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"Bitte zahlen Sie nichts extra"

Erstellt von Albanesi, 26.02.2005, 22:14 Uhr · 1 Antwort · 480 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    14.07.2004
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    5.698

    "Bitte zahlen Sie nichts extra"

    "Bitte zahlen Sie nichts extra"
    Kiew, Pristina, Tirana: Gegen Schmiergeld sollen Mitarbeiter deutscher Botschaften Tausende Einreisevisa verkauft haben, meist an Ukrainer und Albaner. Ein Untersuchungsausschuss, den die Union auf den Weg gebracht hatte, wird den Vorwürfen in Kürze auf den Grund gehen. Auch Innenminister Otto Schily schaltete sich ein. In Berlin sorgten die Vorwürfe für einige Unruhe. Ende Oktober änderte das Auswärtige Amt die Regeln für die Vergabe von Visa.

    Dass offenbar irgendetwas faul war, hat sich vor Ort längst herumgesprochen: Gegen zwei Mitarbeiter der Deutschen Botschaft in der albanischen Hauptstadt Tirana ermittelt die Staatsanwaltschaft. Sie sind inzwischen versetzt worden, außerdem wurden mehrere albanische Angestellte der konsularischen Abteilung entlassen. Selbst Geschäftsleute oder Studenten befürchten nun, dass sie nicht mehr nach Deutschland reisen können. Andere Albaner glauben, dass ein Visum unerschwinglich teuer geworden ist.

    Von Gerwald Herter, ARD-Hörfunkstudio Südosteuropa

    Jeder vierte Albaner soll bereits im Ausland leben - etwa eine Million Menschen. Viele davon sind völlig legal nach Deutschland, Griechenland, nach Italien oder in die Schweiz gekommen. Wer einen guten Grund hat, wie Geschäfte, Familienbesuch oder Ausbildung, kann ein befristetes Visum beantragen. Einfach ist das aber nicht. Kein Wunder, dass sich viele Albaner in Tirana schon deshalb an Helfer und Vermittler wenden.


    [Bildunterschrift: ]
    Eine Straße in Tirana. Die klapprige Reiseschreibmaschine liegt auf ihren Knien, der Bordstein ist der Arbeitsplatz dieser albanischen Frau. Einem Lastwagenfahrer füllt sie das Antragsformular für ein bulgarisches Visum aus: Name, Geburtsdatum, Firma und andere Angaben. Ein paar Euro für zehn Minuten Arbeit.

    Die Investition könnte sich tatsächlich lohnen. Wer im ersten Anlauf alles richtig macht, kann im Papierkrieg viel Zeit sparen. Für die Menschen vom Land ist das besonders wichtig: Wer aus dem Süden anreist, braucht auf den schlechten Straßen meist einen Tag, um Tirana zu erreichen.

    Manche der Helfer bieten aber mehr an, als bloße Hilfe beim Ausfüllen von Formularen. "Ein Visum kostet 2000 Euro", regt sich ein Mann auf. Er war schon in Deutschland. Nun ist er davon überzeugt, dass ein Visum inzwischen unerschwinglich teuer geworden ist.

    Antragsformular bis VerdienstbescheinigungFrüher war die Straße der ausländischen Botschaften im Zentrum von Tirana Sperrgebiet. Schranken und Gitter sind immer noch da, auch wenn die albanischen Polizisten die meisten Menschen inzwischen durchlassen.

    "Bitte zahlen Sie nichts extra" - mehrere Schilder am Gebäude der deutschen Botschaft weisen darauf hin, dass sich ein Visum unter keinen Umständen kaufen lässt. Auch nicht von dubiosen Vermittlern. Merkblätter in deutscher und albanischer Sprache geben genauere Auskunft. Notwendig sind: Antragsformular, Passfoto, Passkopie, Krankenversicherung, Verdienst- und Arbeitsbescheinigung, Familienzertifikat, ein polizeiliches Führungszeugnis und die Einladung eines in Deutschland lebenden Gastgebers. Er muss auch garantieren, für Aufenthalts- und Rückführungskosten aufzukommen.

    Zwischen 25 und 30 Euro kostet ein Besuchervisum. Bis zu 80 Euro ein Geschäftsvisum - plus Pauschale für Verwaltungs- und Telefongebühren. Für albanische Verhältnisse ist das eine stolze Summe, doch es gibt noch andere Hürden: "Müssen lange warten, das ist die Prozedur", berichtet Enea Thanasse, einer der Menschen in der Schlange, und lacht dabei dennoch.

    Dafür dass er noch nie in Deutschland war, beherrscht er die Sprache erstaunlich gut. Thanasse will nach Köln ziehen: "Ich will da Medizin studieren." Das Visum hat er aber nicht bekommen, weil eine Bestätigung der Universität noch fehlt. Eigentlich hätte sie per Fax bei der Botschaft eintreffen sollen. Der 18-jährige Student bleibt dennoch gelassen.

    Umstellung für GeschäftsleuteDie neuen Bestimmungen des Auswärtigen Amts sollen es Studenten sogar leichter machen, nach Deutschland zu kommen. Ähnliches gilt auch für Geschäftsleute. Bejar Himar hat das allerdings noch nicht feststellen können. Sein Bruder lebt in Deutschland, zusammen mit ihm hat er einen Haushaltsgerätehandel aufgezogen. Das sei gut für beide Seiten, Albanien und Deutschland, sagt der 45jährige Mann aus Tirana. "Ja, aber es ist schwierig. Bis 1997 mussten wir einfach eine Kaution von 2000 Mark hinterlegen, durften dann nach Deutschland fahren, um dort zwei oder drei Tage zu arbeiten", berichtet er. "Aber nun gibt es eben neue Regeln und wir müssen das respektieren!"

    Eine ältere Albanerin sieht das anders. Ihr Mann ist gestorben, sie sei krank. Dass sie nicht zu ihren drei Kindern ziehen kann, die alle in Deutschland leben, kann die Frau nicht begreifen.

    Pässe für ein paar hundert EuroNatürlich gibt es andere Wege, die nach Deutschland führen. Westliche Diplomaten in Tirana sagen, dass Kriminelle sich gar nicht erst in die Warteschlangen der Botschaftsallee einreihen. Falsche Pässe sind für ein paar hundert Euro zu bekommen, echte Papiere sind deutlich teurer. Schleuser sollen pro Person bis zu 5000 Euro kassieren. Für Albaner, die wohlhabend genug sind, ist es kein großes Problem, illegal nach Deutschland zu gelangen. Schärfere Regeln für die Erteilung von Visa können daran kaum etwas ändern.

  2. #2
    Avatar von lupo-de-mare

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    11.988
    Peinlich diese Vorgänge. Vor allem war auch 2004 Deutsches Botschafts Personal noch immer beteiligt.

    Joschka Fischer ist ohne Zweifel der Ober Schleuser und Mafia Aufbau Helfer.

    siehe aktuelle Presse wie SZ von gestern oder Spiegel von dieser Woche.

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