Der Albanische Premierminister Sali Berisha sagte EurActiv in einem Interview, dass sein Land in Folge scharfen Vorgehens gegen die organisierte Kriminalität eines der sichersten Länder Europas sei und dass das wirtschaftliche Wachstum trotz der globalen Krise beständig geblieben sei.

Bei einem Besuch in Brüssel lieferte Berisha gestern (14. April) die Antworten zu einem EU-Fragenkatalog über die Bereitschaft des Staats, der Europäischen Union beizutreten, ab.
Berisha steht seit zwanzig Jahren im Zentrum des politischen Lebens Albaniens, erst als Präsident, dann als Oppositionsführer und nun als Premierminister, als der er 2009 wiedergewählt wurde.
Bei einer von der Robert Schuman Stiftung im Europäischen Parlament organisierten Veranstaltung sprechend, plädierte Berisha für den Beitritt seines Landes zur EU und führte zahlreiche Beispiele an, wie mit harten Mitteln gegen die organisierte Kriminalität und Korruption vorgegangen worden ist.
Beamte werden beispielsweise nicht länger Dienstfahrzeuge nutzen.
Bis vor kurzem nutzten Albaniens 30.000 Beamte Dienstfahrzeuge, deren jährliche Kosten sich auf 19.000 Dollar pro Limousine mit Chauffeur beliefen. Albanien ist eines der ärmsten Länder Europas.
Auf seine Initiative wurde dieses System verworfen; mittlerweile gebe es nur 30 Dienstwagen in Albanien, sagte er. Weiterhin behauptete er, dass die Korruption gänzlich ausgerottet wurde und dass ausländische Investoren einfache Prozeduren zur Öffnung von Gewerben sowie eine Steuer-Flatrate von 10 Prozent genießen.
Berisha beschuldigte die sozialistische Opposition, das Parlament zu boykottieren. Seit den nationalen Wahlen im Juni 2009 beschuldigen sich die regierende Demokratische Partei unter Berisha – welche der Europäischen Volkspartei angehört – und die sozialistische Partei des Oppositionsführers Edi Rama gegenseitig des Betrugs.
Albaner, die bei der öffentlichen Veranstaltung anwesend waren, behaupteten, dass Berisha ein "zu rosiges" Bild seines Landes gezeichnet habe.
In einem exklusiven Interview mit EurActiv sagte Berisha, dass die albanische Mafia mittlerweile der Vergangenheit angehörte, da Verhaftungen in verschiedenen westeuropäischen Staaten durchgeführt worden waren und über 1.000 Kriminelle verurteilt und inhaftiert wurden.
Der albanische Premierminister sagte, dass er nicht erwarte, dass die kürzliche starke Welle von albanischen Asylbewerbern in westeuropäischen Staaten ein Hindernis für die EU darstellen würde, die Visumpflicht für seine Landsmänner aufzuheben.
Im letzten Jahr bot die Europäische Kommission an, die Visumpflicht für in die EU einreisende Staatsbürger aus Serbien, Mazedonien, Montenegro, Albanien und Bosnien-Herzegowina aufzuheben. Das Visum-Lieberalisierungsschema wurde begleitet von einer Auswanderungswelle ethnischer Albaner und Roma aus Mazedonien und Serbien (EurActiv 12.03.10).
Berisha sagte, dass Albanien ein Atomkraftwerk bauen würde und dass regelmäßige Stromknappheit mittlerweile der Vergangenheit angehöre.
Darum gebeten, seine politische Langlebigkeit zu erklären, sagte er,, der Grund dafür sei, dass er "ein Arbeitstier" sei, das dafür arbeite, sein Land zu verändern, welches bis 1990 eine Diktatur war.