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Dayton, Prud, Butmir, Madrid....wohin Bosnien ?

Erstellt von Machiavelli, 23.01.2010, 17:20 Uhr · 38 Antworten · 1.815 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    14.06.2005
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    2.144

    Dayton, Prud, Butmir, Madrid....wohin Bosnien ?

    Die Stagnation in BiH duerfte bekannt sein. Die Frage hier stellt sich nach dem künftigen Umgang.

    Zunächst einmal die Fakten:

    Bosnien kommt in der Frage einer stärkeren Zentralregierung nicht vom
    Fleck, wichtige Vorhaben werden von den bosn. Serben torpediert und die
    Kroaten haben ausser Zagreb eh nichts anderes im Kopf. Viele
    bosniakische Politiker träumen von einer Republik Bosnien, die schlicht nicht
    machbar ist. Manchmal habe ich in Sarajevo den Eindruck, die leben da
    echt in einer eigenen Welt.


    Dodik hat momentan einen guten Rückenwind durch die Russen. Die EU ist mit
    anderen Dingen beschäftigt und die Amerikaner muessen ihr jahrelanges
    Outsourcing-Desaster in den Griff bekommen, bei dem sie sich selbst arm und
    China Reich gemacht haben. All das verleitet nur wenige dazu, sich mit 3 ausgewiesenen
    bosn. Streithaehnen zu befassen. Das nutzt Dodik eben so geschickt aus wie jene Kroaten,
    welche von ihrem Zustand in der Föderation -in der sie von Tudjman eingebracht wurden-
    alles andere als begeistert sind.

    Serbien kommt diese Situation gelegen. Neben der (zumindest vorgeschobenen) brüderlichen
    Liebe fuer die Serben westlich der Drina, geht es doch hier in erster Linie darum, die RS fuer
    eigene Zwecke zu besteigen und am Ende fallen zu lassen. Wie so oft in der Vergangenheit.
    Daher sind die stets deutlichen Worte zur territorialen Integrität Bosniens (Boris Tadic) kaum
    richtig zu bewerten, da die Frage offen ist welchen Einfluss Dodik auf die immer noch starken
    nationalistischen (konsevativen) Kräfte in Serbien hat.

    In dem man ueber die bosnischen Serben den Staat BiH handlungsunfähig macht und ihn in die
    Nähe einer potentiellen Konfliktregion schiebt, hebt man sich als mögliche Regionalmacht deutlich
    hervor und wird so auch von der EU akzeptiert. Erste Früchte dieses Handelns durfte man ja schon
    bei der VISA-Freigabe bestaunen. Ich wette die werden auch ganz schnell in die EU aufgenommen,
    nur um sie ruhig zu bekommen. Weiter ist Serbiens Einfluss in BiH ein wichtiger Faktor in der
    IGH-Bewertung um die Unabhängigkeit des Kosovo.

    Man kann also sagen: Im Moment ist Serbien mehr an der territorialen Integrität BiH´s gelegen,
    als manchem bosn. Serben lieb wäre.


    Daher an die Bosniaken:

    So kann es nicht weitergehen, ein Umdenken wäre ebenso sinnvoll wie eine neue herangehensweise
    in Stufen.

    Schritt 1:
    Ist es denn nicht sinnvoller, zusammen mit den Kroaten zunächst die Föderation aufzuräumen und
    diesen eine eigenen Kanton zuzugestehen, welche sich in der Westhercegovina befindet ? Die Gefahr
    ist ansonsten der sog. "Jugoslawien-Effekt", damals hat Belgrad durch mangelndes Entgegenkommen
    gegenüber SLO/HR mitunterselbst dafür gesorgt, dass die SFRJ untergeht. Ähnlich verhält sich das
    hier nun auch.

    Schritt 2:
    Anschliessend reduziert man -wie die Serben- den Zentralstaat auf ein Minimum bzw. lässt ihn da
    wo er heute ist und wendet sich der wirtschaftl. Stärkung der Föderation zu. Sinn dieser Massnahme
    ist der grundsätzliche Erhalt des Staates mit den jetzigen Institutionen, ohne den Serben Angriffsfläche
    zu bieten. Die Serben beharren auf Dayton, also soll man es auch genau darauf reduzieren. Die Entitäten
    bleiben zwar, der Staat aber (dummerweise für die Serben) auch.....

    Schritt 3:
    Ist die Situation geklärt und wurde ein befriedigender Kompromiss mit den Kroaten herbeigefuehrt,
    widmet man sich derWirtschaft. Silajdzic, von dem ich ansonsten wenig halte, verfügt über gute Kontakte
    nach Quatar, Abu Dhabi u.s.w. Von letzteren wissen wir, dass sie sehr liquide und investitionsbereit sind
    -auch langfristig-. Wäre es da nicht sinnvoll auf diese Kontakte zu setzen und die Föderation wirtschaftlich
    nach vorne zu bringen ? Und damit meine ich nicht den Bau von Moscheen wie in der Vergangenheit.
    Quatar ist mit einem Bein in der deutschen Autoindustrie drin. Was spräche dagegen diese Kontakte zu nutzen
    und Investoren zuueberzeugen, in moegliche bosn. Zuliefererindustrieproduktion zu setzen ? Dies ginge einher
    mit dem Ausbau bosn. Infrastruktur in der Föderation. Im Gegensatz zu Dodik würde man hier also nicht blos
    eine Firma verscherbeln und gucken wie lange die Kohle hält, im Gegenteil: Die wirtschaftliche Stärkung der
    Föderation führt mittel- und langfristig zu einer politischen Stärkung. Bis dahin friert man alle Gespräche ueber
    Verfassungsänderungen mit den bosn. Serben ein, was diesen auch kaum schmecken durfte. Die RS kann
    man mit Dayton nicht auflösen (Was Dodik gerne betont).Ebenso wenig kann sich aber die RS nicht durch Abspaltung
    von Dayton loslösen (Was Dodik seltener betont.).

    Diese Situation dazu, dass die bosn. Serben Sarajevo nicht mehr fuer alles verantwortlich machen können,
    weil sie nun von Sarajevo weitestgehend ignoriert werden. Im Moment eint Dodik die Serben aber genau
    dadurch, dass er mit eigener Blockadepolitik dafuer sorgt, dass Frust entsteht. Meine These:
    Fällt das Feindbild Sarajevo weg, können wir uns auf die Serben verlassen....in der Regel bekäbbeln
    die sich dann nämlich von selbst. Schon jetzt zeichnen sich Veränderungen der serb. Parteienlandschaft
    ab die darauf hindeuten, dass Dodik da nicht immer der fest im Sattel sitzende Mann ist.

    Was spricht also dagegen mit der RS in einen gesunden wirtschaftlichen Konkurrenzkampf zu treten, ohne
    das vorher die Staatsinstitutionen so geklärt sind wie es den Bosniaken passt ?

    Allein schon der Schritt sich mit sich selbst zu beschäftigen, die Wirtschaft vernünftig anzukurbeln wird
    den Menschen helfen, unabhängig davon was es am Ende für die politische Konstitution bringt.

    Das was doch jetzt passiert ist nichts anderes als der Versuch bosniakischer, aber auch kroatischer und
    serbischer Politiker, mit der wirtschaftlichen Not und Punkten beim Nationalismus, sich selber im Sattel zu halten
    so lange & gut es geht...

    Also, was spricht dagegen es mal anders zu versuchen ? Ich behaupte mal, dass im Moment wo es
    fuer alle eine befriedigende wirtschftl.- Situation gibt, die Einigungen wesentlich leichter fallen werden.

  2. #2
    Avatar von DZEKO

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    das musst du unsere politiker fragen...

  3. #3
    Šaban
    So wie du das beschreibst, verlangst du dass die Serben das Zepter übernehmen, aber so etwas ist in Bosnien die TODESSTRAFE! Jeder der Bosnien vereint sehen will muss auch schauen dass alle drei Seiten etwas machen.
    Ja, Serbien schaut auf die RS so wie du es gesagt hast, aber ich denke nicht das sie dort wirklich etwas erreichen können, denn es gibt ja noch die anderen zwei Parteien, welche sich gegen eine alleinige Machtübernahme der Bosnischen Serben wehren würden.

  4. #4

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    Zitat Zitat von DZEKO Beitrag anzeigen
    das musst du unsere politiker fragen...
    Ich frage aber Dich, Deinen Vestand und Deine Überlegungen. Schiebst Du alles auf die Politiker machst Du es Dir zu einfach....

  5. #5

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    wenn drei sich streiten freut sich der vierte

  6. #6
    Avatar von Krosovar

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    9.106
    Zitat Zitat von Zmaj Beitrag anzeigen
    wenn drei sich streiten freut sich der vierte
    Die Albaner

  7. #7

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    Zitat Zitat von Šaban Beitrag anzeigen
    So wie du das beschreibst, verlangst du dass die Serben das Zepter übernehmen, aber so etwas ist in Bosnien die TODESSTRAFE! Jeder der Bosnien vereint sehen will muss auch schauen dass alle drei Seiten etwas machen.
    Ja, Serbien schaut auf die RS so wie du es gesagt hast, aber ich denke nicht das sie dort wirklich etwas erreichen können, denn es gibt ja noch die anderen zwei Parteien, welche sich gegen eine alleinige Machtübernahme der Bosnischen Serben wehren würden.
    Keinesfalls haben die Serben das Zepter in der Hand. Schon heute gibt es gemeinsame Institutionen die ja weiter beibehalten werden. Der Unterschied ist nur, dass man gesetzl. Vorhaben nun auf Ebene der Föderation durchsetzt und man selber nur auf einen Minimalkonsenz auf Bundesebene bedacht ist.

    Es ist voellig klar das die Serben in der Entität ja keine Gesetze erlassen können, die künftigen Richtlinien der EU wiedersprechen. Auf diesen Minimalkonsenz einigt man sich und bietet keine Angriffsfläche. Andererseits gibt es auch Staatsverträge in denen bestimmte Institutionen zwingend vorgeschrieben sind, dem können sich die Serben -auch im eigenen Interesse- nicht verweigern.

    Politisch bliebe alles ja beim gleichen...selbst in der RS sind die Serben ja nur eines von 3 konst. Völkern mit VETO-Recht....was unsere Turboserben hier gerne vergessen.

  8. #8
    Avatar von DZEKO

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    Zitat Zitat von LordVader Beitrag anzeigen
    Ich frage aber Dich, Deinen Vestand und Deine Überlegungen. Schiebst Du alles auf die Politiker machst Du es Dir zu einfach....


    wenns nach mir geht, beide entitäten auflösen einen einheitstaat mit der hauptstadt sarajevo bilden und in die eu aufgenommen werden.

  9. #9

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    Zitat Zitat von DZEKO Beitrag anzeigen
    wenns nach mir geht, beide entitäten auflösen einen einheitstaat mit der hauptstadt sarajevo bilden und in die eu aufgenommen werden.
    toll, ne herrschaft der bosniaken oder was?

    niemals!

  10. #10

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    Zitat Zitat von DZEKO Beitrag anzeigen
    wenns nach mir geht, beide entitäten auflösen einen einheitstaat mit der hauptstadt sarajevo bilden und in die eu aufgenommen werden.
    So Gedanken habe ich auch wenn ich auf mein Konto glotze. Da sage ich mir
    jedes Mal: Also so´ne Million waer schon was nettes um mich ordentlich
    anzuschieben.

    Leider sieht die Realität anders aus, wie in Bosnien. Nicht jeder will die Abschaffung der Entitäten und Dich als Massstab nehmend, ist die Forderung nach Abspaltung nicht minder legitim.

    Da Deine Wunschvorstellungen nicht umsetzbar sind ist die Frage, was Du Dir vorstellen kannst um das Land und Deine Landsleute nach vorne zu bringen was auch in der Realität liegt.

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