Nach erster Runde alles offen - Auch Fidesz blieb fern
Ungarns Parlament wählt am Montag einen Nachfolger für Staatspräsident Ferenc Madl Gregor Mayer aus Budapest

Die erste Runde der ungarischen Präsidentschaftswahl brachte am Montagnachmittag noch kein Ergebnis. Weder Katalin Szili, die Kandidatin der regierenden Sozialistischen Partei (MSZP), noch der frühere Verfassungsgerichtspräsident László Sólyom, den die rechte Opposition nominiert hatte, erreichten im ersten Durchgang die erforderliche Zweidrittelmehrheit der Parlamentsabgeordneten.

Die Fraktion des rechtskonservativen Bundes Junger Demokraten (Fidesz) nahm an der Abstimmung überraschend und offenbar aus wahltaktischen Gründen nicht teil. So erhielt Szili 183 Stimmen, Sólyom 13. Die mit den Sozialisten regierenden Freien Demokraten (SZDSZ) blieben wie angekündigt der Wahl fern. Sie unterstützen die Bewerbung Szilis deshalb nicht, weil sie bei der Kandidatenkür durch die MSZP nicht konsultiert worden waren. Die gegenwärtige Parlamentspräsidentin ist nach dem Geschmack der Liberalen außerdem zu wenig profiliert und zu wenig unabhängig. Im Wesentlichen blickt sie auf eine Karriere als Parteipolitikerin zurück.

Die Entscheidung dürfte am heutigen Dienstag fallen, wenn im dritten Wahlgang eine einfache Stimmmehrheit reicht. Mit 183 Stimmen erhielt Szili am Montag offenbar nicht nur die Zustimmung von allen 178 MSZP-Abgeordneten. Wer noch für sie gestimmt hat, war wegen der geheimen Abstimmung nicht klar. Würden im entscheidenden dritten Wahlgang alle Abgeordneten - außer den 20 des SZDSZ - mitstimmen und würde Szili erneut auf 183 Voten kommen, würde sie genauso viele Stimmen erhalten wie Sólyom. Das würde bedeuten, dass die Wahl wiederholt werden müsste.