Del Ponte erweitert Anklage gegen zwei hohe serbische Geheimdienstler
Milizeinheit "Skorpione" sei 1995 unter Kommando des serbischen Geheimdienstes gestanden

Belgrad/Den Haag - Die Chefanklägerin des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien, Carla del Ponte, hat die im Jahre 2003 erhobene Anklage gegen zwei ehemalige serbische Polizei-Spitzenbeamte erweitert. Laut dem Belgrader Sender "B-92" wird dem früheren Chef des serbischen Geheimdienstes (SDB), Jovica Stanisic, und seinem Stellvertreter Franko Simatovic nun auch die Verantwortung für die Ermordung von sechs Srebrenica-Einwohnern im Sommer 1995 angelastet.


Milizeinheit "Skorpione"

Sechs Bosniaken wurden von Angehörigen der serbischen Milizeinheit "Skorpione" erschossen. Das Erschießungsvideo wurde seitens der Tribunalsanklage im Juni 2005 im Prozess vorgeführt, der in Den Haag gegen den einstigen jugoslawischen Staatschef Slobodan Milosevic läuft. Stanisic und Simatovic waren zwei seiner engsten Mitarbeiter.

Laut der erweiterten Anklage haben Spezialeinheiten des Serbischen Staatssicherheitsdienstes (SDB), darunter "Rote Barette" und "Skorpione", im Juli 1995 am Überfall der bosnischen Serben auf Srebrenica teilgenommen. Die "Skorpione", die ihren Stützpunkt unweit der ostkroatischen Stadt Vukovar hatten, hätten kurz zuvor per Beschluss von Simatovic einen Stützpunkt in der Ortschaft Trnovo am Treskavica-Gebirge, südöstlich von Sarajevo, errichtet. Sie seien unter Kommando von Simatovic gestanden, der während der Srebrenica-Operation seinen Kommandoposten am Jahorina-Gebirge hatte. Nach internationalen Angaben wurden nach der Einnahme von Srebrenica etwa 7.800 Bosniaken (Moslems) ermordet.

Stanisic und Siamatovic wurden vom UNO-Tribunal vor drei Jahren wegen anderer mutmaßlicher Kriegsverbrechen in Bosnien-Herzegowina und Kroatien angeklagt. Die nun erfolgte Erweiterung der Anklage wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf das Urteil in der Causa Slobodan Milosevic auswirken, das vor Jahresende erfolgen soll. Der frühere jugoslawische Staatschef bestreitet energisch jede Verwicklung Belgrads in Kriegsverbrechen in Kroatien und Bosnien-Herzegowina.

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