im Dayton-Vertrag festgeschrieben worden. Wenn sie irgendwann abgeschafft werden sollen, müsste das durch den Willen der bosnischen Bevölkerung geschehen.

    SPIEGEL: Als Sie vor drei Jahren das Amt des Hohen Repräsentanten übernahmen, sagten Sie, Sie wollten der letzte internationale Bosnien-Verwalter sein. Haben Sie die Widerstände unterschätzt?

    Ashdown: Wir sind nah an dem Punkt, an dem das Land keinen Hohen Repräsentanten mehr braucht. Ich schließe nicht aus, dass ab Oktober nächsten Jahres ein spezieller Vertreter der Europäischen Union diese Aufgabe übernimmt, dann aber mit verminderten Befugnissen. Es wird einige Jahre dauern, aber dieses Land wird es in die EU schaffen - Europa ist seine einzige Zukunft. Das gilt nicht nur für Bosnien-Herzegowina, sondern für den gesamten Balkan. INTERVIEW: RENATE FLOTTAU,

    MARION KRASKE

  2. #2

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    JA JA das ganze braucht zeit

    viel Spaß beim Warten
    der ganze Scheiß wird nie klappen wie die sich das vorstellen

    so sehe ich das

  3. #3
    Avatar von lupo-de-mare

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    Zitat Zitat von saaadi
    JA JA das ganze braucht zeit

    viel Spaß beim Warten
    der ganze Scheiß wird nie klappen wie die sich das vorstellen

    so sehe ich das
    Ich ebenso! Das sind Alles theoretische Spinner, welche Nichts von der Realität verstehen. Und es geht immer um gut dotierte Jobs, der angeblichen West Experten. Im Kosovo haben sie ebenso die Region in eine bodenloses Nichts gestürzt und sind aktiv dabei u.a. Antike Bodenschätze zu plündern, beim Frauen Handel etc..

    Es geht immer um das Geschäft und die Deutsche Bundeswehr kassiert auch gut ab, bei den Auslands Spesen, wenn sie in Bosnien spazieren fahren.

    Mit 10% der Kosten der ausl. Experten und Truppen, hätte man längst den gesamten Balkan sanieren können.

  4. #4
    Avatar von Sousuke-Sagara

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    Es ist schon traurig, dass man Bosnien und Kosovo solchen Witzfiguren überlässt, die den IQ einer Weißwurst haben. Und da fragt man sich warum es auf dem Balkan nicht bergauf geht.

  5. #5

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    Zitat Zitat von Heishiro_Mitsurugic
    Es ist schon traurig, dass man Bosnien und Kosovo solchen Witzfiguren überlässt, die den IQ einer Weißwurst haben. Und da fragt man sich warum es auf dem Balkan nicht bergauf geht.

  6. #6
    jugo-jebe-dugo
    Also dasmit der Polizeireform ist total in ordnung,die Serben dürfen sich nicht unterkriegen lassen.

  7. #7

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    Wir Balkanesen sind ohnehin Spielball bzw Schachfiguren der Westmächte.

  8. #8
    jugo-jebe-dugo
    Zitat Zitat von Albanesi2
    Wir Balkanesen sind ohnehin Spielball bzw Schachfiguren der Westmächte.
    Richtig,dass war vor 1991 nicht so,bei Serbien ist es sohar erst so seit Oktober 2000.

    MfG

  9. #9
    Avatar von lupo-de-mare

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    Zitat Zitat von Heishiro_Mitsurugic
    Es ist schon traurig, dass man Bosnien und Kosovo solchen Witzfiguren überlässt, die den IQ einer Weißwurst haben. Und da fragt man sich warum es auf dem Balkan nicht bergauf geht.

    IQ einer Weisswurst

    Video:

    Ashdown im übrign bei einem Treffen mit UCK Banditen im Kosovo.

    http://www.balkanstreams.de/haag/mil...hdownvideo.wmv

  10. #10
    Avatar von BalkanSurfer

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    Zitat Zitat von lupo-de-mare
    Zitat Zitat von Heishiro_Mitsurugic
    Es ist schon traurig, dass man Bosnien und Kosovo solchen Witzfiguren überlässt, die den IQ einer Weißwurst haben. Und da fragt man sich warum es auf dem Balkan nicht bergauf geht.

    IQ einer Weisswurst

    Video:

    Ashdown im übrign bei einem Treffen mit UCK Banditen im Kosovo.

    http://www.balkanstreams.de/haag/mil...hdownvideo.wmv
    nur mit dem punkt, dass die "zusammenfassung" von slobo nirgens im video erwähnt wird und das video null beweise dafür aufführt.
    zu dieser zeit war ashdown als britischer gesandter mit erlaubnis aus belgrad im kosovo unterwegs. nur dass der paranoide und lächerliche slobo sich da irgendein märchen zusammenreimt, was im video nun mal nicht vorkommt.

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