Aufforderung des Bosnien-Beauftragten: Causa neu untersuchen - Ashdown im Dezember: "Mladic von Armee versteckt und geschützt"

Ein Korridor in der Militäranlage Veliki Zep bei Han Pijesak in der Serbenrepublik, wo das Versteck von Ratko Mladic vermutet wird.

Belgrad/Sarajewo - Das bosnische Verteidigungsministerium ist vom internationalen Bosnien-Beauftragten Paddy Ashdown aufgefordert worden, die Causa Ratko Mladic erneut zu untersuchen und bis Mitte Februar einen neuen Bericht zu präsentieren. Das Ministerium hatte vor zwei Tagen mitgeteilt, dass es keine Indizien gebe, dass das bosnisch-serbische Militär im vergangenen Juni einem der meist gesuchten Kriegsverbrecher, dem früheren bosnisch-serbischen General Mladic, dabei geholfen habe, sich in den Militäranlagen Veliki Zep bei Han Pijesak in der Serbenrepublik zu verstecken.

Informationen über Unterstützung Mladics durch bosnisch-serbische Streitkräfte

Das Büro des internationalen Bosnien-Beauftragten besitze zuverlässige Informationen über Indizien, dass die bosnisch-serbischen Streitkräfte im vergangenen Juni Ratko Mladic geholfen hätten, wird ein Sprecher des Ashdown-Büros am Mittwoch von der in Sarajewo erscheinenden Tageszeitung "Oslobodjenje" zitiert.

Der stellvertretende Verteidigungsminister Enes Becirbasic bestätigte dem Blatt, dass die Ermittlungen in der Causa Mladic nicht abgeschlossen sind.

Ashdown: "Mladic von Armee versteckt und geschützt"

Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte der Hohe Repräsentant der internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina, Paddy Ashdown, seine Strafaktion gegen Beamte der bosnisch-serbischen Republika Srpska (RS) auf "verlässliche Informationen" gestützt, die belegen, dass der vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wegen Völkermordes gesuchte Mladic von RS-Offizieren geschützt werde.

Der APA liegen aus diplomatischen Kreisen erlangte Papiere vor, die die Erklärung der internationalen Gemeinschaft stützen. So heißt es in der im Dezember erstellten Analyse, dass Mladic "im Juni und Juli dieses Jahres von der RS-Armee versteckt und geschützt wurde": "Diese Information hat am 1. Juli zu der SFOR-Razzia im Militärunterschlupf des ersten Partisaneneinheit geführt - bekannt unter dem Namen Titos Villa oder Veliki Zep."

Unweit von Veliki Zep, in Crna Rijeka, war während des Bosnien-Krieges (1992-1995) auch Mladics Hauptquartier untergebracht. Das UNO-Tribunal beschuldigt den Ex-General, für den Mord an mehr als 7.000 moslemischen Jugendlichen und Männern 1995 in der Enklave Srebrenica verantwortlich zu sein. Mladic ist seit einigen Jahren untergetaucht. (APA)


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