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Albanien hat sich gewandelt - auch Sali Berisha?

Erstellt von Albanesi2, 05.09.2005, 21:28 Uhr · 13 Antworten · 1.177 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
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    Albanien hat sich gewandelt - auch Sali Berisha?

    http://www.diepresse.com/Artikel.asp...rt=a&id=504179

    Analyse:
    Albanien hat sich gewandelt - auch Sali Berisha?

    Von unserer Korrespondentin GERTRAUD ILLMEIER (Die Presse) 05.09.2005

    Der Ex-Präsident kehrt zurück an die Macht, Tiranas dynamischer Bürgermeister hat ihm viel vorgemacht.



    TIRANA. Noch vor vier Jahren wurde in Kamza, einem an der nördlichen Ausfahrtsstraße von Tirana gelegenen Vorort, Fleisch unter offenem Himmel, direkt neben der Hauptstraße verkauft. Die Szenerie mutete bizarr an: Gehäutete Schafe baumelten, von fetten Fliegen umschwirrt, an Fleischerhaken im Wind. Darunter hatten sich kleine Lachen von Blut gesammelt, das von dürren Straßenkötern aufgeleckt wurde.




    Zumindest in Kamza gehören solche Bilder inzwischen der Vergangenheit an. Heute verkaufen die Fleischhändler in einer neuen Halle etwas abseits der Straße.


    Besonders augenscheinlich sind die Fortschritte in Tirana, der Hauptstadt, die einen Bauboom erlebt. Seit der 41-jährige Bürgermeister Edi Rama das Szepter schwingt, wird sie immer schöner und moderner. Der Quereinsteiger Rama, der eigentlich Künstler ist, hat ihr ein witziges, buntes Kleid übergestreift.


    Die grauen Wohnblocks wurden im Patchwork-Stil in allen erdenklichen Farben neu angestrichen. Mit dem Grau hat sich auch die Tristesse verflüchtigt. Zumindest im Zentrum wurden historische Gebäude renoviert, neue gläserne Bürohochhäuser vermitteln urbanes Lebensgefühl. Aus dem Fluss wurde der Dreck herausgefischt, die Parks neu bepflanzt.


    Rama, der 2004 von einer internationalen Jury zum "Weltbürgermeister" gekürt wurde, hatte den Mut, 2000 ohne Genehmigung errichtete Buden, Kioske und Cafés, die das Stadtzentrum zupflasterten und verschandelten, niederreißen zu lassen.


    Aber die Veränderungen in Albanien beschränken sich nicht nur auf Äußerlichkeiten. Auch die Gesellschaft scheint im Aufbruch zu sein. Der dynamische Rama steht stellvertretend für ein neues, modernes Albanien. Sein Eintritt in die Politik vor fünf Jahren habe viel verändert, erklärt der Direktor des Albanischen Medieninstituts, Remzi Lani. "Er hat ein neues Rollenmodell geschaffen."


    Nun will Rama Fatos Nano als Chef der Sozialistischen Partei nachfolgen. Der inzwischen zurückgetretene Premier hat die Wahlen im Juli vor allem wegen der endemischen Korruption, die das Land in Geiselhaft hält, verloren. Diese koste den Staat jährlich geschätzte 1,2 Milliarden US-Dollar berichtete die Weltbank.


    Der Wahlsieger und designierte Premier Sali Berisha von der Demokratischen Partei, der als "sauber" gilt, geißelt Nanos Herrschaft als "Protektorat des organisierten Verbrechens". Der 60-jährige Ex-Präsident Berisha räumt dem Kampf gegen Korruption und Kriminalität in seinem Programm Priorität ein. "Albanien darf kein Exporteur für Organisierte Kriminalität mehr sein, sondern muss ein ehrbares Mitglied der europäischen Familie werden", verkündete er.


    Seit zwei Jahren macht auch die Jugendbewegung "Mjaft!" ("Genug!") von sich reden. Ihr wichtigstes Ziel sei es, die "zivile Apathie" zu bekämpfen, erzählt Endri Fuga, der, so wie die meisten Mjaft-Aktivisten im Ausland studiert hat.


    Zwei Dinge seien in Albanien schief gegangen, erläutert der Diplomatensohn: Die großen Proteste von 1996 und 1997 hätten in Gewalt geendet. Und: Die politische Klasse Albaniens habe bisher als unantastbar gegolten. "Wir wollen den Sinn für Widerstand rehabilitieren", sagt Fuga. Mjaft ist mit Organisationen wie "Otpor" in Serbien, die zum Sturz von Slobodan Milosevic beitrug, oder "Pora", die die "orange Revolution" in der Ukraine anführte, vernetzt. Die Mjaft-Aktivisten zeigen sich wenig glücklich darüber, dass der alte Haudegen Berisha wieder das Staatsschiff lenken soll.


    Beobachter sind gespannt, ob Berisha flexibel genug sein wird, um sich den gesellschaftlichen Veränderungen seines Landes anzupassen. Der autoritäre Führungsstil des Cholerikers hat in den 90er Jahren die Hoffnung vieler Albaner auf Demokratisierung und Modernisierung des Landes zunichte gemacht. Skrupellos wurde die Geheimpolizei eingesetzt, Demonstranten verprügelt und Gerichte instrumentalisiert. Berishas Herrschaft brachte das tief gespaltene Land 1997 an den Rand eines Bürgerkrieges.


    Im letzten Wahlkampf lancierte Berishas US-Beraterfirma, dass sich der 60-Jährige gewandelt habe. "Ich glaube nicht, dass Berisha sich ändern kann", meint hingegen der Publizist Mustafa Nano. "Aber Albanien hat sich verändert. Berisha kann nicht mehr so agieren wie früher."

  2. #2
    Avatar von lupo-de-mare

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    Re: Albanien hat sich gewandelt - auch Sali Berisha?

    Zitat Zitat von Albanesi2
    Im letzten Wahlkampf lancierte Berishas US-Beraterfirma, dass sich der 60-Jährige gewandelt habe. "Ich glaube nicht, dass Berisha sich ändern kann", meint hingegen der Publizist Mustafa Nano. "Aber Albanien hat sich verändert. Berisha kann nicht mehr so agieren wie früher."
    Warten wir ab! Ich glaube, das er sich etwas gewandelt hat und zugleich hat er jetzt ohne Zweifel wesentlich bessere Leute als Minister ernannt.

  3. #3
    Avatar von Schiptar

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    Und immerhin hat er seinerzeit den Albanern in Makedonien schon gesagt, sie sollten sich dem dortigen Staat gegenüber loyal verhalten.

  4. #4
    Avatar von lupo-de-mare

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    Zitat Zitat von Schiptar
    Und immerhin hat er seinerzeit den Albanern in Makedonien schon gesagt, sie sollten sich dem dortigen Staat gegenüber loyal verhalten.
    Interessant! Das wusste ich nicht genau!

  5. #5
    Avatar von Schiptar

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    Das schreibt ein Journalist, der Dir vielleicht ansonsten nicht ganz in den Kram passen dürfte: Viktor Meier, ehem. Balkankorrespondent von NZZ und FAZ.
    Er schreibt das in "Jugoslawiens Erben"(C.H. Beck 2001): "Aus Tirana kam unter Präsident Sali Berisha die Richtlinie, die Albaner in Makedonien sollten zwar ihre Interessen fest vertreten, sich aber grundsätzlich loyal zum makedonischen Staat verhalten. Die jetzige albanische Regierung genießt weder unter den Albanern des Kosovo noch unter denjenigen in Makedonien besonderes Ansehen und kann wenig Einfluß ausüben."

  6. #6
    Avatar von lupo-de-mare

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    Zitat Zitat von Schiptar
    Das schreibt ein Journalist, der Dir vielleicht ansonsten nicht ganz in den Kram passen dürfte: Viktor Meier, ehem. Balkankorrespondent von NZZ und FAZ.
    Er schreibt das in "Jugoslawiens Erben"(C.H. Beck 2001): "Aus Tirana kam unter Präsident Sali Berisha die Richtlinie, die Albaner in Makedonien sollten zwar ihre Interessen fest vertreten, sich aber grundsätzlich loyal zum makedonischen Staat verhalten. Die jetzige albanische Regierung genießt weder unter den Albanern des Kosovo noch unter denjenigen in Makedonien besonderes Ansehen und kann wenig Einfluß ausüben."
    Gute Info!

    Ich werde ja selbst in ca. einer Woche unten sein.

  7. #7
    Avatar von Schiptar

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    Zitat Zitat von lupo-de-mare
    Ich werde ja selbst in ca. einer Woche unten sein.
    Hehe... Wäre vermutlich zuviel verlangt, Dich zu bitten, mir 'ne Flasche Skanderbeg-Kognak oder 'n paar Fläschchen Birra Tirana mitzubringen... :wink:

    PS: Kennst Du das Hotel Ardeela in Tirana?

  8. #8
    Avatar von lupo-de-mare

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    Zitat Zitat von Schiptar
    Zitat Zitat von lupo-de-mare
    Ich werde ja selbst in ca. einer Woche unten sein.
    Hehe... Wäre vermutlich zuviel verlangt, Dich zu bitten, mir 'ne Flasche Skanderbeg-Kognak oder 'n paar Fläschchen Birra Tirana mitzubringen... :wink:

    PS: Kennst Du das Hotel Ardeela in Tirana?
    Birra Tirana ist leichter, weil die Kognak Flaschen immer noch nicht einen richtigen Verschluss haben. Am Schluss stinkt mein ganzen Gepäck wie eine Schnaps Bude.

    Das Hotel kenne ich nicht. Ich war schon bei der Einweihung im Rogner, und ein Freund vom früheren Direktor (bis 31.12.2002). Kenne das Tirana Hotel und das neue Hotel Sheraton, wo sich jetzt die Mafia trifft.

    Das Diplomat und noch ein paar.

  9. #9
    Avatar von Schiptar

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    Nee, das Ardeela ist nicht so ganz in der gleichen Liga wie die von Dir genannten. Ist ein relativ kleines 3-Sterne-Hotel zwischen dem Bahnhof und dem großen Platz im Zentrum, wo der ganze Touristikkrempel, die Moschee und so ein paar andere Nobelhotels und Kommiepaläste rumstehen.
    Dachte ich erwähn's mal, weil da ein Doppelzimmer für 20 Euro drin ist & gegenüber eine gemütliche urige Kneipe, wo der Wirt Deutsche liebt.

  10. #10

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