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BA-CA sieht Südosteuropa als Wachstumssieger in Europa
Reales Wachstum von 23 Prozent in den vergangenen vier Jahren - BIP pro Kopf im durchschnittlich aber noch deutlich unter neuen EU-Mitgliedern
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BA-CA Belgrad - Südosteuropa war in den vergangenen vier Jahren eindeutig der Wachstumssieger in Europa. Mit einem realen Wachstum von 23 Prozent konnte die Region nicht nur deutlich schneller zulegen als die EU-15, sondern auch rascher als die acht neuen mittelosteuropäischen EU-Länder (NMS8) mit 16 Prozent.


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Dies geht aus einer Studie der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) hervor, die heute, Sonntag, bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Jahrestagung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) präsentiert wurde.

Powerhouse

Südosteuropa - in der BA-CA-Studie werden Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Mazedonien, Rumänien sowie Serbien und Montenegro untersucht - werde auch in den nächsten Jahren das "Powerhouse" in Europa bleiben, auch wenn die Entwicklung in einigen Ländern weiterhin von politischen Schwierigkeiten in ihrem Integrationsprozess gebremst werden könnte, so BA-CA-Ökonom Stefan Bruckbauer.

Für einige Länder der Region bleibe ein gewisses Potenzial hinsichtlich negativer politischer Überraschungen bestehen. Gleichzeitig könnten aber auch einige Länder beim Integrationstempo überraschen. Bulgarien etwa könnte möglicherweise das eine oder andere Land der NMS8 bei der Euroeinführung einholen.

"Auch heuer und im kommenden Jahr wird Südosteuropa die dynamischste Region Europas bleiben", erklärte Bruckbauer. Die BA-CA rechnet heuer mit 5 Prozent und 2006 mit 5,5 Prozent Wirtschaftswachstum in der Region.

Gestiegene Einkommen

Südosteuropa sei durch den stabilen Wechselkurs zum Euro und dessen Aufwertung gegenüber dem US-Dollar jene Region der Welt gewesen, die seit 2000 ihre Einkommen um rund 50 Prozent am stärksten steigern konnte.

Der Lebensstandard liegt laut der BA-CA-Studie in Südosteuropa aber noch deutlich unter jenem der neuen EU-Mitglieder. Das durchschnittliche BIP pro Kopf lag 2004 bei 3.000 Euro, das ist rund die Hälfte des Wertes der Region CEE.

Eine Ausnahme bildet lediglich Kroatien mit einem BIP pro Kopf von 6.300 Euro, das ist mehr als das doppelte des Werts von Bulgarien (2.500 Euro) und Rumänien (2.700 Euro). In den übrigen Staaten im Südosten lag das BIP pro Kopf zwischen 1.700 (Bosnien-Herzegowina) und 2.200 Euro (Serbien und Montenegro).

Nach wie vor hoch sind die Arbeitslosenraten in Südosteuropa, vor allem in den westlichen Balkanländern. Die niedrigste Arbeitslosenrate weist Rumänien mit 6,8 Prozent im Jahr 2004 auf, die höchste Bosnien-Herzegowina mit mehr als 40 Prozent. In Bulgarien lag die Erwerbslosenquote laut BA-CA im Vorjahr bei 12,7 Prozent und in Kroatien bei 18,2 Prozent.

Attraktiv für Investoren

Südosteuropa ist attraktiv für ausländische Investoren: 2004 konnte die Region mehr als 8 Mrd. Dollar an Direktinvestitionen anziehen. Das war ein Drittel der Summe, die insgesamt in die Länder Zentral- und Osteuropas (CEE) geflossen ist. Und diese Volumina sollen in nächster Zeit noch deutlich steigen.

Heuer und im kommenden Jahr erwarten die BA-CA-Ökonomen unter Berücksichtigung der anstehenden Privatisierungen ausländische Direktinvestitionen von jeweils 10 Mrd. Dollar. Das entspricht dann rund 40 Prozent aller Direktinvestitionen in CEE. Zum güngstigen Umfeld für Investoren zählten niedrige Löhne und Steuern sowie die weitere EU-Integration.

Hauptzielländer ausländischer Investoren sind die drei EU-Beitrittskandidaten in der Region: Rund 80 Prozent des in der Region investierten Kapitals flossen nach Bulgarien, Kroatien und Rumänien. Diese drei Länder stellen aber nur 60 Prozent der Bevölkerung.

Wachstumsbedingtes Leistungsbilanzdefizit

Mit den ausländischen Direktinvestitionen könne auch ein großer Teil des wachstumsbedingten Leistungsbilanzdefizits von 8,5 Prozent in der Region finanziert werden. Da das hohe Wirtschaftswachstum rund zur Hälfte durch Investitionen getragen wird, kann ein Teil des durch ausländische Investitionen finanzierten Leistungsbilanzdefizits als Vorleistung für zukünftige Exporterfolge gesehen werden.

Deutlich erhöht habe Südosteuropa auch seinen Marktanteil in den "alten" EU-15 Staaten, er stieg von 1,5 Prozent im Jahr 2000 auf 2,3 Prozent im Jahr 2004. Diese Position wird sich nach Ansicht der BA-CA-Ökonomen weiter verbessern.

Der Marktanteil könnte sich mittelfristig auf rund 8 Prozent erhöhen, falls die Kandidatenländer mittelfristig dasselbe Integrationsniveau wie die neuen Mitglieder aus der ersten EU-Erweiterungsrunde 2004 erreichen und die anderen Länder Südosteuropas zumindest die Hälfte dieses Wertes erreichen.

Damit könnte sich das Exportvolumen in die EU-15 mehr als verdoppeln und das Exportniveau der Region gemessen am aktuellen Niveau um 60 Mrd. Euro höher liegen.

Positive Impulse für den Bankenmarkt

Die starke Konjunktur in der Region sollte laut BA-CA-Studie weitere positive Impulse für den Bankenmarkt liefern, der in den vergangenen vier Jahren mit einem Wachstum von 29 Prozent pro Jahr bei den Krediten außergewöhnliche Ergebnisse brachte.

Die BA-CA-Volkswirtschaft sieht für die Banken in Südosteuropa weiterhin "beträchtliches Potenzial". Wenngleich auf Grund der starken Zuwächse, die zu Leistungsbilanzproblemen führten, mit restriktiveren Maßnahmen seitens der Notenbanken zu rechnen sei.

Die BA-CA geht von einem Zuwachs des Kreditvolumens von rund 300 Prozent in den nächsten 10 Jahren aus, was einem Neukreditvolumen von knapp 130 Mrd. Euro entspreche. (APA)