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Im Kosovo wurde vor kurzem dem ersten UCK-Befehlshaber Adem Jashari gedacht. Belgrad schwieg dazu. Dort wächst das Bewusstsein, den Einfluss im Kosovo verloren zu haben, meint Dusan Janjic in seinem Kommentar.

Die führenden politischen Parteien und die Regierung in Belgrad haben auf die Veranstaltungen im Kosovo zum Gedenken an die Ermordung eines der Gründer der Kosovo Befreiungsarmee, UCK, Adem Jashari, nicht reagiert. Die Veranstaltungen unter der Bezeichnung "Epos UCK" fanden vom 5. bis 7. März anlässlich des siebten Todestags Jasharis in ganz Kosovo statt. Jashari wird in Serbien häufig immer noch als einer der führenden "Terroristen" bezeichnet, daher ist das Schweigen und die Zurückhaltung in Belgrad ein Zeichen für die widersprüchliche Haltung zum Kosovo. Einerseits wird stets betont, dass es ein untrennbarer Teil Serbiens ist. Andererseits deutet dieses Schweigen darauf hin, dass in Belgrad das Bewusstsein wächst, den Einfluss auf die Ereignisse im Kosovo verloren zu haben.

UN-Verwalter Søren Jessen-Petersen nahm an der Gedenkfeier in Pristina am 6. März teil, auf der die Idee eines unabhängigen Kosovo von den albanischen Teilnehmern bekräftigt wurde. Protest aus Belgrad war nicht zu vernehmen. Daher liegt man mit der Schlussfolgerung sicherlich nicht allzu falsch, dass sich, wie die internationale Gemeinschaft, auch die führenden Parteien in Serbien bereits seit langem der Realitäten im Kosovo bewusst sind. Die patriotisch angehauchten Beschwörungsformeln von einem Kosovo als untrennbarem Teil Serbiens gelten eher der Augenwischerei für serbische Wähler, als dass sie den tatsächlichen Parteiprogrammen entsprechen.

Eine Frage ist dann natürlich berechtigt: Wenn die serbische Regierung und die führenden Parteien sich der realen Lage und der Kräfteverhältnisse im Kosovo bewusst sind, warum bestärken sie dann die Kosovo-Serben, nicht am politischen Leben mitzuwirken? Es ist wahrscheinlich einfacher, diese patriotischen Beschwörungsformeln zu wiederholen, als sich dem schwierigen Anliegen zu stellen, eine Position zur serbischen Bevölkerung im Kosovo zu erarbeiten. Es fällt den Politikern in Belgrad leichter zu sagen, Kosovo gehört zu Serbien, als ihren Wählern zu erklären, dass es pragmatisch wäre, die Beteiligung serbischer Vertreter an der Übergangsregierung zu akzeptieren und sich ernsthaften Verhandlungen mit gewählten albanischen Vertretern dieser Regierung zuzuwenden, auch wenn dies indirekt die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo bedeute. Die Zeche bezahlen natürlich die Kosovo-Serben, die Belgrad definitiv nicht schützen kann. Es lässt sie aber auch nicht an der Reform der lokalen Selbstverwaltung und anderen Entwicklungen in der Gesellschaft im Kosovo mitwirken.

Dusan Janjic, Belgrad
DW-RADIO/Serbisch, 8.3.2005, Fokus Ost-Südost