Happy-End: Marina Sandor (24) hat ihre Tochter zurück, die vom Vater nach Serbien-Montenegro verschleppt worden war.

Schenefeld - Zweieinhalb Jahre hat Marina Sandor (24) dafür gekämpft, ihre ins Ausland entführte Tochter in die Arme schließen zu können. Vor einer Woche war es soweit: Im Sozialzentrum von Kula (Serbien-Montenegro) begegneten sich Mutter und Tochter endlich wieder. "Ich habe sie sofort erkannt", sagt Marina Sandor. "Wir haben uns gleich super verstanden und miteinander gespielt."

Dieser Augenblick hat viele Tränen, viel Geduld, viel Kraft und viel Geld gekostet. Viele Menschen unterstützten Marina Sandor auf diesem Weg: Allen voran die Rechtsanwältin Petra Wiechers-Jahn, die allein und mit Kollegen an deutschen und internationalen Gerichten unermüdlich und immer wieder von vorn den Kampf ums Recht der Mutter aufnahm, und dafür zweieinhalb Jahre kein Honorar verlangte.

Mit dabei waren die Aktiven vom Arbeitskreis "Vermißte Kinder" des Kinderschutzbundes Kisdorf und von der Opferschutzorganisation Weißer Ring. Kreispräsident Burkhard E. Tiemann engagierte sich und sammelte 5770 Euro Spenden, denn die Kosten für Gerichte, einen Detektiv und die glückliche Zusammenführung in Serbien haben Marina Sandor hohe Schulden beschert.

Eine wichtige Rolle spielte am Ende die ZDF-Reporterin Stefanie Gargosch, die gemeinsam mit einer Serbisch sprechenden Kollegin in der Heimat des Vaters mehr als nur recherchierte und den dort eingeschalteten Rechtsanwalt zum Arbeiten bewegte. Ihr Beitrag wird Sonntag ab 18 Uhr in "Mona Lisa" gezeigt.

Fast zwei Jahre lang hatte sich in der Sache wenig getan, obwohl nach dem Haager Kindesentziehungs-Übereinkommen alle Rechte bei der Mutter lagen. Erst als Attila Sandor im vorigen Jahr vor serbischen Gerichten versuchte, das Sorgerecht für das Mädchen zu erstreiten, konnte Druck aufgebaut werden. "Aber das ist dort nicht so einfach wie in Deutschland, Recht auch durchzusetzen", erklärt die Rechtsanwältin.

Am Ende entschied ein juristischer Handel über das Schicksal des Mädchens. Die Mutter ließ die Strafanzeige wegen Kindesentführung fallen. "Ich wollte nicht, daß der Vater von Celina ins Cefängnis muß", sagt Marina Sandor, zumal ihr Ex-Mann auch ohne seine Tochter Vaterpflichten hat. Mit seiner serbischen Freundin hat er einen neun Monate alten Sohn.

Celina sei immer liebevoll behandelt worden, berichtet Marina Sandor. Das Kind lebte in einfachen Verhältnissen, in einem kleinen baufälligen Haus mit vielen Verwandten. Den Tag über habe sie mit den Tieren auf dem Hof gespielt. Ein Foto der Mutter durfte sie die ganze Zeit über unterm Kopfkissen aufbewahren.

Zwei Tage hatten sich die Mutter und der Vater von Celina in Serbien freigenommen, um das Kind auf die neue Situation vorzubereiten. Als die beiden zusammen einen Zoo besuchten, war die Welt für das Mädchen für ein paar Stunden vollkommen in Ordnung. "Die erste Nacht in Deutschland hat Celina geweint und nach ihrem Papa gefragt", gesteht Marina Sandor. Doch jetzt habe sich das Kind beruhigt. "Wir lachen und kuscheln viel zusammen." Dafür bleibt noch mindestens eine Woche intensiv Zeit. Dann muß Marina Sandor wieder in den Alltag zurück und in der Kantine von Harry-Brot arbeiten. Und falls dann Oma nicht einspringen kann, hat Schenefelds Bürgermeister Günter von Appen vorgesorgt: "Celina bekommt ganz sicher einen Kindergartenplatz, wann immer, wo immer und wie lange sie will."

http://www.abendblatt.de/daten/2005/04/23/425195.html