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Die aktuelle politische und Geselschaftliche Lage in BIH!

Erstellt von cro_Kralj_Zvonimir, 04.08.2007, 11:23 Uhr · 1 Antwort · 642 Aufrufe

  1. #1
    cro_Kralj_Zvonimir

    Die aktuelle politische und Geselschaftliche Lage in BIH!

    Unsere ungewollten Kolonien

    Von Andrea Böhm
    Kann die Europäische Union in Bosnien und im Kosovo stabile Staaten aufbauen? Eine Reise durch den Balkan zwölf Jahre nach Dayton



    Snježana Filipović muss sich von Berufs wegen an den Krieg erinnern. Tag für Tag, ein Grab nach dem anderen. Snježana Filipović dokumentiert Kriegsverbrechen, sie sammelt Daten über Kriegstote, befragt die Hinterbliebenen. Nach Feierabend braucht sie ein Leben ohne Fronten, »sonst verliert man ja den Verstand«. Also ist sie vor drei Jahren mit ihrer Familie ins vorbildliche Brčko gezogen. Die Stadt mit dem unaussprechlichen Namen ist in Bosnien und Herzegowina außergewöhnlich: Hier leben Muslime, Kroaten und Serben relativ friedlich zusammen. Ganz gegen die Landesgepflogenheiten ist die Polizei integriert, zählt bei Gerichtsprozessen die Beweislage mehr als die ethnische Herkunft der Streitparteien. Die Jugendlichen gehen gemeinsam in den Unterricht. Und selbst, wenn sie sich abends ethnisch getrennt auf die Discos verteilen, hören sie wenigstens die gleiche Musik. On je mladi zum Beispiel von Edo Maajka, dem bosnischen Rapper. Darin geht es um den Sohn eines kroatischen Kriegsveteranen, der sich in eine Serbin verliebt. Wie das Leben so spielt. »Ich will ja nicht behaupten, es sei hier alles perfekt«, sagt Filipović, Tochter eines Muslims und einer Kroatin, verheiratet mit einem »lupenreinen« Serben und Mutter zweier Kinder. »Aber hier lebt es sich wie im Himmel im Vergleich zum Rest des Landes.« Der Bezirk Brčko umfasst ein Prozent des Staatsterritoriums von Bosnien und Herzegowina. Es ist der einzige Landfleck, auf dem sich der Wiederaufbau etwa so vollzogen hat, wie sich die internationale Gemeinschaft das vorgestellt hat. Wie glücklich die Bewohner von Brčko sich schätzen können, zeigt der Blick auf den zerklüfteten Rest des Landes. Bosnien und Herzegowina zwölf Jahre nach dem Friedensabkommen von Dayton: Das ist eine weitgehend machtlose Zentralregierung mit einem ethnisch aufgeteilten Dreierpräsidium; eine serbische Teilrepublik, die sich gern »souverän« gebärdet; eine bosnisch-kroatische Föderation, die ihrerseits in zehn ethnisch weitgehend getrennte Kantone unterteilt ist. Macht insgesamt vier (teilweise konkurrierende) Gesetzgebungen, fünf Präsidenten, sechs Parlamentskammern und dreizehn teilweise konkurrierende Verwaltungen plus einen Hohen Repräsentanten der internationalen Staatengemeinschaft – eine Art exekutiver Supercop, der allzu nationalistische bosnische Politiker entlassen oder Gesetze revidieren kann, um dieses Staatengebilde beisammenzuhalten. Und über all dem schwebt derzeit der geostrategische Streit über das Kosovo, einen Staat in spe mit einer ebenfalls ethnisch zutiefst gespaltenen Bevölkerung, dessen absehbare Unabhängigkeit nicht nur Schockwellen nach Serbien, sondern auch nach Bosnien aussenden könnte.
    Das ist, in groben Zügen, die aktuelle politische Wetterlage in jenen zwei Regionen, die Politologen als »Europas ungewollte Kolonien« bezeichnen. Diplomaten sprechen lieber vom »Labor des Nation-Buildings«. Denn es ist der Balkan, nicht Afghanistan, wo die EU sich als Hauptakteur im Wiederaufbau eines Staatswesens versucht – zuerst in Bosnien, demnächst im Kosovo.
    Auf der Fahrt durch das Land deutet zunächst wenig auf die kafkaeske Politik hin. Links und rechts der Autostraßen erblickt man Eigenheim-Idylle, bierbäuchige Männer in Unterhemden schieben Rasenmäher durch die Gärten, verputzen die Wände ihrer neuen Häuser. Es ist heiß, der Himmel ist strahlend blau, Kinder angeln an den Flussufern. Die zerschossenen Kriegsruinen wirken wie übrig gebliebene Filmkulissen, die roten Schilder, die vor Landminen warnen, auch.

    Ziemlich satt sieht dieser Frieden aus, und vielleicht muss man erst einmal aufzählen, was seit Kriegsende mit Drohen, Druck und Locken der internationalen Verwalter alles erreicht worden ist: Bosnien hat jetzt eine einheitliche Währung, eine Zentralbank, einheitliche Autokennzeichen, eine Flagge, eine Hymne und seit vergangenem Jahr auch eine gemeinsame Armee. Die Nato-Truppen sind seit Dezember 2004 durch ein sehr viel kleineres Truppenkontingent der EU ersetzt. Über eine Million Vertriebene haben – das betonen die ausländischen Diplomaten besonders gern – ihre Häuser und Wohnungen zurückbekommen. Aber da ist auch schon der erste Haken, der für das Hauptproblem in Bosnien steht. Viele »Rückkehrer« haben ihren angestammten Besitz prompt an Angehörige der jeweiligen ethnischen Mehrheit verkauft. Es bleiben oft nur die Alten. Familien mit Kindern ziehen in Städte und Regionen, wo die eigene Volksgruppe dominiert, wo Jobs nur an Angehörige der eigenen Ethnie vergeben werden und die Kinder in den Schulen die ethnisch opportunen Legenden vom Krieg lernen. Auf die gezielten Vertreibungen während des Krieges ist in den zwölf Friedensjahren die stetige ethnische Entflechtung gefolgt. Verwundern muss das nicht. Im Dayton-Abkommen von 1995 wurden die Spaltung und faktische Dreiteilung des Landes und der Primat der ethnischen Gemeinschaft über das Individuum ja vorgegeben.
    Das Dayton-Abkommen hat das Land zwar befriedet, danach aber in eine Sackgasse geführt – darüber herrscht inzwischen auch unter den Diplomaten Einigkeit. Wie man aus dieser Sackgasse wieder herauskommt, weiß momentan niemand so genau. Eine Verfassungsreform, die die absurden Parallelstrukturen etwas ausgemistet und den Zentralstaat gestärkt hätte, scheiterte im vergangenen Jahr am Widerstand einer kroatischen Splitterpartei und der bosnischen »Partei für Bosnien und Herzegowina« von Haris Silajdžić. Er ist der einzige noch lebende und politisch aktive Mitverhandler des Dayton-Abkommens und propagiert heute die bosnische Radikalposition: Auflösung der serbischen Teilrepublik. Worauf aus selbiger mit schöner Regelmäßigkeit die entgegengesetzte Radikalposition zu hören ist: Sezession der Republika Srpska. Zusätzlich verschärft wurde die Lage noch durch die Wahlergebnisse vom Oktober 2006. Silajdžić ist seither bosnischer Vertreter im dreiköpfigen Staatspräsidium; in Banja Luka, der Hauptstadt der serbischen Entität, regiert seither Milorad Dodik, eigentlich ein Reformer, der derzeit aber schamlos nationalistische Rhetorik einsetzt und auch schon laut über die Sezession seiner Teilrepublik nachgedacht hat, falls das Kosovo unabhängig werden sollte.




    http://www.zeit.de/2007/32/Balkan?page=1



    Das sit nur der Anfang des gut zusammengestellten Berichts es folgen noch 2 weiter Seiten!

  2. #2
    cro_Kralj_Zvonimir
    Es wird im Text auch die ausführlich die Lage im Kosovo beschrieben°

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