Bosnien: Einkaufscenter für Terroristen
27.10.2004


In Bosnien gibt es offenbar ein enges Netzwerk gut ausgebildeter Terroristen und außerdem alles, was ihr Herz begehrt: Waffen, Geld, Dokumente. Berichte von Harry de Quetteville in Sarajevo und Agence France Press

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, besteht in Bosnien nach Ansicht des Terrorexperten Yossef Bodansky ein enges Netzwerk gut trainierter Terroristen, die Bosnien als Trainingsgebiet und Zwischenstopp für Reisen nach Westeuropa oder den Nahen Osten nutzen. Yossef Bodansky, Direktor der Task Force on Terrorism and Uncontentional Warfare des amerikanischen Kongresses, glaubt, dass hier auch bereits steckbrieflich gesuchte Terroristen einen sicheren Unterschlupf finden, dort weiter ausgebildet werden und später wieder in den Nahen Osten zurückgehen. Eine Reihe von Anschlägen in letzter Zeit - einschließlich des schweren Anschlags auf die UN-Mission - sind von ihnen verübt worden.

Die britische Zeitung Telegraph hatte bereits im Juli dieses Jahres berichtet, dass der amerikanische Militärgeheimdienst und die CIA Hunderte von Beamten in Bosnien eingesetzt haben, um islamistische Kämpfer zu überwachen und zu verfolgen aus Sorge, das Land sei Zuflucht, Anwerbungsgebiet und Finanz-Zentrum für den internationalen Terrorismus geworden. Fast ein Jahrzehnt nach dem Ende des Kriegs im früheren Jugoslawien ist Bosnien nach Angaben europäischer Geheimdienstmitarbeiter eine "Einkaufscenter" für islamische Kämpfer von den terroristischen Kampfgebieten in Tschetschenien und Afghanistan auf ihrem Weg in den Irak geworden.


Einkaufscenter Bosnien iStockphoto
Waffen für die Mujaheddin. Fünf Monate bevor die Europäische Union die Rolle der Friedenstruppe von den Nato-Einheiten in Bosnien übernehmen, bereiten sich die Vereinigten Staaten auf eine gewaltige Kürzung ihrer militärischen Präsenz in Bosnien vor. Vor Ort ist jedoch zu erfahren, dass gleichzeitig mit dem Abzug der amerikanischen Soldaten etwa 300 Geheimdienstmitarbeiter die Aktivitäten von moslemischen ausländischen Kämpfern in Bosnien überwachen sollen, die sich nach dem Ende des Krieges von 1992 bis 1995 friedlich niedergelassen haben. Man vermutet allerdings, dass sie den aktiven Mujahedin Dokumente und Waffen liefern, wenn sie aus dem Ausland nach Bosnien zurückkehren.

"Es gibt einen ständigen Strom von Menschen, die aus Tschetschenien und Afghanistan nach Europa und dann zurück in den Irak reisen", sagte ein Offizieller. "Sie verbreiten die Meinung, Bosnien sei ein Einkaufscenter in unmittelbarer Nähe Europas für alles, was der Terrorismus braucht: Waffen, Geld, Dokumente." Fast 750 Kämpfer seien in letzten Jahren bereits intensiv in Bosnien überwacht worden. Sechs Algerier wurden im Jahr 2002 unter Verdacht, sie planten die US-Botschaft in Sarajevo anzugreifen, von den USA in das Lager Guantanamo deportiert.

Unterstützungsnetze. In einem der größten Einsätze der US-Geheimdienste weltweit werden die Teams von einem Zentrum in dem höchst unansehnlichen Vorort von Butmir südlich von Sarajevo geführt, wo das Hauptquartier der NATO-Friedenstruppe stationiert ist. Diese Teams durchkämmen das Land nach Unterstützungsnetze militanter Kämpfer und überwachen moslemische Wohltätigkeitsorganisationen, die beschuldigt werden, Gelder für Terroristen bereit zu stellen. So war die in Saudi-Arabien ansässige al-Haramain Stiftung im Jahr 2002 geschlossen worden, nachdem die USA sie beschuldigten, Millionen von Dollars der Al Qaida zu transferieren. Nach Ansicht des US-Finanzministeriums hat die Gruppe anschließend einfach ihren Namen geändert und ihre Aktivitäten bis Ende letzten Jahres fortgesetzt, als sie erneut geschlossen wurde. Andere sollen noch immer tätig sein.

Unter den Empfängern der Gelder von al-Haramain war die Aktive Islamische Jugend, eine Gruppe, die den gleichen extremen Regeln des wahabbitischen Islam wie Osama bin Laden folgt. Die wahabbitische Lehre war in Bosnien erst während des Konflikts in den frühen 90er Jahren eingeführt worden, als die bosnischen muslimischen Soldaten im Kampf gegen Serben und Kroaten durch Kämpfer aus der übrigen muslimischen Welt Unterstützung erhielten. Heute lehnen die meisten Bosnier den Wahabbismus ab."


Der leicht gekürzte Bericht der britischen Zeitung „Telegraph“ wird mit freundlicher Genehmigung des Verlages abgedruckt

http://www.sicherheit-heute.de/index..._z_artikel=138