Dokumentation

Cornelia Maier: Warum ich die Unabhängigkeit Kosovas unterstütze !
Offener Brief an Jürgen Elsässer wegen seiner Haltung zu Kosova


Vorbemerkung der Redaktion: Gerne veröffentlicht die Redaktion von Kosova Aktuell einen Brief der Politologin Cornelia Maier an Jürgen Elsässer und unter der Rubrik Dokumentation einen Artikel von Frau Maier zur Unabhängigkeit Kosovas. Jürgen Elsässer ist Autor der „Jungen Welt“ und hat mehrere Bücher zum Thema „Balkan und Kosova“ geschrieben. Herr Elsässer tritt in Deutschland als Linker auf, hat aber zum Kosova-Konflikt eine ähnliche Position wie die europäischen Faschisten. Stets leugnet Herr Elsässer die faschistischen Massaker unter Milosevic in Bosnien und Kosova. Elsässer entblödet sich nicht, in unzähligen Artikeln die „Serbische Radikale Partei“ als „antiimperialistisch“ abzufeiern. Diese faschistische Partei aus Serbien unterhält seit 1997 enge Parteibeziehungen zur neofaschistischen Partei von Le Pen, in Frankreich, sowie zum russischen Rechtsextremisten Schirinowski. Wir halten es für richtig, den Brief von Frau Maier abzudrucken und auch ihren Artikel zur „Unabhängigkeit Kosovas“ unter der Rubrik Dokumentation zu publizieren. Die Redaktion von Kosova Aktuell teilt nicht jedes Argument von Frau Maier, dennoch halten wir ihren Beitrag für nützlich und wertvoll.

Für die Redaktion
Max Brym


Sehr geehrter Herr Elsässer,


mit Befremden habe ich Ihre Publikation zu „Kriegslügen“ bzw. „Kriegsverbrechen“ quergelesen. Sie verurteilen die Intervention der NATO, die die Menschenrechte der Kosova-Albaner gegen Milosevics Diktatur verteidigt hat, auf das Schärfste und unterstützen die proserbische Propaganda mit infamen und unsäglichen Unterstellungen, Vorverurteilungen und Geschichtsklittereien. Das wird nicht nur daran deutlich, wie Sie führende Politiker der Kosova-Albaner diskreditieren, sondern auch darin, dass Sie das Massaker von Srebrenica verharmlosen und Ihre Hoffnung, dass Milosevic billig davon kommt und dafür Leute von der Gegenseite verknackt werden, quasi als Gewissheit formulieren. Ja, so hätten Sie es wohl gern. Auch behaupten Sie, dass in Bosnien kein Völkermord verübt wurde. Ich glaube, das Gericht in Den Haag sieht das etwas anders. Auch bestreiten Sie das Massaker von Racak und beschuldigen Helena Ranta, Beweise konstruiert zu haben und bezweifeln somit offizielle Untersuchungsergebnisse der OSZE. Wenn aber Beweise konstruiert worden sind, dann doch von Seiten der Milosevic-Leute! Auch die Behauptung, dass es in Kosova vor dem Aufkommen des bewaffenten Widerstands der UCK mit der Unterdrückung so arg nicht war, ist nun doch reichlich merkwürdig, wenn man mal die Berichte internationaler Menschenrechtsorganisationen liest.


Fakt ist doch, dass Milosevic mit Volksverhetzung gegen Kosova an die Macht kam (ganz ähnlich, wie Hitler mit Volksverhetzung gegen jüdische Mitbürger) und zuerst mal den Albanern die Autonomie aberkannte, bevor er die Kriege in Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina anzettelte. Erst als in Dayton die Kosova-Frage ausgeklammert wurde und Rest-Jugoslawien anerkannt wurde, kam es in Kosova mit der Gründung der UCK zum bewaffneten Widerstand. Aufschlussreich ist auch, wie Sie einen Autoren zitieren, dass „bei der UCK auch Frauen mitgekämpft haben sollen“. De facto haben sich Kosovarinnen am bewaffneten Widerstand beteiligt. Hätte es Ihren Vorstellungen etwa eher entsprochen, wenn Frauen von Milosevic-Leuten in KZs vergewaltigt worden wären wie in Bosnien, wo Ihrer Meinung nach ja nur ein ganz normaler Bürgerkieg stattfand? Ich frage mich, inwieweit die Vorgehensweise der serbischen Paramilitärs den Maßgaben der Friedensbewegung, der Sie sich zurechnen, entsprechen kann. Ich denke, dass Ihre Verharmlosung der serbischen Kriegsverbrechen in Bosnien auch auf einer tiefe Frauenverachtung basiert, wenn man nur mal an die Vergewaltigungs-KZs denkt.


Die NATO hatte aus den Erfahrungen in Bosnien (Srebrenica, Vergewaltigungs-KZs usw.) gelernt und intervenierte in Kosova rechtzeitig. Bei der Entscheidungsfindung war Madeleine Albright maßgeblich beteiligt. Dass es Ihnen und den Leuten, die Sie unterstützen, nicht gefällt, wenn der Westen Kosova vor Milosevics-Diktatur rettet und sich um den Aufbau von Freiheit und Demokratie vor Ort verdient macht, ist mir schon klar. Dass es Sie nicht freut, dass die UCK die Intervention der NATO erreichte, kann ich mir unschwer vorstellen. Dass Sie die Unabhängigkeit ablehnen, ist vor dem Hintergrund Ihrer proserbischen Sympathien nur schlüssig. Besonders bedenklich ist aber, wie Sie die gewählten Vertreter der Kosova-Albaner diskreditieren. Dass Sie und Ihre Freunde in Belgrad begeistert wären, wenn Hashim Thaci wegen Kriegsverbrechen angeklagt würde, ist schon klar und bedarf somit keiner weiteren Erläuterung. Dass Sie aber Unterstellungen und Vorverurteilungen als Tatsachen publizieren, finde ich empörend. Dies entspricht nicht etwa rechtsstaatlichen Prinzipien (Unschuldsvermutung!), sondern den Vorgehensweisen der serbischen Justiz unter Milosevic.


Würden Sie etwa gern ein bisschen nachhelfen beim Konstruieren von Beweisen?


Dass es Probleme beim Aufbau der Demokratie und des Rechtsstaats in Kosova gibt, ist offenkundig. Aber dies rechtfertigt nicht Ihre Verdächtigungen. Ohnehin wäre dem Minderheitenschutz am besten gedient, wenn Kosova unabhängig werden würde, sobald die Standards erfüllt werden. Dann wäre auch noch den Dümmsten klar, wie kontraproduktiv und schädlich Übergriffe auf Angehörige von Minderheiten sind. Übrigens und auch, wenn Sie das enttäuschen sollte, haben die albanischen Politiker, auch Hashim Thaci, die Übergriffe verurteilt. Hashim Thaci hat wiederholt erklärt, dass diese Ausschreitungen nur der proserbischen Propaganda (so wie in Ihrem Machwerk, möchte ich hinzufügen!) dienen. Auch hat er wiederholt eindeutig Freiheit und Demokratie eingefordert, und er hat einen bedeutenden historischen Beitrag für Kosova geleistet und sich um die Freiheit von Kosova maßgeblich verdient gemacht. Doch auch andere albanische Politiker kommen bei Ihnen schlecht weg, wenn auch Hashim Thaci eindeutig den schwarzen Peter bei Ihnen hat.


Dabei engagieren sich z.B. Flora Brovina und Vjosa Dobruna nicht nur für die Unabhängigkeit, sondern auch für den Minderheitenschutz. Flora Brovina saß unter menschenrechtswidrigen Bedingungen unter einer konstruierten Anklage über ein Jahr in einem serbischen Gefängnis ein! Zudem behaupten Sie, dass nur die PDK die Unabhängigkeit fordere. Damit tun Sie auch Ibrahim Rugova und der LDK Unrecht, denn die gesamte kosova-albanische Bevölkerung fordert die Unabhängigkeit ein.


Dass Sie Milosevic nicht gleich für den Friedensnobelpreis vorschlagen möchten, wundert mich. Aber auch so ist es nur zu deutlich, wessen Geistes Kind Sie sind und dass Sie es mit den Serben haben. Ihre Ausführungen sind äußerst demaskierend.


Mit freundlichen Grüßen

Cornelia Maier