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Politische Beziehungen

Die deutsch-albanischen Beziehungen sind eng und partnerschaftlich. Deutschland ist der zweitgrößte bilaterale Geber und genießt als Förderer des albanischen Reformprozesses hohes Ansehen. Der bilaterale Dialog konnte u.a. mit Besuchen Bundesminister Strucks in Tirana (Dezember 2003) sowie der albanischen Minister für Integration sowie für Auswärtige Angelegenheiten im Februar und März 2004 in Berlin in jüngster Zeit wieder intensiviert werden.

Zu einer ersten Wiederbelebung der Beziehungen kam es im Zuge des Demokratisierungsprozesses seit Frühjahr 1991. Das beiderseitige Interesse an deren Entwicklung lässt sich in der Folgezeit an der beeindruckenden Dichte bilateraler Besuche ablesen. Albanien geht es dabei darum, sich der deutschen Unterstützung für seinen Weg nach Europa zu versichern und die Kontinuität der seit der Transformation gezeigten Bereitschaft zu beträchtlichen Hilfeleistungen beim wirtschaftlichen Strukturwandel zu gewährleisten. Im deutschen Interesse liegt es, durch Unterstützung des demokratischen Transformationsprozesses bilateral und als EU-Partner zu stabilen Verhältnissen in Albanien beizutragen.

Diese auf Kontinuität angelegte Zielsetzung erhielt durch die Entwicklung in Jugoslawien, die im März 1999 in der Kosovo-Krise kulminierte, eine neue Dimension. Unvermittelt stand Albanien mit seinen Nachbarn im Vordergrund auch des deutschen politischen Interesses. Seit dem Ende der Kampfhandlungen im Kosovo geht es darum, Albanien zu motivieren, weiterhin seinen unerlässlichen Beitrag zur Stabilität in der Region zu leisten. Das vorgesehene Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU bietet Albanien eine verlässliche europäische Perspektive. Nicht nur im Rahmen des Stabilitätspaktes für Südosteuropa betrachtet Albanien Deutschland als besonderen Fürsprecher für die Berücksichtigung seiner Interessen.

Wirtschaftsbeziehungen / Entwicklungszusammenarbeit

Albanien ist wirtschaftlich klar auf die EU ausgerichtet (92,1% der albanischen Exporte und 71,2% der albanischen Importe), mit Italien (34,5% aller Einfuhren, 71,7% der Ausfuhren) als größtem Handelspartner, gefolgt von Griechenland (21,7 resp. 12,8%) und Deutschland (5,5% resp. 5,6%). Zu den übrigen Balkanstaaten entwickeln sich zunehmend wirtschaftliche Verbindungen. (Zahlen aus dem Jahr 2002)

Der Wert der deutschen Einfuhren aus Albanien sank 2003 gegenüber dem Vorjahr um 6,3% auf 20,58 Mio. EUR, während die Ausfuhren um 12,9% auf 79,95 Mio. EUR stiegen.

Albanien lieferte an Deutschland vor allem veredelte Textilien, Rohstoffe für chemische Erzeugnisse sowie Nahrungs- und Genussmittel. Es importierte aus Deutschland hauptsächlich Fahrzeuge, elektrotechnische Erzeugnisse sowie Nahrungs- und Genussmittel.

Im Jahr 2003 verzeichnete das bilaterale Handelsvolumen eine Steigerungsrate von 8,4%.

Für Deutschland lag Albanien mit einem bilateralen Außenhandelsvolumen in Höhe von 100,4 Mio. EUR 2003 allerdings lediglich etwa auf Rang 129 der Außenhandelspartner.

Die wichtigsten Einfuhrgüter für Albanien sind Maschinen, Nahrungsmittel, Getränke, Tabak, Baumaterialien und Mineralstoffe, die wichtigsten Ausfuhrgüter veredelte Produkte wie Textilien und Schuhe (66% der Exporte sind Reexporte) und Rohstoffe.

Es finden sich erst wenige deutsche Unternehmer in Albanien: BerlinWasser in Elbasan; Siemens (Telefonausrüstung, Flughafen, medizinische Geräte, Umspannstationen); Mercedes-Benz und Volkswagen, Schering und verschiedene Mittelständler haben albanische Vertretungen; Preussag hat einen Joint-venture-Vertrag mit Premier Oil, Alb Petrol und der IFC über Ölförderung abgeschlossen. Daneben gibt es einige Mittelständler in der Textilbranche. Die ursprünglich von GTZ und KfW eingerichtete Stiftung zur Finanzierung kleiner Unternehmen ist inzwischen zu einer Universalbank mit mehreren Filialen in verschiedenen Städten im Lande geworden (ProCredit-Bank).

Eine Deutsch-Albanische Wirtschaftsgesellschaft e.V. hat ihren Sitz in Berlin.

Möglichkeiten zur Steigerung des Engagements der deutschen Wirtschaft in Albanien könnten Beteiligungen (gegebenenfalls mit öffentlicher Unterstützung) an Bergbau- und Industrieunternehmen, an Versorgungsunternehmen (Wasser, Abwasser, Elektrizität) sowie an Unternehmen der kommunalen Infrastruktur (Müllbeseitigung) bieten. Weiterhin sind Kooperationsmodelle mit dem albanischen Staat in Form von Konzessions-Verträgen denkbar, wie sie derzeit bereits von einigen Unternehmen für den Transportsektor (Terminal des Flughafens, Cargobetrieb) und den Müllsektor erwogen werden.

Wichtige Wirtschaftsabkommen mit Albanien:

I. Abkommen über die Entwicklung der wirtschaftlichen, industriellen und technischen Zusammenarbeit vom 01.06.1988,
II. Rahmenabkommen über technische Zusammenarbeit vom 21.10.1988,
III. Übereinkommen zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten, in Kraft seit 14.11.1991,
IV. Umweltschutzabkommen vom 13.10.1992,
V. Luftverkehrsabkommen vom 22.04.1992, in Kraft seit 16.12.1993,
VI. Vertrag über die Förderung und den gegenseitigen Schutz von Kapitalanlagen vom 23.11.1994,
VII. Investitionsförderungs- und Schutzabkommen vom 31.10.1991, in Kraft getreten am 18.08.1995,
VIII. Seeverkehrsabkommen vom 28.04.1994 (paraphiert),
IX. Umschuldungsabkommen vom 07.07.1994 und 30.11.2001.
Der Schwerpunkt der bilateralen Zusammenarbeit zur Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Albaniens liegt nach wie vor in der Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland ist nach Italien zweitwichtigster Geber. Prioritäre Bereiche sind die Wasser- und Elektrizitätsversorgung, die Landwirtschaft und die berufliche Bildung sowie die Förderung des Reformprozesses im Wirtschaftsrecht. Kapitalhilfedarlehen erfolgen zu IDA-Konditionen. Insgesamt hat Deutschland seit 1990 öffentliche Hilfe in Höhe von mehr als 680 Mio. EUR an Albanien geleistet (inkl. dem deutschen. Anteil an den Hilfen der EU für Albanien). Das Land liegt damit, gerechnet pro Kopf der Bevölkerung, in der Spitzengruppe der Empfängerländer deutscher Entwicklungshilfe.

Die bilateralen Handelsbeziehungen leiden unter der Begrenztheit des albanischen Marktes, Rechtsunsicherheit, einem geringen albanischen Angebot und geringer Kaufkraft. Im Rahmen des Privatisierungsprozesses von ehemaligen Staatsbetrieben bieten sich Chancen, sich mit Konzessionsverträgen (BOT) bzw. Joint ventures zu engagieren, allerdings sind die noch anstehenden Privatisierungen der staatlichen Versicherungsgesellschaft und des Telefonfestnetzanbieters wegen Überschuldung und hohem Personalbestand allenfalls für Großinvestoren interessant.

Kulturelle Beziehungen

Grundlage der bilateralen Kulturbeziehungen ist das 1995 unterzeichnete Kulturabkommen, das noch nicht ratifiziert, aber vorläufig anwendbar ist. Im Vordergrund der Zusammenarbeit steht die Förderung der deutschen Sprache.

In Tirana ist seit 1992 der DAAD tätig. In Trägerschaft des Instituts für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschulverbandes wurde eine Stiftung "Projekt Erwachsenenbildung" (PARSh) etabliert, die neben berufsbildenden Kursen auch Sprachkurse anbietet. Im April 2001 wurde das Deutschzentrum in Tirana aus Mitteln des Stabilitätspaktes eröffnet. In Zusammenarbeit mit dem PARSh-Projekt werden im Deutschzentrum (5. Stock der Fremdsprachenmittelschule "Asim Vokshi") von einem Vertreter des Goethe-Instituts Sprachkurse organisiert und durchgeführt. Ein Fachberater und zwei Programmlehrer unterrichten an den Fremdsprachenmittelschulen in Tirana, Shkodra und Elbasan, aus denen sich die Studierenden der Universitäten Elbasan, Shkodra und Tirana rekrutieren. Deutsche Rundfunkanstalten bemühen sich um die Fortbildung von Journalisten.