Erich Schmidt-Eenboom gilt als anerkanntester Geheimdienst Experte!
Unter der Quelle, gibt es auch über den Irak Krieg, Klaus Kinkel usw.. Berichte und etliche Fachbücher sind im Handel.

Vor allem werden viele Hintergründe deutlich, Deutscher und Amerikanischer Politik auf dem Balkan!

Erich Schmidt-Eenboom: Kosovo-Krieg und Interesse

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Ich bringe diesen Text, um vor allem Quellen und Berichte von Jürgen Elsässer zu bestätigen. Denn Erich Schmidt-Eenboom, ist der anerkannteste Geheimdienst Experte in Deutschland!

Kosovo-Krieg und Interesse - einseitige Anmerkungen zur Geopolitik
von Erich Schmidt-Eenboom
Nach gängiger Lesart führten die NATO-Staaten den Kosovo-Krieg so gänzlich frei
von egoistischen Interessen. Landauf, landab beteuerten die Kommentatoren, daß
es in diesem Falle nicht um die "Befriedung" einer Erdölförderregion ging, daß -
anders als in Afghanistan, Somalia, dem Irak oder Zaire - der Verdacht leicht von der
Hand zu weisen sei, den ethnischen Säuberungen im Kosovo Einhalt zu gebieten,
sei ein nur sekundäres Kriegsziel der Allianz gewesen. Allein diese
Beschwörungsformeln sind bezeichnend, demonstrieren sie doch die Einsicht, daß
es beim Einsatz militärischer Mittel seitens der westlichen Industrienationen und
voran der USA in der Regel nicht um humanitäre Antriebskräfte ging, sondern um
den schnöden Mammon. Doch die erleichtert vorgetragene Erklärung, die
Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen sei das einzige Wertpapier, dessen
Bonität hier durch Bomben gestärkt werden solle, greift zu kurz, läßt geopolitische
Momente vollkommen außer acht.
Wohltuend hob sich von dieser seichten Bequemlichkeit der Kommentar "Krieg und
Interesse" in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 15. April 1999 ab: "Bei den
deutschen Stellungnahmen zum Kosovo-Krieg fällt die mutwillige Naivität auf, mit der
viele und zumal solche, die man früher für 'links' gehalten hätte, sich die
regierungsamtliche Rhetorik zu eigen machen, die Nato sei ein gewissermaßen
interesseloses Medium der Moral, eine Art Menschenrechtsorganisation mit anderen
Mitteln. Bei den Intellektuellen ebenso wie bei den Politikern konzentriert sich die
Rechtfertigung der Militäraktion fast ausschließlich auf deren 'humanitäre' Aspekte.
Man schreckt vor Formulierungen zurück, die auch nur entfernt an ein nationales
oder westliches 'Interesse' denken lassen - so, als wäre es unanständig, daß es
einem militärischen Apparat auch um Einflußsphären gehen könnte".
Ist diese Katze erst aus dem Sack, öffnet sich die ganze Palette inkriminierender
Fragen nach Ursache und gewünschter Wirkung der blutigen Luft-Kampagne, die
gängiges Völkerrecht schwerwiegend verletzte und sich dabei auf einen
übergesetzlichen Notstand, auf legitime Nothilfe im Fall einer systematischen
Vertreibungs- und Vernichtungspolitik berief. Für die Kernfrage nach der
2
Wahrhaftigkeit dieser Argumentation ist hier wenig Raum. Aber ein Bundeskanzler
sollte bereits aus seinem Amtseid wissen, daß Gerechtigkeit nur ist, was man gegen
jedermann übt. Die Berufung auf das Recht zur militärischen Intervention in den
Fällen schwerer und systematischer Verletzungen der Menschenrechte bedeutet
zugleich die Pflicht, es in allen gleich gelagerten Fällen zu tun. Anderenfalls sticht der
Vorwurf, das alte UN-Rechtssystem durch beliebigen machtpolitischen
Opportunismus zu ersetzen, das Völkerrecht mithin auf einen Stand vor Dschingis
Khan zurückwirft. Wie die Regierung Schröder/Fischer bei einem solchen Prüfstein
abschneidet, ist bereits ablesbar. Auf die ethnischen Säuberungen gegenüber den
Kurden in der Türkei wird die Richtlinienkompetenz des Kanzlers wohl durch die
Lieferung von 200 neuen Panzerfahrzeugen in die Türkei und die Lizenz zum
Nachbau von 1.800 weiteren reagieren - Gegenstimmen im Kabinett erstickend.
Eine Fußnote wenigstens müssen persönliche Interessen von Politikern wert sein -
weniger jene von Gerhard Schröder, der dem auf Dauer nicht tragfähigen Image des
Showmasters einer Polit-Lotterie nun die zweite Maske als verantwortungsgestählter
Durchhalte-Politiker hinzufügen kann; weniger die des Glücksritters im Kabinett,
Rudolf Scharping, der nach dem dreifachen Scheitern als Kanzlerkandidat, als
Parteivorsitzender und als Fraktionsvorsitzender im Bundestag der SPD nun als
Militärattaché der Menschenrechte reüssieren kann; mehr das Interesse des
amerikanischen Präsidenten, dem die oppositionellen Republikaner despektierlich
das Wort von "Clintons Krieg" entgegenhielten. Wenigstens in öffentlichen
Angelegenheiten der Moral die Stange zu gehalten zu haben, sollen die Kompendien
zur amerikanischen Geschichte ihm einst bescheinigen, und insofern fand seit dem
24. März 1999 auch ein Monica-Lewinsky-Gedächnis-Krieg statt.
Folgt man nun den Fragen nach den eigentlichen, den strategischen Zielen dieses
Krieges, in den die USA - wie Rudolf Augstein in wachsender Schärfe kommentiert -
ihre Verbündeten hineingezwungen haben, stößt man auf die den National Security
Strategy Report, die nationale US-Sicherheitsstrategie, vom 30. Oktober 1998 mit der
Zielvorgabe: "Kern der amerikanischen Strategie ist es, unsere Sicherheit zu
erhöhen, unseren Wohlstand zu mehren und Demokratie und Frieden überall in der
Welt zu fördern. Wesentlich zur Erreichung dieser Ziele ist amerikanisches
Engagement und die Vorherrschaft in der Weltpolitik". Und für die Ausübung dieser
3
Vorherrschaft setzen die USA in der nördlichlichen Hemisphäre auf die NATO, ihre
„Schlacht- und Schießgesellschaft„, wie sie der Pionier der Genforschung, Erwin
Chargoff, im Mai 1999 verbittert taufte.
Aus amerikanischer Sicht war es geboten, die Vereinten Nationen von ihrer
vornehmsten Rolle der Friedenssicherung zu beurlauben, sie in diesem Aufgabenfeld
in den Vorruhestand zu schicken, weil nach der Verschiebung der Machtbalance
nach dem Kalten Krieg Russland und China ein den neuen Kräftekonstellation
unziemlich widersprechendes Veto-Recht im Weltsicherheitsrat behielten. Der Solo-
Super-Power schien nur eine globale Breschnew-Doktrin geeignet, ihren
weltpolitischen Monopolanspruch durchzusetzen, ganz gleich was UNGeneralsekretär
Kofi Annan dagegen vorbringen wollte. Als in die rot-grüne
Koalitionsvereinbarung geschrieben wurde: "Die neue Bundesregierung wird sich
aktiv dafür einsetzen, das Gewaltmonopol der Vereinten Nationen zu bewahren", da
war dieses Gewaltmonopol aus Washington bereits nachhaltig bedroht. Seither setzt
der Bundesverteidigungsminister unwidersprochen Tag für Tag die "internationale
Gemeinschaft" mit dem 19 Staaten umfassenden Militärpakt NATO gleich. In
deutschem Interesse liegt dies sowenig wie im japanischen, denn beide
Wirtschaftsmächte streben mit absehbarem Erfolg einen ständigen Sitz im
Weltsicherheitsrat an. Nur, was sollte es Tokyo oder Berlin bringen, wenn dieses
Gremium in die Rolle des Zuschauers und Statisten abgedrängt worden ist.
Nach dem Washingtoner NATO-Geburtstagsgipfel wurde der deutschen
Öffentlichkeit dann als von Bonn erstrittener Kompromiß verkauft, was Clinton bereits
1993 in einem geheimen Regierungsdokument vorgezeichnet hatte: Mit der UNO,
wenn möglich, ohne sie, wenn nötig.
Michael Klare, Professor am Hampshire College in Massachusettes und Kenner der
amerikanischen Militärpolitik, führte im WDR-Fernsehmagazin MONITOR aus:
"Präsident Clinton war entschlossen, den Kosovo-Krieg unter amerikanischer und
unter NATO-Führung durchzuführen. Vor dem 50. Jahrestag der NATO wollte er
Macht demonstrieren und einen militärischen Erfolg vorführen. Er wollte zeigen, daß
die NATO nun in der internationalen Sicherheitspolitik die Führungsrolle hat - und
nicht die Vereinten Nationen. (...) Das Kosovo ist Opfer all dieser amerikanischen
Anstrengungen, das heißt: Das Thema Kosovo kam in dem Moment auf die
4
Tagesordnung, als Mister Clinton eine große Demonstration in Sachen neuer NATOStrategie
suchte. Das hätte sonstwo stattfinden können".
Daß der "Rausch der einzig übrig gebliebenen Großmacht" (Peter Scholl-Latour) sich
räumlich auf das unmittelbare Einflußgebiet der NATO-Staaten beschränkt und sich
nicht zu einem Blutrausch globaler Reichweite auswächst, ist der Trost, den
imagebewußte Strategieanalysten spenden. Doch, daß nur die Polit-Banditen im
eigenen Hinterhof in die Vorhölle geschickt werden, ist nicht das maßgebliche
Kriterium, denn sonst hätten die USA längst bspw. im benachbarten Guatemala, wo
die weiße Herrenschicht die Nachkommen der Mayas mit Völkermord bedroht, ein
kapitales Gefecht inszenieren müssen. Im Ergebnis wird die neue NATO-Doktrin
weltweit eine selektive Interventionschance öffnen, deren Realisierung vor allem
davon abhängt, ob die Täter oder die Opfer der NATO mehr am Herzen liegen. Im
Einzelfall werden auch innenpolitische Stimmungsschwankungen in den USA,
knappe oder überbordende Munitionsvorräte, Erprobungsräume für neue
Waffensysteme und Taktiken etc. etc. als sekundäre Determinanten hinzutreten.
Die Verkürzung der Kriegsgründe auf einen quasi beliebigen Probelauf der neuen
NATO-Strategie läßt jedoch geopolitische Zielsetzungen, wie sie mit jedem Einsatz
militärischer Gewalt verbunden sind, außer acht. In diesem Fall ist es zunächst der
häufig ausgesprochene Verdacht, die bereits mehr als halbierte Bundesrepublik
Jugoslawien sei deshalb ins Visier geraten, weil sie der letzte Verbündete Russlands
in Mittelost- und Südosteuropa ist - nicht nur zeitweise russischer Partner, abhängig
von politischen Konjunkturen und wechselnden Regierungen, sondern historisch und
religiös bedingt auf lange Dauer. Aus Sicht der USA ist sie damit ein NATOresistenter
Störfaktor auf dem Balkan, tendenziell unheilbar und zur Aufspaltung
freigegeben. Unterschätzt haben die NATO-Strategen offensichtlich die über Serbien
weit hinausreichende breitenpsychologische Tragfähigkeit der christlich-orthodoxen
„Staatsreligion„. Slobodan Milosevic suhlt sich in dem Triumph, durch seinen
Widerstand gegen die NATO zur "Ikone der slawischen Massen" aufgestiegen zu
sein, eine Rolle die Saddam Hussein seit 1990 für die "arabischen Massen" spielt. Im
Innern hat das „erbarmungslose Bombardement„ (Clinton) die Reihen fester
geschlossen, pro-westliche Stimmen mundtot gemacht, bei den Bevölkerungen
Russlands, der Ukraine und Weißrußlands Wellen der Solidarität mit dem „Schlächter
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von Belgrad„ (BILD) ausgelöst und den Blick darauf gerichtet, was diese Staaten von
der NATO zu erwarten haben.
Das Selbstbestimmungsrecht der Kosovarinnen und Kosovaren mit militärischen
Mitteln durchzusetzen, wohl wissend, daß es über kurz oder lang zu einem
Ausscheiden aus dem jugoslawischen Staatsverband führt, war nur der erste Schritt
zur weiteren Parzellierung Restjugoslawiens. Im innenpolitischen Konflikt in
Montenegro und zwischen Serbien und Montenegro verlor die prowestliche Seite, die
Opposotion gegen Milosevic, kriegsbedingt an Boden. Dennoch werden westliche
Politiker nicht müde, die Andersartigkeit der Teilrepublik zu betonen, und die sichtlich
geringere Zerstörung ziviler Ziele dort untermauert die auf Abtrennung gerichtete
Zielplanung. Beim "United States European Command" EUCOM in Stuttgart-
Vaihingen ist der künftige Einflußbereich der USA auf einer Karte umrissen worden,
die MONITOR kürzlich veröffentlichte. Er reicht vom südlichen Afrika bis nach
Weißrußland und zur Ukraine. Die weitere Aufteilung Jugoslawiens ist hier
beschlossene Sache, weil die jugoslawische Teilrepublik Montenegro bereits als
eigenständiger Staat eingezeichnet ist. Die Zielplanung für die Woiwodina, bei der
die serbische Hochburg Novi Sad und die Brückenverbindungen nach Serbien so
weit vom Kosovo entfernte Schwerpunkte der Bombenangriffe sind, während die
ungarische Minderheit in ihren Städten und Dörfern weitgehend verschont bleibt,
weckt den Verdacht, daß auch hier neuer Separatismus herbeigebombt werden soll.
Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber betonte in der dritten Kriegswoche
in Moskau, die deutsch-russischen Beziehungen seien ein "kostbares Gut", und er
wählte die russische Hauptstadt zum Ort der Verkündigung dafür, daß CDU und CDU
die rote Linie nicht überschreiten wollen, die vor der Beteiligung deutscher
Streitkräfte an einem Bodenkrieg gezogen ist. In zwei ganz wesentlichen Punkten
hatte er mit seiner Haltung recht: Ohne eine die Interessengegensätze friedlich
ausgleichende Politik zwischen Berlin und ganz Westeuropa einerseits und Moskau
und den GUS-Staaten andererseits wird es keine auf Dauer angelegte
Friedensordnung in Europa geben, allenfalls eine neue Blockgrenze am Westrand
des slawisch-orthodoxen Raums. Ohne auf beiderseitigen Nutzen konzentrierte
Kooperation wächst kein halbwegs ausgeglichener Wohlstandsraum, der jedem
Extremismus und politischem Abenteurertum den Nährboden entzieht. Die
6
Perspektive auf einen gesamteuropäischen Friedensraum hat durch den Kosovo-
Krieg einen schweren Schaden genommen, nicht nur materiell, sondern vor allem im
Bewußtsein der Menschen und politischen Eliten in Rußland. Für die USA jedoch
gelten mittel- und langfristig andere Interessen, als daß die europäische
Kontinentalmasse zu einem politischen und ökonomischen Großraum gleichen oder
höheren Gewichts zusammenwächst.
Auch die internationalen Finanzmärkte beantworteten das Cui-bono dieses Krieges
eindeutig: In dem seit Januar 1999 ausgerufenen Wettlauf zwischen EURO und USDollar
verlor die EU-Währung. Der Chefökonom der Deutschen Bank warnte schon
nach dem ersten Kriegsmonat, daß mit dem Andauern der Angriffe eine Parität von
Dollar und EURO (!) ins europäische Haus stehe. Die von der EUAußenministerkonferenz
am 7. April 1999 beschlossenen Aufwendungen in Höhe
von 500 Millionen DM - während die Kriegskosten des ersten Monats bereits
zwischen drei und neun Milliarden Dollar lagen1 - sind einerseits ein Armutszeugnis
gegenüber den Militärausgaben, andererseits sind sie nur eine kleine Anzahlung auf
die kommenden Mindestaufwendungen. Bill Clinton führt den Marshall-Plan im
Munde und hat den Morgenthau-Plan im Tornister, wohl wissend, daß es weitgehend
die westeuropäischen Mitbewerber am Weltmarkt sind, die die Zeche für die
Beseitigung der Kriegstrümmer zahlen werden. Konservative Politiker mit
ausgeprägterem Empfinden für nationale Interessen - öffentlich solche der CSU wie
Peter Gauweiler, aber auch Alfred Dregger - sprachen sich gegen den US-geführten
Schlag aus. Volker Rühe, der die deutschen Streitkräfte als Verteidigungsminister auf
solche Einsätze vorbereitet hatte, votierte - mindestens mit einem Seitenblick auf die
Nachfolge Uwe Barschels als christdemokratischer Regierungschef in Kiel - früh
gegen Bodeneinsätze. Führende Unionspolitiker scheuten sich nicht, der rot-grünen
Bundesregierung Amerikahörigkeit zu bescheinigen. Das hätte die ganze Union
angesichts anstehender Wahlkämpfe jedoch nicht gehindert, aus parteitaktischen
Gründen die Gefahr einer Isolation, der Bündnisuntreue etc. etc.
heraufzubeschwören, wenn die wenig gefestigte Regierung Gerhard Schröders im
Februar 1999 Zweifel an der Weisheit der Clinton-Administration geäußert hätte -
muß man gerechterweise wohl hinzufügen.
1 Vgl. SZ vom 14.4.1999
7
Um die in der Region selbst wurzelnden geopolitischen Probleme zu diskutieren, ist
ein historischer Rückblick erforderlich, nicht jener auf das Amselfeld im Jahre 1389,
sondern der kurze auf das Albanien in den ausgehenden 80er Jahren. Mit dem
Austritt aus der jahrzehntelangen Selbstisolation Albaniens nach dem Tode Envar
Hodschas im April 1985 öffnete sich in dem kaum entwickelten Land zugleich ein
Machtvakuum, in das zwei Mächte vorstießen. Die Türkei sandte Militär- und
Geheimdienstberater und lieferte den Glaubensbrüdern Militärgerät. Der Besuch von
Franz Josef Strauß 1987 in Albanien, in dessen Gefolge Wirtschaftsverträge
abgeschlossen wurden, und die anschließende Visite von Außenminister Hans
Dietrich Genscher markieren eine westdeutsche Gegenoffensive. Seither genießen
die Regierungen in Tirana die militärische und nachrichtendienstliche Unterstützung
der Bundesrepublik Deutschland. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes
erläuterte dem grünen Abgeordneten Manfred Such im April 1997, seit 1990 seien
militärische und dual-use-Güter im Wert von nur ca. zwei Millionen DM nach Albanien
gegangen, darunter 1995 mit Billigung des Bundessicherheitsrats 20 Triebwerke
MiG-21. 1993 sei für 500.000 DM Polizeihilfe geleistet worden, und im übrigen habe
die BRD ab Mai 1995 beim Aufbau einer Militärakademie und eines Militärhospitals
gehofen, zwei Militärberater entsandt, im September 1996 einen deutsch
ausgebildeten albanischen Sicherungszug in das deutsche IFOR-Kontingent
eingebunden und seit 1992 27 albanische Militärs ausgebildet. Dem SPDAbgeordneten
Norbert Gansel war seitens der Regierung vorher mitgeteilt worden,
allein zwischen dem 1. Januar 1994 und Ende Mai 1996 seien
Ausfuhrgenehmigungen nach Albanien nur für Rüstungsgüter in Höhe von 2,6
Millionen DM erteilt worden2. Was der Bundesnachrichtendienst zusätzlich in
Richtung Tirana auf den Weg gebracht hatte, ließ die Regierung unbeantwortet.
Die gegenüber dem Westen eingesetzte Abhörtechnik des MfS war mit der Wende in
Rußland verschwunden. Die zur Inlandsüberwachung des DDR-Telefonnetzes
eingesetzten Geräte älterer Bauart fielen der Bundeswehr ebenso wie Funkgeräte
bei der Übernahme der Liegenschaften in großen Mengen in die Hände und landeten
in westdeutschen Depots. Das MAD-Amt in Köln hat 1991 einen Teil der MfSTechnik
an den albanischen Geheimdienst geliefert. Gemanagt wurde dieser Deal
durch den BND-Residenten in Tirana. Während Helmut Kohl nicht müde wurde, die
2 Vgl. Antwort des Parl. Staatssekretärs Lammert auf die Frage des Abgeordneten Gansel
(Drucksache 13/4828)
8
DDR wegen der Lauschangriffe auf ihre Bürger als Unrechtsstaat zu klassifizieren,
lieferten seine Nachrichtendienste BND und MAD Funk- und Abhörgeräte zur
Telefonüberwachung aus den Beständen des Ministeriums für Staatssicherheit und
Observationstechnik aus den Altbeständen der Nachrichtenschule der Bundeswehr
nach Tirana und bildeten Angehörige des albanischen Geheimdienstes SIKH daran
aus - ein ein klarer Verstoß gegen das MAD-Gesetz3. Der BND war seit dem Ende
der 80er Jahre sichtlich bemüht, den wachsenden türkischen Einfluß in Tirana
auszupendeln und dürfte auch bei der Kooperation mit der UCK maßgeblich von dem
Motiv geleitet worden sein, den Einfluß der 1912/13 von dort ausgesperrten Türkei
auf dem Balkan möglichst gering zu halten. Die Pullacher mußten von Anfang
merken, daß sie dabei zugleich einen Paten des kosovarischen Separatismus
unterstützen. Albanien hatte im September 1990 eine Kosovo-Republik anerkannt,
ihr Unterstützung zugesagt und spätestens mit der Erklärung von Sali Berisha
gegenüber "El Pais" am 26. März 1992, Albanien werde Heimat aller Albaner, den
Anschluß-Separatismus auch offen unterstützt.
Einen fruchtbaren Nährboden für militante Separatisten im Kosovo hatte die fatale
Entscheidung von Slobodan Milosevic bereitet, der Provinz im Januar 1989 ihre
Autonomie zu rauben und an die Stelle der strukturellen Benachteiligung eine
massive Repression zu setzen. So bildeten sich zum Anfang der 90er Jahre
zunächst regionale Widerstandsgruppen, die jedoch erst mit einem
Bekennerschreiben zu einem terroristischen Anschlag im Februar 1996 als UCK die
Medienbühne der Weltöffentlichkeit betraten. Es spricht für die seinerzeit
ausbaufähige Staatstreue der Kosovaren, daß es mehrere Jahre dauerte, bis aus
dem Milieu der chancenlosen Intelligenz in Pristina der harte Kern des militärischen
Widerstands wuchs4.
Auch im Bosnien-Krieg kämpften 1993 nur wenige Kosovo-Albaner in den
zahlreichen paramilitärischen Verbänden für die muslimische Sache. Konzentriert
waren diese Albansko Sandzacka - nach Erkenntnissen des niederländischen
3 Der Auftrag des MAD nach MAD-Gesetz vom 20.12.1990 ist die Sammlung und Auswertung von
Informationen zum Schutz der freiheitlich demokratischen Grundordnung sowie der Spionage- und
Sabotageschutz, sofern ein Zusammenhang mit dem Geschäftsbereich des Bundesministers der
Verteidigung besteht. Partnerdienstbeziehungen zu ausländischen Geheimdiensten sind allenfalls zur
Erfüllung des gesetzlichen Auftrags (Abwehr von Spionage, Sabotage und Zersetzung innerhalb der
Bundesrepublik) mit dem MAD-Gesetz vereinbar.
4 Vgl. New York Times vom 28.3.1999
9
Militärgeheimdienstes vom Juli 1994 - im Raum Kresevo in einer Untergruppe der
Black Swans, die den schwarzen Schwan, der eine weiße Frau vergewaltigt, im
Wappen führen5. Im Gegenzug stützen auch nur wenige Kroaten die UCK, im Juni
1998 waren es etwa 40 Söldner aus der Herzegowina6. Einer niederländischen
Tageszeitung offenbarte ein wichtiger UCK-Kommandant im Juli 1998, der bis zum
März 1998 vier Jahre in Deutschland verbracht hatte, die Organisation des
bewaffneten Kampfes habe 1991 und weitgehend im Ausland begonnen. In den USA
und in Westeuropa hätten die organisierte Beschaffung von Geld und die politischen
Bemühungen zur Schaffung eines vereinten Albanien eingesetzt7.
Vom Bundesamt für Verfassungsschutz wurde die UCK als terroristische Vereinigung
eingeschätzt und entsprechend überwacht. Der BND nahm zur militanten Opposition
in der Bundesrepublik etwa 1992 erste Kontakte auf und entwickelte schnell gute
Beziehungen zu ihr. Sein Startvorteil gegenüber den anderen westeuropäischen
Nachrichtendiensten lag darin, daß ein zahlenmäßig und politisch gewichtiger Teil
der UCK-Führer in Deutschland agierte und sich die Bundesrepublik zur
europäischen Drehscheibe erkoren hatte. Zunächst und bis 1997 bestand die UCK
nur aus einem schmalen Kern von nur etwa 2.000 professionellen Kämpfern -
darunter etwa 250 ehemalige Offiziere der jugoslawischen Bundesarmee - auf der
einen und den zahlenmäßig dominierenden Dorfmilizen auf der anderen Seite, die
aus dem traditionellen tribalen Clanstrukturen gebildet wurden.
Die militärische Taktik der Terror-Gruppen bestand von vornherein darin, mit ihren
Kernverbänden serbische Polizeistationen und -konvois aus dem Hinterhalt
anzugreifen und sich anschließend in die Berge zurückzuziehen8, so daß die
schlecht bewaffneten Dorfmilizen anschließend den brutalen Counter-Guerilla-
Operationen der serbischen Sicherheitskräfte hilflos ausgeliefert waren. Bei ihren
militärischen "Nadelstichen" gegen Regierungstruppen und Sonderpolizeien setzte
5 Vgl. Militaire Inlichtingendienst, Afdeling Landmacht, Sectie Inlichtingen: SUPINTREP -
Paramilitaire/Extremistische Groeperingen/Eenheden in Bosnie-Herzegowina en Kroatie, STG
CONFIDENTIEEL, Nr. 29417/4/040794, S. 16
6 Vgl. Vecernji list, Zagreb 14.6.1998
7 Vgl. Haagsche Courant vom 27.6.1998
8 Der "Volksbund des Kosovo", 1993 gegründet, verlautbarte im März 1995 in Tirana, er habe 130
Überfälle auf serbische Behörden verübt. Die "erste Schlacht" habe am 25./26. November 1997 in den
Dörfern Lausa und Vojnik stattgefunden.
10
die UCK ab dem Frühsommer 1998 zunehmend auch auf Angriffe gegen die
serbische Minderheit im Kosovo, um sie von dort zu vertreiben9.
Die amtliche Auskunft des Auswärtigen Amtes vom 28. Dezember 1998 an das
Niedersächsische Oberverwaltungsgericht spiegelt die Lage und die Ziele der
Parteien während dieser Phase des Bürgerkriegs zwischen UCK und serbischen
Verbänden: "Nach Erkenntnis des Auswärtigen Amts sind die Maßnahmen der
Sicherheitskräfte in erster Linie auf die Bekämpfung der UCK gerichtet, die unter
Einsatz terroristischer Mittel für die Unabhängigkeit des Kosovo, nach Angaben
einiger ihrer Sprecher sogar für die Schaffung eines 'Groß-Albanien' kämpft". Am
Frieden wenig interessiert eskalierte die rapide anwachsende UCK den Bürgerkrieg
und kontrollierte im September 1998 40 Prozent des Kosovo. Die jugoslawischen
Streitkräfte schlugen zurück und massakrierten dabei vielfach unbewaffnete
Zivilisten. Die Drohung mit Luftschlägen führte im Oktober 1998 zu einer
Waffenstillstandsvereinbarung, aber die hielt nur bis zum Januar 1999. Die UCK
nahm ihre Operationen wieder auf und die brutale Counter-insurgency-Kampagne
der jugoslawischen Streitkräfte fand einen blutigen Höhepunkt in Rajak10.
William Walker, der amerikanische OSZE-Chef setze unterstützt vom State
Department die Legende in die Welt, dort habe eine Massenexekution serbischer
Sicherheitskräfte an unbewaffneten Dorfbewohnern stattgefunden. Das Auswärtige
Amt in Bonn verhinderte gezielt die Veröffentlichung der Obduktionsergebnisse einer
finnischen Ärztekommission und half damit, das angebliche Massaker von Rajak als
letztlicher Kriegsauslöser zu legitimieren11. Einzelheiten aus dem mittlerweile bekannt
gewordenen Obduktionsprotokoll hingegen, dass es sich keineswegs um ein
Massaker an unschuldigen Zivilisten gehandelt hatte, sondern mehrheitlich um in
einer Gefechtssituation getötete UCK-Kämpfer, denn bei 39 der 40 Leichen gab es
keine Beweise für aufgesetzte oder aus kurzer Entfernung abgegebene Schüsse, die
Schußkanäle waren typisch für Kampfhandlungen und bei 37 der 40 Toten fanden
sich als Zeichen eigenen Schußwaffengebrauchs Pulverpartikel an den Händen12.
Wie Diana Johnston schon im Herbst 1999 nachgewiesen hatte, handelte es sich in
9 Vgl. New York Times vom 24.6.1998, der zufolge in wenigen Tagen fünf serbische Dörfer um Klina
eingenommen und etwa 900 Serben vertrieben wurden
10 Vgl. Los Angeles Times vom 11.4.1999
11 Vgl. Elsässer, Jürgen: Tödliche Lügen, in: konkret 5/200, S. 12f.
12 Vgl. Elsässer, Jürgen: Geheimakte Racak, in: konkret 5/200, S. 14f.
11
Rajak am 15. Januar 1999 eindeutig um eine der OSZE angekündigte Polizeiaktion
gegen die Mörder von fünf #Polizisten und zwei albanischen Zivilisten13.
Neun Tage vor Beginn des Nato-Luftkriegs hatte das AA am 15. März 1999
dargelegt: "Wie im Lagebericht von 18.11.1998 ausgeführt, hat die UCK seit dem
Teilabzug der (serbischen) Sicherheitskräfte im Oktober 1996 ihre Stellungen wieder
eingenommen, so daß sie wieder weite Gebiete im Konfliktgebiet kontrolliert. Auch
vor Beginn des Frühjahrs 1999 kam es weiterhin zu Zusammenstößen zwischen
UCK und Sicherheitskräften, auch wenn diese bislang nicht die Intensität der Kämpfe
vom Frühjahr/Sommer 1996 erreicht haben. (...) Es handelte sich bei den
jugoslawischen Gewaltaktionen und Gewaltexzessen seit Februar 1998 um ein
selektives gewaltsames Vorgehen gegen die militärische Untergrundbewegung
(insbesondere der UCK) und deren Umfeld in deren Operationsgebieten. Ein
staatliches Verfolgungsprogramm, das sich auf die gesamte ethnische Gruppe der
Albaner bezieht, besteht nach wie vor nicht".
Die UCK selbst bezifferte im Vorfeld von Rambouillet die Zahl der Toten in dem bis
dahin elfmonatigen Kampf im Februar 1999 auf 2.00014, und bestätigt so
eindrucksvoll, daß der NATO-Krieg ein beträchtlicher Multiplikator ist, was die Zahl
der Kriegsopfer betrifft. CIA-Chef George Tenet warnte zu dieser Zeit, daß es beim
Ausbleiben einer Friedenslösung nach dem Winter zu einer massiven Verschärfung
der militärischen Auseinandersetzungen im Kosovo kommen könne, da die UCK
inzwischen weit besser ausgebildet und ausgerüstet sei als zuvor. Die Lage sei auch
deshalb viel gefährlicher als im Bosnien-Krieg, weil die Kriegsparteien hier nicht
erschöpft seien15. Dem Armed Services Committee des Senats erklärte der CIA-Chef
Anfang Februar 1999, Belgrad werde versuchen, die UCK ein- für allemal
auszuschalten, während die Rebellen die Fähigkeit gewonnen hätten, den
serbischen Streitkräften größere Verluste zuzufügen. Beide Seiten würden
voraussichtlich die Zivilbevölkerung angreifen und es würde weit mehr als die
250.000 Flüchtlinge der vergangenen Jahre geben16. Hintergrund dieser Warnungen
13 Vgl. Johnston, Diana: Das Racak-Massaker als Auslöser des Krieges, in: Bittermann, Klaus und Thomas
Deichmann (Hrsg.): Wie Dr. Joseph Fischer lernte, die Bombe zu lieben, Berlin 1999, S. 56
14 Vgl. Chicago Tribune vom 5.2.1999
15 Vgl. Sacramento Bee vom 4.2.1999
16 Vgl. Chicago Tribune vom 4.2.1999
12
waren u.a. die Hinweise des österreichischen Heeresnachrichtenamtes (HNA), das
die Operation "Hufeisen" der jugoslawischen Streitkräfte aufgeklärt hatte17.
Nach Angaben der Washington Post hatte das HNA bereits im Januar 1999
Aufklärungsergebnisse an US-Dienste über eine im Kosovo bevorstehende serbische
Operation Hufeisen weiter gegeben. Kommentatoren der US-Presse vermuteten,
dass es in amerikanischer Absicht lag, via Washington Post die de facto Aufgabe der
Neutralität öffentlich zu machen, m.E. auch, um die Dominanz der transatlantischen
Partnerdienstbeziehung des HNA hervorzukehren. Offensichtlich, um diesem
Eindruck entgegenzuwirken, hat Österreichs Außenminister Wolfgang Schüssel
erklärt, die Informationen persönlich bei einer EU-Außenministerkonferenz mündlich
weitergegeben zu haben.
Der Sprecher des Verteidigungsministeriums Wolfgang Pucher dementierte - laut
Kurier vom 20.4.1999 - die Weitergabe von "strukturierten Daten an die USA, die
NATO oder sonst wen", wollte informelle Kontakte einzelner jedoch nicht
ausschließen: "Die Amis sitzen in Bosnien, Mazedonien, Italien, Ungarn und sind
technisch voll gerüstet. Die brauchen uns nicht". Dieses Dementi weist in die richtige
Richtung, weil es die personellen und technischen US-Kapazitäten bei der
Nahaufklärung und beim Abgleich mit kontinuierlich angehäuftem Vergleichswissen
vorsätzlich überschätzt.
Eingeweihte Nachrichtendienstspitzen in Westeuropa verweisen in diesem
Zusammenhang darauf, dass der der Öffentlichkeit vermittelte Eindruck eines
Austausches von "finished intelligence" falsch ist. Um die Operation Hufeisen
aufzuklären, hätte es eines konzertierten Zusammenwirkens eines
Nachrichtendienstes mit SATINT-Kapazitäten - nämlich der NSA - und eines FmElo-
Nahaufklärers - nämlich des HNA - bedurft. Es handelte sich nicht um eine bloße
Datenübermittlung, vielmehr gab es von vornherein um ein operatives
Zusammenwirken amerikanischer und österreichischer FmElo-Aufklärer unter
Führung der NSA18.
Mit den im Sommer 2000 vorliegenden Informationen muss man zu der Wertung
gelangenen, dass es sich bei der angeblich im November 1998 generalstabsmäßig
vorbereiteten Operation Hufeisen und eine weitgesteckte Counterguerilla-Operation
gegen die UCK handelte, die durch das Vorenthalten der tatsächlichen
nachrichtendienstlichen Erkenntnisse insbesondere von Rudolf Scharping und
17 Vgl. Format 17/1999 und Profil vom 26.4.1999
18 Vgl. Schmidt-Eenboom, Erich: Kurzvortrag zur Enquete Polizeistaat Europa, Wien 1.6.1999
13
Joseph Fischer zu einer Vertreibungs- und Vernichtungspolitik hochstilisiert wurde,
um – analog zu Rajak – die brüchige Legitimationsgrundlage des Krieges zu
stärken19.
Bevor die US-Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg in Sizilien landeten, vergewisserten
sie sich der Unterstützung der Mafia bei der Invasion. Als langanhaltende Spätfolge
bestimmte die unheilige Allianz aus der "ehrenweren Gesellschaft", der Polit-Clique
um Giulio Andreotti und amerikanischer Einflußpolitik in Rom die Geschicke des
Landes, hielt es gegen die KPI fest in der westlichen Militärallianz. Die amerikanische
Hinwendung zur UCK ist die Neuauflage der damals so erfolgreichen Strategie, sich
mit einer Mafia gegen einen Diktator zu verbünden. Finanziert wurde die UCK seit
Anfang der 90er Jahre durch Millionenbeträge, die sie vor allem von Exilalbanern aus
den Vereinigten Staaten, der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland erhielt.
Im Sommer 1998 bezifferte der Verantwortliche Ibrahim Kelmendi die
Tageseinnahme auf 300.000 DM20. Serbische Schätzungen beziffern die
Gesamteinnahmen bis März 1999 auf etwa 900 Millionen DM, der BND geht von ca.
500 Millionen aus. Neben den "Spenden" erhielt die UCK auch zwangseingetriebene
"Kriegssteuern" und - ausweislich der Ermittlungen von Europol - große Summen aus
dem von Kosovaren kontrollierten Bereich der organisierten Kriminalität, zumal sich
das "Mutterland" seit der Mitte der 90er Jahre zu einem Eldorado für Großkriminelle
entwickelt hatte. Sali Berisha hat in einem Interview mit der Zeitschrift Republika am
11. August 1998 erklärt, es herrsche Chaos in Nordostalbanien, Mafia und korrupte
Polizei seien gemeinsam beim Waffenhandel aktiv, und in Albanien blühe der größte
Rauschgifthandel in ganz Europa. Und Berisha weiß, wovon er spricht, denn ihm und
seinem Clan wird eine Schlüsselrolle im Drogenhandel zugeschrieben.
Europaweit wissen Polizeibehörden und Nachrichtendienste um die zentrale Rolle,
die Kosovaren und Albaner im Organisierten Verbrechen, vornehmlich beim
Schmuggel harter Drogen, spielen. Im Bericht des Bundeskriminalamtes über die
Lage des organisierten Verbrechens 1997 wurde konstatiert, daß sich die Guerilla
der UCK auch aus Profiten des Verbrechens finanziert21. Im Juli 1998 berichtete das
19 Vgl. Elsässer, Jürgen: Scharpings Planspiel, in: konkret 5/2000, S. 16ff.
20 Vgl. DIE WOCHE vom 10.7.1998
21 Vgl. Focus vom 27.7.1998
14
norwegische Fernsehen über zahlreiche Fälle von Heroinschmuggel durch Kosovo-
Albaner. Der norwegische und schwedische Sicherheitsdienst schätzen, daß der
Heroinschmuggel nach Skandinavien zu 80 Prozent in den Händen ethnischer
Albaner liegt, und Walter Kege, Leiter der Drogenbekämpfung bei der schwedischen
Polizei, gab sich im Interview sicher, daß die Gewinne von mehreren hundert
Millionen Kronen in den "sogenannten Befreiungskampf" im Kosovo gesteckt wurden.
Pierre Duc, Leiter der Drogenbekämpfung in Lausanne, erklärte im Juli 1998, auch in
der Schweiz würden 90 Prozent des Heroinhandels von albanischen
Schmugglerringen umgeschlagen, die über dieselben Kanäle in die Gegenrichtung
auch Waffen schleusten22. Im Januar 1999 wurde Agim Gaschi, ein 35jähriger
Mafiaboss aus Pristina, der den Mailänder Drogenmarkt beherrschte, vom Anti-
Mafia-Direktorat und einer Spezialeinheit der Carabinieri festgenommen. In ihrer
Operation "Afrika" hatten die italienischen Sicherheitsbehörden ermittelt, daß der
Drogenhändler aus einem der in Norditalien dominierenden Verbrecher-Clans für
einige Milliarden Lire Kalaschnikow, Panzerfäuste und Granaten in Rumänien,
Bulgarien und Albanien für die UCK hatte erwerben lassen23. Die Schweizer
Behörden froren im Sommer 1998 eine Reihe von Konten ein, über die illegale
Gelder für die UCK gesammelt wurden24. In den USA hielt sich James Rubins,
Sprecher des State Department, in einer Pressekonferent am 28. Juli 1998 bedeckt.
Schweizer Aktionen mißbilligte er nicht, der Frage nach einem Nachziehen der
Vereinigten Staaten wich er aus25. Bereits im Mai 1998 hatte das USJustizministerium,
nachdem drei bis vier Millionen US-Dollar für die UCK gesammelt
worden waren, verlautbart, Mittel für eine irreguläre Armee zu besorgen, sei nicht
illegal, solange diese nicht als Terrororganisation registriert sei26.
In der Bundesrepublik Deutschland hatte das Bundesaufsichtamt für das
Kreditwesen im Oktober 1998 – offensichtlich aufgrund von anonymen Hinweisen
des serbischen Geheimdienstes - 180 Verfahren gegen Unternehmen eingeleitet, die
entgegen der Neuregelung des Kreditwesengesetzes Millionenbeträge für
Waffenkäufe zur UCK transferiert hatten. In der Folge schalteten die Exilanten auf
22 Vgl. Washington Post vom 27.7.1998
23 Vgl. Corriere de la Serra vom 19.1.1999
24 Vgl. ap vom 27.7.1998
25 Vgl. Reuters vom 28.7.1998
26 Vgl. Washington Post vom 16.5.1998
15
klassische Kurierwege um27. Das Bundesaufsichtsamt beklagte bei seinem Bericht
an die Bundesregierung ausdrücklich, daß "andere Bundesbehörden" diese
kriminellen Aktivitäten tatenlos hinnähmen und zielte damit vor allem auf den
Bundesnachrichtendienst, der mit der UCK in Albanien und im Kosovo kooperiert.
Die serbische Seite hat in einem ausführlichen Dossier vom 8. März 1999 ihre Sicht
der deutschen Unterstützung für die terroristische Vereinigung dargelegt. Die Palette
der Vorwürfe ist breit. Sie reicht von der "Gastfreundschaft für Separatisten und
Terroristen" - beispielweise für Bujar Bukoschi, den Exil-Ministerpräsidenten, oder für
Sali Xhelcaji, den Organisator der militärischen Ausbildung in Albanien -, über die
Unterstützung bei der Rekrutierung in albanischen Clubs wie "Jusuf Grvala" in
Hannover oder "Emil Duraku" in Düsseldorf bis hin zu illegalen Lieferungen von
Waffen und Fernmeldemitteln, die von deutschen Nachrichtendiensten gesteuert
worden seien.
Als Partner der UCK ist der BND über die Entwicklungen im Kosovo gut unterrichtet.
In seinem Artikel über die 20 beim BND in Pullach auf den Kosovo-Krieg angesetzten
hochrangigen Mitarbeiter und über den fernmeldelektronischen Einsatz gegen den
serbischen Militärfunk hat Hans Leyendecker in der Süddeutschen Zeitung den
bemerkenswerten Satz formuliert: "Viele der Geschichten über angebliche
Massengräber und Greueltaten der Serben werden von Pullach als
nachrichtendienstliche Desinformation bewertet, mit denen Politik gemacht werde"28 -
ein Schlag ins Gesicht für die deutschen Drohnen, die die Ausplünderung von
Vertriebenen abbilden, und der fleißigen Bienen auf der Hardthöhe, die darauf
Anklagen für den Internationalen Gerichtshof in Den Haag stützen möchten.
Die militärische Stärke der UCK betrug 1997 etwa 15.000 Mann, im Sommer 1998
nach eigenen Angaben 30.000. Durch Rekrutierungen im Ausland aufgrund ihres
Mobilmachungsbefehls vom März 199829, im Kosovo und in Flüchtlingslagern wuchs
sie 1998 deutlich an und konnte insbesondere ihren Bestand an "hard core fighters"
bis 1999 auf 12.000 steigern30. Nach serbischen Angaben gehören dazu etwa 1.000
Söldner aus Albanien, Saudi-Arabien, dem Jemen, Bosnien-Herzegowina und
27 Vgl. DER SPIEGEL 51/1998
28 Vgl. SZ vom 14.4.1999
29 Vgl. DER SPIEGEL 15/1999
30 Vgl. Newsday vom 22.4.1999
16
Kroatien. Instrukteure und Ausbilder kämen aus den USA, Großbritannien,
Frankreich, Italien, Albanien und nicht zuletzt Deutschland. Die Ausbildung erfolge in
Camps in Albanien nahe der jugoslawischen Grenze, eine Vorausbildung auch in
Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ein spezielles Ausbildungslager für
Kommandoeinheiten verortet das Belgrader "Weissbuch" in einer Kaserne bei
Cekmeze in der Türkei31. Seinen Familienbesitz bei Tropoja hat Sali Berisha, zu
dessen Wahlkampf 1992 Bujar Bukoschi als Asylbewerber nachhaltig finanziell
beitrug, als größte Basis der UCK bereitgestellt32. Nach einem Kriegsmonat des
NATO-Luftkriegs reklamierte der UCK-Sprecher am 20. April 1999 in der
Tageszeitung "Die Welt" eine Armee von 50.000 bewaffneten Kämpfern sowie
weiteren 50.000 Rekruten, die noch bewaffnet und ausgebildet werden müßten. Das
Gebiet, das die Untergrundarmee kontrolliere, beherberge 700.000 Kosovaren.
Diese Angaben mochten übertriebene Propaganda sein. Doch während die NATO
das Kriegsgeschehen im Kosovo auf die Darstellung einer serbischen Vertreibungsund
Vernichtungskampagne gegenüber einer wehr- und schutzlosen
Zivilbevölkerung verkürzte, fand zugleich ein blutiger Bürgerkrieg zwischen UCK und
serbischen bewaffneten Kräften statt. Nach jugoslawischen Angaben wurden allein
an der Grenze zu Albanien Anfang April 1999 150 UCK-Kämpfer getötet33. Als Grund
für ihren Teilabzug aus dem Kosovo gab die serbische Generalität Mitte Mai an, die
UCK sei besiegt. Allenfalls war sie jedoch aus einigen Gebieten verdrängt, in
anderen stärker geworden, doch die NATO ließ die Zwecklüge Belgrads diesesmal
gerne unwidersprochen.
Zur Bewaffnung der kosovarischen Untergrundarmee zählen überwiegend moderne
Handfeuerwaffen vom Typ Kalaschnikow. Darüber hinaus verfügt sie über
Gewehrgranaten und wenige panzerbrechende Waffen, beispielsweise über die
Panzerfaust Armbrust, die in deutscher Lizenz in Singapur gefertigt wird und in
Expertenkreisen als "special gift" des BND gilt. Quelle des militärischen Rüstzeugs
sind in Albanien seit dem Lotterieaufstand vom März 1997 vagabundierende Waffen
31 Vgl. Weissbuch "Der Terrorismus in Kosovo und Metohija und Albanien", Belgrad September
1998, S. 221ff.
32 Vgl. New York Times vom 10.6.1998
33 Vgl. Los Angeles Times vom 13.4.1999
17
deutscher und türkischer, aber auch amerikanischer und israelischer Herkunft34. Bei
den Plünderungen von Kasernen und Depots wurden 1997 etwa 650.000
Feuerwaffen, 20.000 Tonnen Sprengstoff und 1,5 Milliarden Schuß Munition in
Umlauf gesetzt, von denen etwa ein Viertel als solidarische Hilfe - zumeist jedoch
gegen harte Währung - zur UCK gelangten. Die zweite Bezugsadresse für die
Kampf- und Kommunikationstechnik sind von Nato-Geheimdiensten unterstützte
Rüstungskäufe. Die aus dem Ausland aufgebrachten Mittel zur Aufrüstung der UCK
sind für die Erstausstattung der Untergrundarmee mit Tarnanzügen,
Handfeuerwaffen und Fernmeldemitteln weitgehend verbraucht worden. Seit dem
Frühjahr 1999 bemüht sich die UCK auf dem internationalen Waffenmarkt um den
Ankauf schwerer Waffen, die ihr ein Vorgehen gegen gepanzerte serbische Einheiten
erlaubt, bekommt aber von den "unabhängigen" Waffenhändlern offensichtlich nicht
das angeboten, was sie sich an großen Kalibern wünscht35.
Nachdem Pandeja Majko im Oktober 1998 Regierungschef in Tirana geworden war,
setzte Albanien weiterhin alles daran, aus den konkurrierenden und notorisch
zerstrittenen Fraktionen des albanischen Widerstandes eine Einheitsfront zu
schmieden, die den serbischen Streitkräften durch ihre Geschlossenheit Paroli bieten
könnte36. Unter den Fittichen der Regierung in Tirana wurde die UCK im Norden des
Landes zu einer modernen Streitmacht mit politischer Komponente aufgebaut -
assistiert vom albanischen Geheimdienst SIKH und dessen Partner, dem türkischen
Militärnachrichtendienst MIT. Der albanische Militärgeheimdienst soll die UCK seit
1996 auch unmittelbar bei ihren Gefechten mit den serbischen Gegnern
unterstützen.
Ihre höheren Weihen als gleich- oder sogar übergewichtiger Partner neben Ibrahim
Rugova am Verhandlungstisch von Rambouilett verdankt die UCK wesentlich den
deutschen Aufbauleistungen, dem albanischen Patronat und der massiven
Parteinahme zu ihren Gunsten seitens der Vereinigten Staaten in den ersten
Monaten des Jahren 1999. Die nachrichtendienstliche Hauptrolle in Albanien spielt
unter Majko die Central Intelligence Agency, die die UCK unter ihre Fittiche
genommen hat, sie politisch aufwertet und als Reservoir für Agententätigkeiten und
34 Vgl. u.a. Washington Times vom 8.4.1998 oder Balkan infos, Paris 5/1998
35 Vgl. Newsday vom 22.4.1999
36 Vgl. FAZ vom 18.1.1999
18
die Zielaufklärung im Kosovo einsetzt. Den Beginn erster CIA-Aktivitäten zugunsten
der UCK datieren Eingeweihte bereits auf das Jahr 199237.
Der US-Sonderbeauftragte für das frühere Jugoslawien, Robert Gelbard, hatte die
UCK im Februar 1998 noch als terroristische Organisation eingestuft. Nachdem USVertreter
Ende Juni 1998 mit UCK-Angehörigen zusammengetroffen waren, zogen
sich Sprecher des Pentagon und des State Department auf die Position zurück, es
habe terroristische Akte von einzelnen, irgendwie mit der UCK verbundenen
Menschen gegeben, das förmliche Verfahren, durch das in den USA eine
Vereinigung als terroristisch eingestuft wird, sei jedoch nie eingeleitet worden. Zur
Waffenbrüderschaft der NATO mit der UCK zählt seit mindestens März 1999 auch,
daß in Zwei-Mann-Teams operierende französische Fernaufklärer, die etwa 80 im
Kosovo eingesetzte Briten des Special Air Service und US-Spezialeinheiten wie die
Delta Force Scout-Dienste der UCK in Anspruch nahmen, sich bei der Zielsuche und
–markierung auf die Rebellen stützten38, nachdem sich zuvor amerikanische und
britische Special Forces unter der Tarnung von OSZE-Kontrolleuren im Kosovo
bewegt hatten39.
Offiziell hat US-Außenministerin Madeleine Albright die an sie herangetragenen
Wünsche, der UCK schwere Waffen aus den USA zu liefern, am 13. April 1999
abgelehnt, um das UN-Waffenembargo nicht zu verletzen40. Am 22. April 1999
berichtete Newsday, daß die Clinton-Administration ernsthaft die Möglichkeiten zur
verdeckten Bewaffnung und Ausbildung der UCK prüfe. Auf Weisung des Nationalen
Sicherheitberaters Sandy Berger hatte die CIA bereits vor Monaten mit der
Ausarbeitung von Plänen begonnen, wie die UCK zu einem ernsthaften Gegner der
jugoslawischen Armee aufgerüstet werden könne. Das bereits entwickelte Konzept
des US-Auslandsnachrichtendienstes war im April 1999 zwischen CIA und
Nationalem Sicherheitsrat umstritten und wurde mehrfach überarbeitet. Fraglich war
offensichtlich, wer die UCK ausbilden sollte und ob sie die geforderten
panzerbrechenden Waffen bekäme.
37 Vgl. USA TODAY vom 20.4.1999
38 Vgl. auch SZ vom 12.4.1999, wo UCK-Auslandssprecher Kicmari die UCK-Aufklärung zugunsten
der NATO hervorhob.
39 Vgl. Intelligence vom 31.4.1999
40 Vgl. Los Angeles Times vom 13.4.1999
19
Der amerikanische Senator James A. Traficant unterbreitete im April 1999 einen
Gesetzesvorschlag, den "Kosova Independence and Justice Act 1999", die UCK in
einem Umfang von zunächst 25 Mio. Dollar zu rüsten, und begründete seinen
Vorstoß hemdsärmelig damit, die Untergrundarmee bekämpfe schließlich denselben
Gegner wie die US-Luftstreitkräfte41. Mit dem „Kosova-Self-Defense Act„, der 25
Millionen US-Dollar zur Ausbildung und Aufrüstung von 10.000 UCK-Kämpfern in
zehn Bataillionen vorsah, stießen die Senatoren Mitch McConnell und Joseph
Liebermann nach, die sich auf eine breite Lobbyarbeit des Direktors der AACL
(Albanian-American Civil League) stützen konnten42.
Die Österreichische Militärische Zeitschrift ÖMZ rubriziert die Aufspaltung der alten
Bundesrepublik Jugoslawien seit Jahren als "Neuordnung des südslawischen
Raumes„. Die ordnende Hand der Nato folgt dabei - bewußt oder unbewußt - im Kern
den territorialen Mustern, die in Hitlers Reichskanzlei für die Zeit nach dem "Endsieg"
in den Schubladen ruhten: Ein im Nordwesten dominierendes, gleichwohl
abhängiges Kroatien und im Südosten ein großalbanisches Gegenstück. Insofern
unterlag die vom Pentagon zur Vorbereitung eines Bodenkrieges vorgenommene
Analyse der dort verlorenen Schlachten der Hitler-Wehrmacht einer gewissen Logik.
Mißlich ist diese Traditionslinie für jene, die im Krieg um die Köpfe die tiefe linke
Flanke der Nato sichern. Frank Schirrmacher hat in der Frankfurter Allgemeinen
Zeitung daraufhingewiesen, daß Joschka Fischer dieses Dilemma auf dem
Bielefelder Sonderparteitag mit einer „grandiosen List„ ins Gegenteil zu kehren
suchte: „Ihm gelingt es nicht nur durch die Aussendung des kaum verschlüsselten
Signals, die Nato zur Hilfstruppe einer Guerilla zu machen. Er heilt den
biographischen Riß, der durch die Lebensläufe seines Publikums geht; plötzlich geht
der Legendenschein Che Guevaras und die Fisch-und-Wasser-Lehre aus der Mao-
Bibel über den Verteidigern des Krieges auf„. Laut weitergedacht hat der
Bundesaußenministers seine Parabel, Milosevic lasse aus dem Kosovo das ganze
Wasser ab, um die UCK auszutrocknen, nicht. Anderenfalls hätte sich die Frage
angeschlossen, was im Falle des von allen befürworteten Rückflutens käme: Würde
der im Auffangbecken besonders gut genährte Kampffisch UCK zum Vegetarier
mutieren oder im Kosovo und in Richtung Makedonien und Griechenland über sein
Revier hinaus die Jagd wieder aufnehmen? Allerhand Abträgliches über die UCK –
41 Vgl. Washington Times vom 20.4.1999
42 Vgl. The New American vom 24.5.1999
20
wie ihre Finanzierung aus der Organisierten Kriminalität oder ihre Sabotage jedes
Verständigungsfriedens durch Terrorakte – blieb unausgesprochen, vor allem aber
die in diesem Fall so notwendige Antwort darauf, wo die geistige Übereinstimmung
der „westlichen Wertegemeinschaft„ mit den von ihr bis Februar 1999 so
apostrophierten terroristischen Vereinigung liegt.
Auf den ersten Blick sind die UCK-Rebellen ideologisch wenig festgelegt, das
kosovarische Gegenstück zu den serbischen Tschetniks, nationalbesoffen und
kriegslüstern. In den deutschen Medien ist die Frage nach den geistigen Wurzeln der
albanisch-kosovarischen Guerilla kaum aufgeworfen worden, allenfalls wird sie - wie
von dem albanischen Schriftsteller Beqe Cufaj - als „Organisation mit linker
politischer Vergangenheit„ vorgeführt. Die New York Times wies allerdings in einem
Kommentar vom 28. März 1999 darauf hin, daß es bei der UCK hinter dem
großalbanischem Nationalismus eine skuril anmutende Mischung zweier
gleichermaßen totalitärer Lager gibt: Reaktionäre Marxisten-Leninisten, die auf
Albaniens Diktator Envar Hodscha fußen, und Abkömmlinge faschistischer, von
Italien gegründeter Milizen aus dem Zweiten Weltkrieg.
Nach dem Aufstand der Kosovo-Albaner von 1981 begann eine massive Verfolgung
der Separatisten. Viele Opfer dieser serbischen Repression gingen ins Exil, suchten
ihre politische Heimat vielfach in marxistisch-leninistischen Zellen und ihr
Auskommen durch eine Kooperation mit der albanischen Mafia. Nachdem der
ideologisch auf Mao tse Tung fixierte Envar Hodscha Ende 1982 einen blutigen
Machtkampf gegen die Anhänger des albanischen Ministerpräsidenten Mehmet
Schehu gewonnen hatte, die er der Zusammenarbeit mit der CIA und dem
jugoslawischen Nachrichtendienst UDBA verdächtigte, setzten in Albanien
Säuberungen ein, die Schehus Gefolgsleute ins türkische und westeuropäische
Ausland trieben.
Welche Rolle die aus Albanien und dem Kosovo vertriebenen Nationalkommunisten
für die Entwicklung der UCK spielten, läßt sich an der Figur Xhavit Haliti festmachen.
Haliti war Offizier des albanischen Geheimdienstes SIGURIMI und seines
Nachfolgers SIKH und in dieser Eigenschaft mit der Betreuung der Hodscha-
Anhänger im Schweizer Exil betraut. 1990 wurde sein Haus in Zürich durch einen
21
Anschlag des serbischen Geheimdienstes zerstört. Als sich am 13. August 1998 das
zunächst sechsköpfige Führungsgremium der UCK etablierte, gehörte er zu diesem
engeren Kreis und im Februar 1999 zählte er zu den albanischen Vertretern in
Rambouillet. Mit der Umgliederung der UCK-Führung im Mai 1999 rückte dieser
Nachrichtendienstoffizier Tiranas zum Repräsentanten der UCK in Albanien auf.
Vor dem Verfolgungswahn Hodschas hatte sich auch ein Teil der Elite –
insbesondere aus Albaniens SIGURIMI - nach Jugoslawien abgesetzt und wurde dort
vom Belgrader Geheimdienst im Kosovo angesiedelt – in der Hoffnung, den
großalbanischen Nationalismus kontrollierend unter die eigenen Fittiche genommen
und zugleich ein beachtliches Störpotential für den inneren Frieden des
Nachbarlandes in der Hand zu haben. Die jugoslawischen Offiziere und Politiker, die
ab 1996 zur UCK übertraten, kamen zum Teil aus diesem Lager. Ein anderer Teil
erfüllte bis 1997 offensichtlich die Erwartungen Belgrads, bis auch er sich wieder
dem albanischen Nationalismus verschrieb. Vertraute von Albaniens Staatschef Sali
Berisha klagten im März 1997, eine Koalition aus albanischen Alt-Stalinisten und
Geheimdiensten christlich-orthodoxer Staaten habe den Präsidenten gestürzt. Da sie
den Hintergrund ihrer Vorwürfe nicht offenbarten, glaubte die Öffentlichkeit an eine
obskure Verschwörungstheorie, obwohl Professort Marc Almond von der Oxford-
University ebenfalls eine Verbindung von albanischen Marxisten und der Mafia sah,
die auf diesem Wege die Rückkehr zur Macht vorbereitete. Parallel zur Offensive im
Kosovo versuchten offensichtlich dieselben politischen Kräfte im Mutterland die
Macht erringen. Daß der Chef der provisorischen Regierung und vormalige
Geheimdienstchef der UCK, Hashim Thaci, aus diesem Stall der
Nationalkommunisten stammt, zeigt die dominierende Stellung dieser
Geistesströmung in der UCK. Doch die Rebellenarmee hat auch eine
nationalsozialistische Komponente.
„Skanderbeg" heißt der Albanerclub in Ludwigshafen und der Name dieses im 15.
Jahrhundert gegen das Osmanische Reich kämpfenden Freiheitshelden war auch
der Ehrenname der im April 1944 von Heinrich Himmler aufgestellten, in weiten
Teilen mit Kosovaren aufgefüllten 21. Division der Waffen-SS, die - wie heute die
UCK - den albanischen Doppelgreif im Wappen führte. Bei ihren "Einsätzen im
örtlichen Partisanenkampf" beging dieser SS-Verband zahlreiche Kriegsverbrechen
22
an Juden und Serben43. Der Lagebericht des für die Feindlagebeurteilung
zuständigen Ic dieser Division vom 7. Juli 1994 hielt fest: "Die Festsetzung und
Abschiebung der Juden zur Arbeitsleistung in das Reich, sowie ihre Enteignung und
die Aufdeckung der gut organisierten kommunistischen Organisation sowie die
Sicherheitsverwahrung der Kommunisten und Bandenhelfer in einem KZ in Pristina
hat in dieser Richtung die Lage geklärt und im alteingessenen Volk Kosovos
Genugtuung erzeugt". Italien hatte 1941 den Kosovo weitgehend aus Jugoslawien
gelöst und Albanien zugeschlagen und damit das Tor zum Völkermord an den
Serben im Kosovo aufgestoßen. Als Titos Partisanen Ende 1944 den Kosovo
eroberten, floh das Fußvolk in die Berge, die politische und militärische Elite ging
nach Italien.
Auf den ersten Blick handelt es sich bei dieser Traditionslinie der UCK um eine
deutsch-italienische Erblast. Doch Hasan Dosti, Justizminister der Quisling-
Regierung in Albanien, Xhafer Deva, Innenminister des italienischen
Besatzungsregimes, und Midhat Frasheri, Chef der mit den Nazis kollaborierenden
Organisation Balli Kombetar, gingen 1949 in die USA, um dort das Nationalkommitee
für ein freies Albanien aufzubauen. Zuvor war Frasheri 1947 mit dem US-Botschafter
in Rom übereingekommen, 50 führende Albaner zum Kampf gegen den
Kommunismus in ihrer Heimat in die USA zu schicken. „Sobald sich Frasheri, Deva,
Dosti und noch einige seiner Mitarbeiter in den USA befanden, gründeten sie das
Nationale Komitee für ein freies Albanien, das von der CIA großzügig finanziert
wurde. (...) Sie alle waren als hohe Funktionäre im Nationalen Komitee für ein freies
Albanien sowie in zahlreichen albanischen Vereinen in den Vereinigten Staaten tätig„
44, hatte der US-Geheimdienstexperte Christopher Simpson 1988 recherchiert. Und
diese Albaner- und Kosovaren-Vereinigungen mit faschistischen Wurzeln sahen ab
dem Ende der 80er Jahre die Chance, nun zu erreichen, was den dilettantischen
Kommandounternehmen der CIA in den späten 40er Jahren versagt blieb: Die
Befreiung Albaniens und der Anschluß des Kosovo. Die Albanisch-Amerikanische
Liga AACL proklamiert dabei ein Großalbanien, das Albanien, den Kosovo sowie
Teile Makedoniens, Montenegros und Griechenlands umfaßt. Sie mobilisiert
geschickt die amerikanische Öffentlichkeit, sammelte Millionen von Dollar für die
43 Vgl. ausführlich Stamm, Christoph, Zur deutschen Besetzung Albaniens 1943-1944, in:
Militärgeschichtliche Mitteilungen 2/1981, S. 99ff.
44 Simpson, Christopher, Der amerikanische Bumerang, Wien 1988, S. 156f.
23
UCK und sprach erfolgreich im Nationalen Sicherheitsrat vor, um die US-Militärs für
eine Kooperation mit der Rebellenarmee zu gewinnen. Der Direktor des AACL
Joseph DioGardi beschwor Clinton in einem offenen Brief: „Mister President, wie
viele Albaner müssen sterben, bevor wir das Richtige tun, nämlich die UCK
bewaffnen - wie wir es mit den Kroaten in Bosnien getan haben - und NATOBodentruppen
einsetzen, um den Völkermord zu stoppen und zu vollenden, was wir
begonnen haben?„
Optimisten hoffen, unter amerikanischem Einfluß würde eine neue UCK entstehen,
die wenigstens zum Teil umsetzt, was sie an Versprechungen für eine Demokratie in
ihrem Machtbereich öffentlichkeitswirksam verbreitet. Doch ihr absehbarer Umgang
mit der politischen Opposition spricht nachhaltig dagen. Ibrahim Rugova wurde als
Verräter gebrandmarkt und hat bereits Todesdrohungen aus den Reihen der UCK
erhalten. Sollte Salman Rushdie beim deutschen Außenminister so vergebens an die
Aufgabe der Unterstützung der Verfolger des Schriftstellers Rugova appellieren, wie
er es in eigener Sache beim Amtsvorgänger Fischers tat? Schon, was die UCKFlügel
eint, militanter Nationalismus mit großer Sprengkraft für die Region, hätte vor
Wochen noch grüne Sympathie nicht gefunden. Was sich bei Joschka Fischers
Tupamaros an linkem und rechtem Extremismus vereint und vermischt, war den
Delegierten in Bielefeld wohl nicht bewußt, als „ihr„ Außenminister sie auf den neuen
Waffengefährten einschwor. Wer die UCK aus parteitaktischen Gründen mit dem
Nimbus von Freiheitskämpfern für eine humanitäre Demokratie versieht, heult mit
den Grauen Wölfen. In Bielefeld Abkömmlinge der Sturmtruppen Hitlers und
Hodschas auf dem leuchtenden Pfad grüner Kriegslogik marschieren zu lassen,
zielte auf die Linderung urgrüner Bauchschmerzen. Kopfschmerzen hätte es nicht
geheilt. Um wiederum mit Frank Schirrmacher zum Abschluß zu kommen: „Das
Pentagon und die Rhetorik Fischers – das sind nur zwei Beispiele für den ungeheuer
didaktischen Charakter, den der gegenwärtige Krieg von Anfang an angenommen
hatte„ – weithin eine Didaktik der Lehre vom gerechten Krieg. Für jede Didaktik aber
gilt, was Herwig Blankert, Siegfried Bernfelds Einsichten aus dem Jahre 1925
referierend, ihr an Grenzen setzt, sie ist eben „kein Modell für eine pädagogische
Wissenschaft, sondern die Karikatur ihrer Impotenz: Alle Kärrnerarbeit ist, weil zu
kurzatmig angesetzt, im falschen Bewußsein getan„.
24
Im August 1998 ging der albanische Premier Fato Nano mit dem Problem der
militanten Fundamentalisten, die als Mitstreiter der UCK nach Albanien geströmt
waren, in die Öffentlichkeit, nachdem er zuvor von der US-Botschafterin Lyno über
die Cruise-Missile-Schläge gegen eine Fabrik in Sudan und das Hauptquartier Ibn
Ladens in Afghanistan unterrichtet worden war. Seit Juli gab es in Albanien bereits
eine strenge Kontrolle einreisender Araber und einige Verhaftungen von
Fundamentalisten. In Sarajewo hatten die USA erst nach dem Kriege nachhaltigen
Druck ausgeübt, um Izetbegovic zur Vertreibung seiner aus Teheran entsandten
nachrichtendienstlichen und militärischen Helfer zu zwingen, in Tirana ist
offensichtlich in dieser Hinsicht Vorsorge getroffen worden. Der Finanzierung der
UCK durch Ibn Laden und einer Ausbildung kosovarischer Rebellen in Afghanistan45
schieben die Amerikaner ebenfalls Riegel vor. Daß sich bei der UCK weiterhin
Moslem-Kämpfer befinden, steht dazu nicht im Widerspruch. Vielmehr handelt es
sich, wie bei der GIA in Algerien, um Afghanistan-Veteranen der CIA, will meinen:
Die CIA schickt wieder ihre Afghanen ins Rennen und setzt bei der UCK auf eine
Waffenbrüderschaft mit europäischen Muhadscheddin.
Der Bundesnachrichtendienst ist 1999 von den Berufskollegen aus Langley — wie es
neudeutsch heißt — getopt worden. Mit zunehmender Wichtigkeit der Rebellenarmee
hat die CIA den BND entmachtet, ähnlich wie ab dem Dezember 1994 in Zagreb, als
der US-Geheimdienst die von Pullach über Jahrzehnte an die poltische Macht
geführte Ustascha-Bewegung unter seine Fittiche nahm.
Kontakte bestehen zwar weiterhin zwischen UCK-Führern und ihren Ziehvätern in
Pullach, aber seinen Einfluß hat der Bundesnachrichtendienst auch deshalb verloren,
weil die Bundesrepublik Deutschland ernsthaft und zuletzt mit den G-8-Beschlüssen
an der Entwaffnung der UCK festhält, während sich die USA — nachrichtendienstlich
allemal — die Option offenhalten, die Rebellenarmee zu ihrer Bodentruppe zu
machen. Nachdem der "Fehltreffer" amerikanischer Kampfflugzeuge auf chinesische
Botschaft in Belgrad zunächst in völlig unglaubwürdiger Weise auf veraltete Stadtpläne
der CIA geschoben wurde, machte anschließend die Variante die Runde, ein UCKKämpfer
habe vorsätzlich eine Lasermarkierung für die NATO-Bomber auf die
Vertretung Pekings gesetzt46. Ganz sicher war dieser Luftangriff ein Anschlag auf die
G-8-Entscheidung zur bestimmenden Rolle des Weltsicherheitsrats bei der
45 Vgl. SZ vom 5.5.1999
46 Vgl. die Agentur agi vom 14.5.1995
25
Einsetzung einer Übergangsverwaltung für die Provinz Kosovo und gegen die
beschlossene Demilitarisierung der UCK. Da ist nur noch die Frage offen, wo der
angelsächsische Führungsoffizier des UCK-Manns sich aufhielt, als die Lasermarke
gesetzt wurde.
Das auf dem Bielefelder Sonderparteitag am 13. Mai 1999 von Joschka Fischer
vorgebrachte Argument, der rot-grüne Kriegskurs sei auch eine Folge zehnjähriger
verfehlter Politik der Kohl-Regierung, ist insofern nicht unbegründet, als die alte
Bundesregierung durch ihre Geopolitik in Albanien und im Kosovo die
Bürgerkriegssituation dort seit 1996 mitzuverantworten hat. Er blendet jedoch völlig
aus, daß die Union der Selbstmandatierung der NATO wohl nicht zugestimmt hätte.
Das zeichnete sich bereits im Juni 1998 ab, als Volker Rühe und Klaus Kinkel auf
einem UN-Mandat für jeden Militäreinsatz beharrten, während Gerhard Schröder als
Kanzlerkandidat auch Optionen ohne UN-Mandat in Betracht ziehen wollte47.
In welcher Weise die frischgebackene und in so vielen Politikfeldern ungefestigte rotgrüne
Bundesregierung seit Oktober 1998 und vor allem in Rambouillet sich ohne
nachhaltige Widerrede auf US-Kurs zwingen ließ, hat das ZEIT-Dossier "Wie
Deutschland in den Krieg geriet" vom 12. Mai 1999 vor Augen geführt. Joseph
Fischer, der sich auf dem glatten internationalen Parkett so sicher zu bewegen
schien, ist ausgerutscht und hart gefallen. Eine für manche und manchen aus der
Friedensbewegung bittere Erkenntnis daraus lautet: Ein für eine letzte halbe Amtszeit
als Kanzler wiedergewählter Helmut Kohl hätte sich nicht von Bill Clinton in 15
Minuten zur Entscheidung über Krieg und Frieden drängen und als
Scheinselbständiger behandeln lassen. Er hätte alles getan, um Europa diesen Krieg
zu ersparen. Bei Asylinitiativen findet diese fundamentale Veränderung bei der
Orientierung auf politische Treuhänder ihre Entsprechung darin, daß die Union im
Bosnien-Krieg über 300.000 Flüchtlinge in Deutschland aufnahm, während Otto
Schily - als Schröder und Fischer von der größten humanitären Katastrophe in
Europa nach dem Zweiten Weltkrieg sprachen - das Boot mit 10.000 Kosovarinnen
und Kosovaren schon als voll, den deutschen Vergnügungsdampfer als überfüllt
ansah. Wenn Rudolf Scharping seinen Blick in die Mikrofone senkt, ist vielfach von
Zynismus die Rede. Auch ihn darin zu überbieten, eint das Kabinett.
47 Vgl. FR vom 10.6.1998
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Die französische Regierung hatte vor Beginn der NATO-Luftangriffe davor gewarnt,
daß die westliche Allianz mit dem Beginn des Bombardements in die Rolle der
schweren Artillerie und der Luftstreitkräfte schlüpfen würde. Im Umkehrschluß
bedeutet dies, daß die UCK als leichte Infanterie der NATO - sei es in einem
angelsächsisch geführten Bodenkrieg, sei es auf sich allein gestellt – hätte in die
Großoffensive gehen können. Vordergründig hatte dies den militärischen Vorteil, daß
die ortskundigen und teilweise im Partisanenkampf erfahrenen UCK-Kämpfer
entsprechend munitioniert dem serbischen Militär schwerere Schäden hätten zufügen
können, als es die Luftschläge der NATO vermochten. Überdies hätte ein hoher
Blutzoll bei der UCK als "Kanonenfutter" der NATO in keinem westlichen Land zu
innenpolitischen Turbulenzen geführt.
Diese Option barg jedoch zwei dramatische Gefahren: Einerseits hätte die UCK
schon während des Krieges grausame Rache an den serbischen Zivilisten im Kosovo
genommen und die NATO damit zum Schirmherrn neuer Greueltaten gemacht.
Andererseits hätte die UCK aus ihrem militärischen Engagement den politischen
Anspruch abgeleitet, bei den Verhandlungen zur Nachkriegsstruktur des Kosovo mit
einem Monopolanspruch auf der kosovarischen Seite des Verhandlungstisches zu
sitzen. Ibrahim Rugova wurde von zahlreichen UCK-Sprechern bereits als Verräter
gebrandmarkt48 und seine nach der Freilassung in Rom bekräftigten gemäßigten
Positionen veranlaßten die USA, der Rebellenarmee auch das politische Feld ganz
zu überlassen. Rugovas jüngste Standortwahl in Deutschland machte ihn nun zu
einer zentralen Figur in den Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und den
USA um die territoriale Neuordnung der Region.
Für die Nachkriegsordnung auf dem Balkan entsteht durch die amerikanische
Komplizenschaft mit der UCK neues Konfliktpotential, das sich an mindestens drei
Gefahrenpunkten festmachen läßt: Erstens hat der israelische Außenminister Sharon
am 7. April 1999 nachdrücklich vor einem Großalbanien als einem Hort des
internationalen Terrorismus gewarnt49 u