Erster Prozess wegen organisierter Kriminalität in Montenegro

Im Visier der montenegrinischen Sonder-Staatsanwaltschaft



Es ist ein Fortschritt im Kampf gegen das organisierte Verbrechen. In Podgorica ist erstmals ein Gerichtsverfahren wegen internationalem Menschenhandel eröffnet worden.


Anklage erhoben hatte die Sonder-Staatsanwältin Stojanka Radovic gegen drei Personen aus Montenegro und eine Staatsbürgerin der Ukraine. Ihnen wird vorgeworfen, „von April 2003 bis August 2004 Menschenhandel organisiert zu haben, um sich daran zu bereichern“. Die Angeklagten sollen mehrere Dutzend Personen, viele von ihnen Ukrainer, nach Montenegro eingeschleust haben. Dort wurden sie dann illegal beschäftigt. Die Beschuldigten wiesen indes alle Anklagepunkte der Staatsanwältin zurück und betonten, die Ukrainer hätten in Montenegro selbständig eine Beschäftigung gesucht und gefunden.



Forderung nach einem korrekten Verfahren



Dieses Gerichtsverfahren hat in der montenegrinischen Öffentlichkeit für große Aufmerksamkeit gesorgt. „Das ist nachvollziehbar, weil es sich um den ersten Prozess wegen organisierter Kriminalität handelt und die montenegrinische Regierung unwillkürlich einräumen musste, dass dieses Phänomen auch hier existiert“, so der Vorsitzende des Juristenverbandes von Montenegro, Stanko Maric. Er äußerte die Hoffnung, „dass dieser Prozess standardgemäß durchgeführt wird. Aber allein deshalb schon, weil dieser Fall verhandelt wird, glaube ich, dass dieses Verfahren korrekt und im Einvernehmen mit den Standards geführt wird.“ Nach Ansicht von Maric ist die montenegrinische Regierung noch nicht vollends dazu bereit, dem organisierten Verbrechen und der Korruption Einhalt zu gebieten: „Allerdings machen dies die Umstände einfach zwingend erforderlich. Ich glaube, dass wenigstens ein Teil der Fälle verhandelt wird.“



Weitere Ermittlungen gegen Drogenschmuggler



Unterdessen ermittelt die montenegrinische Sonder-Staatsanwältin auch gegen einen 24-jährigen aus Berane, Vuskan Cemovic. Er ist in Italien als Anführer eines internationalen Drogenschmuggel-Netzwerks angeklagt, das im Dezember vergangenen Jahres versucht haben soll, aus Venezuela über Italien 200 Kilogramm Heroin nach Serbien und Montenegro einzuschmuggeln. Der Wert der beschlagnahmten Drogen auf dem europäischen Schwarzmarkt wird auf 125 Millionen Euro geschätzt. Cemovic war bis vor kurzem für den montenegrinischen Zoll tätig und verfügt über ausgezeichnete Verbindungen zum Innenministerium von Serbien und Montenegro.



Podgorica erwartet in Kürze einen Auslieferungsantrag, damit der Prozess gegen Cemovic in Italien stattfinden kann. Dort sieht die Gesetzgebung für solche Straftaten eine bis zu lebenslange Haft vor. An dieser Straftat sollen etwa 20 Personen aus Serbien-Montenegro und Italien beteiligt gewesen sein. Die bisherigen Ermittlungen haben ergeben, dass sich die Zentrale für Drogenschmuggel aus Lateinamerika in Belgrad befand und Bar und Vranje als „Zweigstellen“ dienten.



Mustafa Canka, Ulcinj,
DW-RADIO / Serbisch, 17.1.2005

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