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Chronologie: Etappen der Geschichte Albaniens
Kommunistische Hoxha-Diktatur errichtete "ersten atheistischen Staat der Welt"

Wien -

1912 erklären die Albaner, seit 1501 unter türkischer Herrschaft, nach Aufständen ihre Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich. Dies wird von einer Londoner Botschafterkonferenz im Jahr darauf anerkannt, und es beginnt die Geschichte des modernen Staates Albanien.


1914-18 - Der als Fürst von Albanien eingesetzte deutsche Prinz Wilhelm zu Wied verlässt das Land, das im Ersten Weltkrieg von Griechenland, Italien Serbien, Montenegro und Österreich besetzt ist.


1928 - Ahmet Zogu - zuvor Regierungschef - erklärt sich zum König der Albaner.


1939-44 - Im Zweiten Weltkrieg befindet sich das Land zunächst unter italienischer, dann unter deutscher Besatzung, bis nach Rückzug der Wehrmacht kommunistische Partisanen die Macht übernehmen.


1946 - Proklamation der Volksrepublik Republik durch Enver Hoxha, den Chef der "Partei der Arbeit Albaniens", am 11. Jänner.


1948 - Einführung des stalinistischen Kults.


1961 - Abbruch der Beziehungen zur Sowjetunion, Aufnahme von Wirtschaftsbeziehungen zu China (1978 wieder abgebrochen).


1967 - Religionsverbot: Albanien soll der "erste atheistische Staat der Welt" werden.


1985 - Hoxha stirbt am 11. April 76-jährig an Herzversagen, Ramiz Alia übernimmt die Führung.


1989-1991 - Nach Jahrzehnten der Diktatur und des Isolationismus wird politische Wende mit Studenten-Demonstrationen eingeleitet, die sich zu allgemeinen Massenprotesten in allen Städten und Hungerstreiks ausweiten; Massenfluchten per Schiff über Adria nach Italien, sowie nach Griechenland, Jugoslawien und Deutschland. Nacheinander folgen die Aufhebung des Religionsverbots, die Einführung der Rede- und Versammlungsfreiheit und eines Mehr-Parteien-Systems sowie die Freilassung der politischen Gefangenen; Rücktritt Alias.


1992 - Nachdem Proteste den Rücktritt der ersten gewählten Regierung der Kommunisten erzwingen, gewinnt die Demokratische Partei Albaniens (PDSH) vorgezogene Neuwahlen. Sali Berisha wird Präsident. Handels- und Kooperationsabkommen mit der EU geschlossen, Übergang zur Marktwirtschaft, Privatisierungen, Einführung eines Bankensystems


1996/97 - Klarer Sieg der Demokraten bei von Unregelmäßigkeiten gekennzeichnete Parlamentswahlen; Bankrott der nach dem Schneeballprinzip arbeitenden, die albanische Wirtschaft dominierenden Pyramiden-Geldanlagefirmen - Hunderttausende Albaner verlieren Ersparnisse, die sie über Jahre investiert hatten. Die Regierung verliert bei darauf folgenden gewalttätigen Ausschreitungen die Kontrolle. Eine internationale Schutztruppe verhindert im Auftrag der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa Abgleiten in die Anarchie, Österreichs Altbundeskanzler Franz Vranitzky wird Albanien-Beauftragter der OSZE.

Fatos Nano - von Berisha wegen angeblich noch in kommunistischer Zeit begangener Verbrechen inhaftiert gelingt die Flucht aus dem Gefängnis. Nach dem Sieg der Sozialisten (PSSH) bei Parlamentswahlen, wird er Premier; sein erbitterter Gegner Berisha muss als Präsident zurücktreten.


2001 - Die PSSH erreicht eine Wiederwahl, nachdem der Zwist zwischen Regierung und Opposition mit Unruhen rund um die Ermordung eines PDSH-Abgeordneten und einem Boykott der Parlamentsarbeit weiter geschwelt hatte.


2002 - Nachdem Nano wegen des Parteien-Konflikts zwischenzeitlich gezwungen war, sein Amt als Regierungschef aufzugeben, kommt es zum so genannten Nano-Berisha-Pakt für eine Institutionenreform, der neun Monate halten sollte: die Wahl des Ex-Generals und Berisha-Vertrauten Alfred Moisiu zum Präsidenten durch das Parlament wird ermöglicht; Nano wird im Gegenzug wieder Premier.


2003 - Aufnahme von Verhandlungen zwischen Brüssel und Tirana über ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen.