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BiH-Modell ist gescheitert: Am Rande des Bankrotts

Erstellt von lupo-de-mare, 06.11.2005, 13:41 Uhr · 74 Antworten · 3.794 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von lupo-de-mare

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    11.988

    BiH-Modell ist gescheitert: Am Rande des Bankrotts

    BOSNIEN-HERZEGOWINA Seite 136

    Am Rande des Bankrotts

    Ein Muster ethnischer Aussöhnung sollte der Balkanstaat werden. Doch die Gräben zwischen Serben, Muslimen und Kroaten scheinen zehn Jahre nach Kriegsende kaum überbrückbar.

    Es ist wie ein warnendes Zeichen: Jedes Mal, wenn Nermin Tulic die Grenze zum serbischen Teil Bosniens passiert, werden die Schmerzen in den Beinen unerträglich. Dabei hat er gar keine Beine mehr, eine serbische Granate zerfetzte sie vor zwölf Jahren. Seitdem sitzt Tulic im Rollstuhl. Was er bei der Grenzpassage spürt, sind Phantomschmerzen.

    Dass der Direktor des Sarajevoer Theaters "Mladih" noch immer in Bosnien lebt, hat mit seinem Patriotismus zu tun. Denn das Angebot, nach dem Krieg ein kleines Theater nahe beim italienischen Bologna zu führen, lehnte er ab. Heute bereut er es: Es wäre ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft seiner drei Töchter gewesen.

    "Der ewige Druck, keine Perspektive für dieses Land zu sehen, raubt mir den Schlaf", klagt der schmächtige Mann: "1994, als Sarajevo von Granaten fast eingeäschert wurde, waren wir glücklicher. Wir wussten, wofür wir kämpften."

    Etwa 150 000 Tote kostete der Krieg beim Zerfall des Vielvölkerstaats Jugoslawien. Doch von der Euphorie jener, die ihn überlebten, ist heute nichts mehr zu spüren.

    Zehn Jahre nach dem Friedensabkommen von Dayton funktioniert die Republik Bosnien-Herzegowina lediglich als Uno-Protektorat des Westens. Zwar konnte die Zahl der unmittelbar nach dem Krieg stationierten 60 000 Friedenssoldaten auf rund 6000 gesenkt werden, politische Reformen aber kommen nur mühsam voran - sie werden, wie im Polizei- und Armeesektor, nur durch Dekrete oder Drohungen des von der Internationalen Gemeinschaft entsandten Hohen Repräsentanten durchgesetzt. Ein Monsterstaat sei entstanden, beklagt der Vorsitzende des bosnischen "Helsinki-Komitees für Menschenrechte", Srdjan Dizdarevic.

    In der Tat gleicht Bosnien eher einem Patchwork-Gebilde als einem modernen Staat. Die beiden sogenannten Entitäten - die muslimisch-kroatische Föderation und die serbische Republika Srpska - stehen sich fast unversöhnlich gegenüber.

    Die Balkanrepublik ist, auch heute noch, ein geteiltes Land mit 10 Kantonen, 14 Regierungen und 145 Ministern. 70 Prozent des Staatsbudgets verschlingt die Administration. Sozialleistungen und Rente müssen aus dem Rest beglichen werden, und das bei einer offiziellen Arbeitslosenquote von über 40 Prozent. Die Folge sind nicht nur leere Haushaltskassen, sondern auch wuchernde Korruption. Über zwei Milliarden Euro an internationalen Zuschüssen und Entwicklungshilfen sollen bislang versickert sein.

    Dass der 4,1 Millionen Einwohner zählende Ministaat zahlreichen Wirtschaftsprognosen zufolge sogar am Rande des Bankrotts steht, ist indes nicht ohne weiteres zu erkennen. In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo wurden die meisten der rußgeschwärzten Ruinen durch moderne, futuristisch anmutende Bauten ersetzt. Auf der "Sniper-Alley", wo die Fahrzeuge zur Kriegszeit mit Höchstgeschwindigkeit entlangrasen mussten, um den auf umliegenden Hügeln postierten serbischen Scharfschützen zu entgehen, reihen sich heute schmucke Firmen aneinander.

    Mit großen Plakatwänden werben ausländische Konzerne um Konsumenten. Eine neue Schickeria aus Kriegsprofiteuren, Politikern und Kriminellen lenkt von der tatsächlichen Armut im Lande ab.

    Dabei ist Bosnien-Herzegowina weit von jenem Hauptziel entfernt, das sich die Dayton-Initiatoren steckten - der Wiederherstellung einer multiethnischen Gesellschaft, die es ermöglicht, dass die über zwei Millionen Vertriebenen in ihre Heimatorte zurückkehren können.

    Stattdessen, kritisiert Menschenrechtler Dizdarevic, gebe es eine allgegenwärtige Praxis der "Apartheid". Nur in wenigen Gemeinden hätten muslimische Bosnier, Serben und Kroaten tatsächlich wieder gegenseitiges Vertrauen aufgebaut.

    Angebliche "Rückkehrer" melden sich oft nur kurzfristig bei den Behörden an, um ihre Immobilien zu verkaufen und danach dort eine neue Existenz aufzubauen, wo man "unter seinesgleichen" lebt. Während westliche Organisationen die Rückkehr der


    BOSNIEN-HERZEGOWINA Seite 138

    ... Fortsetzung von Seite 136



    Vertriebenen feiern, schreitet in Wirklichkeit die Ghettoisierung voran - mit der Tendenz zu ethnisch reinen Regionen.

    In Lukavica nahe Sarajevo sind die Straßen von Neubauten gesäumt. Hunderte Serben, die einst in Sarajevo lebten, begannen hier ein neues Leben. "Wir haben Angst zurückzukehren", gesteht die 40jährige Sladjena, "für Serben gibt es keine Arbeit mehr in Sarajevo." Sie und ihr Mann Nikola haben die Wohnung im Zentrum der bosnischen Hauptstadt verkauft: Um mit Muslimen und Kroaten zusammenleben zu können, sagt Sladjena leise, müsse noch mehr Zeit vergehen.

    Nicht alle haben das Geld für einen Neuanfang. Für Valentina, eine junge, fast zahnlose Mutter, ist der Krieg noch lange nicht vorbei. Mit anderen serbischen Flüchtlingen teilt sie sich in der ehemaligen Kaserne von Lukavica eine Waschzelle und ein paar Kochplatten. In dem 14 Quadratmeter großen Zimmer, das die fünfköpfige Familie bewohnt, hängt neben Barbiepuppen auch ein buntes Foto an der Wand: Es zeigt General Ratko Mladic, der wegen des Massakers an fast 8000 Muslimen in Srebrenica angeklagt ist und sich seit 1995 versteckt, um der Auslieferung an das Haager Kriegsverbrecher-Tribunal zu entgehen.

    In Srebrenica, das heute ebenfalls Teil der serbischen Entität ist, sind es die muslimischen Bosnier, die nur zögernd in ihre Heimat zurückkehren - dorthin, wo sie einst die Mehrheit stellten. Auf Grund des Wahlgesetzes überwiegen im Stadtparlament zwar die bosnischen Parteien. Doch sie können gerade mal über Müllabfuhr und Wasserversorgung befinden. Wichtige Entscheidungen sind nur mit Zweidrittelmehrheit zu treffen, die Macht liegt weiterhin im serbisch dominierten Banja Luka.

    Und weil in Srebrenica auch zehn Jahre nach Kriegsende immer noch Müllhalden, zerstörte Häuserfassaden und serbische Kriegsparolen das Bild bestimmen, leben die meisten bosnischen Abgeordneten weiter im bosnisch-kroatischen Landesteil. Wie Rizo Tabakovic reisen sie nur ein- bis zweimal monatlich zu den Sitzungen an.

    Tabakovic entkam 1995 den Mördertrupps von General Mladic nur mit großem Glück. Vier Wochen hielt er sich im Wald versteckt, bevor er das sichere Tuzla erreichte. "Ich konnte beobachten, wie serbische Soldaten meine Landsleute abschlachteten", erzählt Tabakovic, "und ich weiß, dass viele der Täter in Srebrenica weiter die Politik beeinflussen: Sie wurden vielleicht von ihren Posten gefeuert, doch das Projekt überlebte."

    Mit dem "Projekt" meinen die Serben ihren eigenen Staat im Staat, der ihnen im Friedensabkommen von Dayton eingeräumt wurde. Außenpolitisch und wirtschaftlich orientiert sich die Republika Srpska an Belgrad, nicht an Sarajevo. 90 Prozent der hier lebenden Serben würden Umfragen zufolge bei einem Referendum für den Anschluss an Serbien stimmen.

    Der Nachkriegs-Nationalismus hat mittlerweile selbst die Jugend infiziert. In zahlreichen Schulen der kroatisch dominierten Herzegowina nahmen die Spannungen zwischen kroatischen und muslimischen Kindern in letzter Zeit dermaßen zu, dass beide Gruppen seit September getrennte Schuleingänge benutzen und der Unterricht im Schichtwechsel stattfindet.

    Im Fach Geschichte feiern die einen nun jene als Helden, die in den Geschichtsbüchern der anderen nur als Kriegsverbrecher vorkommen. Da wundert es nicht, dass sich laut Umfrage der Friedenstruppe Eufor vor allem die Jugend kaum mit dem bosnischen Gesamtstaat identifiziert.

    Über diesen Befund kann auch Symbolik nicht hinwegtäuschen. Der Wiederaufbau der historischen Brücke über die Neretva in Mostar hat die Teilung der Stadt in den bosnischen Ost- und den kroatischen Westsektor nur kaschiert: Es gibt zwei Universitäten, zwei Krankenhäuser, zwei Radiostationen, zwei Schulsysteme.

    Wie also soll es weitergehen mit der Friedensmission? Im Januar wird womöglich der ehemalige deutsche Postminister Christian Schwarz-Schilling, 74, den bisherigen Hohen Bosnien-Beauftragten Paddy Ashdown ablösen. Schwarz-Schilling hat bereits neun Jahre als Streitschlichter gedient. Ashdown, früher Nahkämpfer der britischen Royal Marines, konnte während seiner Amtszeit nur wenige Sympathien erringen. Serben, Kroaten und Muslime kritisieren ihn gleichermaßen als arroganten Kolonialherrscher.

    Die Europäische Union bot Bosnien unlängst Assoziierungsgespräche an. Dafür muss das Land Reformen und eine neue Verfassung verabschieden. Diese soll die bosnische Regierung bis zum April 2006 vorlegen. "Das Vertragswerk von Dayton war geeignet, den Krieg zu beenden", sagt ein westlicher Diplomat, "zur Führung eines Staates ist es eine Katastrophe."

    Ein Aufschnüren des "Dayton"-Pakets, so viel verrät der Amerikaner Donald Hays, etliche Jahre rechte Hand des Bosnien-Repräsentanten, hätten die Uno und die USA bisher klar abgelehnt - da dann auch über die Zukunft der Entitäten debattiert werden müsste.

    Doch die Gesetzesreformen, die Brüssel verlangt, wären nicht minder einschneidend. Neben einem funktionierenden Justizwesen und Eindämmung der Korruption verlangt die EU Kompromisslosigkeit im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität. Bosnien ist beim Waffen-, Drogen- oder Frauenschmuggel eine wichtige Drehscheibe, und nicht selten arbeiten Politiker mit den Kriminellen Hand in Hand.

    Dass zudem arabische Extremisten versuchen, im Lande Fuß zu fassen, ruft zusätzliche Unruhe hervor, selbst unter Muslimen. Über eine Milliarde Dollar soll Saudi-Arabien bislang rund um Sarajevo investiert haben, unter anderem in den Bau von 158 Moscheen. Fundamentalisten aus Syrien, Ägypten und Algerien sollen zudem Ausbildungslager für Terroristen errichtet haben.

    Adil Kulenovic, Muslim und Direktor des Radio- und Fernsehsenders Studio 99, ist ziemlich ratlos. Die Lage für seine Zuschauer zu kommentieren, sei nahezu unmöglich geworden, sagt er: "In Bosnien herrscht zehn Jahre nach Kriegsende Konfusion."

    RENATE FLOTTAU, MARION KRASKE

    Spiegel 45/2005

  2. #2
    jugo-jebe-dugo
    Es ist schrecklich was da pasiert ist aber genau so schrecklich finde ich das der Westen die Bevölkerung mit gewalt zusammen halten will was einfach nicht geht.

    Am besten die Republika Srpska geht an Serbien,die kroatische Herzegwina an Kroatien und die Bosniaken kriegen ihre Republik und jeder geht sein eigenen Weg.

  3. #3

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    hoi Arkan . du trottel wer hält die bevölkerung zusammen in BiH gefällts dir nicht mrs u Srbiju ist nicht so weit weg pack deine sachen und verpisst dich nach SCG.BiH bekommt ihr nie im leben vergiss es einfach

  4. #4
    jugo-jebe-dugo
    Zitat Zitat von Dobojlija
    hoi Arkan . du trottel wer hält die bevölkerung zusammen in BiH gefällts dir nicht mrs u Srbiju ist nicht so weit weg pack deine sachen und verpisst dich nach SCG.BiH bekommt ihr nie im leben vergiss es einfach
    Warum den,aber die Republika Srpska gehört uns und wenn es dir in unserer RS nicht gefällt mrs za bosnu(Federaciju)! Kann ich auch sagen.^^

    Schlie0lich haben die Moslems nicht das alleinige historische Recht in Bosnien sondern die Serben und Kroaten auch die genau so lange in BiH leben.Also sollte jeder ein Recht haben auf Land in Bosnien.

  5. #5

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    du kleines arschloch das ist Bosnien nix SCG wiso diskutiere ich überhaupt mit dir

  6. #6

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    Zitat Zitat von SERBE
    Zitat Zitat von Dobojlija
    hoi Arkan . du trottel wer hält die bevölkerung zusammen in BiH gefällts dir nicht mrs u Srbiju ist nicht so weit weg pack deine sachen und verpisst dich nach SCG.BiH bekommt ihr nie im leben vergiss es einfach
    Warum den,aber die Republika Srpska gehört uns und wenn es dir in unserer RS nicht gefällt mrs za bosnu(Federaciju)! Kann ich auch sagen.^^

    Schlie0lich haben die Moslems nicht das alleinige historische Recht in Bosnien sondern die Serben und Kroaten auch die genau so lange in BiH leben.Also sollte jeder ein Recht haben auf Land in Bosnien.
    sie haben das recht aber es gehört ihnen nicht allein es gehört zu allen 3 moslems katholiken orthodoxen hab ich schon 1000 mal gesagt

  7. #7
    Avatar von Sousuke-Sagara

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    Seid mal ehrlich Leute, BiH als multikultureller Familenpark für Serbe, Moslem und Kroate, für groß und klein usw. ist doch eigentlich mehr als gescheitert. Die Loyalität, falls man von einer überhaupt sprechen kann, ist sehr gering, besonders bei den Serben. Die RS Serben wollen anschluss an Serbien, die Kroaten Anschluss an Kroatien aber die Moslems wollen den Kuchen BiH nicht teilen. Ist das das eigentliche Ziel von BiH?

  8. #8
    Avatar von Macedonian

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    Zitat Zitat von Dobojlija
    hoi Arkan . du trottel wer hält die bevölkerung zusammen in BiH gefällts dir nicht mrs u Srbiju ist nicht so weit weg pack deine sachen und verpisst dich nach SCG.BiH bekommt ihr nie im leben vergiss es einfach
    Die Hälfte gehört doch schon den Serben (Rosa):
    http://www.lib.utexas.edu/maps/bosni...ia_sfor_97.jpg

    Die Republik Serbska (Republika Srbska) ist Realität.

  9. #9
    jugo-jebe-dugo
    Zitat Zitat von Dobojlija
    Zitat Zitat von SERBE
    Zitat Zitat von Dobojlija
    hoi Arkan . du trottel wer hält die bevölkerung zusammen in BiH gefällts dir nicht mrs u Srbiju ist nicht so weit weg pack deine sachen und verpisst dich nach SCG.BiH bekommt ihr nie im leben vergiss es einfach
    Warum den,aber die Republika Srpska gehört uns und wenn es dir in unserer RS nicht gefällt mrs za bosnu(Federaciju)! Kann ich auch sagen.^^

    Schlie0lich haben die Moslems nicht das alleinige historische Recht in Bosnien sondern die Serben und Kroaten auch die genau so lange in BiH leben.Also sollte jeder ein Recht haben auf Land in Bosnien.
    sie haben das recht aber es gehört ihnen nicht allein es gehört zu allen 3 moslems katholiken orthodoxen hab ich schon 1000 mal gesagt
    Richtig und wenn die katholiken und orthodoxe nicht mehr zusammen wollen haben sie ein Anrecht auf Land und auf abtrennung!

  10. #10

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    na super jetz meldet sich der gyros auch noch .

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