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Eindrücke nach der Verhaftung Karadzics aus den Ferien

Erstellt von Zurich, 05.08.2008, 17:35 Uhr · 12 Antworten · 958 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Zurich

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    Eindrücke nach der Verhaftung Karadzics aus den Ferien

    Also ich war in Banja Luka in den Ferien und hab die Verhaftung so erlebt:

    Ich war im Ausgang, als ein Kollege von mir per SMS von einem anderen Kumpel, der zu hause blieb, die Nachricht bekam, dass Karadzic gefasst war. Das war so um die 2 Uhr morgens. Wir waren in einem Club, wo alter Jugo-Rock live gesungen wird und es war sehr laut. Draussen regnete es in Strömen (fast strumartig), weshalb es kaum Leute auf den Strassen gab. In Sarajevo war das natürlich anders. Dort war es auch zu erst Menschenleer, aber durch die Nachricht wurden die Leute gegenseitig geweckt und gingen im strömenden Regen auf die Strassen und feierten. Natürlich haben die Bosniaken verständlicherweise eine ganz andere Einstellung zu Karadzic als die Serben. Selbst die liberalsten Serben. Von denen gibt es in Banja Luka sehr viele, aber den Meissten ist dieser Kerl egal (auch wenn man ihn hasst), darum hatte niemand daran gedacht auf die Strasse zu gehen und zu feiern (schon gar nicht bei diesem Wetter). Und natürlich verlieft diese Verhaftung bei den Bosniaken viel emotonaler und mit viel grösseren Gründen.

    Am Tag darauf machte das Fernsehen Umfragen an den serbischen Bürgern (Reaktionen) in Banja Luka und auch in anderen Städten der RS. Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Natürlich gab es Nationalisten, die die Verhaftung verurteilen. Dann gab es Leute, die nicht nationalistisch eingestellt sind, aber die Verhaftung mit Bedauern aufschnappen, da Oric trotz Massenmorden wegen Mangel an Beweisen ihm gegenüber freigesprochen wurde. Dann wiederum gab es ganz Liberale, die die Verhaftung Karadzics sehr gutheissen, auch wenn sie den Freispruch Orics bedauern.
    Auch Regional in der RS gibt es grosse Unterschiede. Nicht nur die Tatsache, dass der Westteil der RS sozialdemokratisch und liberal wählt und der Ostteil nationalistisch und radikal, sondern es gibt einen speziellen Bezug da auf Radovan Karadzic. Der Mann ist im Westteil, speziell in Banja Luka sehr unbeliebt. Noch bis heute kreisen Gerüchte, er hätte gesagt, dass er im Notfall Banja Luka für Sarajevo aufgeben, ja tauschen, würde. Und in der Tat war er selber auf den Osten konzentriert. Nach dem Krieg ganz besonders. Der Westteil und Banja Luka wurden von ihm praktisch ignoriert. Bis heute ist dies überall in Banja Luka zu hören.
    Der Vater meines Kollegen hat sogar den Fernsehen angespuckt (als er in den Haag war) und geflucht: "Mater ti jeben, zbog tebe sam isao u rat i nisam imao sta za jesti", obwohl er selber eher nicht liberal ist.
    Die Abneigung gegenüber Karadzic in der Region um Banja Luka ist gross und aus mehreren Gründen, auch wenn hie und da es Leute gibt, die anders denken.
    Aber ein grosser Unterschied zwischen Ost- und West-RS war einmal mehr (nach der Verhaftung Karadzics) zu spüren.

  2. #2
    Arvanitis
    Ich war in Griechenland. Im griechischen Fernsehen war es dass absolute Hauptthema und in den 1 stündigen Nachrichten widmete man den Thema mehrere Tage eine gute halbe Stunde. Ich hatte allerdings auch ZDF empfangen und musste eines feststellen.
    In den griechischen Medien zeigte man verschiedene Reaktionen serbischer Bürger. Frustrierte und liberale die sich freuten und wiederrum welche denen es egal war.
    Im deutschen ZDF jedoch zeigte man ausschließlich (zumindest was ich gesehen habe) frustrierte , deprimierte serbische Nationalisten.
    Komisch , komisch.

  3. #3
    Lance Uppercut
    Zitat Zitat von Arvanitis Beitrag anzeigen
    Ich war in Griechenland. Im griechischen Fernsehen war es dass absolute Hauptthema und in den 1 stündigen Nachrichten widmete man den Thema mehrere Tage eine gute halbe Stunde. Ich hatte allerdings auch ZDF empfangen und musste eines feststellen.
    In den griechischen Medien zeigte man verschiedene Reaktionen serbischer Bürger. Frustrierte und liberale die sich freuten und wiederrum welche denen es egal war.
    Im deutschen ZDF jedoch zeigte man ausschließlich (zumindest was ich gesehen habe) frustrierte , deprimierte serbische Nationalisten.
    Komisch , komisch.

    Die Medien berichten halt das, was sich die Leute erwarten.

  4. #4
    Avatar von Zurich

    Registriert seit
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    18.089
    Zitat Zitat von Arvanitis Beitrag anzeigen
    Ich war in Griechenland. Im griechischen Fernsehen war es dass absolute Hauptthema und in den 1 stündigen Nachrichten widmete man den Thema mehrere Tage eine gute halbe Stunde. Ich hatte allerdings auch ZDF empfangen und musste eines feststellen.
    In den griechischen Medien zeigte man verschiedene Reaktionen serbischer Bürger. Frustrierte und liberale die sich freuten und wiederrum welche denen es egal war.
    Im deutschen ZDF jedoch zeigte man ausschließlich (zumindest was ich gesehen habe) frustrierte , deprimierte serbische Nationalisten.
    Komisch , komisch.
    Die Wahrheit könnte man mehr oder weniger an den gewählten Parteien in den jeweiligen Gemeinden ablesen. Ich finde das einen sehr guten Indikator.
    Mich hat es auch gestresst, dass in den westlichen Medien nur frustrierte Nationalisten gezeigt wurden, dabei habe ich es selbst unten live und mittendrinn ganz anders erlebt.

  5. #5
    Avatar von Toni Maccaroni

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    Zitat Zitat von Zurich Beitrag anzeigen
    Die Wahrheit könnte man mehr oder weniger an den gewählten Parteien in den jeweiligen Gemeinden ablesen. Ich finde das einen sehr guten Indikator.
    Mich hat es auch gestresst, dass in den westlichen Medien nur frustrierte Nationalisten gezeigt wurden, dabei habe ich es selbst unten live und mittendrinn ganz anders erlebt.
    Ich verstehe gar nicht, wieso dir das so gestresst hat. Hier ist man gewohnt immer negative Nachrichten zu verbreiten und das wollen die Menschen auch hören bzw. sehen. Gute Nachrichten werden hier z.B. über die Geburt eines Eisbärs ausgestrahlt.

  6. #6
    Avatar von Dobričina

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    Zitat Zitat von Zurich Beitrag anzeigen
    Mich hat es auch gestresst, dass in den westlichen Medien nur frustrierte Nationalisten gezeigt wurden, dabei habe ich es selbst unten live und mittendrinn ganz anders erlebt.
    In den westlichen Medien wurde ganz deutlich berichtet dass die Lage in Serbien geteilt ist, und nein es wurden nicht nur Nationalisten gezeigt.

    Was ich aber mitgekriegt habe ist dass in den serbischen Foren (und nein, waren keine Diaspora Foren) 75% der User über die Festnahme Karadzics frustriert waren und nationalistisch eingestellt sind, den anderen 25% war es egal oder manche waren auch froh.

  7. #7

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    140
    Die teuflischen Juden mit ihren Propaganda-Nachrichtensendern die Leute Tag für tag verarschen, wollen um jeden Preis Serbien und Serben als schlecht darstellen !

    Holbrook und die alte Hure Albright waren die ersten, die sich nach der festnahme in den Judenmedien äussern mussten !

  8. #8
    Avatar von Zurich

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    Zitat Zitat von Rake Beitrag anzeigen
    In den westlichen Medien wurde ganz deutlich berichtet dass die Lage in Serbien geteilt ist, und nein es wurden nicht nur Nationalisten gezeigt.
    Ich glaub dir zwar schon, dass es auch solche Berichte gab, gesehen habe ich aber was anderes. Das war nun mal mein Eindruck.

    Zitat Zitat von Rake Beitrag anzeigen
    Was ich aber mitgekriegt habe ist dass in den serbischen Foren (und nein, waren keine Diaspora Foren) 75% der User über die Festnahme Karadzics frustriert waren und nationalistisch eingestellt sind, den anderen 25% war es egal oder manche waren auch froh.
    Also mit den Foren dort unten muss nicht heissen, dass es Leute von unten sind. Viele wissen nichteinmal was ein Forum ist. Ich selber bin und war in einigen Foren dort unten angemeldet und ich hatte echt das Gefühl, dass die Mehrheit aus der Diaspora stamme. Eigentlich spielt es keine Rolle wo der Server liegt. Das sagt nichts über die Herkunft der Userschaft aus. Zudem sind viele Diaspraner mit der Heimat stark verbunden und melden sich in heimischen Foren an, wie zum Beispiel der der Heimatstadt,...etc...

    Wie gesagt... Man kann behaupten, was man will. Aber die Einstellung der Menschen erkennt man am Besten an den Wahlen der jeweiligen Parteien. Regional betrachtet sollte man die politische Zusammensetzung der jeweiligen Gemeinden beachten.
    Und was die RS anbelangt, ist es nun mal so, dass der Westen sozialdemokratisch und liberal eingestellt ist und der Osten konservativ und nationalistisch. In Serbien ist es das Nord-Süd-Gefälle: Je nördlicher desto Liberaler, je südlicher desto konservativer.

    Und es kann nicht sein, dass man die Wahlausgänge kennt und bei der Festnahme Karadzics nur frustrierte Nationalisten zeigt.

  9. #9

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    Ich war im Kosovo und die Leute haben sich extrem gefreut und es war das Thema nummer 1.

  10. #10
    Avatar von Zurich

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    Also.... Hab jetzt im Internet gesucht und doch was etwas objektiveres aus dem Westen gefunden in Sachen "Reaktionen auf die Verhaftung von Karadzic", auch wenn ich es per Satellit (westliche Sender) aus den Ferien aus, ganz anders gesehen habe.

    Hier: Archiv - salzburg.com

    [h1]Keine Tränen um Karadzic[/h1]
    29.07.2008 | SN
    Die bosnischen Serben in Banja Luka trauern nicht um ihren ehemaligen Präsidenten. Nur in Ostsarajevo hat er noch Anhänger. FALKO WITTIG

    Falko Wittig Banja Luka (SN, n-ost). Das Leben in Banja Luka geht seinen normalen Gang. In der Innenstadt treffen sich die Alten im Park zum Schachspiel. Ihr größtes Ärgernis ist nicht die Inhaftierung von Ex-Präsident Radovan Karadzic, sondern der hartnäckige Regen. "Das Problem wurde ausverkauft", sagt einer der Männer nüchtern. Die Auslieferung nach Den Haag gehe in Ordnung.

    "Wenn Karadzic schlechte Dinge getan hat, muss er dafür die Verantwortung übernehmen." Ein Problem für die Republika Srpska sieht der Schachspieler nicht. "Karadzic war in den letzten Jahren mehr in Serbien als hier. Deshalb hat die Republika Srpska keine Verbindung zu ihm." Ein anderer Serbe pflichtet ihm bei und ergänzt: "Karadzic hat sein Präsidentenamt in der Republika Srpska lange aufgegeben. Er ist hier seit vielen Jahren vergessen." Bei einem Aufenthalt in Bosnien hätte man ihn viel früher verhaftet als jetzt in Serbien, wirft ein Dritter in die Runde.

    Der gebürtige Montenegriner Karadzic scheint in der Bevölkerung der Republika Srpska nicht mehr viele Anhänger zu haben. Oder sie wollen sich nicht äußern. Die bosnischen Serben sind zwar überaus interessiert am abenteuerlichen Doppelleben ihres einstigen Führers und die Zeitungen liefern mit seitenlangen Berichten reichlich Gesprächsstoff. Aber große Emotionen gibt es dennoch nicht. Zwischen Karadzic und seinen einstigen Untergebenen hat in den zwölf Jahren seines Abtauchens offensichtlich eine starke Entfremdung stattgefunden.

    Rückendeckung für kroatische Verbrechen Zur Inhaftierung des Mannes gibt es allerdings durchaus kritische Stimmen. Eine Gruppe Jugendlicher beschwert sich über das Verhalten der serbischen Regierung in Belgrad. "Ich denke, das ist nicht fair", sagt der 18-jährige Dusan, der zusammen mit seinen Kumpels auf dem Weg zum Fußballtraining beim lokalen Klub "Borac Banja Luka" ist. "Die neue serbische Regierung unterstützt unsere Leute nicht mehr." Das ist seiner Meinung nach bei der Führungen der Kroaten und der Bosniaken ganz anders. Die deckten ihren Kriegsverbrechern den Rücken.

    Dusans Freund Milan ergänzt: "Die Einstellung des Gerichts in Den Haag gegenüber Serben ist nicht dieselbe wie gegenüber Kroaten und Moslems." Für die Verbrechen im Bosnien-Krieg würden nur die Serben zur Verantwortung gezogen. Zu dem von Serben 1995 an Bosniaken verübten Massaker von Srebrenica, vor einem Jahr vom Internationalen Gerichtshof als Völkermord eingestuft, geben sie keinen Kommentar ab.

    Sead Gabic wünscht sich von ganzem Herzen, dass auch Mladic bald das Schicksal von Karadzic ereilt. Auf dem Bahnhof von Banja Luka studiert er aufmerksam die Zeitungen, deren Titelseiten voll sind mit Geschichten über den Fall Karadzic. "Die Festnahme macht uns glücklich", sagt er zufrieden. Mit "uns" meint er seine Volksgruppe, die Bosniaken. In Banja Luka, wo seit dem Kriegsende fast nur noch Serben leben, ist er nur, um alte Freunde zu besuchen. Früher - vor dem Krieg - hat Gabic in der Stadt als Manager gearbeitet, für einen Chemiebetrieb. Mittlerweile besitzt der 65-Jährige neben seinem bosnischen auch einen amerikanischen Pass und verbringt sein Pensionistenleben vor allem in Colorado. Karadzic sei ein "schlechter Mann" gewesen, einer der Hauptverantwortlichen für die "schrecklichen Dinge", die in Bosnien und Herzegowina während des Krieges passierten, sagt er mit ruhiger Stimme. Bedächtig wählt er seine Worte auf der Zugfahrt nach Sarajevo.

    Ethnische Säuberung schuf Republika Srpska Anders als viele Serben in Banja Luka sieht Gabic durch die Inhaftierung Karadzics auf die Republika Srpska sehr wohl ein Problem zukommen: "Die Republik ist ein Resultat ethnischer Säuberung und ein Projekt von Radovan Karadzic. Sicherlich werden im Prozess in Den Haag neue Details über den Krieg ans Licht kommen." Anders als viele Bosniaken fordert er aber nicht die Auflösung der Serbenrepublik. Jedoch müssten sich die bosnischen Serben von Belgrad lösen. "Die Republika Srpska ist nicht ein Teil Serbiens."

    In Istocno Sarajevo sieht das ganz anders aus. Ostsarajevo gehört nicht, wie die Hauptstadt, zur bosniakisch-kroatischen Föderation, sondern zur Republika Srpska. Direkt an der Grenze zwischen beiden Orten liegt der serbische Busbahnhof. Von dort aus gibt es einen regen Linienverkehr nach Belgrad. Die Serben im bergigen, dünn besiedelten Osten Bosniens denken radikaler als ihre Landsleute im urbanen westbosnischen Banja Luka. Karadzic hatte zu Kriegszeiten den kleinen Gebirgsort Pale als Regierungssitz für die Republika Srpska auserkoren.

    Karadzics Anhänger setzen auf die Geschichte Wenn der frühere bosnische Serbenpräsident heute noch Anhänger hat, dann vor allem dort, im Gebirge. "Radovan Karadzic ist ein Held. Er hat das serbische Volk vor den Kroaten und Muslimen verteidigt", sagt eine Frau in Istocno Sarajevo.

    Sie ist über die Festnahme Karadzics durch die neue prowestliche serbische Regierung in Belgrad verärgert. "Das passiert alles nur auf Druck der Europäischen Union. Aber die Geschichte wird Karadzic Recht geben und beide wieder in ein besseres Licht rücken", sagt sie.

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