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Balkan: „Der Krieg ist nur auf dem Papier vorbei“

Erstellt von Zurich, 28.08.2008, 16:47 Uhr · 328 Antworten · 11.840 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Zurich

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    Balkan: „Der Krieg ist nur auf dem Papier vorbei“

    Balkan: „Der Krieg ist nur auf dem Papier vorbei“


    Die im Jugoslawien-Krieg zerstörte und später wieder errichtete Brücke von Mostar lockt Touristen nach Bosnien-Herzegowina. Doch einen kann sie die geteilte Stadt kaum.


    Mostar. Unten im Tal gurgeln leise türkisfarbene Fluten. Oben auf der Brücke brütet die Mittagshitze über dem glatten Gestein. Gemächlich trotten Touristen über das sich wölbende Weltwunder, blicken durch dunkle Sonnenbrillen respektvoll in die Tiefe. Das Brückenspringen sei in Mostar eine alte Tradition, berichtet der braun gebrannte Admir Delic, der im Schatten eines Sonnenschirms auf Kunden wartet. Wie seine Kollegen sei auch er „von Kindesbeinen“ an gesprungen. Die neue Brücke sei genauso wie die alte, versichert er – und blickt zufrieden auf das 27 Meter hohe Bogenwunder.

    Gestrüpp wuchert aus den Ruinen, die nur wenige hundert Meter vom Touristenmagneten der Altstadt entfernt noch immer von den Schrecken des unbarmherzigen Bürgerkriegs der 90er-Jahre zeugen. Die Brücke sei wieder aufgebaut, doch die Stadt nicht mehr dieselbe, sagt im schmucklosen Rathaus seufzend Stadtsprecherin Inez Kajic. „Das Leben ist sehr schwierig geworden. Der Krieg hat einfach alles verändert.“
    Über vier Jahrhunderte spannte sich das von den Türken erbaute Wunderwerk unbeschadet über die Neretva. Doch der Bosnien-Krieg sollte auch das Wahrzeichen der vermeintlichen Modellstadt für ein Miteinander der Kulturen nicht verschonen. Zunächst nahm 1992 serbische Artillerie die überwiegend von muslimischen Bosniaken bewohnte Altstadt ins Visier. Als Truppen der bosnischen Kroaten den Anschluss der Herzegowina an Kroatien zu erzwingen suchten, begann in Mostar ein Straßenkrieg. Nach kroatischem Dauerbeschuss sackte die geschundene Brücke am 9. November 1993 in die Tiefe: Ihr bauxithaltiger Mörtel ließ das Wasser blutrot schäumen.
    Die vergilbten Ansichten zerstörter Kirchen, Hotels und Bürgerhäuser prangen im Konferenz-Saal des Rathaus. Die Aussöhnung benötige Zeit, sagt Bürgermeister Ljubo Beslic. Die Brücke werde von allen der 75.000 Bewohner geschätzt, versichert der Kroate: „Denn sie ist nicht nur das Zugpferd für den Tourismus, sondern auch das Symbol unserer Stadt und ihres kulturellen Reichtums.“


    Jeder gegen jeden

    Doch von der verkündeten Versöhnung kann nach Ansicht von Mirsad Behrim, Journalist beim lokalen TV-Sender „RTM“, keine Rede sein. „Der Krieg ist nur auf dem Papier vorbei“, sagt der Bosniake. Politiker beider Seiten würden ethnische Spannungen eher anheizen: „Sie sind nicht nur nach Vorteilen für sich und die eigene Volksgruppe aus, sondern versuchen auch, der anderen Seite zu schaden.“
    Als „Brückenschlag der Verständigung“ feierten Festredner aus aller Welt vor vier Jahren die Neueröffnung der mit internationaler Hilfe aufgebauten Brücke. Dabei wohnten um beide ihrer Zugänge eigentlich immer Muslime. Die Kriegsfront am Bulevar Kolodvorska lag weiter westlich – und wird noch immer von durchsiebten Fassaden markiert.
    Doch mit der Verständigung ist's nicht weit her: Im Juni konnte nach dem EM-Viertelfinale zwischen Kroatien und der Türkei ein Aufgebot von 1000 Polizisten eine Massenschlägerei zwischen Kroaten und Bosniaken nicht verhindern.
    Am Durchbrechen des „Teufelskreises des gegenseitigen Misstrauens“ hätten viele Würdenträger kein Interesse, klagt Journalist Behrim. Dabei hat die Stadt eigentlich genug Probleme. Die meisten Touristen bleiben nur eine Nacht oder wenige Stunden in Mostar.
    Behrim macht dafür auch den Mangel an einem deutlichen Tourismuskonzept verantwortlich: „Die Altstadt ist wie eine kleine Insel. Aber gehen Besucher drei Straßen weiter, treffen sie auf Armut, Ruinen, Bettler und Müll. Warum sollte hier jemand länger bleiben?“


    „Front bleibt im Kopf“

    Erwartungsfroh lassen die Passanten auf der Brücke die Kameras klicken. Doch zum Sprung setzt Admir Delic nur für 25 Euro an. Laut dem Berufsspringer gibt es 13 Jahre nach Kriegsende „keine größeren Probleme mehr“: „Kroaten kommen auf unsere Seite, wir auf die andere. Das ist normal. Aber einige haben leider noch immer die Front im Kopf.“


    Balkan: „Der Krieg ist nur auf dem Papier vorbei“ « DiePresse.com

  2. #2
    Avatar von Zurich

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    Ach ja.... War übrigens diesen Sommer in Mostar (im Westteil) mit Kollegen aus Banja Luka (einer von uns ist Kroate). Dort lernte wir paar Jungs in einem Cafe kennen. Wir kamen mit denen ins Gespräch, wiel ein Kollege ein T-Shirt (kein Trikot) an hatte, wo klein "FK Borac" geschrieben stand. Ich ahnte da am Anfang nichts gutes. Aber die Gespräche verhielten sich doch bescheiden. Und natürlich redeten wir über Politik mit denen (aber auch über Lebensstandarts und Probleme in Banja Luka und Mostar).
    Doch was ein Typ dort von sich gab, verschlag mir schon ein wenig den Atem (ich denke nicht, dass das wirklich stimmt, aber so was zu hören, hätte ich nie erwartet). Er sagte zu einem Kollegen von mir: "Zieh hier ein T-Shirt von Radovan Karadzic an und kein Mensch wird dir hier was machen. Zieh aber ein Nationalmannschafts-Trikot von BiH an und du wirst keine 5m weit kommen."

    Der Typ betrieb gleich neben diesem Cafe einen Stand auf der Strasse wo viele Leute spazierten. Dieser Stand verkauft nur kroatische (zum Teil auch rechtsradikale) Souveniers. Später stand er auf, ging zum Stand und holte einen Autoduft (kennt doch alle diesen "Duftbaum"). Nur war es kein "Baum" sondern Ante Gotovina wo noch "Heroj" drauf stand und gab es einem Kollegen von mir, der Serbe ist. Er sagte ihm: "Häng das an dein Auto und niemand wird dir hier je was machen. Und ihr könnt Euch ohne jegliche Probleme und jegliche Gedanken rauf und runter der kroatischen Adriaküste bewegen." - Der Kollege nahm das "Geschenk" an und nahm es sogar mit nach Banja Luka (was ich von ihm auch nicht erwartet hatte).

    Es war eine sehr komische und eigenartige Erfahrung. Als die politischen Gespräche aufbrachen, wollte ich es irgendwie unterbinden, da ich dachte, dass wir mitten in Mostar "eins aufs Dach" bekommen würden. Doch es endete ganz anders. Was mich aber mehr irgendwie und auch traurigerweise erstaunt hat, ist, wie gross der Hass der kroatischen Mostar-Bewohnern auf die Bosniaken ist. Dass der Hass so gross ist, dass manche sogar mit Mladic oder Karadzic wegen Srebrenica sympathisieren, hätte ich niemals gedacht. Einen solch grossen Hass auf die Bosniaken kenne ich nichteinmal von den radikalsten Serben.

    Ich frage mich echt, wann dieser Hass endlich mal aufhört.

  3. #3

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    Zitat Zitat von Zurich Beitrag anzeigen
    Ach ja.... War übrigens diesen Sommer in Mostar (im Westteil) mit Kollegen aus Banja Luka (einer von uns ist Kroate). Dort lernte wir paar Jungs in einem Cafe kennen. Wir kamen mit denen ins Gespräch, wiel ein Kollege ein T-Shirt (kein Trikot) an hatte, wo klein "FK Borac" geschrieben stand. Ich ahnte da am Anfang nichts gutes. Aber die Gespräche verhielten sich doch bescheiden. Und natürlich redeten wir über Politik mit denen (aber auch über Lebensstandarts und Probleme in Banja Luka und Mostar).
    Doch was ein Typ dort von sich gab, verschlag mir schon ein wenig den Atem (ich denke nicht, dass das wirklich stimmt, aber so was zu hören, hätte ich nie erwartet). Er sagte zu einem Kollegen von mir: "Zieh hier ein T-Shirt von Radovan Karadzic an und kein Mensch wird dir hier was machen. Zieh aber ein Nationalmannschafts-Trikot von BiH an und du wirst keine 5m weit kommen."

    Der Typ betrieb gleich neben diesem Cafe einen Stand auf der Strasse wo viele Leute spazierten. Dieser Stand verkauft nur kroatische (zum Teil auch rechtsradikale) Souveniers. Später stand er auf, ging zum Stand und holte einen Autoduft (kennt doch alle diesen "Duftbaum"). Nur war es kein "Baum" sondern Ante Gotovina wo noch "Heroj" drauf stand und gab es einem Kollegen von mir, der Serbe ist. Er sagte ihm: "Häng das an dein Auto und niemand wird dir hier je was machen. Und ihr könnt Euch ohne jegliche Probleme und jegliche Gedanken rauf und runter der kroatischen Adriaküste bewegen." - Der Kollege nahm das "Geschenk" an und nahm es sogar mit nach Banja Luka (was ich von ihm auch nicht erwartet hatte).

    Er war eine sehr komische und eigenartige Erfahrung. Als die politischen Gespräche aufbrachen, wollte ich es irgendwie unterbinden, da ich dachte, dass wir mitten in Mostar "eins aufs Dach" bekommen würden. Doch es endete ganz anders. Was mich aber mehr irgendwie und auch traurigerweise erstaunt hat, ist, wie gross der Hass der kroatischen Mostar-Bewohnern auf die Bosniaken ist. Dass der Hass so gross ist, dass manche sogar mit Mladic oder Karadzic wegen Srebrenica sympathisieren, hätte ich niemals gedacht. Einen solch grossen Hass auf die Bosniaken kenne ich nichteinmal von den radikalsten Serben.

    Ich frage mich echt, wann dieser Hass endlich mal aufhört.
    Da wo ich herkomme tun sie das auch mit Karadzic, er hat die Kroaten um Kiseljak vor den Bosnjaken beschützt, als die, ohne Erlaubnis von Izetbegovic, auf die geschossen haben.

  4. #4

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    Haben halt Angst von den mächtigen, potenten Moslems dominiert zu werden. Angst davor, dass ganz Mostar einst eine Stadt sein wird, in der die Moslems das Sagen haben und freche Möchtegern-Kroaten ganz still und brav sein müssen. Angst davor, dass die rechtmäßige Flagge von BiH an jeder Straßenecke weht und engagierte junge Muslime darauf achten, dass jeder sie grüßt und respektiert.

    Angst also vor der Normalität. Doch aufhalten kann man das Unaufhaltsame nicht. Bosnien des Bosniern!

  5. #5

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    Zitat Zitat von Schreiber Beitrag anzeigen
    Haben halt Angst von den mächtigen, potenten Moslems dominiert zu werden. Angst davor, dass ganz Mostar einst eine Stadt sein wird, in der die Moslems das Sagen haben und freche Möchtegern-Kroaten ganz still und brav sein müssen. Angst davor, dass die rechtmäßige Flagge von BiH an jeder Straßenecke weht und engagierte junge Muslime darauf achten, dass jeder sie grüßt und respektiert.

    Angst also vor der Normalität. Doch aufhalten kann man das Unaufhaltsame nicht. Bosnien des Bosniern!
    Elender Rassist, ich hoffe du brennst in deiner Hölle
    Ständig wird rumgeheult wie schlimm das jugoslawische Regime war, aber selbst ein radikal islamisch fordern. Kurac momak, Kroaten und Serben haben den gleichen Anspruch auf Bosnien

  6. #6

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    und da wundern sich manche kroaten wirklich, wieso bosniaken mehr sympathien für die türkei haben als für kroatien.

  7. #7

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    Zitat Zitat von Mastakilla Beitrag anzeigen
    Elender Rassist, ich hoffe du brennst in deiner Hölle
    Ständig wird rumgeheult wie schlimm das jugoslawische Regime war, aber selbst ein radikal islamisch fordern. Kurac momak, Kroaten und Serben haben den gleichen Anspruch auf Bosnien

    aber auch NUR die serben/kroaten die aus BiH sind.

  8. #8

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    Zitat Zitat von Mastakilla Beitrag anzeigen
    Elender Rassist, ich hoffe du brennst in deiner Hölle
    Ständig wird rumgeheult wie schlimm das jugoslawische Regime war, aber selbst ein radikal islamisch fordern. Kurac momak, Kroaten und Serben haben den gleichen Anspruch auf Bosnien
    Harhar, was willst du denn machen? Moslems sind die Macht, Alter, und wenns dir nicht passt, kannst du dich ja in dein geliebets "Jugoslawien" verpissen. Ach, moment, das gibts ja "leider" nicht mehr. Tja, da bleibt für einen Mischling wie dich nur die harte Wahl zwischen Srbija und Hrvatska. Aber in Bosnien wirst du von echten Bosniern für den jugoslawisches Cetnikgeschwafel immer nur Schellen kassieren.

  9. #9

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    Zitat Zitat von Kozarčanin Beitrag anzeigen
    und da wundern sich manche kroaten wirklich, wieso bosniaken mehr sympathien für die türkei haben als für kroatien.
    Ma nemoj, die Bosniaken sind natürlich ganz friedlich, als ob auf der anderen Seite nicht das gleiche erzählt wird.
    Das einzige was diese Idioten einige könnte wäre ein neuer gemeinsamer Feind(Nein nicht Serbien).

  10. #10

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    Zitat Zitat von Kozarčanin Beitrag anzeigen
    [/b] aber auch NUR die serben/kroaten die aus BiH sind.
    Ja wer denn sonst, die aus Kroatien und Serbien?

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